Beiträge von Hartmut

    Den Kampf gegen den Alkohol habe ich jetzt zu "meiner Sache" gemacht

    Den Kampf hast du doch immer verloren – warum sollte Kampf jetzt plötzlich die Lösung sein? Hast du dir nicht schon oft vorgenommen, weniger zu saufen oder mal eine Pause zu machen, und bist am Ende trotzdem ratzevoll heimgekommen?

    Genau deshalb: Kampf bringt nichts. Am Ende gewinnt immer die Sucht.

    Die einzigen Wörter, die funktionieren, heißen Kapitulation und Akzeptanz.

    Dazu werden dir sicher noch andere etwas schreiben.

    Das war eigentlich mehr auf meine anderen Themen bezogen,

    Mag sein. Aber mal ehrlich: Waren diese Themen in der Vergangenheit nicht auch immer irgendwie begleitet, als du noch getrunken hast?

    Dem Saufhirn ist das nämlich herzlich egal, woher der Stress kommt. Es kennt nur: „Da wurde früher gesoffen, also biete ich das mal an.“ So funktioniert dieses antrainierte Hirn nun mal. Lass dich aber von meiner direkten Art nicht demotivieren :mrgreen: – das sind nur ein paar Basics, die jeder von uns irgendwann durchhat.

    Ich vermute die nächsten Wochen werden sicherlich nicht leichter werden.

    Warum nimmst du das an? Ist das nicht genau der Punkt, an dem der Kopf Geister ruft, die noch gar nicht da sind? ;)

    Trocken werden und trocken bleiben ist am Anfang einfach nur ein Tagesgeschäft, nicht mehr. Man richtet sich sein Leben mit ein paar klaren Maßnahmen neu aus, anderes Umfeld, alkoholfreie Unternehmungen, neue Gewohnheiten.

    Erstmal unspektakulär, aber wirksam. So entzieht man dem Ganzen Schritt für Schritt den Raum , und wie ich lese, bist du da ja schon mittendrin. :thumbup:

    Ein alkoholfreies Umfeld, egal ob unterwegs oder zu Hause, hat einen sehr pragmatischen Sinn. Der Griff zum Glas wird automatisch schwerer.

    Schritt für Schritt. Und wenn etwas unsicher ist, einfach hier schreiben.

    Auch von mir ein Willkommen hier.

    Mir geht es in dieser Hinsicht sehr gut. Also ab und zu werde ich nich hier reinschnuppern, wenn das fpr Euch in Ordnung ist.

    schön, wieder von dir zu hören und noch besser, dass es dir gut geht.:thumbup: Du musst hier nicht fragen, ob du reinschauen darfst. Du bist Teil des Forums, fertig.;)

    Man merkt, dass die letzten Monate viel sortiert haben. Mehr muss man dazu gar nicht sagen. Gut, dass du deinen Weg gefunden hast.

    Gruß Hartmut

    Irgendwie muss ich jetzt doch mal meine Gedanken mitteilen…

    das ist gut so.:thumbup:

    Gestern war so ein Tag, der mich unfassbar an meine nasse Zeit erinnert hat.

    Und das ist trotz der „Belastung“ gut so. Sich zu erinnern hat für mich einen klaren Zweck: Es macht mir bewusst, dass ich süchtig bin und bleibe. Mehr aber nicht – das kenne ich ja, und ich muss es nicht neu bewerten.

    . Früher war das genau das Szenario, in dem ich losgestiefelt wäre, um mir Alkohol zu kaufen und den dann auch schon während der Arbeit zu trinken. Bis zum Abend wäre ich vielleicht auch noch ein zweites Mal losgegangen, um Nachschub zu holen.

    Das war nie meine Strategie. Ich habe mich nicht damit beschäftigt, was ich in den nassen Zeiten gemacht habe , das waren reine Suchtabläufe, komplett aufs Saufen ausgerichtet.

    Für mich ergibt es auch keinen Sinn, solche Szenarien heute noch einmal durchzugehen. Damit würde ich dem Suchtdruck bzw. dem Suchthirn nur wieder Spielfläche geben und ihm erlauben, alte Muster als vermeintliche „Lösung“ aufzuwärmen.

    Ich kann halt nur nicht immer spositiv denken.

    Ich brech es mal runter, auch wenn’s hier Früchtetees Thread ist.

    Es geht nicht um positiv oder negativ. Bei mir ging es damals nur darum, was die Sucht zulässt und was nicht. Dass Sauffreunde, „Kumpels“ und Festivitäten wegfallen, macht etwas mit einem, sehe ich auch so, aber so ist das eben. Ich habe ja weiterhin die Wahl. Es verbietet mir ja keiner, wieder zu saufen, an der Flasche zu hängen und das wieder mitzumachen, was eben auch wieder dahin führt wie früher, wenn ich unterwegs nicht verrecke, wieder aufhören muss.

    Und ja – da trennt sich eben auch die Spreu vom Weizen. Plötzlich war ich die Spaßbremse, die nicht mehr mittrinken wollte. Oder der, der den Säufern den Spiegel vorhält und deshalb nicht mehr eingeladen wird.

    Aber das war nur der Übergang, bis ich das Leben entdeckt habe, das mir vorher gar nicht bewusst war. Es gibt ein alkoholfreies Leben und zwar ein gutes. Kein perfektes, denn es ist ein freies Leben, nicht an der Flasche orientiertes Leben

    Ich hab ja nicht ohne Grund aufgehört. Und es gibt auch einen Grund, warum 95 % rückfällig werden. Ich muss den Spagat zu den 5 % schaffen. Denn nur nüchtern bin ich lebensfähig und nicht mehr Spielball der Sucht

    Nüchtern lebe ich. Mehr gibt es dazu nicht.

    Ich beneide auch Menschen, die nur ab und zu rauchen... ich finde es gut wenn man nicht süchtig ist ! Ist dass denn so verwerflich ? Natürlich wäre ich lieber so ein Mensch als ein süchtig geworden zu sein .Natürlich wäre ich lieber so ein Mensch als ein süchtig geworden zu sein . Darf man denn so Äußerungen nicht auch machen ?

    Natürlich darfst du das sagen. Aber solche Sätze füttern das Suchtgehirn. Es hört nicht „ich wäre gern frei“, sondern „andere können trinken" – vielleicht ich irgendwann auch wieder“.

    Der Gedanke ist menschlich, aber er ist auch ein klassischer Trigger. Wir Alkoholiker beneiden niemanden, der trinken kann , weil genau das uns kaputt gemacht hat.

    Abstinenz heißt. Ich vergleiche mich nicht mehr mit Trinkern, sondern mit mir selbst.

    Hallo tstoller,

    bitte keinen neuen Thread aufmachen, du kannst in diesem bleiben. Ich habe deinen Entzug hier eingefügt.

    Ich habe nicht rückwirkend gelesen.

    Siehst du dich als Alkoholiker, wirst du dich auch so bezeichnen, und strebst du eine lebenslange Abstinenz an?

    Denn nur solche tauschen sich hier aus.

    es geht für mich auch nicht um einen Gruß aus der Vergangenheit, sondern einfach um meine Beruhigung,

    Mir ist schon bewusst, was da bei dir abläuft — aber es wird trotzdem verknüpft, und ein Suchtgehirn bastelt sich dann sehr gern seine eigene Geschichte daraus. Es ist erstaunlich kreativ, wenn man es lässt.

    Also, wie du sagst, ab zum Arzt. Bringt ja nichts, wenn Spekulationen mehr Raum bekommen als eine Diagnose.

    Dir alles Gute

    Natürlich könnte ich mein früheres Trinken irgendwie mit meinem heutigen Gewicht verknüpfen. Man kann ja alles miteinander verbinden, wenn man nur lange genug darüber nachdenkt. Aber sinnvoll ist das nicht. Damit würde ich dem Alkohol im Nachhinein wieder Bedeutung geben, die er längst nicht mehr hat. Und ich sehe keinen Grund, dem alten Suchtmuster freiwillig eine Bühne zu bauen, nur damit es noch ein Wörtchen mitreden darf.

    Das Thema ist durch.;)

    Ich habe in den letzten 19 Jahren etwa 10 Kilo zugenommen. Das ist kein psychologisches Mysterium und auch kein versteckter Gruß aus der Vergangenheit.:mrgreen:

    Am Ende ist es simpel: Kalorienüberschuss oder Defizit. Das kann man beeinflussen. Der Rest sind alte Geschichten, die keinen Einfluss mehr habe außer man lädt sie selbst wieder ein. Und genau das lasse ich bleiben.

    Es ist nicht die Musik , es ist das Suchthirn, das an allem andockt, was früher mit Saufen verknüpft war. Das Gehirn ruft automatisch die alten Muster ab.

    Also muss ich bei mir schauen, was ich dagegen tue. Der Anlass, die Situation, die Musik – das erleben Millionen Menschen auch, ohne ans Saufen zu denken.;)

    Für mich heißt das: gegensteuern. Etwas anderes machen, mich neu beschäftigen, mich bewusst entfernen. Ablenkung, Ortswechsel, Handlung ändern.

    Nicht auf die alte Verknüpfung anspringen. Je länger ich in dem Gefühl bleibe, desto länger bleibt es im Kopf.

    hartmut würde sagen, die hat es einfach nicht kapiert.

    Nein, würde ich nicht. Auch wenn es manchmal so aussieht, als hätte ich hier und da meinen Samthandschuh im Goldwägelchen vergessen, wenn ich direkter schreibe. Was ich sage, kommt aus dem, was ich selbst erlebt habe – und aus dem, was ich durch andere lernen durfte. Mehr ist es nicht.

    Man kann die Sucht nicht komplett kapieren. Man versteht nie das ganze Bild. Man erkennt nur Muster, die bei vielen ähnlich laufen.

    Und manchmal ist es eben so: Der Rückfall beginnt nicht erst beim ersten Glas. Der Kopf hat längst vorher entschieden, wieder zu trinken. Auch wenn man es sich selbst nicht eingesteht. Das Suchtgedächtnis spielt da mit, klar – aber der eigentliche Schalter fällt im Kopf.

    Also, trinkst du seit Januar nicht mehr, ist das richtig?

    Bei dir war es das Apfelschorle-Glas, bei mir wäre es ein Lemon im Glas, wenn ich den alleine trinke. Kein Wunder – ich habe jahrelang Wodka-Lemon getrunken. Da meldet sich kurz das alte Programm und klopft an. Ich weiß genau, wer da spricht und was da andocken will.

    Das ist ein normaler Suchthirn-Reflex. Solche Momente können jederzeit auftauchen und sagen nichts über meine Stabilität aus. Ich nehme es wahr, ordne es ein, gehe notfalls aus der Situation raus und mache weiter. Gleichzeitig vermeide ich bewusst solche Situationen. Ich richte mich an meiner Sucht aus – nicht an dem Gedanken, was ich alles machen könnte.

    Ich habe ein gutes Gespür dafür entwickelt, was passt und was nicht. Wenn es sich nicht stimmig anfühlt, bleibe ich weg. Wenn die Sucht anklopft, bin ich raus.

    Denn das, was mich all die Jahre zufrieden und trocken gehalten hat, lügt nicht. Wenn ich zufrieden bin, ist das meine Grundlage. Diese Momente sind ein Aufflackern, eine Nebenwirkung des Suchtsystems,– mehr nicht. Und mit den Jahren werden sie weniger, treten kaum noch auf.

    Genau das macht es auch tückisch. Man geht eventuell gefühlt wieder größere Risiken ein und übersieht dabei, dass die alte Normalität vor der Sucht nicht zurückkommt.

    Habe in letzter Zeit immer wieder das Verlangen nach einem Bier, so nach dem Motto eines wird schon nicht schaden. Oder auch der Gedanke, dass 3 Monate jetzt so gut wie um sind, da kann man doch mal was trinken, usw.. kennen wahrscheinlich die meisten von euch auch, fällt mir echt gerade schwer das zu ignorieren und ich fange immer wieder an denn Sinn der Abstinenz zu hinterfragen.

    Die Gedanken „Ein Bier wird schon nicht schaden“ oder „Drei Monate sind rum, da kann man doch mal“ sind nicht ungewöhnlich. Da schreit die Sucht. Das ist Suchtdynamik, keine Logik. Das Hirn sucht Schlupflöcher, weil der Alkohol fehlt. Mehr ist es nicht.

    Wichtig war bei mir, nicht verhandeln, nicht diskutieren. Einfacher Grund: Ich bin Alkoholiker. Ich kann damit nicht mehr umgehen. Da brauchte ich keine Pro‑/Kontra‑Liste. Wofür auch? Der Ausgang war mir bekannt.

    Die Erkenntnis „Ich bin Alkoholiker“ muss ich mir nicht jeden Tag neu einprügeln. Wenn ich das tue, bin ich mir selbst nicht sicher und dann kippt es irgendwann. Akzeptanz ist schwer, klar. Wer will schon freiwillig zugeben, dass er nicht mehr saufen kann? Aber ohne diese Akzeptanz wird es wackelig.

    Und mit etwas Abstand trennt sich eben auch im sozialen Umfeld die Spreu vom Weizen. Man ordnet neu, nicht aus moralischen Gründen, sondern einfach mal wegen der Stabilität.. Wenn ich ehrlich bin. In der nassen Zeit bin ich zu vielen Treffen nur gegangen, weil es da was zu saufen gab. Das fällt jetzt weg.

    Und das ist gut so.

    Bleib am Ball. Bei dieser Krankheit gibt es nur zwei Zustände: trocken oder nass. Dazwischen existiert nichts. Solange ich selbst entscheiden kann, setze ich alles daran, trocken zu bleiben. Denn als ich gesoffen habe, musste ich ewig warten, bis ich überhaupt wieder entscheiden konnte.

    Da hatte die Sucht für mich entschieden.

    Helmut macht es einen Unterschied ob ich Alkoholiker war und nichts mehr trinke oder ob ich einfach nichts mehr trinke?

    Du kannst auch Hartmut zu mir sagen.:whistling::mrgreen:

    Es gibt kein „Ich war Alkoholiker“, nur „Ich bin Alkoholiker“. Das bleibt. Der Zustand hat sich verändert – von nass zu trocken. Aber das Suchthirn bleibt.

    Der Spruch „macht mir nichts aus“ ist nett, aber wertlos. Das ist eine Momentaufnahme, mehr nicht. Sobald das Hirn merkt, dass andere saufen und man selbst keinen Stoff bekommt, meldet sich der alte Mechanismus. Das ist normal. Das ist Sucht.

    Und genau deshalb halte ich nichts davon, mich bewusst in Sauf-Situationen zu stellen. Erstmal absichern. Alkoholfreies Umfeld schaffen. Neue Welt, neue Regeln. Alles andere ist Konfrontation, bei der der Ausgang am Anfang gar nicht einzuschätzen ist.

    Wie sich das entwickelt, merkst du mit der Zeit selbst immer klarer. Angst brauchst du nicht haben – aber Respekt solltest du nicht verlieren. Nicht umsonst ist die Rückfallquote bei Alkoholismus so hoch.

    Mein Tipp: Mach weiter so wie jetzt. Hau deine Gedanken und Fragen hier raus.

    So bekommst du Rückmeldungen von Leuten, die das kennen – und genau das hilft.

    Manchmal verstehe ich es einfach nicht. Vielleicht fehlen mir da ein paar Synapsen oder Neurotransmitter, muss ich mal nachschauen. :mrgreen:

    Natürlich macht es einen Unterschied, ob ich sage: „Ich bin trockener Alkoholiker“ oder ob ich sage: „Ich trinke keinen Alkohol“. Wenn ich nur auf mögliche Konsequenzen schaue – Stigma, berufliche Nachteile, anders behandelt werden, aus Gruppen rausfallen – kann ich nachvollziehen, warum viele davor zurückschrecken.

    Aber der Sucht ist das doch völlig egal. Die interessiert sich nicht für Image, Job oder Gefühle. Nichts, nada, niente.

    Ich muss es niemandem aufdrängen. Aber es klar auszusprechen, macht einen deutlichen Unterschied. „Ich trinke keinen Alkohol“ ist für mich eine leere Aussage. „Ich bin Alkoholiker“ dagegen ist eindeutig. Und das ist auch Selbstschutz.

    Wenn ich früher beim Feierabendbier immer mitgesoffen habe, verschwindet das nicht einfach aus dem Kopf. Das sitzt im Suchthirn. Und gerade am Anfang ist dieses Suchthirn lauter als vorher. Man sieht andere trinken – und sofort springt der alte Mechanismus an: „Wo bleibt mein Stoff?“

    Ich kann natürlich auch still daneben sitzen, nichts sagen, mich zurückhalten, Faust in der Tasche. Geht alles. Aber das ändert nichts am inneren Druck.

    Und genau da macht es eben einen Unterschied, wie klar ich für mich bin. Ich kann mich aber auch in alter Manier selbst belügen, mir etwas vormachen und Rechtfertigungen suchen, warum ich nichts mehr saufe.

    Hier werde ich aber standhaft bleiben.

    Woher willst du das wissen? Gute Vorsätze oder den Willen hatte ich in der nassen Zeit genug, und die haben mich kein einziges Mal davon abgehalten, wieder zu saufen. Vorsätze sind nett, aber sie halten genau bis zum ersten Trigger.

    Trockenwerden ist keine reine Kopfsache. Der Kopf hilft, ja, aber ohne Risikominimierung wird es schwer – und das ist die Stelle, an der die meisten wieder einknicken.

    Mal die Basics. Die Grundbausteinen die erst Stabilität schaffen können. Elly hat dazu schon einen Link geschickt.

    In Kurzform: Im ersten Jahr keine Veranstaltungen, keine Feiern, keine Geburtstage, keine sonstigen Festivitäten, bei denen gesoffen wird oder Alkohol im Mittelpunkt steht. Ein alkoholfreies Umfeld aufbauen. Sauffreunde aussortieren. Die Wohnung alkoholfrei machen. Das ist erstmal reiner Selbstschutz.

    Und in dieser Zeit neue Beschäftigungen, neue Hobbys, irgendetwas, das die alten „Trinkzeiten“ ersetzt. Wenn man die alten Zeitfenster nicht neu besetzt, füllt sie der Alkohol wieder.

    Hast du dir da schon was umgesetzt oder Gedanken gemacht?