Meine Freundin hatte ich einen Rückfall ...

  • und deswegen beschäftige ich mich wieder verstärkt mit unserer Krankheit!

    Nein, aus den Augen habe ich sie nie verloren seit meiner Trockenheit, ganz im Gegenteil. Ich bin der Meinung, das Zeichen meiner Chance, ein besseres Leben zu führen, erkannt zu haben, ich gehe sogar so weit, zu sagen, dass ich durchaus stabil bin! Und nun kommt Ihr!
    Aha, da ist so eine Oberschlaue, die der Meinung ist, alles zu wissen und sich völlig im Griff zu haben. Zu meinen, die Grundbausteine, die Du meinst, Biene, sich verinnerlicht zu haben und den richtigen Schalter zur richtigen Zeit gedrückt zu haben.
    Ja, so weit stimmt das auch, aber so einfach ist das leider nicht, sonst wäre ich ja nicht hier oder in einer Gruppe.
    Oder ich hätte mir nicht von meiner Freundin weismachen lassen, dass sie alkoholfreies Bier trinken würde und nach einer halben Stunde hatte sie den Verlust ihrer Muttersprache zu beklagen (ich lernte sie im Entzug kennen, sie hatte keinen so guten Start, hatte zwei mal Rückfälle, ist aber seit März trocken gewesen). Ihr selbst war es nicht aufgefallen, dass sie regelrecht blau war und wäre, wenn ich nicht da gewesen wäre, auch noch Auto gefahren. Ich war total geschockt, nein, ich bin es noch. Da war kein Erkennen, dass sie betrunken wurde? Sie hatte kein erkennbares Problem und am nächsten Tag hat sie es sogar als positives Erlebnis abgetan, mit den Worten, es sei ja nicht so schlimm, dass sie wieder zum Kiosk hätten rennen müssen. Dazu fiel mir echt nichts mehr ein.
    Ich war so sauer über diese Situation und über diese Leichtfertigkeit, damit bin ich bis jetzt noch nicht durch!

    Lobanshee

  • Hallo Lobanse,
    Du hast bei Koko geschrieben

    Zitat

    Das Schwierige ist nur, inwieweit man seinen Stolz über die geschaffte Zeit aufschreiben kann, ohne überheblich zu wirken oder abzuschrecken.

    Verstehe ich nicht, wieso soll Stolz auf mein oder auch Deine Geschafftes überheblich wirken??

    Es ist Dein Leben und Deine Gedanken und wenn Sie die gut tun, dann schreib darüber.

    Auch wenn Du zweifelst oder etwas nicht verstehst, ist es ok, schreib darüber.

    LG kawi

  • Hallo Kawi!

    Als ich nach zwei Wochen des bisher einzigen Entzuges entlassen wurde, gab es ein letztes Gespräch mit dem Arzt auf der Station. Er fragte mich, wie es mir ginge und da ich dazu neige, meine Gedanken und Gefühle eher ungefiltert raussprudeln zu lassen, habe ich es gesagt, wie es mir geht, nämlich erleichtert und es endlich verbrieft zu haben, dass ich Alkoholikerin bin. Für mich war und ist es notwendig gewesen, um mich selber nicht mehr belügen zu können, es eventuell doch nicht zu sein, sondern es nur als eine besonders schlimme Phase in meinem Leben zu betrachten.
    Naja, als ich so voller Elan und von mir selbst überzeugt vor ihm saß, und das von mir gab, sah er mich nur an. Ich fragte daraufhin, ob ihm etwas daran missfallen würde. Daraufhin sagte er mir, ich sei ihm zu euphorisch und sollte mich ein bisschen zurücknehmen.
    Zuerst war ich total geschockt und fühlte mich ungerechtfertigt getadelt. Aber im späteren Nachdenken habe ich erst die richtige Tragweite dessen, was es heißt, sagen zu müssen, Alkoholiker zu sein, begriffen.
    Als ich mir dann hier einen Hausarzt suchen mußte, mein bisheriger Hausarzt war noch in meinem früheren Wohnort, wurde mir ungefähr das gleiche Gefühl rübergebracht. Als ich ihm sagte, ich sei seit 3 Wochen trocken, sagte er mir, dass sei zwar schön, aber ich solle ihm verzeihen, wenn er da sehr skeptisch sei.
    Seitdem bin ich vorsichtig mit meiner Aussage über mein Glücksgefühl!

    Darf ich mir nach so einer kurzen Zeit des Trockenseins zutrauen, Vertrauen zu mir selbst zu haben? Oder geht es immer einher mit dem Gefühl, sich zurückzuschrauben, denn es könnte ja auch anders kommen?

    Wenn ich mein Geschreibsel so lese, habe ich irgendwie das Gefühl, ich suchte nach einer Gebrauchsanweisung! :oops:

    Lobanshee

  • Hallo Lobanshee,

    das was mir gut tut mache ich. Wenn es mir gut tut mich zu freuen dann mache ich es, ich taurig bin, dann lasse ich meine Gefühle raus, wenn ich stinkig bin, dann schreie ich auch laut.

    Für Deine Zeit des Trockenseins, vertraue Dir, vergiss es nicht wenn es Dir schlecht.
    Gerade in der ersten Zeit habe ich auch ein Wechselbad der Gefühle durchlebt und wenn es mir schlecht ging habe mich an die Zeit erinnert wo es mir gut ging.

    Das war meine Grauchsanweisung für mich.

    Sicherlich kann Deine Glücksgefühle nicht jeder verstehen, aber hier schon, schreib über sie und schreib auch wenn es dir nicht so gut geht.
    Liebe Grüsse kawi

  • Hallo Biene!
    Es geht mir gut, danke!

    Habe heute mein TB angefangen. Musste mich erstmal hier zurechtfinden und habe viel gelesen, gerade Dein TB hatte es mir angetan!

    Wie Du in meinem TB lesen wirst, geht es mir sehr gut und ich habe mich damit abgefunden, Alkoholikerin zu sein, ich nehme das an. Etwas anderes bringt mich nicht weiter. Wenn man hier im Forum so manche Beiträge liest, wie sich einige Brücken bauen, um doch eventuell ein Hintertürchen zu
    haben, das erschreckt schon, aber da muss jeder selber durch. Nur durch Erfahrung wird man klug und jeder muss seinen persönlichen Tiefpunkt erleben und durchmachen. Leider ist das so!

    Liebe Grüße an Dich

    Lobanshee

  • Servus lobanshee !

    Zitat

    Darf ich mir nach so einer kurzen Zeit des Trockenseins zutrauen, Vertrauen zu mir selbst zu haben? Oder geht es immer einher mit dem Gefühl, sich zurückzuschrauben, denn es könnte ja auch anders kommen?

    Du kannst und sollst Vertrauen zu dir haben egal wie lange du trocken bist. Alle trockenen Alkoholiker ganz gleich wie lange sie trocken sind sind immer nur eine Armlänge vom ersten Glas entfernt und dieses stehen zu lassen ist unser tägliches Ziel.
    Gerade in der Anfangszeit zählt man die trockenen Tage, die Wochen die Monate und ist stolz darauf. Das kannst du auch sein ohne jedoch die Arbeit an einer stabilen, zufriedenen Nüchternheit zu vernachlässigen.

    Blein weiter dran- Tag für Tag !

    Lg
    Andreas

    carpe diem

  • 23.08. "Meine Freundin hatte einen Rückfall ...."
    Mein erster Thread hier. Ich müsste jetzt nachsehen, aber ich meine, es sei ein Sonntag gewesen und ich war so ohne Ende sauer und traurig, nicht auf sie sondern irgendwie auf irgendwas!

    Hatte ich geschrieben, dass sie am nächsten Tag auf meine Frage, wie es ihr denn heute morgen gehen würde, antwortete: "Sehr gut, ich sehe das ganze positiv, musste heute nicht gleich zum Kiosk laufen, so dass ich weiß, ab und zu kann ich doch mal!"
    Naja, sagte ich, das sollte aber nicht das Ergebnis Deines Rückfalles gewesen sein, aber so sieht sie es.

    Sie meint, sie sei halt ADHSlerin und die würden sich mit Regeln schwertun und hätten eben Probleme damit, sich einstehen zu müssen, nie wieder trinken zu dürfen, sondern es auch ab und zu könnten. Das würde ihr in ihrer Trockenheit mehr helfen. Auf meinen Einwand, dass sie doch tagtäglich irgendwelchen Regeln unterstellt ist, wie z. B. ihre Arbeit und auch die Straßenverkehrsordnung :D , wußte sie auch nicht so richtig drauf zu antworten. Das wäre ja normal, das wäre halt so.

    Und das mit dem Alkohol ist auch so, habe ich geantwortet, und es hat nichts mit "nie wieder trinken dürfen" zu tun, sondern mit "Gottseidank, ich brauche nie wieder", aber das erreicht sie nicht.

    Tja, und gestern hat sie mich abgeholt mit ihrem Auto. Sie ist ja auch eine wirklich sehr liebe hilfsbereite. Es waren zwei Angebote in zwei verschiedenen Baumärkten und da ich kein Auto besitze, hatte sie sich angeboten, mich zu fahren. Als ich einstieg und mich anschnallte, meine ich kurz Alkohol gerochen zu haben, allerdings war auch die Wischanlage angewesen. Dann roch ich Pfefferminz. Unterwegs sagte sie nicht viel, im Gegensatz zu sonst, wo sie ohne Ende erzählt und auch fast nie richtig zuhört. An der Kasse im Baumarkt wandte ich mich im Gespräch ihr zu und wir standen ziemlich dicht. Sie wich mit ihrem Kopf nach hinten. Meine Regale verpackte sie umständlich hinter den Sitzen und nicht im Kofferraum. Den machte sie gar nicht auf. Sonst ist immer die Rücksitzbank umgelegt und alles offen.
    In einem großen Supermarkt gegenüber dem Baumarkt gingen wir noch einkaufen, da ihre Eltern heute aus Spanien wiederkommen und die mögen gerne mal ein Bier am Abend. Also kaufte sie ein 6erPack.

    Alles war anders, alles war komisch und ich bin mir sicher, sie ist wieder gut dabei. Nichts gelernt, nichts angenommen, nichts angekommen.

    Aber es ist nicht meine Baustelle, da muss jeder durch. Es fällt nur schwer, daher verstehe ich auch "Karstens Verzweiflung", wenn sich manche Menschen nicht helfen lassen.

    Und dann möchten noch manche Menschen Antworten bekommen, wie sie die mpu bescheissen können, anstatt vor so einer Untersuchung überhaupt nichts zu trinken, ist unfassbar. Die dürften überhaupt nicht mehr ans Steuer.

    Lobanshee

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