Abschied von meinem Seelentröster..

  • Ich habe mir heute abend vorgenommen zur Al-on Selbsthilfegruppe zu gehen, und ich bin schrecklich nervös. Ich bin (leider) schüchtern und es fällt mir nicht leicht auf fremde Menschen zuzugehen. Doch ich glaube es ist besser sich so einer Gruppen anzuschließen.

    Mein Mann ist sich sicher, daß er es ohne Gruppe schafft. Aber das ist seine Entscheidung. Ich möchte kein Risiko eingehen. Vielleicht "dackelt" er mir ja auch irgendwann hinterher und geht mit. Nur wollen muß er es alleine

    *Fingernägelkau*

  • Hi,

    Ich hab´ grad die ganze Zeit bei den erwachsenen Kindern gelesen. Ich wollte mich nach den Auswirkungen für meine Mädels erkundigen.

    Ich denke, daß mit der Selbsthilfegruppe ist eine tolle Idee.

    Mir hilft es schon sehr, hier zu lesen und sich mit anderen Auszutauschen, die meine Gefühle und Gedanken verstehen können.

    Den Kopf meines Mannes auf den Schoß nehmen fällt mir im Moment nicht unbedingt ein. In den letzten zwei Jahren ist bei uns so einiges passiert, daß ich manchesmal meine, ich könnte seine Nähe nicht mehr ertragen.

    Schüchtern bin ich eigentlich auch, aber mit viel Übung kann man lernen, daß zu überwinden. Ich bin gelernte Erzieherin und während meiner Ausbildung habe ich gelernt ganz offen auf andere zuzugehen. Das fällt mir zwar nicht immer leicht, aber es gibt Leute, je nach dem wodurch ich mit Ihnen Kontakt habe, die würden mich nie für Schüchtern halten.

    Bei mir kommt das ganz auf die Situation an.

    Ich muß jetzt raus ( Essen machen)

    LG

    Neraa

  • Ich liebe meinen Mann.. Da wir beide getrunken haben, haben wir uns nichts vorzuwerfen, jeder hat sich selbst in die Tasche gelogen. Ich würde bei einem Mann nicht bleiben, dessen Nähe ich nicht ertragen könnte. Da lebt
    man doch besser alleine!

  • ich war gestern extrem nervös, als ich zur Gruppe ging, ich tue mir
    schwer mit fremden Menschen zusammenzusein, aber ich bin
    froh und stolz darauf, daß ich es trotzdem durchgezogen haben
    und hinbin ..

    Ich kann nur jedem, der Alkoholprobleme hat, wärmstens eine
    Selbsthilfegruppe empfehlen!

  • Hallo Xenica

    klasse das du die Möglichkeiten , die dir geboten werden , dir selbst zu helfen ,in die Hand nimmst und umsetzt.
    Xenica

    Zitat

    Ich kann nur jedem, der Alkoholprobleme hat, wärmstens eine
    Selbsthilfegruppe empfehlen!

    Deswegen bin ich hier . Wir sehen uns hier auch als eine SHG. Dafür habe ich mich für den geschützten Bereich entschieden da dort der Austausch intensiver und anonymer ist.

    Vielleicht ist es in Zukunft für dich auch eine Überlegung wert.

    Gruß Hartmut

    Gruß Hartmut

    ------------------

    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Es fällt mir schon schwer mit realen Menschen offen
    umzugehen, doch hier ist alles virtuell und ich kann
    überhaupt nicht abschätzen, wie das, was ich
    schreibe auf andere Menschen wirkt ..

  • Hallo Xenica,

    Ich wollte Dir gestern abend schon antworten, aber da ist mein Mann dazu gekommen und hat gesehen, was ich hier mache. Danach war wieder erst einmal Gesprächsbedarf, also habe ich meine Antwort aufgeschoben.

    Zu Deinem Kommentar, daß Du nicht bei einem Mann bleiben würdest, dessen Nähe Du nicht ertragen könntest:
    Genau deswegen, weil ich mich da und in vielen anderen Punkten selber nicht vertehen kann, bin ich hier gelandet.

    Genau, wie Du kann ich mit Menschen, die mir gegenüber sitzen nicht über meine Gefühle und Gedanken reden.

    Ich habe eine Bekannte mit der ich mich über meine Probleme zum Teil austausche, aber wirklich kann ich mich mit ihr nicht austauschen, weil ich, wie gesagt, nicht so offen reden kann.

    Das es soweit gekommen ist, daß ich manchmal das Gefühl habe, seine Nähe nicht mehr ertragen zu können,ist, auch wenn sich das jetzt blöd anhört, wirklich wohl meine Schuld.

    Ich habe dummerweise das Problem, daß ich nicht nein sagen kann, und in diesem Punkt kann ich ihm wohl nur den Vorwurf machen, daß er diese Situation ausgenutzt hat.

    Ich bin bei ihm geblieben weil wir vorher 15 sehr gute Jahre hatten und er in dieser Zeit, vor allem in der Anfangszeit, sehr viel Einfühlungsvermögen gezeigt hat.
    Dieser plötzliche Umschwung in seinem Verhalten hat mich dermaßen geschockt, daß ich lange Zeit eigentlich gar keinen klaren Gedanken fassen konnte.
    Ich habe sehr lange alle Fehler bei mir gesehen, unter anderem auch den oben genannten.
    Für ihn habe ich immer die Entschuldigung gehabt, daß er extrem unter Streß steht und ich ihm nicht die Ehefrau seine könnte, die ich sein müßte.

    Erst als er im letzten Jahr sehr lange krankgeschrieben war und sich trotzdem nicht wieder änderte, habe ich bei den Gesprächen mit meiner Bekannten, seinen Alkoholkonsum angesprochen. Und die hat daraufhin von Sucht gesprochen.
    Bis zu diesem Gespräch, das war im Oktober bin ich garnicht auf die Idee gekommen.

    Seitdem fahren meine Gefühle erst richtig Achterbahn.
    Als ich dann im Dezember endlich mit ihm reden konnte und er mir versprochen hat, daß er alles verstanden hat, und es nie wieder vorkommen würde, habe ich ihm geglaubt und ihm diese Chance gegeben.

    Auch danach habe ich die Probleme dann wieder bei mir gesehen:
    Warum kann ich mich ihm gegenüber nicht wieder so offen verhalten?
    Warum richte ich mich immer noch nach seinen Wünschen?
    Warum gebe ich immer wieder nach?
    Warum kann ich nicht für mich und meine Bedürfnisse einstehen?

    Ich habe mich in diesem Forum eingelockt, um mich über das Thema Alkoholismus zu informieren und habe eine Antwort auf meine Fragen bekommen.

    Nachdem ich die Antwort erhalten habe, habe ich mich besser gefühlt, ich habe mich wohl irgendwie damit abgefunden, daß mein Verhalten irgendwie ok. ist und bin dadurch erst mal etwas zur Ruhe gekommen.

    Im Moment befinde ich mich wohl an dem Punkt, abzuwägen, was ich für die Zukunft will und was ich tun muß oder brauche, um eine Entscheidung zu treffen.

    Mein Verstand sagt mir etwas ganz anderes als meine Gefühle. Und auch mein Verstand fährt genauso Achterbahn wie meine Gefühle.

    Irgendwie ändert sich alles bei mir teilweise von einer Minute auf die andere. Der kleinste Anlass schmeißt meine Stimmung über den Haufen. Das ist ein Gefühle, als wenn jemand von hinten kommt und Dir die Beine weghaut. Du liegst plötzlich und weißt garnicht warum.


    Daß Du Deinen Mut zusammen genommen hast und zu der Selbsthilfegruppe gegangen bist finde ich toll, mach weiter so.

    ganz liebe Grüße

    Neraa

  • Liebe Neraa

    Deine Antwort bezüglich Mann hat mich betroffen gemacht. Und ich habe jetzt ein schlechtes Gewissen, weil ich das Gefühl habe, ich habe Dich irgendwie "angestochen". Ich bin doch mehr die Alkoholikerin, als die Angehörige von einem Alkoholiker, damit will ich sagen, daß ich
    vermutlich auch co-abhängig bin, dies aber nicht so stark vertreten ist
    wie meine eigene Sucht..

    Weißt Du, ich wollte trinken.. Er wollte trinken. Daran hat auch das Wohlverhalten unserer Umwelt nichts geändert. Und wenns toll lief, war halt das Tolle einen Grund sich zuzuprosten ...

    Ich bin sicher auch irgendwo "co", weil ich jahrelang, obwohl alles vor Augen gar nicht registriert habe, was so mit meinem Mann und dem Alkohol los ist.. (und natürlich mit mir)

    Ich gehe in die Gruppe, Er nicht, er meint, er schafft es alleine- möchte mich aber bei unangenehmen Dingen vorschieben.. Arztbesuch, Krankmelden und Schreibkram .. für mich ist es auch
    schwer, ihn seine Verantwortung zu lassen ohne daß ich ihn im
    Stich lasse.. ich habe den Weg in der Beziehung auch noch nicht gefunden. Deswegen bin ich hier

    Wenn ich Dich verletzt habe, tut es mir leid.. Aber wenn Dich mein
    Geschreibsel zum Nachdenken gebracht hat und Dir ein wenig geholfen hat- dann ist es doch auch gut, oder? :)

  • Hallo Xenica,

    Du hast mich weder angestochen noch verletzt.

    Deine Frage hast Du gut gestellt und mir dadurch die Gelegenheit gegeben meine Antwort darrauf einmal richtig in Worte zu fassen und ein Feedback darrauf zu bekommen.

    Gerade diese Gedanken, kann ich mit niemandem teilen, weil ich in Gesprächen auch nie die Möglichkeit hätte mich so auszudrücken,

    Du hast vollkommen recht mit Deiner Aussage. Die gleiche Meinung habe ich vor einiger Zeit auch noch vertreten.

    Ich fühlte mich auch immer stark genug mir so etwas nie bieten zu lassen, ich hätte nie gedacht einmal in so eine Situation kommen zu können.

    Mein Problem kommt daher, daß ich vor meiner Beziehung zu meinem Mann dummerweise schon einmal eine schlechte Erfahrung gemacht habe.

    Mir war zwar dieses Problem bewußt aber ich hätte nie im Traum daran gedacht, daß ich mir irgendwann noch mehr gefallen lassen würde.

    Damals habe ich diese Beziehung sofort beendet, ich hatte zwar arge Probleme damit, das Erlebte zu verarbeiten und mich wieder auf etwas neues einzulassen, aber ich habe immer gedacht, daß ich mich sofort trennen könnte, wenn ich das Gefühl hätte in einer Beziehung nicht geachtet zu werden.

    Mittlerweile weiß ich es besser und habe sehr viele Grenzen überschreiten lassen.

    Das ist für mich eigentlich das Schwierigste an unserer Situation, zu verarbeiten, daß ich offenbar doch nicht so stark bin, wie ich immer dachte.

  • Es ist komisch, ich bin schwach. Für mich hat Abhängigkeit immer Überwältigtsein von Schwachheit bedeutet. Wahrscheinlich habe ich es deswegen lange so gut verdrängen können.

    Ich habe kapituliert. Mußte der Wahrheit ins Gesicht sehen: Abhängig.
    Durch und durch süchtig. Hab die Kontrolle verloren. Ich bin krank

    Die Schwachheit hat mir die Stärke gegeben mir Hilfe zu suchen

  • Ich denke, genau an dem Punkt bin ich im Moment auch.

    Hilfe suchen!

    Ich finde es allerdings sehr schwierig mit diesem Problem zu anderen zu gehen.

    Die Vorstellung, wie mich diejenigen dann ansehen,
    und die Angst nicht verstanden zu werden.

  • Liebe Neraa

    Ich tue mir auch schwer mit meinen Probleme zu anderen Menschen zu gehen. Das ist aber nicht nur auf die Sache mit dem Alkohol begrenzt. Ich bin so erzogen worden: hart zu sein, und keine Schwäche zu zeigen!

    Ich habe in meiner Ausbildung gelernt: Sucht ist eine Krankheit,
    Co-Abhängigkeit ist eine Krankheit (wie jede andere Krankheit
    oder wie jede andere psychische Krankheit) kein Grund zu schämen, es ist keine Schande krank zu werden, es ist nur schlimm, wenn man nichts dagegen tut

    Trotzdem mein Kopf das weiß, kann ich nicht so einfach bei jeder Gelegenheit sagen: ich bin Alkoholiker ..

    Und wichtiger ist es doch, die Hilfe zu bekommen..
    Das ist doch viel wichtiger als von jedem verstanden zu werden..oder?

  • auch mein Kopf sagt mir eine ganze Menge.
    z.B. ich sollte eine therapie machen, um mit mir selber in Einklang zu kommen und so wieder alles in den Griff zu kriegen.

    Aber die das Problem ist die Überwindung, selber zuzugeben, daß man Hilfe braucht. Dabei fühlt man sich so klein und schwach.
    Und ich habe die letzten 20 Jahre damit zu gebracht, genau das Gegenteil zu beweisen und nicht die Kleine zu sein, für die mich viele im ersten Moment halten.

  • Das Problem liegt wohl weniger darin sich einem Therapeuten anzuvertrauen, als daß, was das alles nach sich zieht.

    Die Fragen, Kommentare und das Verhalten der anderen in meiner Umgebung.

    Mit wie vielen Menschen und auch sehr vertrauten Menschen, die mich jeden Tag sehen und meinen mich zu kennen, müßte ich mich dann mit diesem Thema auseinandersetzen.

    Wie viele Leute wollen dann, daß ich mein Innerstes nach außen kehre.

    Und wie werden sie sich Verhalten. Damit meine ich nicht nur mir gegenüber.

  • Mir ist im Moment noch am wichtigsten, daß mein Mann mit dem Trinken aufhört und ich habe Angst davor, daß er dann erst richtig anfängt zu trinken, wenn er sich nicht nur vor mich rechtferitigen muß, sondern sich evtl auch noch vor anderen verteidigen muß.
    Ich habe Angst vor dem, was dann passiert.

  • Hallo Erdling,

    daß habe ich mir fast schon gedacht, da ich hier meinen Beitrag geschrieben habe, muß man da im ersten Moment sicher auch von ausgehen.

    Immerhin habe ich meinen Mann vor ein paar Tagen dazu übereden können es mal ohne zu versuchen.

    Jetzt bin ich im Moment also erst mal wieder in der Situation, daß ich hoffen, daß er es verstanden.

    Allerdings bin ich mir schon bewußt darüber, daß es wohl sehr wahrscheinlich nur eine Hoffnung ist.

  • Hallo Xenica,

    Entschuldige, daß ich mich in Deinem Thread breit gemacht habe. Das war Gedankenlos und überhaupt nicht angebracht.

    Ich hoffe Du hattest trotzdem einen guten Tag und wünsche Dir viel Erfolg zu Dir zu finden und Deinen Weg zu gehen.

    Liebe Grüße

    Neraa

  • Liebe Neraa

    Es macht mir nichts aus, wenn Du Dich in meinem Thread wohl fühlst.
    Mach Dich ruhig breit und leg die Füße auf den Tisch :)
    Hätte es mich gestört, hätte ich schon gemeckert :)
    Außerdem war es doch angebracht, was Dich bewegt hat

    liebe Grüße
    Xen.

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!