Beiträge von Hartmut

    Es ist so:

    Nein, es ist eben nicht so. 😉 Ich finde es immer wieder spannend, wenn ein Co‑Abhängiger versucht, mir die Innenwelt eines Alkoholikers von außen zu erklären. Dabei entstehen oft die skurrilsten Konstruktionen – die beschreiben aber meist weniger die Sucht des Alkoholikers als das eigene Denken darüber.

    Typisches Co‑Muster: im Kopf des anderen herumräumen. Warum denkt der so? Warum handelt der so? Was steckt dahinter? Betreutes Gedankenlesen. ;) Von außen kann man die Sucht eines anderen schlicht nicht vollständig verstehen. Und manchmal ist genau das die sauberste Lösung: nicht versuchen, im Kopf des Alkoholikers zu wohnen, um das eigene Leben zu verändern. Solange ich mir immer neue Erklärungen über ihn zusammenbaue, kreise ich weiter um ihn nicht um mich.

    Und bevor jetzt wieder die nächste Co‑Runde daraus wird. Dafür gibt’s die eigenen Fäden. Das hatte ich hier schon mal geschrieben.

    Hier bleiben wir bei den Fragen an Alkoholiker.

    Ich denke, es wird mal wieder Zeit, den Sinn dieses Threads klarzumachen. Das hier ist kein Diskussionschat über Beziehungen, Hypothesen oder persönliche Lebensgeschichten.

    Bitte darauf achten

    Guten Morgen, ich habe es auch nicht böse gemeint!

    Gestern war da einfach wieder Wut und Hilflosigkeit über meine Situation, da ich das jetzt schon seit über 26 Jahren „miterleben“ darf als Co Abhängige.

    na ja, „stolz“ sehe ich für mich ein bisschen anders, aber ich weiß, wie du es meinst. :whistling:

    Nein, ich habe es zumindest nicht böse genommen. Glaub mir, wer hier schon ein paar Jahre unterwegs ist, kann sowas ganz gut einordnen. Selbst wenn jemand mal wirklich böse meint, was er schreibt dann ist das eben so. Ist ja kein Ponyhof, sondern eine schwerwiegende Krankheit, bei der auf allen Seiten genug gelitten wird.

    Da kann man sich schon ordentlich die Zähne dran ausbeißen.

    Du hast aber selbst etwas geschrieben, wo ich eher ansetzen würde. Nur bitte in deinem eigenen Faden, hier sind ja eigentlich die Fragen an Alkoholiker. ;)

    Du machst das seit 26 Jahren mit und beschreibst immer noch Wut, Hilflosigkeit und Verzweiflung. Da würde ich für mich irgendwann nicht mehr nur auf den Alkoholiker schauen, sondern auch fragen. Was kann ich heute verändern, damit mein Leben nicht weiter von seiner Sucht bestimmt wird? Nach 26 Jahren wäre das für mich jedenfalls die wichtigere Baustelle.

    Warum ist man als Alkoholiker so egoistisch und stellt seine Sucht komplett über alles?

    Uiiiiiii … 😉 „Alkoholiker sind egoistisch.“ Kann man so sehen, wenn man Alkoholismus nicht wirklich als Krankheit einordnet, sondern eher als Willensschwäche nach dem Motto. Der müsste doch nur mal richtig wollen.

    So einfach ist es aber nicht. Sonst könnte ich bei anderen Krankheiten genauso anfangen: Selber schuld, falsch gelebt, nicht genug auf sich aufgepasst. Und das Schlimmste. Jetzt ist der auch noch krank und ich muss mir das mit ansehen. Passt mir gerade überhaupt nicht. 😉

    Da frage ich mich schon . Wer ist hier eigentlich egoistisch? Der Kranke, weil er krank ist? Oder derjenige, der erwartet, dass die Krankheit gefälligst in seinen eigenen Tagesablauf passt?

    Dass eine Sucht für Partner, Kinder und Angehörige eine massive Belastung sein kann, steht für mich dabei überhaupt nicht zur Debatte. Mir geht es hier nur um die Einordnung.

    Hallo, das glaube ich euch alles aber was ich nicht einsehe, es ist eine Krankheit aber man kann was dagegen tun.

    Andere sterben unschuldig an Krankheiten ohne was tun zu können.

    Ich finde das Verhalten der Alkoholiker in meinem Umkreis einfach nur mehr egoistisch und ich kann dieses ganze „es ist ja alles halb so wild“ nicht mehr hören…

    In Wirklichkeit ist es langsames Sterben. Zumindest bei denen, die exzessiv trinken.

    Nach deiner Logik würde ein Alkoholiker also „schuldig“ an seiner Krankheit sterben.;) Glaub mir mal Keiner steht morgens auf und sagt sich beim Kaffee: „Heute ruiniere ich mal mein Leben und das meiner Familie gleich mit.“

    Klar kann man etwas tun. Nur nicht „man“. Der einzelne Alkoholiker muss an seinem eigenen Punkt etwas tun. Und wie bei anderen Krankheiten hilft eben auch nicht jedem das Gleiche, nur weil irgendeine Lösung darübergestülpt wird.

    Hilfe, Arzt, Therapie und Angehörige können unterstützen. Trocken leben kann ihm aber keiner abnehmen. Sucht erklärt vieles. Sie entschuldigt aber auch nicht alles. Aber aus einer Krankheit Schuld zu basteln, nur weil andere darunter leiden, ist mir zu einfach.

    . Aber ich möchte Alkohol nicht verteufeln und möchte nicht-Süchtigen ihr Glas Wein gönnen können.

    Es gibt genug Menschen, die im Lokal sitzen und gar keinen Alkohol trinken. Deshalb stolpere ich über dieses „den anderen ihr Glas Wein gönnen können“.;)

    Warum überhaupt gönnen? Damit bekommt Alkohol schon wieder eine Sonderrolle. Die einen dürfen, die anderen nicht. Die einen können, die anderen müssen verzichten. Und schon kreisen die Gedanken wieder um Alkohol.

    Ist aber am Anfang nicht ungewöhnlich.. Die nasse Welt, die man verlässt, war schließlich jahrelang mit Alkohol besetzt. Der Kopf hat gelernt. Alkohol gehört überall dazu.

    Ich muss niemandem Alkohol gönnen. Ich muss ihn auch niemandem missgönnen.

    Ich muss nur mein erstes Glas stehen lassen.

    Ich habe mehrfach hier gelesen, dass es egal ist, warum ich getrunken habe und dass es keinen Sinn macht, sich damit aufzuhalten (so habe ich es jedenfalls verstanden). Ich stelle fest, mir hilft es, in Trigger-Situationen zu erkennen, was ich gerade jetzt mit Alkohol bezwecken wollen würde. Und dann kann ich mich dem eigentlichen Bedürfnis oder Gefühl widmen, dass unter dem Suchtdruck liegt...

    Warum du getrunken hast, kannst nur du selbst einordnen. Und du musst entscheiden, ob das für dein heutiges Trockenbleiben überhaupt noch eine Rolle spielt.;)

    Für mich persönlich hat der Anfang meines Saufens mit meiner heutigen Abstinenz nichts mehr zu tun.. Irgendwann hat die Sucht übernommen. Ab da war es ziemlich egal, wie ich mich gerade fühlte. Mein Suchthirn kannte Alkohol als All-inclusive-Lösung und hat ihn entsprechend angeboten.

    Triggersituationen sind für mich alle Momente, in denen dieses alte Programm wieder anspringt. Je näher etwas an meinem früheren Saufverhalten liegt, desto eher kann die Sucht reagieren. Aber auch das ist keine Garantie. Ich habe in meiner nassen Zeit schließlich nicht nur aus bestimmten Gründen oder in bestimmten Situationen gesoffen.

    Manchmal habe ich einfach nur so gesoffen. Sucht braucht nicht jedes Mal eine hübsche Begründung.

    Zwar sehe ich nach meinen Erfahrungen mit und Recherchen über Alkohol diesen sehr viel kritischer und bedenklicher als zuvor, aber ich fände es schön wenn ich in der Lage wäre, zB abends mit Freunden ins Restaurant zu gehen und es ok zu finden, wenn dann jemand (in unbedenklichen Mengen) etwas trinkt. Oder anders formuliert: ich möchte in mir so gefestigt sein, dass ich nicht darauf angewiesen bin, nur noch mit komplett abstinenten Menschen auch mal auszugehen. Das wäre jedenfalls meine Hoffnung, dass ich das kann...

    Meine Hoffnung in der nassen Zeit war oft. Morgen höre ich auf. Oder: Ich trinke nur noch da, wo es angebracht ist. Absichtserklärungen hatte ich genug.

    Nur, Hoffnung kennt die Sucht nicht. Die ist auch trocken nicht weg. Sie ruht. Mit dem ersten Glas wäre sie bei mir wieder voll im Geschäft, schneller als ein guter alter V8 anspringt. ;)

    Deshalb würde ich mir heute auch nicht schon die nächste Hoffnung hinlegen. Irgendwann sitze ich wieder ganz entspannt mit Trinkenden im Lokal. Kann sein. Muss aber nicht. Wenn ich mir das heute schon zum Ziel mache und es später nicht klappt, sitzt die Enttäuschung gleich mit am Tisch. Und die Sucht schiebt mir womöglich schon das Glas rüber und sagt: Prost.

    Vielleicht kann du irgendwann problemlos daneben sitzen. Vielleicht willst du es dann gar nicht mehr. Vielleicht interessiert dich das ganze Szenario überhaupt nicht mehr. Die Zukunft muss heute nicht schon fertig eingerichtet sein. Wie du später mit solchen Situationen umgehen kannst, zeigt sich auf deinem Weg.

    Und ich wäre vorsichtig, wenn andere trockene Alkoholiker schreiben. „Bei mir ist das kein Problem.“ Mag ja stimmen. Nur ist das deren Erfahrung und nicht automatisch deine. Trigger lassen sich nicht eins zu eins vergleichen. Was den einen kaltlässt, kann beim nächsten das komplette alte Programm anschmeißen.

    Die Suchtmechanik ist ähnlich. Der Treibstoff auch. Nur die Auslöser sind individuell und genau das macht es wieder aktivierbar. Was du heute kannst, ist viel einfacher. Das erste Glas stehen lassen. Heute trocken bleiben.

    Der Rest zeigt sich unterwegs.

    es tut mir leid, wenn ich da ein Tabu-Thema herein gebracht habe!

    Mach dir da mal keinen Kopf. Alles gut. War nicht persönlich, war allgemein.

    Du bist nicht der erste und wirst garantiert nicht der letzte User sein, der das Thema auf dem Schirm hat. Ist schließlich Sucht.;)

    Wir hier leben Abstinenz. Wir halten nichts von betreutem Saufen, Runtertrinken oder „ein bisschen die Sucht im Zaum halten“ Das verlängert für mich nur das Leiden und führt nicht aus der Sucht raus.

    P.S. Lass dich nicht irritieren von meiner, sagen wir mal, unorthodoxen Art, Dinge anzusprechen ... ich beiße nicht.:saint: Meistens jedenfalls nicht

    Erst mal schön, dass hier wieder etwas Beteiligung reinkommt. 👍

    Nach 19 Jahren Trockenheit habe ich natürlich vieles schon zigmal geschrieben. Irgendwann sind die Geschichten auch einfach auserzählt, und die Märchen aus Tausendundeiner Nacht gehören zur nassen Zeit, nicht zur trockenen.

    Für mich ist Trockenwerden im Kern simpel. Keine Raketenwissenschaft, kein Geheimprogramm, kein „erst alles verstehen, bevor ich anfange“.

    Es ist ein Wort. Tun.:saint:

    Arzt, sichere Entgiftung, Grundbausteine, Risiken minimieren, Alkohol aus dem Umfeld, und das Ganze konsequent umsetzen. Hilfe kann unterstützen, Therapie kann helfen, Austausch kann helfen, Bücher können helfen. Aber nichts davon übernimmt das Tun für mich.

    Die Suchtmechanik ist keine neue Erfindung. Die Risiken auch nicht. Kompliziert wird es meistens erst im eigenen Kopf. Der ist sehr kreativ, wenn er eine Hintertür sucht.

    Gardasee, Sonnenuntergang, Wein. Klar kenne ich solche Bilder. Das ist nasses Denken. Und wenn dann noch Neid dazukommt, „Andere können trinken, ich nicht“, dann macht das natürlich etwas. Nur bringt es mir nichts, mich darin einzurichten. Also raus damit.

    Bei Menschen ohne Sucht darf das ein schöner Traum bleiben. Warum nicht? Bei mir hängt an diesem Weinglas eben mehr als nur Wein. ;) Wenn bei mir so ein alter Suchtfilm anlief, habe ich irgendwann aufgehört, ihn bis zum Abspann weiterzudenken. Ich kenne das Ende.

    Stopp-Taste.

    Warum sollte ich im trockenen Zustand freiwillig nasse Gedanken pflegen und ihnen noch einen Sessel hinstellen? Saufgedanken, Suchtdruck, erkennen, Schublade auf, rein damit. Wenn nötig aushalten, Notfallkoffer, rausgehen, irgendwas tun.

    Ich weiß, wo es endet, wenn ich wieder saufe.

    Wer solche Bilder weiterdenkt, ist vielleicht innerlich noch nicht ganz fertig damit. Zumindest ist das meine Vermutung. Ich sehe jedenfalls keinen Sinn darin, geschlossene nasse Hirnareale wieder zu füttern und aufzuwärmen, bis sich irgendwo wieder eine Lücke auftut.

    Nö. Welchen Nutzen soll das für meine Trockenheit haben? Abschreckbilder allein haben noch keinen Süchtigen trocken gemacht.

    Tun schon eher.

    Euch einen schönen Samstag.

    Weiter im Text.

    Gerade im ersten Jahr werden die Weichen gestellt. Vorher Hans Dampf überall, und dann soll ich plötzlich trocken leben. Großartig. ;) Nicht besonders aufregend

    Für mich hieß das damals nicht nur Glas weg. „Einfach nicht trinken“ ist die Theorie von Leuten, die nie gesoffen haben.

    Ich musste meine Welt umbauen. Nicht, weil ich so gerne wollte, sondern weil die Realität das verlangt hat. Da trennt sich auch die Spreu vom Weizen ziemlich automatisch. Wer nur zum Saufen da war, blieb eben auch beim Saufen.

    Die Welt wird nicht trockener , nur weil ich es bin. Also musste ich meine eigene Welt trockenlegen. Sauffreunde, Trinkbekanntschaften, Feste, Veranstaltungen, bei denen Alkohol fast schon Grundnahrungsmittel ist, wurden erst mal gestrichen. Mir war ziemlich egal, ob das Tante Erna, Cousin Kevin oder der „beste Freund seit 1998“ war.

    Meine Trockenheit war wichtiger.

    Die Sucht interessiert sich nämlich einen feuchten Kehricht für Geburtstage, Weihnachten oder Hochzeiten. Die nimmt jede Lücke, die ich ihr lasse, und am Anfang gibt es davon reichlich. Alte Orte. Alte Leute. Alte Stimmung. Und das legendäre: „Ach komm, das geht schon.“

    Genau deshalb verstehe ich bis heute nicht, warum man im ersten trockenen Jahr unbedingt testen muss, wie viel altes nasses Leben man schon wieder verträgt? Feiern bei mir zu Hause waren alkoholfrei. Kein „Meine Frau trinkt doch nur ihr Gläschen“ oder „Mein Freund, Partner, Nachbars Lumpi...“. Nö.

    Ich muss nicht dafür sorgen, dass andere bei mir Alkohol trinken können, damit sie sich wohlfühlen. Wer nicht süchtig ist, muss keinen Alkohol trinken. So einfach ist das für mich. Leute, die das nicht verstanden haben, denen musste ich auch nichts weiter erklären. Sie wollen es nicht verstehen, sie wollten trinken.. Die wurden eben nicht eingeladen.

    Für mich ging es nicht darum, möglichst schnell wieder genauso zu leben wie vorher, nur ohne Glas in der Hand. Natürlich fühlte sich manches erst mal wie Verzicht an. Trockenheit ist am Anfang kein Wellnessprogramm.

    Ich musste erst lernen, trocken zu leben. Und ja, ein „Nein“ gehört dazu. Für mich selbst und nach außen. Es ist auch nicht nötig, mich nur mit Alkohol „mögen“ zu müssen. ;)

    Die Rückfallgefahr ist sowieso hoch genug. Da muss ich nicht noch selbst Löcher in mein Sicherheitsnetz schneiden und anschließend ausprobieren, ob ich durchfalle. Mein altes Leben musste sich meiner Trockenheit anpassen. Nicht meine Trockenheit meinem alten Leben.

    Und ja, es gibt genug trockene „Helden“, die das alles anders machen. Sollen sie. Ich stoße niemanden vom Sockel. Oft sind solche Zugeständnisse gegenüber Partner, Familie oder Freunden für mich aber auch eine Art. Schaut her, ich trinke zwar nicht mehr, gehöre aber trotzdem noch dazu. Oder zu Hause, wo jahrelang gesoffen wurde, plötzlich beweisen zu wollen, dass der Partner neben mir weiter trinken kann.

    Vielleicht als Wiedergutmachung, vielleicht damit sich möglichst wenig verändert. Kann man machen.

    Ich musste kein Held sein. Ich kenne meine Realität, deshalb habe ich am Anfang nicht darüber verhandelt, wie viel altes, nasses Leben ich behalten kann. Ich habe geschaut, was meine Trockenheit schützt.

    Ja, es gab später natürlich Situationen, die sich nicht vermeiden ließen. Und auch mal ein Probieren, was schon wieder geht. Da war das Suchtgedächtnis teilweise schneller wach, als ich laufen konnte.:saint:

    Trigger gab es auch nach dem ersten Jahr noch. Nur haben die mich irgendwann nicht mehr ernsthaft ins Schwanken gebracht.

    Das kam aber nicht von allein. Der Austausch hier, das ständige Beschäftigen mit meiner Sucht und auch eine gewisse Wachsamkeit waren am Anfang wichtig. Vielleicht manchmal sogar etwas übervorsichtig. War mir aber lieber als überheblich.

    Irgendwann musste ich nicht mehr jeden Schritt bewusst überlegen. Trocken leben wurde normal. Meine Realität eben.

    Und vielleicht fällt mir dazu noch mehr ein. Muss ja nicht alles heute auf den Tisch.

    Sonst wird aus „Weiter im Text“ irgendwann „Endlosschleife mit Fußnoten“.

    Echt jetzt? Ist "Schönsaufen immer noch Bestandteil deiner Denke?

    Für mich ist war das genau dieses "nasse Geschwätz" das die Suchtstimme bei Laune hält. Es verkauft nur den Anfang und verschweigt den Rest;)

    Gute Laune, Dopamin, Abenteuer, gemütlich. Klingt hübsch. Die Realität kommt aber spätestens, wenn die Promille wieder fallen.

    Dann ist die Erkältung noch da, der Magen auch, die Probleme sowieso. Und wie du selbst aus deiner Biografie weißt, kommen meistens noch ein paar neue dazu.;)

    Schönsaufen gibt es einfach nicht. Es knockt die Realität kurz aus – und wenn du wieder aufstehst, sind die Wunder immer noch nicht da.

    Mein Tipp: Hau dir solche nassen Gedanken aus dem Kopf. Je weniger davon drin sind, desto weniger Angriffsfläche hat die Sucht.

    Ich wusste nicht das, dass eine Frage ist mit Alkoholiker, weil es für mich selbstverständlich ist. Ich bin einer, der sein Lebenlang dieses Päckchen tragen wird.

    Was für dich selbstverständlich ist, kann ich ja nicht beurteilen. Ich habe keine Glaskugel.

    Schau mal, die Frage wurde dir dreimal gestellt.. ;)

    1.

    Du bist also Alkoholiker und möchtest für immer abstinent leben?

    2.

    bei uns läuft es immer nach dem gleichen Schema ab, nämlich, dass sich hier die Menschen, die sich als Alkoholiker bezeichnen können und für immer abstinent leben möchten,

    3.

    Siehst du dich als Alkoholiker und willst du lebenslang abstinent leben?

    Und nun haust du auch noch einen widersprüchlichen Satz raus. Okay, du sagst, du bist Alkoholiker. Was willst du denn nun lebenslang tragen? Das Saufen? Oder das Trockenbleiben? Und wann hast du zuletzt getrunken?

    Geh bitte einmal sauber auf die Fragen ein. Erst dann können wir dir Unterstützung geben.

    Weiter im Text:

    Früher war ich Hans Dampf in allen Gassen. Auf jeder Party, jedem Treffen, jeder Veranstaltung, jedem Fest. Immer vorne, immer gesellig, nie maulfaul, Stimmungsmacher vom Dienst.

    Und dann kommt die Erkenntnis: suchtkrank. Trocken werden. Und gleich das volle Paket dazu, Risikominimierung, Veranstaltungen meiden, Feiern auslassen, das ganze Programm. Das geht natürlich nicht einfach so in den Kopf. Veränderungen sind Schutz vor der Sucht, kein „Verzicht“.

    Aber die Sucht brüllt am Anfang zuverlässig ;) „Ich kann mich doch nicht einsperren. Ich kann mich doch nicht isolieren. Ich kann doch nicht mein ganzes soziales Leben streichen.“ Ja, klar. Wenn das jahrelang zum eigenen Lebensprogramm gehört hat, sitzt das fest wie Zähneputzen.

    Der eigentliche Punkt war aber viel simpler. Das trockene Leben kannte ich schlicht nicht.:whistling:

    Jeder Versuch, doch auf eine Feier zu gehen, jeder Gedanke „wird schon gehen“, war kein Kompromiss mit der Feier. Ich habe mit meiner Sucht verhandelt. Und Sucht ist ja kein fairer Geschäftspartner. Die sagt „Geh ruhig hin. Passiert schon nichts. Ich zeig dir gleich, wie leicht das wieder wird.“

    Genau das kannte ich aus meinem ersten Versuch. Ausgehalten, mir eingeredet: „Macht mir nichts aus.“ Beim nächsten Mal wieder hin. Und wieder. Risiko jedes Mal ein Stück höher. Rückfall. So funktioniert Sucht eben. Nicht mit Sirene und Blaulicht, sondern schleichend. Ein bisschen alte Gewohnheit zurück. Ein bisschen Risiko schönreden. Ein bisschen nasses Denken wieder salonfähig machen. Und irgendwann kippt der Trockene wieder ins Nasse.

    Deshalb war irgendwann klar. Ich muss mein Leben der Tatsache anpassen, dass ich süchtig bin. Nicht meine Sucht so lange zurechtbiegen, bis sie wieder in mein altes Leben passt.

    Großer Unterschied.

    Das Umstellen auf das neue Leben ist nicht einfach. Das braucht auch keiner romantisieren. Da kommt Verzicht, da kommt Frust, da kann auch Saufdruck kommen. Das ist kein spiritueller Wandertag, das ist schlicht die Rechnung fürs alte Programm.

    Ich lese hier oft auch diese gut gemeinten Floskeln: „Es lohnt sich.“ – „Alles wird besser.“ – „Es befreit.“ – „Ich lebe in Freiheit.“ Ja, nett gemeint. Aber am Anfang sieht die Realität oft eher nach Verzichtsprogramm aus als nach Freiheit.;)

    Da heißt es aushalten. Gegensteuern. Genervt sein. Frustriert sein, weil manches eben erst mal nicht geht. Das ist das echte Leben. Mit oder ohne Sucht. Und manchmal beißt man auch mal in die Tischkante.

    Der entscheidende Punkt war für mich. Die Sucht bekommt kein Stimmrecht. Kein „Vielleicht“. Kein „Nur heute“. Kein „Ich schau mal“. Denn sobald die Sucht wieder mitreden darf, schreibt sie das Drehbuch – und ich spiele wieder die Nebenrolle.

    Es wird auch nicht automatisch alles besser. Das Saufen einzustellen ist gesundheitlich ein Volltreffer, klar. Aber das Leben danach? Das muss ich mir erarbeiten. Das muss ich lernen. Das muss ich mir angewöhnen.

    Und ja, bei mir war auch einiges aufzuarbeiten. Ich wäre fast auf der Straße gelandet. Das Materielle war erst mal weg. Privatleben? Das kommt nicht auf Knopfdruck zurück. Da gibt es keinen Reset‑Button, der alles wieder hübsch macht.

    Also "Gewöhnung" Das kann der Süchtige ja hervorragend. Nicht wahr? ;) Nur eben viel zu lange in die falsche Richtung. Jetzt muss sie in die richtige laufen.

    Mit der Zeit verändert sich das. Durch die Umgewöhnung, das Kennenlernen dieses neuen Lebens, die neue Ausrichtung und die ersten eigenen Erfolge kommt irgendwann etwas zurück, das lange verschüttet war. Das Gefühl, sein Leben wieder selbst in der Hand zu haben.

    Nicht mehr fremdgesteuert von der Sucht. Nicht mehr alles um Alkohol herum planen, verstecken, rechtfertigen und organisieren. Wenn dieses ganze nasse Verhalten langsam aus der Birne verschwindet, kommt für mich erst das eigentliche Gefühl von Freiheit.

    Und ich schaue machmal zurück und frage mich ernsthaft, wovor ich am Anfang eigentlich so viel Angst hatte. Manches, was sich damals wie ein riesiger Verlust angefühlt hat, wirkt später nur noch ziemlich absurd.

    Da merkt man erst, wie sehr die Sucht vorher schon mitgedacht hat.

    Danke für die Rückmeldung.

    Du befindest dich hier aber weiterhin im Vorstellungsbereich. Der eigentliche Austausch findet erst nach der Freischaltung statt.

    Und die entscheidende Frage hast du bisher noch nicht klar beantwortet:

    Siehst du dich als Alkoholiker und willst du lebenslang abstinent leben?

    Es geht dabei nicht darum, dir etwas aufzuzwingen. Wir brauchen nur die gleiche Voraussetzung für den weiteren Austausch. Sonst reden wir am Ende über zwei verschiedene Dinge und das macht wenig Sinn.

    Ab da geht es dann hier weiter.

    Weiter im Text.

    Seit Beginn meiner Trockenheit fällt mir auf, wie viel Zeug von außen auf einen einprasselt. Früher Bücher, Therapien, Gruppen. Heute ballern YouTube, Podcasts, KI, Apps, Medikamente und jede Woche irgendein neuer „Gamechanger“ rein.

    Ich hab damals sogar A. Carr gelesen und gedacht: „Alles klar, ich hab’s verstanden.“ Drei Monate später wusste ich vor allem eins, wie ein Rückfall funktioniert. Dem Tod noch mal von der Schippe gesprungen. Wer spielt nicht gern mit seinem Leben.;)

    Nicht weil das Buch schuld war. Mein Fehler war simpler. Ich hab wieder die bequemste Lösung draußen gesucht. Dieses „ein bisschen denken, Buch lesen, verstanden haben – und schon läuft’s“ höre ich hier auch ständig.

    Neue kommen rein, meinen die Lösung schon im Gepäck zu haben und erklären den Langzeittrockenen, wie Trockenheit funktioniert. Nicht respektlos gemeint , aber die Sicht ist oft noch "nass" und der Sucht-Balken hängt mitten vorm Gesicht.

    Unbeeindruckt von der ganzen Überschwemmung an Hilfsmöglichkeiten bleibt die Rückfallquote erstaunlich stabil. Rückfall ist ja nichts Exotisches. .

    Die, die langfristig stabil sind, machen meist ziemlich dafür unspektakuläres Zeug .Sie nehmen ihre Sucht ernst, minimieren Risiken, halten Alkohol aus ihrem Umfeld, meiden Saufveranstaltungen, kennen ihre gefährlichen Situationen und hören irgendwann auf, sich für schlauer als ihre Sucht zu halten.

    Keine Magie. Nur machen. Ich hatte damals genug Informationen. Was mir fehlte, war nicht der nächste kluge Ansatz. Was mir fehlte, war Konsequenz.

    Deshalb machen mich neue Heilsversprechen heute eher vorsichtig als euphorisch. Kann helfen. Kann unterstützen. Kann ergänzen.

    Aber trocken leben muss ich selbst. Und deshalb sind diese alten, langweiligen Grundbausteine für mich immer noch erstaunlich modern.;)

    Komplett verblödet bin ich zum Glück nicht.

    Ist mein Post so bei dir angekommen? :whistling:

    Nein, du bist natürlich nicht verblödet. Wer sich allein schon hier austauscht, sich mit den Themen beschäftigt und das Ganze auch noch schriftlich auseinanderklamüsert, ist ziemlich weit weg davon.

    Natürlich gibt es auch hier welche, die sich lieber dann an Grammatik, einzelnen Wörtern oder Formulierungen festbeißen, statt auf den eigentlichen Inhalt zu schauen. Dann werden noch ein paar Nebenbaustellen aufgemacht und schon ist man wieder wunderbar beschäftigt :mrgreen:

    Also eigentlich wie im richtigen Leben.

    Und ohne Alkohol kleinreden zu wollen. Es ist ja auch nicht nur der Alkohol, der im Leben Spuren hinterlässt. Da kommt über die Jahre einiges zusammen. Stress, Schlaf, Alter, Belastungen, Krankheiten, einfach das ganze normale Leben.

    Bei „Alkohol lässt einen vollkommen verblöden“ wäre ich ein bisschen vorsichtig. Wenn das stimmen würde, müsste ich heute wahrscheinlich mit Helm und Warnweste durchs Leben laufen. :mrgreen: Wenn ich hier im Forum meine „sagen wir mal dezenten Hinweise“ schreibe, habe ich den Helm sowieso schon auf. Man weiß ja nie, wer sich gerade angegriffen fühlt, obwohl man nur einen Satz geschrieben hat. :whistling::saint:

    Klar, jahrelanges Saufen kann Gedächtnis, Konzentration, Aufmerksamkeit und auch die Fähigkeit beeinträchtigen, vernünftig zu planen und Entscheidungen zu treffen.

    Schlaf, Stress, körperliche Folgen, Vitamin-B1-Mangel, das ganze Paket. Das ist wissenschaftlich gut belegt und keine Überraschung.

    Aber daraus würde ich nicht automatisch machen: Hirn weggesoffen, Feierabend.

    Viele dieser Einschränkungen können sich mit längerer Abstinenz wieder deutlich bessern. Wie weit, hängt von Dauer, Menge, körperlichen Schäden und dem ganzen Rest ab.

    Wenn ich mir heute einen Text nicht merken kann, heißt das also noch lange nicht, dass der Alkohol mein Hirn endgültig entsorgt hat. Da spielen auch ganz normale Dinge mit rein. Schlaf, Alter, Stress, Tagesform, Überlastung.

    Manchmal auch einfach, zu viel los im Kopf.

    Wenn ich mich dann noch krampfhaft darauf konzentriere, dass mir etwas gerade nicht einfällt, erhöhe ich bei mir eher den Druck. Und schwupps suche ich schon den nächsten Grund, warum das jetzt so ist. Bei mir zumindest funktioniert das ziemlich zuverlässig. ;)

    Bibitor 66 du schreibst ja selbst, dass deine Merkfähigkeit seit der Abstinenz besser geworden ist. Das zeigt, dass Erholung möglich ist und nicht automatisch alles dauerhaft kaputt sein muss.

    Mein nasses Denken war sowieso weniger dumm als verdammt geschickt darin, mir alles so hinzubiegen, dass ich weitersaufen konnte.

    Ich wusste vieles. Ich wollte/konnte nur ziemlich lange nicht die Konsequenz daraus ziehen.

    Das ist für mich etwas anderes als Dummheit.

    Weiter im Text.

    Die Vergangenheit ist bezahlt. Abgeheftet. Und wenn ich Bedarf habe, schaue ich da auch mal wieder rein.:whistling:

    Aber was bringt es mir eigentlich, die Sucht zu stoppen, außer dass ich damit möglicherweise mein Leben rette? Wobei das bei mir schon ziemlich viel ist. Hätte ich nicht aufgehört, wäre ich vermutlich längst irgendwo dekorativ im Friedwald verteilt. :saint:

    Wenn man sich anschaut, was das Trockenwerden im Leben tatsächlich verändert, stolpert man schnell über das Wort „Vorteile“. Gesundheit. Klarerer Kopf. Mehr Geld. Besserer Schlaf. Verlässlicher sein. Alles nachvollziehbar. Nur werden diese Vorteile manchmal fast wie Durchhalteparolen benutzt: Schau mal, jetzt geht es dir besser. Schau mal, was du alles gewonnen hast.

    Kann man machen.

    Nur ist das für mich gar nicht der eigentliche Punkt.

    Ich bin nicht trocken geworden, damit ich mir anschließend jeden Morgen eine Vorteilstabelle an den Kühlschrank hängen kann. Wenn ich von Vorteilen spreche, müsste es logisch gesehen auch Nachteile geben. 😉 Oder nicht? Und genau da beginnt für mich schon Rückfallprophylaxe. Nicht erst beim Glas. Sondern im Kopf.

    Wenn ich anfange, mein trockenes Leben als Ansammlung von Nachteilen zu sehen, baue ich mir gedanklich schon wieder eine Verlustrechnung. Dann wird aus „Das hat sich verändert“ schnell „Das fehlt mir“. Und aus „Das fehlt mir“ irgendwann vielleicht: „Früher war es doch gar nicht so schlecht.“ Genau dieses Denken kenne ich aus meiner nassen Zeit nur zu gut.;)

    Dann heißt es plötzlich: Freunde fallen weg. Geselligkeit verändert sich. Feiern sind anders. Manche Kontakte verschwinden. Man kann nicht mehr überall mitmachen. Der nasse Teufelskreis dreht sich wieder in die Richtung. "Wo ist die nächste Flasche"

    Mit Orientierung und dem konsequenten Umsetzen der Grundbausteine für mein alkoholfreies Leben, einem klar alkoholfreien Umfeld, dem Meiden von Saufgelagen und dem bewussten Nutzen der frei gewordenen Zeit zum Neuaufstellen habe ich ziemlich schnell gemerkt. Das waren für mich keine Nachteile.

    Diese erste Zeit war für mich auch nicht zum Aussitzen gedacht, sondern zum Umstellen. Ich habe nicht weniger am sozialen Leben teilgenommen. Ich habe nur anders daran teilgenommen. Und rückblickend war manches sogar bereichernder als vorher.

    Keine Nachteile, es gab nur Veränderungen.

    Wenn eine Freundschaft nur deshalb funktioniert hat, weil gemeinsam gesoffen wurde, dann war nicht meine Abstinenz das Problem. Sie hat mir nur ziemlich deutlich gezeigt, worauf diese Freundschaft gebaut war.

    Wenn eine Feier nur deshalb gesellig war, weil Alkohol dazugehört hat, dann hat mir das Trockenwerden nicht die Geselligkeit weggenommen. Dann war Alkohol bei mir einfach ziemlich fest mit Geselligkeit verdrahtet.

    Und wenn bestimmte Menschen mit meinem trockenen Leben nichts anfangen konnten, war das für mich auch kein Nachteil der Abstinenz. Dann haben unsere Wege eben nicht mehr zusammengepasst.

    Ich habe mir darüber tatsächlich mal länger Gedanken gemacht. Und je länger ich darüber nachgedacht habe, desto weniger echte Nachteile des Trockenwerdens sind für mich übrig geblieben. Unbequemlichkeiten? Ja. Veränderungen? Klar. Gewohnheiten, die weggefallen sind? Jede Menge.

    Aber Nachteile? Für mich war der eigentliche Nachteil ziemlich lange das Saufen. Das Trockenwerden hat den nicht verursacht. Es hat ihn beendet.

    Und deshalb passe ich bis heute verdammt gut darauf auf, mir mein trockenes Leben nicht irgendwann selbst wieder schlechtzurechnen.

    Und deine Meinung interessiert mich natürlich auch sehr, Hartmut. Wie ist es bei dir? Denkst du manchmal: Ich bin nun 19 Jahre trocken, hätte aber 20 Jahre trocken sein können, wenn ich ein Jahr früher aufgehört hätte?

    Ja, den Gedanken kenne ich. Aber ich halte mich da nicht lange mit auf. Sentimentalität ist nicht gerade meine Stärke, wenn es um Sucht geht. ;) Ich habe mich in meiner nassen Zeit oft genug in irgendeine weinerliche Opferrolle gesoffen. Das brauche ich heute auch keinen Trockenrausch mehr.

    Natürlich könnte ich sagen: Hättest du ein Jahr früher aufgehört, wären es heute 20 Jahre. Oder fünf. Oder zehn. Oder ich könnte anfangen zu überlegen, welche Entscheidungen damals vielleicht anders gelaufen wären.

    Nur wird es genau da schon schwierig.

    Jahrelang gesoffen zu haben heißt nicht, dass man all die Jahre nur aus der Sucht heraus gelebt hat. Das Leben ging trotzdem weiter , mit Beziehungen, Trennungen, Kindern, Arbeit, Entscheidungen und guten wie schlechten Phasen.

    Ich hatte auch schöne Jahre während der Saufzeit. War ja nicht alles schlecht. Schlimm war die Sucht, nicht jedes einzelne Erlebnis. Und ich werde sicher keine Krankheit für alles verantwortlich machen. Was ich verbockt habe, trage ich , aber ich gehe nicht kniend durchs Leben.

    Ich weiß heute ziemlich gut, was ich meiner Sucht zurechnen kann. Aber ich weiß genauso, dass ich manche Entscheidungen auch nüchtern getroffen hätte. Nicht jede Trennung, jeder Streit oder jeder Bockmist war automatisch der Alkohol.

    Zwischen jahrzehntelangem Saufen und heute 19 Jahren Trockenheit hat schließlich auch noch das ganz normale Leben seine Musik gespielt. Deshalb bringt mir dieses rückwirkende „Was wäre gewesen, wenn?“ nur begrenzt etwas.

    Und ich werde mich nicht jahrelang dafür bestrafen, dass ich damals nicht früher kapiert habe, was ich heute weiß. 19 Jahre trocken. Das ist die Realität. Nicht 20. Nicht 25. Nicht „hätte, wäre, wenn“. Also ja, der Gedanke ist mir nicht fremd. Aber ich wohne nicht darin.:saint:

    Mich interessiert mehr, was ich mit dem Rest meines Lebens mache, als wie viele trockene Jahre ich theoretisch schon haben könnte. Die Vergangenheit ist bezahlt. Mit Lebenszeit und Erfahrungen. Heute versuche ich nur, keine Zinsen mehr draufzulegen.