Manchmal verstehe ich es einfach nicht. Vielleicht fehlen mir da ein paar Synapsen oder Neurotransmitter, muss ich mal nachschauen. 
Natürlich macht es einen Unterschied, ob ich sage: „Ich bin trockener Alkoholiker“ oder ob ich sage: „Ich trinke keinen Alkohol“. Wenn ich nur auf mögliche Konsequenzen schaue – Stigma, berufliche Nachteile, anders behandelt werden, aus Gruppen rausfallen – kann ich nachvollziehen, warum viele davor zurückschrecken.
Aber der Sucht ist das doch völlig egal. Die interessiert sich nicht für Image, Job oder Gefühle. Nichts, nada, niente.
Ich muss es niemandem aufdrängen. Aber es klar auszusprechen, macht einen deutlichen Unterschied. „Ich trinke keinen Alkohol“ ist für mich eine leere Aussage. „Ich bin Alkoholiker“ dagegen ist eindeutig. Und das ist auch Selbstschutz.
Wenn ich früher beim Feierabendbier immer mitgesoffen habe, verschwindet das nicht einfach aus dem Kopf. Das sitzt im Suchthirn. Und gerade am Anfang ist dieses Suchthirn lauter als vorher. Man sieht andere trinken – und sofort springt der alte Mechanismus an: „Wo bleibt mein Stoff?“
Ich kann natürlich auch still daneben sitzen, nichts sagen, mich zurückhalten, Faust in der Tasche. Geht alles. Aber das ändert nichts am inneren Druck.
Und genau da macht es eben einen Unterschied, wie klar ich für mich bin. Ich kann mich aber auch in alter Manier selbst belügen, mir etwas vormachen und Rechtfertigungen suchen, warum ich nichts mehr saufe.