Es rattert in meinem Kopf

  • Hallo Matit,

    erst mal herzlich Willkommen hier.

    Da haste ja schon so Einiges hinter Dir.
    Ich bin nun auch 6 Monate trocken, trocken bin ich mit dem Forum und ärztlicher Unterstützung geworden.

    Jeden Tag, tut sich immer irgendeine Möglichkeit auf, habe Geduld, es wird sich bestimmt auch mal was bei Dir ergeben.

    MLG Marion

  • Hallo,Matit :)
    Ich kenne das gut, dieses sich immer wieder in der Vergangenheit verlieren, das was- wäre-wenn- Grübeln und die Schuldgefühle, die daraus resultieren :oops:
    Habe da auch so meine Probleme, versuche aber, es mehr und mehr zu reduzieren, Während meines letzten Klinikaufenthaltes im Juni hat ein Mitpatient mal zu mir gesagt: "Hör auf, dich immer nach deiner Vergangenheit umzudrehen, so lange du nicht aufhörst, siehst du die Zukunft nur mit dem Hintern". Ist was whres dran, finde ich, ich kann nicht so tun, als gäbe es nicht, sie ist ein Teil von mir und ich werde sie nicht auch nicht vergraben können, aber ich finde, Rückblicke- okay, sie sind wichtig, aber die Zukunft ist wichtiger. Guck nach vorn, nur die Zukunft kannst du bestimmen, die Vergangenheit nicht.
    Klingt vielleicht etwas philosophisch, hilft mir aber, mich immer wieder auf meinen Weg zu besinnen.
    Wenn ich daran denke, was alles nicht passiert wäre, wenn ich eher aufgehört hätte zu trinken... :roll:
    Hab ich aber nicht, punkt. Aber es ist nicht zu spät, ich glaub an mich und sehe, bzw. lese hier auch, dass ein trockenes Leben einem ganz ungeahnte Möglichkeiten bringen kann. Ich habe noch einen langen Weg vor mir, das weiß ich, aber ich hoffe, ich kann ihn meistern, mit klarem Kopf.
    Liebe Grüsse, Laufschnecke

  • Hallo Mattie,


    Zitat

    Mir helfen am besten lange Spaziergänge im Wald, jedoch fängt das Rattern in meinem Kopf immer wieder an.


    Mein Therapeut hat mal gesagt... joggen wäre ne gute Möglichkeit
    a) frische Luft
    b) Natur
    c) Gleichmäßigkeit der Schritte
    d) Schwitzen = notwendiger Adrenalinabbau

    Vielleicht hilft dir das gleichmäßige Atmen, beim Abbau des Ratterns im Kopf

    LG

  • Hallo Matit,

    über sich selber nachzudenken, ist eine Sache. Darüber nachzudenken, was andere denken, eine andere.

    Natürlich müssen wir Alkoholiker uns mit beidem auseinandersetzen, aber wir müssen uns andere Sichtweisen aneignen. Zum Beispiel, wie denke ich über mich und mein Leben nach, ohne dass es mir weh tut und mich total runterzieht und inwieweit können andere über meine Krankheit urteilen oder sich ein Urteil über mich als Person bilden zu können oder überhaupt zu dürfen!

    In meiner 14-tägigen Entgiftung habe ich 2 Filme gesehen. Eines war ein Ein-Personen-Bühnenstück über einen Alkoholiker (sicherlich hier bekannt), der andere Film handelte von einer Alkholikerin, die zwei Kinder hatte, deren Mann an Malaria starb, und sie dann ekzessiv zu trinken begann. Zum Schluss wurde sie aus Not von ihrem eigenen Sohn mit einer Weinflasche erschlagen. Dieser Film war unglaublich erschreckend, denn die anschließende Gerichtsverhandlung über den Totschlag an der Mutter wurde von einer Richterin gesprochen, die man kurz vor der Urteilsverkündung in einem Raum sah, also ihrem Büro. Sie ging dort an den Schrank, holte einen Flachmann heraus und trank einen großen Schluck! Und das, obwohl die gesamte tragische Geschichte einer Alkoholikerin in ihrem Geichtssaal vorher durch die beiden Kinder abgespult worden war. Das war zwar nur eine nebensächliche Szene, aber so was von überdeutlich für mich: Nämlich, dass es mit Sicherheit eine ganz große Zahl von Mitmenschen gibt, die es noch vor sich haben, was wir gerade hinter uns bringen wollen!
    Mit dem Trinken aufzuhören, ist das Beste, was uns allen passieren kann. Du stehst noch am Anfang Deines Lebens. Mach jetzt was draus. Je länger du wartest, umso größer werden Deine Probleme.

    Also, aufarbeiten ist gut und schön, aber nicht hadern mit dem Schicksal. Das ist zu gefährlich und bringt Dich nicht weiter. Glaube es einer, die 20 Jahre mit Trinkerei verbracht hat und sich immer wieder fragte, was man sich da eigentlich antut. Das ist ein langsamer Tod und in keinem Fall eine Lösung irgendwelcher Probleme!

    Lobanshee

  • Servus Matit !

    Nachdem du viermal die Woche in eine reale SHg gehst, könntes du ja das Thema Vergangenheitsbewältung einmal vorschlagen um dich auch von Angesicht zu Angesicht mit anderen Betroffenen auszutauschen.
    Vergangenes als einen Teil seines Lebens und seiner Peersönlichkeit anzunehmen gehört sicher zu den schwierigsten Aufgaben im zuge der Trockenheitsarbeit. Manche schaffen es alleine, durch eine SHG und manche brauchen dazu auch therapeutische Unterstützung.
    Was bei dir notwendig sein könnte musst Du selbst herausfinden!

    Ich selbst habe mit meinem dunklen und nassen Teil meiner Vergangenheit abgeschlossen mache Pläne für die Zukunft aber leben, so richtig leben tue ich nur im heute. Tag für Tag.

    Und lange Spaziergänge bzw. Ausdauersport sind überhaupt das beste um den Kopf frei zu bekommen ganz egal welche Probleme anliegen!

    LG
    Andreas

    carpe diem

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