Wenn der Alki trocken wird aber der Partner ein Co bleibt

  • Servus Erdling,

    die meisten Beziehungen, die zwischen einem Alkoholiker und einem Nicht-Alkoholiker auseinander gehen, gehen nach der nassen Zeit des Alkoholikers auseinander.

    Warum?

    Sehr oft verändert sich nur der Alkoholiker, der Partner verharrt in alten Verhaltensmustern.

    Das kann den Alkoholiker, der ja nun auch ganz andere Ansprüche an sein eigenes Leben und den Umgang untereinander hat, der sein Selbstbewusstsein wiedergefunden hat, nicht dauerhaft zufrieden stellen.

    Ich stimme Deiner Therapeutin zu, Deine Gefühle sind gut so, wie sie sind. Und ich sehe auch keinerlei Grund für Dich, in irgendwelcher "Demut" vor anderen Menschen zu verharren.

    Du bist für Dich trocken geworden, und damit ist Deine "Schuld des Saufens" (ich hasse diesen Ausspruch!) getilgt - jedem gegenüber und ohne weitere Diskussion!

    Erdling, wenn Deine Partnerin in ihrer Rolle verharren will/muss, dann kannst Du das nicht ändern. Auch wenn es Dir vielleicht schwer fällt, Du kannst nur Dein Handeln verändern und Dir eventuell überlegen, ob Du diese Partnerschaft dann noch weiterführen willst oder lieber beendest.

    So wenig wie Dir jemand Deine Trockenheit "erarbeiten" konnte, kannst Du das bei Deiner Partnerin und ihrer Lebenseinstelleung ändern.

    LG
    Spedi

    Ich drück' Dir die Daumen!

  • hallo erdling

    das ist natürlich richtig bescheiden. hm... bist du sicher das diese eifersucht sich erst bei ihr entwickelt hat oder war sie schon immer krankhaft eifersüchtig und du hast es im suff nur nicht geschnallt? vielleicht hatte sie ja dieses co-verhalten schon immer und hat sich geziehlt einen trinker gesucht, möglicherweise ja unbewußt. das wäre mal raus zu finden. nur, wenn sie das nicht ändern will, dann kann es auch nicht wirklich eine zukunft für euch geben, das hat seine eigene dynamik und könnte auf dauer deine trockenheit gefährden. ich kann dir hier wirklich nur raten ihr eine klare ansage zu machen, wie wir das bei alkis machen, entweder du tust was oder ich gehe. mutet sicher alles etwas paradox an, aber das kann auch realität sein die genau so schwer zu kapieren ist wie die tatsache alki zu sein.

    doro

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Hi Erdling, ich bin ja mit meinem halben Jahr Abstinenz noch viel frischer hier dabei als Du und normalerweise halte ich mich deshalb lieber zurück mit Kommentaren.

    Aber ich kann gut nachvollziehen, dass Dich das beschäftigt. Wir sind in einem ähnlichen Alter, und Beziehungen sind nicht mehr nur einfach so zum Spaß da. Zwar ist es bei mir natürlich anders, aber auch ich habe Probleme in meiner Beziehung seit ich ohne Alkohol und Drogen lebe. Aus eben dem Grund, den Spedi genannt hat: Ich habe mich verändert, aber meine Freundin nicht.

    Ich habe für mich erstmal die Entscheidung getroffen geduldig zu sein, und auch meine Freundin hat inzwischen eingesehen, dass es ok ist, eine schwierige Zeit zu erleben. Mit den Zweifeln an einer Beziehung zu leben ist manchmal notwendig, aber natürlich ist es nicht leicht. Ich denken es muss eine Perspektive erkennbar sein, dass sich was ändert. Sonst bleibt als Konsequenz nur eine Trennung. Solche Entscheidungen sind immer eine Gratwanderung, und jeder ist anders was seine Kompromissbereitschaft angeht.

    Eifersucht ist ja ein klares Zeichen von Unsicherheit. Ich könnte mir vorstellen, dass Dein Aufblühen im trockenen Leben, Dein neugewonnenes Selbstbewusstsein und Deine neue Energie die "Machtverteilung" in Eurer Partnerschaft ziemlich aufgemischt hat. Das kann einen eher ängstlichen Menschen, der sich vorher mit einem Süchtigen arrangiert hatte, schwer verunsichern. Denn der Süchtige fordert von sich selbst keine endgültige Verbindlichkeit, und kann daher auch von seinem Gegenüber diese Klarheit nicht einfordern. Ein fauler Kompromiss, den ich viel zu häufig eingegangen bin, in "Beziehungen", an die ich mich heute zum Teil kaum noch erinnern kann.

    Nur ein paar Gedanken. Die Erde ist mein Lieblingsplanet. Ich wünsche Dir alles Gute!

    Our greatest fear is not that we are inadequate,
    but that we are powerful beyond measure. It is our light, not our darkness, that frightens us most.

  • Hallo Erdling,

    ich möchte Dir mal als Co schreiben.

    Doro schrieb:

    Zitat

    ich kann dir hier wirklich nur raten ihr eine klare ansage zu machen, wie wir das bei alkis machen, entweder du tust was oder ich gehe.

    Diese Aussage kann ich nur unterstützen.
    Es ist genauso wichtig, daß Deine Partnerin begreift, daß sie selbst erkrankt ist !Und für Ihre Genesung etwas tut. Sollte sie dies nicht tun, können ihre *kranken* Mechanismen für Dich wirklich zur Gefahr werden....

    Zitat

    Ich habe die vermutung das diese Eifersucht sozusagen ein Symptom für etwas ist aber das eigentlich Problem nicht darin begründet ist...


    Eifersucht ist ein Zeichen von Co-Abhängigkeit. Ich war eifersüchtig auf die *gewonnenen Freiheit* meines Ex, als er sich von seiner Sucht zu lösen begann. Ich konnte dies nicht erkennen, denn auch ich brauchte erst meinen Tiefpunkt.

    Zitat

    Die "Schuld des Saufens" empfinde ich leider noch, mal mehr mal weniger

    .

    Auch ich bekomme bei diesem Ausdruck immer Bauchweh, denn Schuld trägt keiner daran. Co-Abhängigkeit ist auch eine Erkrankung. Sie hat, genauso wie Du, die freie Wahl, ob sie etwas zuläßt oder nicht.
    Auch, wenn Du Fehler gemacht hast, sie verletzt hast, hast Du sie nicht gezwungen, co zu werden. Und das sage ich mal als Co, die auch gerne *Gründe* gesucht hat, warum meine Ex-Alki-Partner dafür gesorgt hätten, daß ich so und so geworden bin.

    Ich möchte dazu mal einen Bestandteile der Co-Bausteine zitieren, die Dir vielleicht zeigen, daß es hierbei nur um *Anteile* geht:

    Zitat

    Die Erkenntnis, dass der süchtige Partner/ Elternteil nur ein Auslöser für die eigenen kranken Anteile ist und nicht Schuld daran ist, dass es einem schlecht geht. Jeder Mensch kann selbst entscheiden, wie er mit seinem Leben umgeht und befindet sich nicht in einer Opferrolle. Der Co-Abhängige lässt nur so viel mit sich machen, so viel er zulässt.

    Ich wünsche Dir viel Kraft, Dein Leben in für Dich gute Bahnen zu lenken.

    Lieben Gruß

    S.Käferchen [Blockierte Grafik: https://beispiel.rocks/beispiel.rocks/www.cosgan.de/images/smilie/tiere/k025.gif]

  • Hallo Erdling!
    Die Eskapaden deiner Freundin machen mich ein bisschen wütend.
    Hat sie eigentlich gemerkt, was du da schon so geschafft hast?
    Ich bin so stolz auf meinen Mann, sicher immer noch genug co, dass ich aber immer wieder darauf achte, ihm keine Steine in den Weg zu legen. Damit will ich sagen, dass ich früher auch schon mal eifersüchtig war ( mir jetzt ein Riesenrätsel - auf den damaligen Trinker !), aber jetzt, dank Forum, Therapie und SHG ganz schön aufgewacht bin.
    Wenn deine Freundin nichts in dieser Richtung für sich macht, wird sie dich nie richtig verstehen. Kann mir nicht vorstellen, wie man das alleine schaffen sollte. Und ihre Unsicherheiten (bin fleissig am arbeiten!!!) kriegt sie alleine auch nicht los.
    Ich habe meinem Mann die trinkerzeit vergeben, d.h. ich trage ihm nichts nach, aber so wie er sich verändert hat und macht verändere ich auch mein Verhalten. Muss ich. Will ja auch gut leben - mit meinem trockenen Mann.
    Ich wünsche dir alles Gute und dass deine Freundin ganz schnell die richtige Entscheidung für sich - und damit für dich mit - trifft.
    Auf jeden Fall, dass es dir bald besser geht!
    Liebe Grüße, Gotti.

    Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich.

  • Was denkst du dir denn für Gründe, warum sie so eifersüchtig ist?

    Du hast sie vielleicht nicht betrogen, aber trotzdem viel Frauenkontakt?
    Gibt es für dich keine nachvollziehbaren Gründe, warum sie so reagiert?

    Ich war auch sehr eifersüchtig, hatte aber personifizierte Gründe und jetzt ist er bei ner anderen.

    Vielleicht denkt sie, jetzt wo du trocken bist, könnten sich ja noch viel mehr weibliche Wesen für dich interessieren und die Versuchungen werden größer?

    Sie verliert die Kontrolle über dich?

    Ist sie auf dem Weg deiner Trockenheit mal mit in ein begleitendes Programm für Angehörige, vielleicht öffnen ihr eher Dritte die Augen?
    Oder nimm sie doch mal mit in eine offene Gruppe.

    LG
    Verflixt

  • Hallo Erdling,

    im Prinzip kümmert sich deine Therapeutin ja um dich, nicht um deine Freundin. Ich denke mit dir hat sie ja genug zu tun....
    :lol:

    Ich habe den Vorschlag gemacht, da man als Angehöriger, wenn man sich nicht damit auseinandersetzt überhaupt nicht sieht, das man selbst was damit zu tun hat. Auch war mir nicht bekannt, das es sowas wie Co überhaupt gibt.......

    Vielleicht schenkst du ihr auch mal ein Buch oder zwei wenn sie gerne liest über Alkohol und Co-Abhängigkeit. Wenn mal das Gehirn angeregt wurde, entschließt sie sich vielleicht zu eigenen Schritten..... für sich....selbst.

    LG
    Verflixt.

  • Hi Erdling,

    na schon weiter gekommen mit deiner Freundin und dem Thema Co?

    Hast du sie jetzt mal mit in der Gruppe dabei gehabt?

    Und stuft sie sich als Co ein?

    Lg eine neugierige
    Verflixt

  • Hallo Erdling,

    mh, schwer zu antworten, da ich euch ja nicht kenne.
    Und wenn du dir selbst unsicher bist....

    Sie muss es im Endeffekt ja auch wissen, ob Sie unter deiner Person im Alkoholeinfluss gelitten hat oder sich nicht gut fühlte.
    Ob es ihr überhaupt aufgefallen ist, das du ein Alkoholproblem/Suchtproblem hattest, ob ihr über Alkohol öfter Diskussionen oder Streit gehabt habt...

    Eifer (SUCHT) kann auch krankhaft sein und der Betreffende selbst kann darunter schwer leiden. So wie du schreibst, ist diese ja eher grundlos.
    Aber auch hier gilt, dass das eigentlich Ihre Baustelle ist, nicht deine.
    Sie muss doch wissen, auf was, oder warum sie eifersüchtig ist, vielleicht bist du im Moment aber auch so mit dir selbst beschäftigt, dass sie sich als Nebensache vorkommt ?? Oder war es schon immer so? Unter jetzt in der Trockenheit, fällt es dir nur "unwattiert" auf?

    Daher finde ich es nochmal wichtig, dass Sie über die Krankheit "Alkoholismus" und das Leben danach, gut informiert ist und bescheid weiss, dich nicht unter Druck setzt, auf sich kuckt und die Kommunikation zwischen euch nicht abreisst.

    Gerade bei einer WE Beziehung ist das schwierig. Den wirklich täglichen Alltag habt ihr ja gar nicht zusammen. Oder war es schon mal anders?

    Also konzentrier dich weiter auf dich und dein trockenes Leben, bezieh sie mit ein wenn du möchtest und lass es auf dich zukommen, wie sich alles entwickelt.

    LG
    Verflixt.

  • Hallo Erdling,
    ich kann deinen Kummer sehr gut verstehen.
    Und die anderen vor mir haben ja auch schon viel Hilfreiches geschrieben. Ergänzend fällt mir zu den Problemen mit deiner Freundin folgendes ein.
    Zunächst einmal:

    Zitat von Erdling

    leider ist sie durch meine Sucht zu einer echten "Co" geworden


    DAS glaube ich nicht unbedingt. Ich nehme mal an, sie war schon vorher Co, du ein Alki und so habt ihr euch gefunden – euch gegenseitig angezogen, weil Co und Alki einfach paßt wie Schlüssel zum Schloß, oder? Warst du etwa, als ihr euch kennen lerntet, ein komplett gesunder Mensch? Ich glaube doch kaum, hättest du doch dann keinen Grund gehabt, das Trinken anzufangen…
    Und wenn sie nun eine „echte“ Co ist, bereitet ihr dein Trocken sein natürlich gewisse Probleme, kann sie ja nun ihr Helfersyndrom, was sie für ihr Selbstwertgefühl braucht, an dir nicht mehr ausleben. Hier wäre es wirklich wichtig, daß sie auch gewillt ist, ihre eigene Krankheit, ihren eigenen Anteil an eurer Beziehungsdynamik zu erkennen und auch zu verändern. Denn wenn du alleine dich änderst, sie aber sich nicht – ja dann ist das Ende der Beziehung wohl vorprogrammiert. Und daß dich das bekümmert, kann ich gut nachvollziehen.

    Die zweite Möglichkeit (ob mit oder ohne Co-Probs) wäre, daß deine Freundin unabhängig von deinem Trinken ein Eifersuchtsproblem hat. Auch hier ist die Ursache dafür ein zu geringes oder gar fehlendes Selbstwertgefühl und Mangel an Vertrauen. Wer an sich selbst zweifelt, kann nicht glauben, daß jemand anderes ihn lieben mag und hat Angst, genau diese Liebe zu verlieren. Daher kommt dann auch der Kontrollzwang. Da Eifersucht aber nicht gerade ein seltenes Phänomen im Beziehungsgefüge ist (völlig unabhängig von Suchtproblemen), gibt es darüber auch nicht wenig Literatur. Ein Buch kann ich dir empfehlen, es heißt: „Eifersucht: Woher sie kommt und wie wir sie überwinden können“, von Rolf Merkle. Vielleicht mag deine Freundin das ja mal lesen – falls sie überhaupt bereit ist, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen.
    Vermutlich liegen die Probleme so oder so in ihrer Kindheit. Dann hält sie ihre Probleme für so „normal“, daß sie sie für Teile ihrer Persönlichkeit hält und natürlich Angst hat, diese aufzugeben, schwierig, schwierig. Ich weiß nicht, ob sie das schafft, ohne therapeutische Hilfe? Aber erst muß auch hier – wie beim nassen Alki – die Einsicht kommen, selbst ein Problem zu haben und dann auch, es ändern zu wollen.

    Ich hoffe, ich konnte dir mit meinen Überlegungen ein wenig weiterhelfen?

    Liebe Grüße und alles Gute für dich - du bist auf einem guten Weg, laß dich davon nicht abbringen!
    Feuervogel

  • Hallo Erdling

    Ich schreibe Dir in Deinem Thread,weil ich gerade woanders etwas sehr interessantes von Dir gelesen habe.Du hast geschrieben,dass Du heutzutage keine Scheu mehr hast,bei einer Krise(,ich nehme mal an Du meinst akuten Saufdruck),Dich in's Krankenhaus zu gehen.Wie ist sowas abgelaufen?
    Ich frage,weil es aktuell einen Rückfall in meiner SHG gab.Nach tagelangen starken Alkoholkonsum hat ein eine Angehörige diese Rückfallige zur Unterbringung in ein Kr.hs.überreden können.Der diensthab.Arzt wollte die Alkoholikerin nicht aufnehmen,wäre kein Notfall,u. da Wochenende lag auch keine Einweisung vor.
    Nur unter massiven Druck d.Angehörigen hat er sich dann dazu herabgelassen sie aufzunehmen.
    Hattest Du nie Schwierigkeiten aufgenommen zu werden?Du warst doch zu dem Zeitpunkt nüchtern?
    Freue mich auf Antwort;Hatten das Thema aus dem aktuellen Anlass nämlich in der SHG.
    L.G.Backmaus

  • Hallo Erdling

    Danke für Deine Antwort.
    Das Krankenhaus in dem sich der von mir geschilderte Fall abspielte,ist mit Suchtkranken vertraut u. die werden da auch therapeutisch betreut.Selbsthilfegruppen stellen sich dort regelmässig vor.Ich war auch schon häufig dabei,wenn sich meine SHG vorgestellt hat.

    Pech war nur:an dem Aufnahmetag(wiegesagt WE)
    hatte ein Chirurg Notaufnahmedienst.Der kannte sich wohl garnicht aus u. musste erst d'rauf hingewiesen werden,dass ein eigenmächtiger Entzug(in diesem Fall) nicht mehr möglich u. ausserdem nicht zu verantworten sei.
    Letztendlich wurde unser SHG-Mitglied von einem Arzt der Psychiatrie untersucht u. auch aufgenommen.Ohne äusserst robustes Auftreten der Begleitperson wäre unser SHG-Mitglied nachhause geschickt worden.
    Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende u. Danke nochmal für Deine Info!
    Liebe Grüsse

    Backmaus
    I

  • Ein ganz schön schweres Thema, lieber Erdling, zumal Du ja nun "trocken" bist und das Thema keine Belastung mehr für Eure Beziehung - nach außen darstellt. Somit natürliche eine Co-Abhängigkeit schwerer klar macht oder erkenntlich für die Betroffene selber.

    Auch ich war recht eifersüchtig, habe das aber nicht in Fragen oder Unterstellungen augelebt, sondern lieber in mich "reingefressen" weil ich selber spürte ungute Unsterstellungen zu "denken".

    Vor allen Dingen ist mir persönlich klar, dass Du hin und her überlegst ob sie co ist oder nicht, ob betroffen durch Deine Sucht oder nicht. Denk mal an meine Beiträge, wie oft habe ich an mir und an meinem Suchtmittel gezweifelt. Wie oft konnte ich mich selber nicht einschätzen. Mich selber .... wie also soll es Dir zweifelsfrei möglich sein Deine Partnerin einzuschätzen.

    Aber sag mal, ist es wichtig ob sie Co ist oder geht es eher um Verhaltensweisen, von denen Du das Gefühl hast nicht damit klar zu kommen oder dass diese Dich einschränken.

    Lieben Gruß und toi toi toi von Dagmar

  • Hallo, lieber Erdling,
    Mensch, das stelle ich mir nur übel vor: schlecht zu schlafen und solche Träume zu haben. Ich hatte auch bevor ich umgezogen war immer wieder wiederkehrende negative Träume, allerdings haben diese sich tatsächlich langsam aufgelöst. Wo mir das Handy und der Geldbeutel x-Mal geklaut wurden, war es irgendwann nur verlegt, dann durfte ich es behalten.
    Das Handy steht für Kommunikation - und die war mir damals ja wirklich abgestellt worden.

    Sprich: in der Traumdeutung steht eine Sache/Ding nicht in realem Bezug zur Handlung. Ein Auto beispielsweise steht für das Vorwärtskommen, eine Unfall dann vielleicht für eine Stagnation.

    Vielleicht willst Du einfach nur Deine "Vergangenheit zerstrümmern" oder losbekommen? Vielleicht eine dumme Frage, aber ich finde es so schade, dass Du nun mit Dingen zu kämpfen hast, die das Unterbewußtsein Dir präsentiert. Eine Chance, diese Dinge zu bewältigen, aber eben schwer.

    Sag mal Erdling, hattest Du schon früher starke Träume, also auch als Kind (ich spreche nicht unbedingt die Trinkphase an).

    Ach Mensch Erdling, was passiert, wenn Du Dir einen ruhigen Badewannenabend machst mit leichter Musik zum einschlafen, evtl. Meditationsmusik ect.?

    Ich wünsche Dir eine schöne ruhige Nacht ohne quälende Träume. Ich selber habe erst jetzt hier erfahren, wie schön ruhige Nächte sein können mit keinen oder guten Träumen. Es ist schön, sich aufs schlafen gehen zu freuen, das kannte ich bis vor ein paar Wochen noch gar nicht. Schlaf war für mich immer unnötiges....

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo Erdling,
    mir fällt gerade ein, dass es vielleicht sein kann, dass der Alkoholkonsum bisher diese Funktion erfüllt hatte Dich gewissermaßen ruhig zu stellen. und nun scheint Dich Deine Vergangenheit einzuholen. Bei solch massiven Bildern kann es schon sein, dass Du richitg truamtisiert bist. Setze Dich nicht zu sehr unter Druck, sondern geh Deine inneren Bilder langsam an, Stück für Stück. Mir ist es auch schonmal passiert, dass ich zu sehr an mir gearbeitet hatte und was dann hochkam ich garnicht alles 'verdauen' konnte. Dann habe ich lange Zeit an einem heftigen Druck in der Solarplexusgegend gelitten. Langsam habe ich bemerkt woher es kam und mal einfach aufgehört, mich einfach nur entspannt und mal wirklich nichst gemacht . Das hat geholfen.
    ich vermute auch, dass Du mit Dir selber genügend beschäftigt bist, dass Du die Probleme Deiner Freundin nicht auch noch auffangen kannst. Das sit es ja eben, wovor hier im Forum ja immer gewarnt wird. Zwei Süchtige reißen sich gegenseitig runter, statt sich aufbauen zu können.
    Die Coabhängigkeit hat halt auch ihre Wurzeln in der Vergangenheit der Betroffenen. Und Coabhängige suchen sich ihre Suchtmittel genau iwe andere Süchtige. Daher hat es nicht mit Deiner Abhängigkeit zu tun, dass sie coabhängig ist, sondern Du bist ihr mit den rhamnebedingugnen, der entstandenen Hilflosigkeit imnassen Zustand zu einem willkommenenOpfer geworden, wo sie ihre eigenen Sucht gut ausleben kann. Sie ist durch Dich wichitg geworden und fühlt sich gebraucht udn dadruch scheinbar geliebt. Weil sie es so gelernt hat udn ihr diese Aufopferungsmechanismen vertraut sind. Dafür kannst du ja nichts. Als coabhängiges Kind fühlst DU DIch auch im erwachsenenalter in chaotischen Zuständen wie 'zuhause'. Man könnte sagen: Die Geborgenheit der Nichtgeborgenheit. Das Normale kann Angst machen, da es ungewohnt ist, und das ist bei uns EKA's leider sehr tief verwurzelt. Noch mehr als eine Partnerin, und noch mehr als ein Alkoholiker, der vielelicht selbst in der Jugend anfängt zu trinken und da reinschlittert sind wir Kinder oft regelrecht mit der Sucht aufgewachsen. Wir kennen es nicht anders.
    Hat ein Elternteil seit Du zur Welt gekommen bist getrunken und ist der andere Elternteil auch noch coabhängig dann ist das Deine Welt, in der Du aufgewachsen bist. Alles dreht sich um Alkohol in jeder Hinsicht. Es riecht danach, die Gespräche, der Streit, die Folgen und Begleiterscheinungen, die Sorgen, der Bekanntenkreis. DU mußt nicht mal drüber nachdenken, denn Du weißt erstmal garnicht dass da was falsch ist. Ein coabhängiges Kind wächst erstmal ohne Sicherheit und Vertrauen auf, denn Du weißt ja nciht was am nächsten Tag passiert. Aus dieser Unsicherheit/ Mißtrauen entsteht natürlich schnell Eifersucht in einer Beziehung. genau wie Du Deine Sucht in Angriff genommen hast muß eds auch Deine Partnerin tun. DU kannst es ihr ebenfalls nicht abnhemen udn darfst Dich von ihr nciht tyrannisieren lassen. Eine trennung im Notfall kann sogar für beide hilfreich sein, genau wie auch eine Trennung von einem Alkoholiker. Das muß man abwägen. Aber DU darfst nciht denken, dass dies eine so große Liebe ist , was sie zur Eifersucht bringt. Das wird ja oft verwechselt. Krankhafte Eifersucht ist auf jeden Fall zerstörend und kann auch heftig ausarten. Das sollte Dir schon bewußt sein. Darum ist es ja gar keine Frage, ob Du da irgendeinen Fehler gemacht hast. Die geafhr ist sogar,dass Du jetzt selber in eine Coabhängigkeit hineinschlitterst , indem DU durch DEIN verhalten wiederum IHRE Sucht unterstützt, verstehst Du. Dann würdest Du von der einen in die andere Sucht schlittern= Suchtverlagerung. Also: Augen auf. Bleib bei Dir und konzentriere Dich auf Dein gesundes Leben.

  • Hallo Erdling,

    meine Mutter ist Ende 2007 gestorben ohne trocken zu werden. Die letzten Jahre mit ihr waren nicht so schön und im Grunde hatte ich keine Mutter mehr.
    Irgendwann habe ich angefangen etwas für mich zu tun, mit Erfolg. Dementsprechend kamen Fragen auf, welche die ich ihr gerne gestellt hätte und welche die ich mir gestellt habe, deren Beantwortung aber durch ihren Tod eigentlich auch nicht wirklich möglich sind.

    Wenn ich Fragen habe gehe ich auf den Friedhof oder stelle sie Ihrem Bild das ich bei mir stehen habe. Genauso mache ich es wenn ich etwas zu erzählen habe, was ich ihr gerne gesagt hätte. Es ist nicht das gleiche, aber es hilft.

    Vielleicht wäre das auch für Dich eine Möglichkeit einiges mit Deiner Mutter zu klären obwohl sie nicht mehr da ist.

    Gruß
    Skye

  • Hallo, lieber Erdling,
    hmmm, das ist schwer, was Du schreibst.

    Mein Vater starb als ich 18 Jahre alt war. So vieles war nie gesagt worden und es konnte nicht mehr gesagt werden weil der Tod schneller war.

    Ich für mich bin oft auf den Friedhof gegangen und habe Selbstgespräche geführt - einfach aus dem Gefühl heraus, egal, ob er mich hören kann oder nicht, ich möchte es sagen.

    Später dann brauchte ich diesen Ort nicht mehr sondern sprach in Gedanken mit ihm. Weißt Du, lieber Erdling, für mich ist ein Mensch erst dann wirklich tod oder unerreichbar, wenn er nicht mehr in meinem Herzen ist. Solange ein Mensch in Deinem Herzen ist, so lange hast Du noch Energie für ihn - für Deine Zuneigung.

    Ich will nun keinesfalls in eine philosophische Richtung abdriften, aber ich könnte mir vorstellen, dass Deine Mutter Dir schon verziehen hatte, bevor Du merktest "was läuft". Sie war erwachsen und wird sich gedacht haben was nach einem Rosenkrieg läuft und bei einem Kind bewirkt werden kann.

    Natürlich ist es traurig, dass Ihr nicht mehr miteinander reden konntet und es aus der Welt schaffen, aber warum nicht statt Schuldgefühlen "einfach nur" versuchen Liebe zu fühlen? Ich denke, Du weißt was ich meine. Dass Du den Fokus nicht auf Deine vermeintliche Schuld legst sondern auf die schönen Momente, auf das was Du Ihr hättest sagen wollen. Ein bischen schwer zu beschreiben, weil es ein schweres Thema ist und der Tod so und so ein Grenzgebiet ist.

    Ich denke aber, Du verstehst was ich Dir versuche zu sagen.

    Lieben Gruß von Dagmar

    p.s.s ich sehe gerade Skye hat es ähnlich bewältigt

  • Und ob Du das kannst, lieber Erdling :)

    anders vielleicht als das, was andere - oder Du - meinen was Liebe ist. Ob Friedhof oder nicht finde ich egal, da ich es sehe wie Du. Diese Energie landet schon richtig ;)

    Mein Vater hat keine Gefühle gezeigt, deshalb gelang zu Lebzeiten auch kein Austausch darüber. Ich hätte aber noch viel zu sagen gehabt. Also habe ich das mit mir - und in Gedanken ihm - gesagt. Das kann doch ganz langsam und vorsichtig beginnen.

    Schau Erdling, mein xxl, geliebter Kater, musste eingeschläfert werden. Sein Grab ist vor dem Haus. Und sehr, sehr oft, gehe ich daran vcrbei und denke nur "Pass gut auf uns auf mein Großer" oder "Schade, dass Du nicht mehr hier bist, das und das wäre schön für Dich gewesen".

    Zugegeben, das sichtbarer Resultat sind höchstens verheulte Augen ;) Durch meine Gedanken an ihn kann ich entscheiden wie nah oder wie fern, wie traurig ich um seinen Verlust bin oder wie glücklich über die Zeit, die er bei mir sein durfte. Es liegt an mir wohin die Gefühle gehen und was sich daraus entwickelt.

    Und so geht es auch bei Dir lieber Erdling, da bin ich mir sicher. Nur, weil Du denkst, Du empfindest "anders" empfindest Du vermutlich nicht "nichts".

    Auch ich bin mir sicher, daß Du diese Herzensangelegenheit in Dir spüren und damit umgehen lernen wirst. Ich möchte so etwas nicht als "Problem" sehen, sondern wir Du als eine Chance. Da wo es weh tut, lieber Erdling, da ist es richtig. Und es scheint richtig weh zu tun bei Dir also könnte das einer der Punkte sein, wo Du nachdem Du das Kriegsbeil ja schon lange eingebuddelt hast, langsam beginnst Dich vor "Deinen Wigwam zu setzen" und in das Feuer zu sehen. Langsam beginnst zu sinieren was mal war, worüber Gespräche schön gewesen wären und was Du Dir gewünscht hättest. Vielleicht auch die Vergebung (grandioses Wort, aber mir fällt nichts besseres ein) dass es Dir nicht gegeben werden konnte.

    Ich denke, ich kann das ein weites Stück mitfühlen, da meine Situation in Sachen Nähe ähnlich war. Schau, jetzt wo ich mit Holz heize, Stapel baue ect. denke ich oft, schade dass mein Vati das nicht sehen kann. Er als Holzwurm (gelernter Schreiner) hätte sich gefreut. Er gehört noch immer zu meinem Alltag, obwohl über 20 Jahre tot. Gerade jetzt in meinem Horrorprozeß der Lösung aus der Beziehung war ich ihm und meiner Mutter so oft dankbar, dass sie mir Dinge mitgegeben haben, die mir diesen Neustart ermöglicht haben. Diese Kraft, mich doch nicht unterkriegen zu lassen obwohl ich schon am Boden lag, die müssen ja wohl auch meine Eltern mit "geschürt" haben. Alles das sind für mich normale Gedanken, die noch nicht viel mit Liebe zu tun haben, sondern einfach nur dem Wissen, es war jemand da, ich wäre ihm gerne näher gewesen, aber das ging nun mal nicht.

    Weißt Du Erdling, vielleicht solltest Du Dir erlauben wie ein Kind an die Sache zu gehen. Mit genau dieser Naivität. Ich weiß, klingt doof, aber dieses verflixte Hirn macht manchmal viel in uns kaputt.

    Hey Erdling, die Welt ist rund und jeder Mensch hat ganz viel Energie, wenn diese Energie in schönen und positiven Gedanken fließt, so kommt sie an .... genau da, wo sie hin soll ... vielleicht im übertragenen Sinn, aber sie kommt an....

    Hab einfach Vertrauen zu Dir selbst.

    Lieben Gruß von Dagmar


    Erdling: Du bist liebenswert! Selbst, wenn Dir Deine Mutter das nicht zeigen konnte, so würde sie das vielleicht heute ebenso gerne nachholen wie Du bei ihr indem Du sie näher kennenlernen kannst oder ich bei meinem Dad.... So viele Dinge stehen da mit ? Lass uns einfach versuchen, diese Fragen mit guten Gefühlen und Wünschen zu beantworten.

    So, das war mein Wort zum Freitag, ich hoffe es klingt nicht zu abgespact....

  • Hallo Erdling,

    jede Beziehung, auch die zwischen Mutter und Kind, besteht aus zwei Individuen. Jeder hat seine eigenen Gedanken, seine eigenen Empfindungen. Wie oft ist es Dir im Leben schon passiert, dass Dir jemand etwas oder sein Verhalten erklärt hat, dass er Dir etwas begründet hat, dass er sich entschuldigt hat und Du im Grunde gedacht hast warum nur? Für Dich bedurfte es keiner Erklärung, Begründung oder Entschuldigung, für Dich war das schon lange erledigt. Wie oft ist es Dir so gegangen, dass Dein Gegenüber ganz erstaunt war von Deiner Reaktion? Sicherlich öfter im Laufe der Jahre. Häufig baut sich in unserem Kopf ein Bild auf, dass mit dem des anderen nicht übereinstimmt.

    Du hast Schuldgefühle, weil Du den Kontakt zu Deiner Mutter abgebrochen hast. Wer sagt, dass Deine Mutter, dass ebenso gesehen hat? Wer sagt, dass sie nicht verstanden hat? Keiner, weil es keiner außer ihr weiß bzw. wusste. Mal anders herum gefragt. Warum machst Du, statt Dir selbst, Deiner Mutter keine Vorwürfe warum sie z. B. nicht um Dich gekämpft hat? Das soll jetzt nicht heißen, dass Du das tun sollst, aber es ist eine andere Komponente, Sichtweise, der gleichen Situation. Warum hast Du Verständnis für Sie, aber nicht für Dich? Eine Beziehung besteht immer aus zwei Personen und Du weißt nicht, was Deine Mutter gedacht oder empfunden hat. Du vermutest es aufgrund Deines heutigen Wissens und Deiner Erfahrungen im Leben bis heute.

    Es sind Deine Ansprüche an Dich selbst die Dir im Wege stehen. Es ist Dein schlechtes Gewissen, Deine Schuldgefühle. Alles selbst gemacht, nichts davon ist von Deiner Mutter. Da stellt sich jetzt die Frage, kannst Du dem Jungen verziehen der Du warst? Bedenke aber bitte, Du warst ein Kind, ein Kind wird von seinen Eltern geleitet, ob bewusst oder unbewusst, ob es möchte oder nicht, ob die Richtung stimmt oder nicht. Es geht nicht darum Dir als Erwachsenem zu verziehen, denn damals hattest Du noch nicht das Wissen und die Reife von heute, es geht um den Jungen von damals. Versetze Dich in den Jungen von damals, konnte er anders handeln? Oder anders gefragt, würdest Du heute als Erwachsener einem Kind in dieser Situation Vorwürfe machen?

    Bevor ich mit der Therapie angefangen habe, habe ich über das sog. innere Kind immer nur lächeln können. Das war für mich Humbug und sinnlos. Ich bin erwachsen, ich bin wie ich bin, was soll also dieser Unsinn. Immer dieses Gestocher in der Kindheit, da habe ich nichts von gehalten, das waren für mich Ausreden. Inzwischen sehe ich das erheblich anders und nicht mehr als Unsinn. Vieles von dem was sich früher getan habe, ist mir lange nach gelaufen. Ich habe mich wegen dem was ich als Kind und Jugendliche getan habe noch als Erwachsene schlecht gefühlt. Ich habe mir diese Begebenheiten dann mal aus der Sicht eben dieses Kindes angeschaut das ich gewesen bin und gesehen, es ging nicht anders. Ich wollte Aufmerksamkeit, Zuneigung, Sicherheit und es war mein Weg darum zu bitten. Es war entsprechend meinen Möglichkeiten als Kind. Heute frage ich mich, warum haben nicht nur meine Eltern, sondern auch andere Erwachsene um mich herum das nicht gesehen? Ich war ein Kind und wusste mir nicht anders zu helfen.

    Kinder haben nicht die Entscheidungsmöglichkeiten und -freiheiten die Erwachsene haben. Sie sind noch keine fertigen Menschen, sie sind auf Fürsorge angewiesen, darauf dass sie geleitet werden. Sie sind darauf angewiesen, Erwachsenen, ihren Eltern zu vertrauen. Können sie das nicht, suchen sie Wege sich selbst zu helfen. Diese Hilfe kann nicht die sein, die sich ein Erwachsener sucht, also kann man ihr „Fehlverhalten“ auch nicht mit dem eines Erwachsenen vergleichen oder wie bei einem Erwachsenen beurteilen.

    Zitat

    ich habe auch schon daran gedacht, mal zum Grab zu gehen und zu reden. Aber das ist irgendwie nicht so mein Ding,

    Warum nicht mal etwas anderes als bisher probieren. Wenn es Dir nichts bringt, musst Du es ja nicht nochmal machen.

    Gruß
    Skye

  • Guten Abend lieber Erdling,
    zwar tun Tränen "weh" aber sie reinigen auch das Herz und die Seele. Schau Dir mal Menschen an, die weinnen mussten. Wenn die rot verquollenen Augen gewichen sind, dann erscheinen die Augen klarer als je zuvor.

    Ich glaube Erdling, es muss kein Gang ans Grab sein. Das kann auch ein Ort in der Natur sein wo Du die Möglichkeit hast einfach nur zur Ruhe zu kommen. Einfach zu überlegen oder still zu sein oder einfach nichts zu denken.

    Ich glaube, lieber Erdling, das Wo und Wie ist nicht die Hauptfrage. Ich denke, es geht eher darum sich selber wieder zu spüren und die Gefühle, die da durchzudrehen scheinen wie Wut auf den Vater, Enttäschung über sich selbst (obwohl das keinen Sinn ergibt da Du als Kind mit einer Scheidungssituation überfordert warst und heute noch jedes Kind ist). Vielleicht ist es einfach so, dass jetzt diese familiäre Situation von Dir aufgearbeitet wird und jetzt viele Fragen auftreten, die vermutlich nicht einmal mehr beantwortet werden können.

    Ich habe es bei meinen Eltern, die mir schon einen Hieb mitgegeben haben so gehandhabt, dass ich für mich registriert habe dass sie Fehlverhalten an mir, welches nachhaltige Schäden hinterließ, nicht böswillig machten. Auch sie hatten Eltern, die mit ihnen mit preussischer Strenge verfuhren, als Kinder erlebten meine Eltern die Endresultate des Krieges und hatten ebenfalls keine Kindheit.

    Sie waren in meinem Fall keine Eltern, die mir Herzenswärme oder Selbstbewußtsein geben konnten, das fehlte und hat mir geschadet. Aber was hilft es mir, ihnen das nachzutragen? Dadurch wären die Erlebnisse der Kindheit nicht ungeschehen.

    Schau Erdling, Du hast die Kraft bewiesen Dich selber betrachten zu können und Dich aus Deiner Sucht zu befreien. Das bedeutet für mich, Deine Eltern haben Dir etwas mit auf den Weg gegeben. Etwas wertvolles, ich bin mir sicher, dass das Elternhaus selbst wenn es kalt wirkte, etwas mit uns anstellt wenn wir uns selbst betrachten können. Und ich denke, das wurde mit von unseren Eltern angelegt.

    Das Problem für Dich als Kind ist dass Du ein Spielball warst für Deine Eltern, quasi wem es gelingt Dich zu beeinflussen, ich denke das nagt. Aber Erdling, Du konntest doch noch gar nicht hinter die Fassaden sehen, denn vieles spricht man ja vor Kindern nicht aus.

    Der Tod Deiner Mutter würde mir auch nicht aus dem Gedächtnis gehen. Aber Erdling, Du hast sie nicht vergessen: Du beschäftigst Dich mit dem Thema! Dir ist sie nicht egal, sie lebt noch immer in Deinem Leben mit. Schön wäre natürlich, wenn sie und Dein Vater in Deinem Leben nicht so viel Macht einnehmen würden Dir negative Gefühle zu geben.

    Aber Erdling, das wird so sein wie bei mir und meiner Alki-Beziehung, ich hatte zeitweise viel Hass und Wut - habe versucht zu bearbeiten und sehe es nun einfach neutral. Für Wut und Hass ist jetzt kein Platz mehr, weil das alle und am meisten mich selber vergiftet.

    Weißt Du Erdling, jetzt kommt wieder mein Wort zum "Happy Weekend": Wer sagt uns denn, dass wir nicht Wut, Enttäuschung oder ähnliches mit den Eltern bewältigen können ohne es zusammen mit ihnen zu machen? Wer sagt uns denn, dass es nicht möglich ist im Selbstgespräch mit sich selber die Gedanken erst mal in Form zu bringen und sich dann zu überlegen wie die Zukunft weiter läuft.

    Bei mir läuft das mittlerweile so, dass diese Menschen, die nicht mehr am Leben sind, immer noch ein Bestandteil von meinem sind. Ich denke immer noch an sie. Und denke auch zuweilen, siehst Du, die Situation gab es bei uns auch, da hast Du mir weh getan. Ich denke es, sage es - empfinde aber keine Wut oder keinen Hass mehr weil es gesagt ist....

    Ich verstehe Dich nur zu gut, lieber Erdling, ich bin mir auch sicher, dass Du das bewältigen wirst. Auch wenn es für Dich im Moment anders wirkt. Bei mir waren es ähnliche Gefühle Wut, Entttäuschung, Unzufriedenheit mit meinem Verhalten - das Gefühl, dass alles aber auch alles in Sachen Elternhaus schief gegangen war und nie wieder korrigiert werden kann.

    Es kann korrigiert werden, wenn auch anders. Du oder ich, wir werden nie wieder ein 6 oder 8jähriges Kind sein, aber wir können diese kindlichen Gefühle in uns (die verletzt wurden) anerkennen und achten. Auch darüber traurig sein, das dürfte mir geholfen haben Wut und Enttäuschung los zu werden, dadurch dann auch eine innere Ruhe zu bekommen.

    Ich kenne diese Traumzeiten Erdling, hatte ich früher auch. In meinem Fall bilde ich mir ein, sie durch meine eigene Wut genährt zu haben weil ich so viele Gedanken und Gefühle hatte und nicht wusste wohin mit ihnen. Damals hätte ich mich einfach still hinsetzen müssen um überhaupt zu spüren was mich durcheinander bringt. Dann wäre es leichter gewesen.

    Erdling, halt Dich wacker, Du bist auf dem richtigen Weg. Du kannst Deine Gedanken in Worte fassen und anderen mitteilen, dann bist Du schon direkt dran am Thema - die Hälfte der Reise ist geschafft. Du kennst die "Ist-Situation" Interessant wird nun die "ich wünsche mir die Situation".....'

    Ich bin gespannt über Deine Reise bzw. auf die einzelnen Reisestop(p)s.

    Gute Reise wünscht
    Dagmar :)

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