Sind wir co´s Voyeure?

  • Liebe dicke Katze,
    der Gedankenansatz ist gut. Wobei ich sagen muss, ein Voyeur scheine ich nicht zu sein, da der moralische Verfall für mich etwas war, was mich anekelte und ich irgendwann nicht mehr ertragen konnt anzusehen. Eine Faszination übt es auf mich nicht aus sondern zeigt mir dass bereits das Hirnkastl seine Schläge bekommen hat. Da ich mir besseres vorstellen kann als Krankenschwester für einen Pflegefall darzustellen, war das ein Grund für mich zu rennen, rennen, rennen und die Augen zuzuhalten um keine Anblicke mitnehmen zu müssen.

    Nein, ich war kein Publikum. Stand er hier vor der Türe, so lag ich unter dem Schreibtisch um keinesfalls sehen zu müssen welch ärmliches Wesen da vor meiner Tür steht und sich vor Wut fast ein Bein ausreisst.

    Nein, mir persönlich hat jede Begegnung und jedes Telefonat geschadet. Jeglicher Kontakt hat mich zurückgeworfen und jegliches Wissen was um ihn herum passiert. Alles das hielt mich von meinen eigenen Problemen und deren Lösung ab.

    Wie ist jetzt aber nun Dein Stand?


    Lieben Gruß von Dagmar

  • hallo ihr,

    also bei mir isses genauso wie bei dagmar,ich konnte ihn nacher nicht mehr sehen oder hören,zu meinem eigenen schutz.ich wollte auch nnict von anderen wissen ob sie ihn gesehen haben und wie.
    moral und ethik sind meinem ex auch verloren gegangen.
    heut bin ich froh es geschafft zu haben ihn loszulassen,ich war auch kein voyeur,ich wollte ihn einfach nur in meine richtung dirigieren.
    nun nach vier monaten meldet er sich per sms,ich kann es ignorieren.endlich......und ich hab kein schmerzhaftes gefühl dabei.

    glg kathrin

  • Hallo dicke Katze

    schön, mal wieder von dir zu hören!

    Also, ich muss mich Dagmar und Kathrin anschliessen, ich vermeide den Kontakt zu meinem Mann, so gut es geht. Manchmal ist es unvermeidbar, ihn zu treffen wegen der Kinder oder seine Sachen ausräumen, da guck ich dann auch hin und seh, daß er fahrig wirkt, nicht weiß, was er mit den Händen machen soll. Das wirft mich dann zurück, mein Co-Verhalten springt an, ich denk, ich muss ihm helfen.
    Von daher muss ich gut auf mich aufpassen und geh ihm aus dem Weg.

    Schöne Grüße

    julchen

  • Hallo, dicke Katze,
    Faszination hat ja was mit Anziehung zu tun.
    Zusehn zu müssen, wie schrecklich sich mein Mann durch den Alk veränderte, hat bei mir nur Entsetzen ausgelöst.
    Das war abstossend, nicht anziehend.

    Ein Voyeur schaut gerne zu, auf der Suche nach einem Kick.
    Nein, das war bei mir definitiv nicht der Fall.

    Aber Deine Frage erinnert mich an eine sehr schlimme Szene.
    Letztes Jahr waren wir bei unseren Nachbarn zum Grillen eingeladen. Ein weiteres Ehepaar war auch dabei.
    (Alle wussten vom Alkoholproblem meines Mannes.)
    Meinem Mann wurde unaufgefordert Flasche um Flasche hingestellt- und er literte natürlich rein was ging.
    Zu fortgeschrittener Stunde, alle waren zu wie die Haubitzen, wurde ein Mitternachtsimbiss serviert (irgendwelche Spagetti mit was weiß ich).
    Die Reste, die keiner mehr schaffte, wurden meinem Mann vorgesetzt. Dazu zwei volle Flaschen Bier und sie höhnten:
    "Hey, X, komm, iss das alles auf und schütt noch ein paar Halbe dazu, Du verträgst das doch. Bei Dir ists eh schon egal." usw
    Mein Mann war letztes Jahr schon sehr übergewichtig.

    Sie behandelten ihn wie einen Freak auf dem Jahrmarkt.
    Nach dem Motto:
    Mal schaun, was alles in ihn reingeht.

    Ich war so entsetzt, es war so demütigend.
    Ich bin aufgestanden und nach Hause gegangen.

    Mein Gott, war das übel.
    Das war Voyeurismus vom Feinsten.

    LG

    Thelma

  • Liebe dicke Katze,
    nun, gute Frage, wie kann man sich an Erniedrigung erfreuen. Ich kann es auch nicht, aber andere Menschen können es.

    Und eines muss ich Dir sagen: schon als Kind fand ich es einfach nur ekelhaft wenn ein Mensch die Kontrolle über sich verlor, allerdings ging ich und sah nicht zu wie diese Menschen verhöhnt wurden. Das es aber passierte war logisch: der Schwächere ist immer der Dumme. Nur begreift das wohl ein Alkoholiker seltenst, könnte noch der Meinung sein, er/sie ist die Stimmungskanone....

    Penner Mitleid ... nie in Verbindung mit Alkohol. In Verbindung mit Arbeitslosigkeit, Problemen ect. ja - Mitleid mit einem Alkoholiker hatte ich nie - denn sie haben die Chance auszusteigen, wenn sie wollen.

    Wut, Hass oh ja, auch ich kenne das - es begleitet mich lange. Allerdings vergiftete es mich und nicht den anderen - Eigentore mag ich nicht. Je größer der Abstand wurde und desto weniger ich an den Menschen erinnert wurde und seine Handlungen, desto mehr Abstand bekam ich. Mittlerweile ist alles was Wut ect. betrifft weit, weit weg. Ich kann doch mit meinem Leben zufrieden sein, ob er es ist weiß ich nicht .... aber genau das ist ja auch nicht mein Gefühl sondern seins.

    Ich denke auch nicht, liebe dicke Katze, dass diese Gefühle bleiben. Sie kommen durch Wut, Enttäuschung und auch das Zerbrechen aller Träume. Nicht zuletzt auch die verlorene Zeit, die Probleme, die vor einem stehen und und und. Aber je mehr wir mit uns selber Freundschaft schließen, desto mehr ist uns die versagte Freundschaft der Gegenseite egal.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Ja Peter, ich denke, da hast Du sehr recht. Ich kann diese Faszination auch für mich echt nicht verspüren, aber vielleicht verstehe ich da einfach Zusammenhänge nicht, weil ich es anders erlebt habe.

    Was ich gesehen habe ist wie ein Mensch Ekel erregt weil er durch einen Weihnachtsmarkt taumelt. Das die Umstehenden ihn meiden wie die Pest, logisch, mal etwas Glühwein auf dem Mantel oder Senf von der Bratwurst. Und ich fand es alles andere als faszinierend, wenn große Reden geschwungen wurden, wo die Worte schon nicht mehr klar ausgesprochen werden konnten. Ein Grund, warum ich mit den Jahren immer weiter ausgestiegen bin aus gemeinsamen Aktivitäten.

    Vielleicht wird die eigene Rolle durch den rasanten Abstieg anders gesehen oder der Kummer besser verarbeitet. Ich weiß es nicht, denn Wut und Enttäuschung begleiten uns als Angehörige wenn wir aufgeben müssen.

    Wobei ich für mich sagen kann mir war wichtig meine Freiheit zu bekommen, alles das nicht mehr miterleben zu müssen und eventuelle Straftaten, Fahrerfluchten oder gar Menschenopfer wegen betrunkendem Fahren nicht erfahren zu müssen.

    Der Mensch, in den ich mich vor 10 Jahren verliebt hatte, der damals keine Agression nach aussen zeigte (sie aber wohl besass) der wurde mit den Jahren zu einer tickenden Zeitbombe. Nachts wollte er eine Mauer einreißen oder fing mit einem Autofahrer eine Schlägerei ein. Einfach so..... Das war für mich so erschreckend, dass ich nur noch rennen wollte.

    Nein, das wollte ich nicht sehen, was aus jemandem wurde, den ich mal geliebt hatte. Nein, ich wollte den Menschen nicht mehr erleben, der mir gegenüber drohte das "Haus abzufackeln" und während der Trennungszeit sexuell übergiffig wurde. Nein Faszination haben die Auswirkungen des Alkohols für mich auf keinen Fall.

    Da sind wir wieder bei Peters Aussagen: was hilft es? Was bringt es? Wird dadurch der Kranke nicht noch tiefer sinken in unserem Ansehen? Müssen wir uns das antun auch noch jegliche Achtung zu verlieren? Ich habe sie durch diese Aktionen und Strafverfahren gegen ihn verloren. Alle Achtung ist weg ....

    Ich kann nur sagen rennen, rennen, rennen um das alles nicht erleben zu müssen und nicht selber Voyeur solcher Demütigungen eines Kranken zu werden. Oder womöglich in der Wut selber zu demütigen. Denn auch diese Gefahr ist denke ich, sehr stark gegeben. Irgendwann zu sagen "Mein Gott, hast Du gestern übel ausgesehen, als Du auf der Straße hingefallen bist...."

    Last not least haben wir Angehörige ja nun das Problem mit Trennung und Neuaufbau unseres Lebens in die Hufe zu kommen. Ob da solche Erinnerungen oder solcher Voyeurismus förderlich sind kann ich in meinem Fall verneinen.

    lieben Gruß von Dagmar

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