Hallo Erdling,
immer wenn ich davon höre, dass ein Mensch erst lange nach seinem Tod gefunden wurde, werde ich traurig. Was ist im Leben dieses Menschen so schief gelaufen, dass er vollkommen alleine war? Niemand sollte so alleine sein und das macht mich traurig. Wenn das mit der eigenen Mutter passiert ist es sicherlich noch um einiges schlimmer.
Vor allem im letzten Lebensjahr meiner Mutter überkam mich oft eine ähnliche Trauer. Wie Du selbst sicherlich weißt, macht saufen einsam. Sie war einsam, dazu kam noch ihr Selbstekel, ihre Verzweiflung über ihre Sucht. Ihr selbst geschaffenes Elend machte mich traurig, ich sah, dass sie es gerne anders gehabt hätte, aber es nicht schaffte. Auch wenn ich wusste, dass ich ihr nicht helfen konnte und es auch nicht mehr versucht habe, war der Wunsch es zu können trotzdem da.
Doch genauso wie nur in Deiner Hand liegt trocken zu werden, lag es allein in der Hand meiner Mutter dies zu tun. Warum sie es nicht geschafft oder gewollt hat, werde ich nie erfahren. Ebenso hat es allein in der Hand Deiner Mutter gelegen ihre Situation zu ändern, ihrem Leben Inhalt zu geben. Warum sie es nicht getan hat, wusste auch nur sie allein. Du konntest da ebenso wenig etwas tun bzw. ändern, wie ich bei meiner Mutter. Jeder ist für sein Leben selbst verantwortlich.
Genauso ist es auch in Deiner Beziehung, um mal auf das Ursprungsthema zurück zu kommen. Du bist für Deinen Part verantwortlich, nicht für den Deiner Freundin. Das Warum ihres Verhaltens sollte nicht maßgebend für Deine Entscheidungen sein, sondern ob Du mit ihrem Verhalten umgehen kannst oder nicht. Wo ist Deine eigene persönliche Grenze? Wird sie überschritten oder nicht? Die Frage ist kannst Du so wie es ist mit ihr leben oder nicht?
Die Frage ist nicht wirst Du glücklich und zufrieden, wenn sie sich ändert. Das ist genau das gleiche, als wenn ein Angehöriger sagt, mir geht es besser und ich werde glücklich, wenn der Alkoholiker aufhört zu trinken. Für das eigene Glück muss man selbst sorgen, alles andere ist nur eine andere Form von Abhängigkeit.
ZitatUnd deswegen sind event. Beziehungsprobleme auf bessere Zeiten verschoben.
Was sind den bessere Zeiten? Gibt es Zeiten die für die Klärung von Beziehungsproblemen besonders gut geeignet sind? Ich denke, auf der einen Seite ist die Zeit ist dafür nie günstig. Auf der anderen ist immer die richtige Zeit, denn die Beziehung betrifft das eigene Leben, dafür sollte immer die richtige Zeit sein. Auf mich wirkt das so, als hättest Du im Grunde schon eine Entscheidung getroffen, traust Dich aber aus irgendwelchen Gründen nicht oder traust Dich nicht eine Entscheidung zu treffen, aus Angst vor den Konsequenzen derselben. Auf mich wirkt das wie eine Flucht und dann stelle ich mir die Frage bist Du nicht schon lange genug geflüchtet?
Erdling, es ist Dein Leben und nur Du hast es in der Hand was daraus wird. Es gedauert, bis ich das für mich begriffen haben. Erst hatte ich Angst, denn nachdem ich es einmal begriffen hatte, gab es kein zurück. So konnte ich mich nicht mehr hinter anderen oder anderem verstecken. Ich hatte Angst die Verantwortung für mich selbst zu tragen. War es doch vorher einfacher, da konnte ich nicht weil........ , da ging etwas nicht, weil und aber..... Ich konnte mich verstecken, jetzt gab es dafür nicht mehr den kleinsten Strauch, ich kam mir nackt und verletzlich vor.
Irgendwann habe ich gesehen, was das für eine Freiheit beinhaltet. Ich bin für mich verantwortlich, nur für mich, für niemand anderen und was genauso wichtig ist, niemand ist für mich verantwortlich, das ist Freiheit pur. Die würde ich für nichts mehr hergeben.
Gruß
Skye