Nur zur Info: Der Thread „Fragen an einen Alkoholiker“ dient ausschließlich dazu, konkrete Fragen zu stellen und zu beantworten. Für längeren persönlichen Austausch oder Diskussionen bitte eigene Threads nutzen – sonst verwässert das hier.
Danke
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Danke
Hallo Hartmut, habe mal eine Frage an dich.
Yve,
solche Situationen gehören zu den schwierigsten, weil Gefühle und Vernunft gegeneinander arbeiten. Ich schaue deshalb möglichst emotionslos und suchttechnisch staubtrocken darauf, weil ich diese Mechanismen aus eigener Erfahrung kenne. Überspitzt gesagt: Das könnte stellenweise direkt aus dem Handbuch eines nassen Alkoholikers stammen.![]()
Am Ende bleibt für mich nur ein entscheidender Punkt: Dein Mann ist für seinen Weg verantwortlich, nicht du.
Wenn er jetzt klar wirkt, weint, bettelt und plötzlich alles verstanden haben will, ist das für mich Verhalten, ein typisches Muster der Suchtmechanik. Wenn der gewohnte Halt wegbricht, folgen oft Versprechen und Beteuerungen, um den bisherigen Zustand zu sichern und den drohenden Verlust aufzuhalten.
Ob daraus echte Veränderung entsteht, zeigt sich nicht an Worten, sondern daran, was über längere Zeit gelebt wird. Auch eine angekündigte Therapie bedeutet noch nichts. Entscheidend sind konsequente Taten.
Ein Partner ist dafür nicht nötig viele werden ohne Partner trocken.
Kritisch sehe ich den WhatsApp‑Kontakt. Das ist keine Trennung, sondern weiterhin Kontakt. Damit bleibt man in der alten Dynamik hängen. Auch das passt zur Suchtmechanik. Solange Kontakt besteht, besteht die Hoffnung, den alten Zustand doch noch retten zu können.
Ich würde die Trennung so leben, wie du sie angekündigt hast, und nur die sachlichen Dinge regeln. Alles andere ist sein Weg. Ob ihr irgendwann wieder als Paar zusammenfindet, entscheidet man nicht jetzt, sondern erst nach längerer Stabilität – und wenn du emotional wieder frei bist.
Im Moment drehen sich deine Gedanken wieder hauptsächlich um ihn. Der wichtigere Schritt wäre, den Blick wieder auf dich selbst zu richten.
Mal aus meiner Sicht
Bin kein Experte, aber ich versuche mir vorzustellen, wie ich wäre, wenn ich wieder trinken würde
Bei Sucht sind Erfahrungen entscheidend, nicht irgendwelche Denkmodelle. Jeder Alkoholiker kennt die Nachteile von Alkohol. Und trotzdem wurde wieder gesoffen.
Nicht, weil man plötzlich dachte, Alkohol sei doch eine gute Idee, sondern weil Sucht nicht nach Vernunft funktioniert. Wäre es so einfach, gäbe es kaum Rückfälle. Deshalb sollte man gerade am Anfang weniger darüber nachdenken, wie viele Nachteile das Trinken hat, sondern das Rückfallrisiko so klein wie möglich halten.
Und genau deshalb sollte man mit solchen Tipps vorsichtig sein. Gute Absichten ersetzen keine Erfahrung. Und Sucht lässt sich weder von Vorstellungen noch von Wunschdenken beeindrucken.
Du lebst in einem nassen Haushalt. Alkohol ist sichtbar, riechbar und jederzeit greifbar. In so einer Umgebung entscheidet nicht der Kopf. Die Sucht wartet auf Gelegenheiten: Stress, Überforderung, Streit, Müdigkeit oder einfach die tägliche Konfrontation.
Du schreibst selbst, dass Alkohol in deinen Träumen und Gedanken auftaucht. Auch ohne akuten Saufdruck zeigt das, dass das Thema noch arbeitet. Genau so haben viele Rückfälle begonnen. In einem nassen Umfeld ist das Rückfallrisiko am Anfang der Abstinenz sher hoch. Und wenn es zum Rückfall kommt, trägt der Alkoholiker die Folgen.
Der Partner trinkt ja so oder so weiter.
Ich kann trotzdem verstehen, warum eine Trennung schwerfällt. Da sind Gefühle, Hoffnung und der Wunsch, dass es vielleicht doch funktionieren könnte. Genau solche Geschichten liest man im Co-Bereich häufig. Der Unterschied ist nur: Der Co-Abhängige ist nicht alkoholkrank.
Der Alkoholiker schon. Am Ende bleibt deshalb nur eine Frage:
Was schützt die Abstinenz am besten?
Alkoholabhängigkeit ist ebenso eine Erkrankung und hat auch oft zusätzlich noch tiefer liegende Probleme ebenfalls Erkrankung, im Prinzip ist es das selbe.
Woher nimmst du eigentlich diese Gewissheit?![]()
Alkoholabhängigkeit ist eine Suchterkrankung. Warum muss ich daraus jetzt noch ein Modell mit irgendwelchen tiefer liegenden Problemen oder weiteren Erkrankungen basteln?
Und nein, für mich ist das nicht „im Prinzip dasselbe“.
Nicht jeder Alkoholiker hat irgendwelche tiefer liegenden psychischen Probleme, die erst gefunden und aufgearbeitet werden müssen. Man kann auch unter völlig normalen Lebensumständen abhängig werden. Alkoholabhängigkeit braucht keine tragische Hintergrundgeschichte als Eintrittskarte.
Ich habe lange genug gesoffen, mein Verhalten und Denken haben sich immer mehr nach der Sucht ausgerichtet und irgendwann war ich abhängig. Dafür brauche ich heute keine zusätzliche Erklärung, die irgendwo drei Etagen tiefer im Keller meiner Psyche liegt.
Genau deshalb sage ich immer wieder: Man kann Sucht mit Kommunikationsmodellen, psychologischen Erklärungen und Vergleichen wunderbar auseinandernehmen. Nur erklärt mir das noch lange nicht, wie sich Sucht für einen Alkoholiker tatsächlich anfühlt und wie dieses Denken funktioniert.
Ein Nichtsüchtiger kann versuchen, das zu verstehen. Natürlich. Aber erlebt hat er es nicht.
Deswegen sage ich ja, hier ist der Alkoholikerbereich.
Das hat nichts mit Kommunikation zu tun. Das ist Sucht. Wenn einer säuft, kannst du dir jedes „richtig reden“ irgendwann sparen. Das prallt ab wie Regen auf Plastik. Und irgendwas überstülpen? Funktioniert genauso wenig. Wenn er säuft, liegt das nicht an deiner Wortwahl, sondern daran, dass er säuft. Sucht hört nicht zu, Sucht diskutiert nicht, Sucht verhandelt nicht.
Auch Angehörige hauen gern ihre "Stammtischweisheiten" raus. Gut gemeint vielleicht – hilft nur genauso wenig. Sucht läuft nach ihren eigenen Regeln, nicht nach Logik und nicht nach Kommunikationsmodellen.
Natürlich können Menschen falsch kommunizieren, nachtragend sein oder sich gegenseitig auf die Füße treten. Das ist normales menschliches Chaos und hat erst einmal nichts mit Sucht zu tun. Aber solange ein Alkoholiker "nass" ist und die Sucht sein Denken und Handeln bestimmt, hilft mir die schönste Kommunikationstheorie nicht weiter.
Das Entscheidende muss vom Alkoholiker selbst kommen: Einsicht, der Wille trocken zu werden und tatsächliche Veränderung. Alles andere ist Wunschdenken und nett gemeinte Hoffnung.
Das hier ist auch der Alkoholiker‑Bereich. Nicht‑Süchtige verstehen manchmal einfach nicht, wie ein Alkoholiker in der aktiven Sucht denkt. Das ist nicht böse gemeint, keine Abwertung.
Müssen sie auch nicht. Der Alkoholiker sollte es irgendwann verstehen. Denn trocken werden muss er selbst.
Daher habe ich mich vollends getrennt. Was rätst du mir soll ich tun? ihn blockieren?
Ich rate hier grundsätzlich nichts – wir sind ein Selbsthilfeforum. Ich kann dir nur die Suchtmechanik aus meiner Sicht schildern. Und aus meiner Erfahrung wird eine Beziehung mit jemandem, der im Konsum steckt, nicht besser.
Aus meiner Sicht kämpft dein Mann im Moment nicht um eure Beziehung, weil ihm die Grundlage fehlt: die Einsicht, dass seine Sucht ein Problem ist und dass Veränderung bei ihm selbst anfangen müsste.
Was er sehr deutlich merkt, ist, dass ihm gerade alles entgleitet. Und dann kommen die typischen Sätze – „Du wirfst mich weg“, „Du hast einen anderen“, „Ich kann ohne dich nicht“, „Dann bleibt nur noch der Tod“. Für mich ist das kein Beziehungskampf, sondern Druck.
Kämpfen würde heißen: Verantwortung übernehmen, Entscheidungen treffen, Verhalten ändern. Stattdessen dreht sich alles darum, was du angeblich tust – nicht darum, was er tun müsste. Trocken gesagt: Er versucht, dich zu bewegen, damit er sich nicht bewegen muss.
Hilfe anzunehmen würde bedeuten, sich selbst ehrlich anzuschauen. Solange das nicht passiert, kannst du reden und erklären, bis dir die Luft ausgeht. Du kannst ihn nicht nüchtern machen. Und wenn jemand solche Sätze wie „Dann bleibt nur noch der Tod“ bringt, ist das für mich kein Beziehungsthema. Das nimmt man ernst, aber man übernimmt nicht die Verantwortung für das Leben eines anderen.
Du bist nicht seine Therapeutin und nicht seine Lebensversicherung. Du kannst ihn nicht retten. Du kannst nur deine Grenze setzen und entscheiden, wie viel von seinem Chaos du noch tragen willst.
„Hätte sein können“ ist keine Beziehung. Für eine Beziehung müssten sich zwei bewegen. Im Moment bewegst nur du dich.
Das find ich sehr demotivierend.
Du findest die Antworten hier demotivierend. Kann passieren, wenn man sie persönlich liest.
Ich habe solche Hinweise für mich allerdings immer anders eingeordnet, als Erfahrungen von Menschen, die den Weg schon vor mir gegangen sind.
Die fallen ja nicht vom Himmel und werden auch nicht morgens beim Kaffee erfunden.
Hier schreiben Leute, die vieles davon selbst durchhaben. Nähe zum Alkohol, Selbstbetrug, „Ich schaff das allein“, Urlaub als Stolperstein, Genussgedanken oder eine noch fehlende stabile Basis.
Das kann hart klingen. Für mich ist es nichts anderes als gelebte Suchtrealität.
Wenn ich das so einordne, verlieren solche Hinweise auch ihren „Demotivationsfaktor“. Dann sind sie keine Kritik an meiner Person, sondern vielleicht genau der Hinweis, den ich gerade nicht hören möchte.![]()
Und auch da beginnt für mich Eigenverantwortung. Wenn ich mich zurückziehe und alles lieber im stillen Kämmerlein mit mir selbst ausmache, weil hier etwas stehen könnte, das mir nicht gefällt, darf ich mich zumindest fragen: Schütze ich gerade mich – oder schütze ich einen Gedanken, den ich nicht hinterfragen möchte?
Meine Sucht hat sich jedenfalls nie für Eitelkeiten interessiert. Die knüpft nicht daran an, ob ich mich verstanden, motiviert oder gekränkt fühle. Sie knüpft an die alten nassen Gedanken an, wenn ich ihnen wieder Platz gebe.
Mehr steckt für mich hinter solchen Hinweisen nicht.
Pass auf dich auf.
Step, Stolz ersetzt keine Stabilität. Der Wunsch nach Normalität ist nachvollziehbar, aber genau diese „Normalität“ hat dich früher auch immer wieder zur Flasche greifen lassen.
Du hattest ja schon mehrere Versuche, trocken zu werden. Und die Sucht beherrscht Wiederholungen aus dem Effeff. Die vergisst nichts – auch nicht das erste Glas.
Natürlich ist Alkohol überall. Aber nur weil Alkohol überall ist, muss ich nicht überall sein.
Die Gegenargumente, warum man dieses oder jenes angeblich „nicht ändern kann“, könnte ich dir inzwischen wahrscheinlich im Schlaf aufzählen. Sie sind fast immer dieselben. Und leider wiederholen sich auch die Wege zurück zur Flasche erstaunlich zuverlässig.
Am Ende dienen viele dieser Argumente nur einem Zweck: möglichst wenig verändern zu müssen.
Und ja, Verantwortung nach außen abzugeben bedeutet für mich auch, die eigene Verantwortung kleiner zu machen. Dein Umfeld bleibt dein Umfeld, egal wie schön du es dir erklärst.
Ein Trigger wird nicht ungefährlicher, nur weil ich eine gute Begründung dafür habe, warum ich mich ihm aussetze.
Dir alles Gute
Uiii – das ist für mich klassische Verantwortung nach außen schieben.![]()
Es sind Richtlinien, keine Regeln – eher Wege als in Stein gemeißelte Gesetze. Dennoch zeigen sie klar, wie man Risiken bestmöglich minimieren kann.
Und ja: Ich kann mich aus allem raushalten, wenn meine Trockenheit gefährdet ist. Familie, Freunde, Feiern, Erwartungen – völlig egal. Wenn meine Abstinenz auf der einen Seite steht, gibt es für mich auf der anderen nichts zu verhandeln.
Alles andere sind für mich schnell vorgeschobene Gründe, um nicht das zu tun, was zur eigenen Sicherheit notwendig wäre. Die Sucht interessiert sich nämlich herzlich wenig für menschliche Bedürfnisse, Befindlichkeiten oder gesellschaftliche Höflichkeit. Die macht keine Sonderregelung, weil Tante Erna Geburtstag hat. ![]()
Wer nicht offen zu seiner Alkoholabhängigkeit steht, fängt leicht an, Kompromisse zu schließen. Erst einen kleinen, dann den nächsten und irgendwann wundert man sich, warum die Flasche wieder erstaunlich nah steht.
Für mich gibt es deshalb eine Regel, die über allem steht: trocken bleiben.
Wer dafür bewusst ein vermeidbares Risiko eingeht, muss diese Entscheidung auch selbst verantworten. Ich würde es nicht tun. In diesem Sinne wünsche ich dir genau das, trocken bleiben.
Dry_Steve,
dieses ganze „Ich will nicht missionieren“ ist für mich schon der erste Denkfehler. Für mich wirkt das wie ein vorgeschobener Grund. Ob Scham, Angst vor Gerede oder einfach die Hoffnung, möglichst wenig verändern zu müssen, weißt letztlich nur du. Aber genau da würde ich hinschauen.
Ein alkoholfreier Haushalt ist kein Missionieren, kein Verbieten und kein moralischer Zeigefinger. Das ist Selbstschutz. Mehr nicht. Wer kein Problem mit Alkohol hat, muss bei mir zu Hause auch nicht saufen. Und wer damit ein Problem hat, hat zumindest ein anderes als ich. Der kann auswärts trinken. Das ist dann sein Bier – im wahrsten Sinne.
Ich kenne jedenfalls keinen trockenen Alkoholiker, der für sich erkannt hat, Alkoholiker zu sein und lebenslange Abstinenz als einzigen Weg sieht, und sich dann vorsichtshalber Alkohol ins Haus stellt, weil vielleicht mal jemand zu Besuch kommt. Wofür? Das ist kein Sicherheitsnetz für gesellschaftlichen Frieden. Das ist ein völlig unnötiges Risiko. Und die Sucht liebt unnötige Risiken. Da braucht man ihr nicht noch die Haustür aufzuhalten und die Flasche kaltzustellen.
Ich habe am Anfang meines Weges keine Sekunde darüber nachgedacht, ob sich jemand durch meinen alkoholfreien Haushalt eingeschränkt fühlen könnte. Ich musste trocken werden. Das hatte Vorrang. Alkohol im Haus war für mich ein vermeidbares Risiko. Also kam er raus. Fertig.
Wenn ich sage: „In meinem Zuhause gibt es keinen Alkohol“, missioniere ich niemanden. Ich setze eine Grenze für mich. Und genau da beginnt für mich die Ernsthaftigkeit: Meine Abstinenz steht an erster Stelle. Wer das versteht, schön. Wer es nicht versteht, auch gut.
Meine Nüchternheit ist meins. Darüber lasse ich nicht abstimmen. Die ist nicht verhandelbar.
Ich denke, dass Männer allgemein ein Problem haben, Gefühle zu zeigen oder zu äußern
Männer können keine Gefühle zeigen? Das wäre bei einer Sucht vielleicht sogar gar nicht so schlecht, auch wenn ich bezweifle, dass es wirklich so ist. Ich zeige meine Gefühle nur nicht immer so, wie andere es sich vorstellen. ![]()
Aber mal ernsthaft: Hilft mir das auf meinem Weg beim Trockenwerden? Interessiert es meine Sucht, wie mein Umfeld auf meine Gefühle reagiert? Hilft es mir, ständig nach außen zu schauen und mich zu fragen, was der jetzt denkt, wie die darauf reagiert oder ob mich überhaupt jemand versteht? Nee. Ab in die Tonne damit. ![]()
Für mich gibt es beim Trockenwerden eine ganz einfache Wahrheit: Die Welt um mich herum wird nicht trockener, nur weil ich aufgehört habe zu saufen. Nicht für mich. Nicht für irgendwen.
Familie bleibt, wie sie ist. Partner bleiben, wie sie sind. Freunde bleiben, wie sie sind. Und Alkohol bleibt sowieso überall. Der hat sich von meiner Abstinenz erstaunlich wenig beeindrucken lassen.
Natürlich habe ich mir damals auch gewünscht, dass andere verstehen, was Abstinenz für mich bedeutet. Für mich wurde genau diese Hoffnung irgendwann zur Falle. Ich bin oft genug hineingelaufen, bis ich begriffen habe: Meine Abstinenz ist meine Baustelle. Nicht die meiner Familie, meines Partners oder meiner Freunde.
Also habe ich irgendwann aufgehört, meine Energie dafür zu verwenden, andere zu überzeugen. Die Energie brauchte ich selbst, um mein Risiko so klein wie möglich zu halten. Wenn mich etwas triggert, gehe ich nicht hin. Wenn mir eine Situation nicht guttut, meide ich sie. Nicht, weil die anderen etwas falsch machen, sondern weil ich trocken bleiben will.
Und dabei ist mir irgendwann egal geworden, wer auf der anderen Seite steht. Oma, Opa, Kinder, Familie, Freunde oder enge Partnerschaft. Die eigentliche Kunst war für mich, genau dort den nötigen Egoismus zu entwickeln.
Ich muss trocken bleiben. Denn damit steht und fällt alles andere.
Der andere muss das nicht verstehen, nicht gut finden und auch nicht beklatschen. Das ist seins. Meine Abstinenz ist meins. Das ist nicht immer schön, nicht immer fair und schon gar nicht immer harmonisch. Aber Harmonie hält mich nicht trocken.![]()
Nach fast zwanzig Jahren kann ich sagen. Genau diese Haltung hat mir Freiheit gegeben. Meine Abstinenz hing irgendwann nicht mehr davon ab, ob andere sich ändern, sondern davon, welche Entscheidungen ich selbst treffe.
Ich habe mit 16 von meinem Opa einen Flachmann aus Edelstahl bekommen, damit ich auf der Baustelle im Winter nicht zu sehr fror.![]()
Und ja, ich gehörte auch zu denen, die gern gesoffen haben und mehr vertragen konnten als die meisten. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem nicht mehr ich das Saufen im Griff hatte, sondern das Saufen mich.
Ich gehöre nicht zu den Menschen, die ihre nasse Zeit verteufeln oder dramatisieren. Sie war einfach ein Teil meines Lebens. Nicht immer ein guter Teil, aber eben ein Teil.
Ich gehöre allerdings auch zu denen, die sagen: Hättest du nicht gesoffen, wären manche Entscheidungen nie gefallen. So einfach ist das.
Ich trauere dieser Zeit nicht nach. Ich beschönige sie aber auch nicht. Ich muss sie weder verteufeln noch verklären. Sie war, wie sie war.
Und das Aufhören?
Ich bin kein Freund von Floskeln. „Aufhören war das Beste, was ich tun konnte.“ Klingt gut. Für mich war es etwas anderes.
Es war notwendig. Nicht heroisch. Nicht romantisch. Einfach notwendig.
Ich kenne nur zwei, die in den letzten fast 20 Jahren hier versucht haben, ein Buch zu schreiben — aber veröffentlicht hat am Ende keiner von ihnen etwas.
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Erzähl mal mehr Hartmut ! 😆
Ich tausche mich grundsätzlich nicht über User aus, die nicht mehr hier sind. Sie können nichts dazu schreiben, nichts richtigstellen, nichts erklären und ich bin kein Freund davon, über Menschen zu spekulieren.
Soviel nur ganz sachlich: Der erste, der damals ein Buch schreiben wollte und auch angefangen hatte, ist später rückfällig geworden und — soweit ich mitbekommen habe — lebt heute nicht mehr. Das ist aber schon lange her.
Der andere hat versucht, hier aus einer therapeutischen Sicht zu schreiben. Das hat zu Unstimmigkeiten geführt, und er ist nicht mehr im Forum.
Mehr gibt es dazu nicht.
Hat hier schon einmal jemand den Gedanken gehabt ein Buch/Text zu schreiben über Alkoholismus und den Weg in die Trockenheit?
Ich kenne nur zwei, die in den letzten fast 20 Jahren hier versucht haben, ein Buch zu schreiben — aber veröffentlicht hat am Ende keiner von ihnen etwas.
Ich würde gerne ein Buch von Hartmut lesen!
Auch du lieber Himmel … ein Buch.
Aber danke für das Kompliment – sofern es eins ist.
Dalida, wenn es irgendwann mal so weit sein sollte, sage ich Bescheid.
Im Moment bleibe ich lieber hier, mitten in den Suchtthemen, direkt am User. Näher an der Front geht’s kaum. In Bücher wird oft mehr hineingelesen, als der Autor überhaupt geschrieben hat.
Hier in der SHG zählt für mich etwas anderes, der direkte Austausch, unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen, Missverständnisse klären und manchmal auch miteinander ringen.![]()
Das ist mir im Moment — auch nach fast 20 Jahren hier — wichtiger als jedes Buchprojekt.
Aber seine Worte waren gestern, dass ich ja von jetzt auf gleich aufhöre Alkohol zu trinken und er damit erstmal zurechtkommen muss.
Und ja.. ich verstehe es auch irgendwie. Ich hätte viel früher offener sein müssen…
Uiiiiii… 😉 Aus meiner Erfahrung spielt er gerade erst einmal auf Zeit.
Ein bisschen schlechtes Gewissen einreden. Ein bisschen Verständnis zeigen. Ein bisschen „Ich muss mich erst daran gewöhnen.“ Das klingt erst einmal verständnisvoll.
Für mich heißt das aber: Er hat deine Entscheidung noch nicht angenommen.
Du machst gerade nichts Besonderes. Du hast aufgehört, Alkohol zu trinken. Mehr ist es erstmal nicht.
Für ihn gerät natürlich jetzt auch seine bisherige Sauf-Normalität ins Wanken. Ihm schwimmen die Felle davon, und genau das ist für mich das eigentliche Thema..
Was dir viel mehr Sorgen machen sollte, bist du. Du hast schon mehrere Anläufe hinter dir. Jeder gescheiterte Versuch hat gezeigt, wie schnell die Sucht wieder übernimmt.
Jetzt sitzt der Alkohol nicht irgendwo weit weg. Er sitzt regelmäßig mit am Tisch.
Das ist kein gelegentlicher Trigger, das ist Alltag. Und gegen einen Alltagstrigger, eine Dauerbeschallung, kenne ich aus eigener Erfahrung keinen Notfallkoffer.
Der hilft vielleicht in einer akuten Situation. Aber nicht, wenn die Sucht jeden Tag aufs Neue Futter bekommt.
Welche Möglichkeiten hast du? Entweder er hört ebenfalls auf zu saufen, oder du musst damit leben, dass dieses Risiko jeden einzelnen Tag neben dir sitzt, oder Trennung.
Das ist keine Bewertung eurer Beziehung, sondern meine Erfahrung als Alkoholiker.
Am Anfang meines Weges musste ich nicht beweisen, wie stark ich bin. Ich musste dafür sorgen, dass meine Sucht möglichst wenig Gelegenheiten bekommt.
Dir alles Gute.
Hallo Steve,
ja, das sind Wasserstandsmeldungen. Und die sind gut. Sie zeigen, wie es dir gerade geht. Sie zeigen aber noch nicht, wie du deinen Weg gehst.
Im Moment lese ich vor allem, dass du keinen Suchtdruck hast, dass nichts triggert und dass sich alles stabil anfühlt. Das freut mich – aber das ist nur der Ist‑Zustand. Wasserstand. Keine Wegbeschreibung.
Genau deshalb ist der Austausch hier wichtig. Nicht nur, um zu erzählen, wie der Tag gefühlt war. Das sind Momentaufnahmen. Spannender ist für mich die Frage, was du konkret tust, damit die Sucht keine Chance bekommt. Was meidest du? Was hast du verändert? Welche Grundbausteine stehen wirklich? Welche Schutzmechanismen nutzt du im Alltag – nicht theoretisch, sondern praktisch? Wie sieht dein Tagesablauf aus, der dich trägt?
Für mich zeigt sich der Weg nicht im Denken, sondern im Handeln. Und wenn du einen anderen Weg gehen möchtest oder die Empfehlungen hier nicht umsetzt, ist das selbstverständlich deine Entscheidung. Dann ist es eben dein Weg.
Nur sollte man sich später ehrlich fragen, ob das Ergebnis die Folge der Sucht war oder die Folge der Entscheidungen, die man unterwegs getroffen hat.
Alles Gute für weiterhin
Hallo JEB,
gut, dass du dich nach dem Rückfall wieder meldest. Viele verschwinden nach einem Rückfall ,du nicht. Mein Respekt.
Ja der Wunsch aufzuhören war da. Aber die Grundbausteine, die Basics, die wir hier vermitteln, wurden eben nicht umgesetzt. Das ist nichts Ungewöhnliches –,am Anfang hat fast jeder mehr gute Vorsätze als den Mut, das wirklich umzusetzen, was notwendig ist.
Wenn ich etwas falsch einordne, sag Bescheid. Mir geht es nicht darum, dir etwas vorzuwerfen. Ich möchte dir zeigen, warum Rückfälle oft nach dem gleichen Muster passieren – nicht, weil man „versagt“, sondern weil die Sucht genau die Stellen nutzt, an denen noch Lücken sind.
Ein Punkt ist der Start. Der Arztbesuch am Anfang hat gefehlt. Für viele ist das der Moment, an dem der Weg wirklich beginnt, einmal offen aussprechen, was los ist, sich medizinisch absichern, sich zum Alkoholismus bekennen. Wenn dieser Baustein fehlt, fehlt ein Stück Stabilität.
Auch die reale SHG war nur ein Plan. Du hast sie gefunden, aber bist nicht hingegangen
Dann das "nasse" Umfeld. Deine Familie wusste nichts oder ? Dein Partner konnte die Tragweite nicht wirklich einschätzen. Das ist keine Schuldfrage. Aber es bedeutet, dass du am Anfang ohne eigenen Schutz unterwegs warst.
Und genau das ist passiert. Biergarten, trinkende Familie, toxische Atmosphäre – das ist für die Sucht ein gefundenes Fressen. Nicht weil der Biergarten schuld ist, sondern weil die Sucht solche Situationen dankbar annimmt. Ich habe im ersten Jahr konsequent alles gemieden, wo Alkohol selbstverständlich dazugehört. Nicht aus Angst, sondern weil ich meiner Sucht möglichst wenig Angriffsfläche geben wollte.
Auch die Schutzmechanismen wie HALT oder der Notfallkoffer helfen nur, wenn man sie im entscheidenden Moment auch nutzt. Man kann sie kennen und trotzdem nicht einsetzen. Und genau deshalb sind die Grundbausteine am Anfang so wichtig:.
Sie fangen vieles ab, bevor es überhaupt kritisch wird.
Das alles ist keine Bewertung deiner Person. Es zeigt nur, warum es schiefgehen konnte. Nicht der Wille hat gefehlt. Es haben die Schutzmechanismen gefehlt, die den Willen im Alltag tragen. Die gute Nachricht: Genau das lässt sich aufbauen. Ein Rückfall macht den Weg nicht unmöglich. Er zeigt nur sehr deutlich, wo die Sucht noch Lücken gefunden hat.
Mein Umfeld kann ich nicht ändern. Wie sie reagieren, liegt nicht in meiner Hand. Aber ich kann mich auf meine Sucht einstellen – denn wenn ich das nicht tue, saufe ich halt wieder
Leider hatte ich gestern einen Rückfall. Darf ich hier davon erzählen?
Wegen eines Rückfalls wird hier niemand rausgeworfen. Entscheidend ist nur, was du jetzt vorhast.
Weitersaufen – dann können wir dir nicht helfen, weil das Forum auf Abstinenz ausgerichtet ist.
Sofort wieder aufhören – dann bleibst du hier, schreibst weiter und wir begleiten dich. Aber kläre das unbedingt mit deinem Arzt ab, wegen einer eventuell notwendigen erneuten Entgiftung.
Mehr ist es nicht. Ein Rückfall ist kein Grund für einen Ausschluss, aber er markiert einen Wendepunkt. Du bestimmst, in welche Richtung es weitergeht.
Unter Hilfssystemen verstehe ich z.B. akute Hilfe durch den Notfallkoffer oder längerfristige Hilfen durch Therapie und SHG. Es muss für den ehemaligen Alkoholiker tragfähig sein, damit er es auch für die jeweilige Situation annehmen kann.
Nein, nicht das, was man annehmen kann.
Sondern das, was ich annehmen konnte. Es geht nicht um den Alkoholiker im Allgemeinen. Es geht um mich als Alkoholiker. Das ist ein Unterschied.
Sucht zu stoppen war für mich nie eine Kopfsache und auch kein Lehrbuchthema. Ich musste nicht erst jedes „Warum“ verstehen. Ich musste aufhören zu saufen und mein Leben verändern. Ich hatte keine Therapie und keine betreute Aufarbeitung. Außer der überwachten Entgiftung und diesem Forum.
Damit das nicht falsch verstanden wird. Ich habe überhaupt nichts gegen Therapien, Kliniken, Selbsthilfegruppen oder andere Hilfsangebote. Im Gegenteil. Alles, was einem Alkoholiker hilft, trocken zu werden und trocken zu bleiben, hat seine Berechtigung. Nur abnehmen kann einem diese Arbeit niemand.
Für mich war das Zauberwort deshalb nicht Therapie oder Nicht-Therapie. Es war und wird immer bleiben: „Selbsthilfe“.
Es war konsequente Risikominimierung. Ich habe mir eine einfache Frage gestellt: Was spricht eigentlich dagegen, erst einmal den Erfahrungen von Menschen zu folgen, die seit vielen Jahren trocken leben?
Die Antwort war einfach: Nichts.
Also habe ich genau das gemacht.
Alkoholfreies Umfeld. Alte Saufbekanntschaften auf Abstand. Im ersten Jahr keine Feiern, keine Partys und keine Veranstaltungen, bei denen Alkohol selbstverständlich dazugehört. Die frei gewordene Zeit habe ich genutzt, mir Schritt für Schritt ein neues abstinentes Leben aufzubauen.
Ja, das bedeutet Verzicht. Ja, das ist manchmal unbequem. Aber Alkoholismus ist nun einmal keine Wellnessveranstaltung.
Was mir bei dir auffällt. Du diskutierst über viele Möglichkeiten. Dagegen ist nichts einzuwenden. Mich interessiert aber etwas anderes.
Wie sieht dein Weg im Alltag aus? Ist deine Wohnung alkoholfrei? Wie gehst du mit Sauf-Freunden um? Was machst du bei Feiern? Welche Veränderungen hast du tatsächlich vorgenommen?
Denn genau dort entscheidet sich für mich Abstinenz. Nicht in Gedankenmodellen, sondern im täglichen Leben. Reden konnte ich als nasser Alkoholiker übrigens auch hervorragend. Erklären, begründen, analysieren, philosophieren.
Das alles hat mich keinen einzigen Tag trocken gehalten. Trocken geblieben bin ich erst, als aus Worten Veränderungen wurden.
Reden kann jeder. Tun muss man selbst. Oder wie es hier seit Jahren heißt. Tun muss man tun.
Alles Gute dazu.