Vertrauen in die Selbstwahrnehmung und eigene Gefühle

  • So, nunmehr fast ein Jahr ist es her, seit ich aus der Alkoholbeziehung ausgebrochen bin und mein Leben neu strukturiert habe. Ich denke mal, dass es ganz gut gelungen ist und ich mich glücklich bei und mit mir fühle.

    Nunmehr kommen neue Menschen und Freundschaften in mein Leben, über die ich mich freue und mit denen ich gut umgehen kann - eine Bereicherung für mich und hoffentlich auch für den Menschen mir gegenüber.

    Probleme habe ich definitiv dann, wenn es darum geht, dass eine gewisse Intensivität der Kontakte entsteht, die eventuell in Richtung Partnerschaft gehen könnten.

    Hier bin ich (noch) nicht in der Lage meiner eigenen Wahrnehmung zu trauen. Ich kann definitiv nicht beurteilen ob meine Einschätzung/Vermutung richtig ist bzw. ob ich Annäherung zulassen kann oder geben will. Es geht hier keinesfalls um eine Beziehung sondern nur die tiefere Öffnung des Menschen an sich, also die Stufe, die notwendig ist um überhaupt einander als tiefer Freund - oder später Partner - vertraut zu werden. Mich zu öffnen bedeutet natürlich mich angreifbar zu machen. Vertrauen wurde in der Vergangenheit enttäuscht und ich habe es ermöglicht durch meine Offenheit Mechanismen oder Manipulationen meiner Handlungsweise entstehen zu lassen. Ich konnte "gesteuert" werden ohne es zu merken.

    Nunmehr hänge ich etwas durch, empfinde auch eine gewisse Traurigkeit (die ich aber normal empfinde für einen Prozess der Weiterentwicklung) dass ich dieses "Kennenlernen" nicht mit der von mir gewünschten Leichtigkeit leben kann.

    Ich finde es sehr, sehr schade, dass ab dem Moment, ab dem ein Mann als Mann interessant werden könnte bei mir das Hirn einschaltet und sich die Leichtigkeit ausschaltet. Derzeit bin ich der Meinung, dass liegt an Ängsten mich zu tief auf einen Menschen einzulassen. Genau eine solche Leichtigkeit ist aber notwendig um einem Menschen offen gegenüber zu treten. Meine Offenheit wird quasi durch einen Selbstschutz verhindert, was ich nun nicht gerade toll finde.

    Zu "neu" noch ist mein "neues Leben" um diese "neuen Empfindungen" einfach als real anzunehmen. Vor kurzem gab es eine Begegnung, da fiel mir spontan ein, das war wie bei meinem Mann (meine Jugendliebe) vor 25 Jahren. Hm, danach gab es das wohl nicht mehr? Nun war für mich die Frage, gab es das nicht, oder konnte ich damals noch unverkrampft etwas erspüren und beginne nun wieder damit.

    Klingt etwas wirr, ich weiß... vielleicht aber doch für den/die einen oder anderen nachvollziehbar?

    Lieben und fragenden Gruß von Dagmar

  • Hallo Dagmar,

    ich bin zwar nicht so lang aus meiner Partnerschaft raus, aber ich habe ein großes Problem damit auf meine Empfindungen zu hören.
    Gerade vor kurzem hatte ich eine Begegnung. Sie verlief wieder nach meinem alten Verhaltensmuster. Mir gefiel dieser Mann und als er mir näher kam, spürte ich Unwohlsein. Ich wies ihn zurück. Aber er hielt diese Distanz nicht ein. Irgendwann kam ich den Gefühlszustand wo ich wie betäubt bin. Ich fand für mich keinen Weg. Zu entscheiden zu gehen oder zu bleiben. Denn er gefiel mir und ich wollte mehr erfahren. Das Ende vom Lied war, ich habe mich zu Dingen überreden lassen, die ich nicht wollte, weil das ungute Gefühl in mir war. Irgendwann war das eingetroffen, was Du beschreibst. Ich war verletzlich.
    Jetzt habe ich die ganze Zeit sehr viel nachgedacht. Wenn ein Mensch in der Zukunft wieder nicht meine Grenze einhält, dann werde ich gehen. Nett sagen wenn Interesse besteht, kann er gerne meine Nr. haben. Aber wichtig finde ich, dass meine Grenze eingehalten wird, damit der Respekt bleibt. Nur so kann man neues Gefühlschaos vermeiden, denke ich.
    Liebe Grüße Zeter

  • Hm, Zeter,
    das ist ja dann die Fortsetzung, wenn jemand weiter ist als ich. Denn derzeit vermisse ich die Leichtigkeit, mit der ich in anderen Freundschaften umgehe. Sprich, während ein Kumpel doch tiefer in mein innerstes darf erlaube ich es gerade jenen nicht, für die ich etwas empfinden "könnte". Wo gewisse Grundlagen gelegt wurden, es jetzt enger und vertrauter werden könnte, ja wenn ich nicht so quasi in den Rückzug treten würde.

    Dieses Grenzen verletzen, von dem Du schreibst, ich denke mal, da wäre ich dann sofort resolut weil ich ja recht überempfindlich bin.

    Allerdings hatte ich auch ein Problem wenn ich Personen sagte "No" das nicht akzeptiert wurde und ich quasi bis vor dem Schritt der Unhöflichkeit war. Da habe ich mich dann schon verschanzt um den Kontakt zu vermeiden.

    Ich denke mal, ich habe vieles an den alten Mustern aufgearbeitet - weiß aber, dass bei mir Knöpfe zu betätigen sind. Somit also scheine ich zu verhindern zu wollen, dass Menschen, die mir nahe stehen, diese Mechanismen erfahren könn(t)en. Also Angst vor Verletzung. Nun gut ... dumme Sache, denn ich beraube mich ja selber dadurch tiefer gehenden Kontakten. Denn ein Risiko ist ja mit jedem neuen Menschen verbunden, der in unser Leben tritt.

    So, nun stellt sich mir die Frage kann ich es lernen damit leichter umzugehen - vielleicht auch ungehemmter? Denn ich vermisse da schon meine Art, die ich sonst an den Tag lege, wenn ich "nichts zu verlieren" habe. Ich versuche mich damit auseinander zu setzen, komme wohl auch ein bischen an den Kern der Sache, bin aber immer wieder erschreckt darüber, daß ich einem Gefühl wie (Du kannst Vertrauen haben) nicht vertraue und es über den Kopf nicht zulassen will.

    Ich habe langsam gelernt auf zu machen, Schritt für Schritt. Nun aber habe ich den nächsten Treppenabschnitt erreicht, an dem ich derzeit etwas inne halten muss, weil mir wohl gerade die Puste ausgeht.

    Ich sehe das als große Chance für mich, die mir ganz sicher gut tut. Aber ist es eben hart den langsamen Lernweg zu gehen und seine Route zu finden.

    Früher habe ich zwar gelabert, aber mich nicht wirklich geöffnet, alles überspielt und eigentlich eine Show gemacht. Genau das will ich nicht mehr und da beginnt nun eben mein Lernweg. Diese Show war natürlich "leicht"(er) und mit weniger Gefahren verbunden als der Weg, den ich jetzt für mich gehen möchte.

    Ich sehe nämlich für mich schon die Chance darin durch Offenheit (und das offenlegen meiner Schwachstellen) zu erkennen ob eben das missbraucht wird bevor ein inniglicher Kontakt entsteht. Sprich in der Zeit einer unverbindlichen Freundschaft so viel über sich zu verraten, dass beide Menschen erfahren können wie sie mit Respekt und Grenzen (genau das, was Du schreibst) umgehen.

    Eigentlich, liebe Zeter, bringst Du es gut auf den Nenner: einander kennenzulernen, die Grenzen gegenseitig zu erspüren, zu akzeptieren um dann erst mehr und tieferes zu erlauben.

    Und genau diese Stufe muss ich noch erklimmen. Derzeit weiß ich noch nicht so genau wie. Vielleicht ist es dieser feine Zwischenschritt, zwischen dem Kumpel, dem man sagt "ich unternehme gerne etwas mit Dir" und dem Schritt zu sagen "Du interessierst mich nicht nur als Mensch für Unternehmungen sondern ich habe das Vertrauen mit Dir über das zu reden, worüber man/frau nichtmit jedem redet."

    Genau dieser ganz feine Grat, der fehlt mir noch.... genau dieser Punkt zu sagen ich weiß, wir als Menschen haben den notwendigen Respekt, auch wenn es mal konfliktreich wird. Meine Erfahrungen zeigten mir in den letzten Monaten, dass es Menschen gibt, mit denen das sehr wohl möglich ist. Dennoch misstraue ich genau da mir selber.....

    So und wo liegt nun des Pudels Kern, wann ich wie meinen eigenen Gefühlen trauen kann. Oder sagen wir lieber: wie schaffe ich es, dass mein Hirn nicht das zerstört was die Gefühle mir überdeutlich sagen?

    Oh je, na wenn das so weiter geht, dann komme ich irgendwann mal vom Baum, zu Ast über das Stöckchen zur Wurzel :)

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Nein Dagmar, Du gehst Deinen Weg. Denn unsere Gefühle sind auch ein Schutzmechanismus.
    Wenn wie bei mir Unwohlsein kommt, stimmt etwas mit dem neuen Kontakt nicht.
    Genauso, wenn jemanden als Freund nett ist und gleichzeitig fordert. Das habe ich gerade gestern zu spühren bekommen. Das löst bei mir direkt Unwohlsein aus. Ich höre förmlich die bösen Gedanken.

    In Sreitsituationen finde ich das ganze schwieriger. Denn mir ist noch kein Mensch untergekommen, der wirklich korekt bleibt im Streit. Ich schreie schnell. Manche hauen ab, oder legen auf. Manche beleidigen nur. Oft läßt man sich dann nicht mehr gegenseitig ausreden.

    Viele Menschen tragen zu viele Verletzungen in sich. Für mich ist es schwierig anerkannt zu werden, weil ich oft auf das höre, was andere von mir einfordern. Lasse mich rumdelligieren.
    Meine Grenzen spüre ich, aber setze sie selten durch um streit zu vermeiden. Mache zu oft eine Faust in der Tasche, anstatt wenn mein Unwohlsein kommt in mich hinein zu hören und zu entscheiden. Habe oft Angst mein Gegenüber zu verscheuchen oder mein Ziel nicht zu erreíchen.
    Aber genau da liegt der Hase begraben. Wenn mein Gefühl Unwohlsein kommt, heißt es nur noch die Beine in die Hand zu nehmen. Denn dann entstehen schlechte Verbindungen.
    Ich bin genau wie Du im Lernprozeß. Bin total traurig darüber. Denn ich habe auch gemerkt. Eine Partnerschaft zu finden ist gerade jetzt schwierig. Männer in unserem Alter, die für sich Leben, wollen keine intensive Bindung. Keine wirkliche Bindungen.
    Dadurch das unsere kranken Expartner keine wirkliche Bestätigung in ihrem Leben gefunden haben, gab es jedenfalls mit meinem Expartner diese intensive Bindung. Ich war oder bin sein halt gewesen.
    Uns Frauen ist diese intensive Bindung wichtiger als den Männer. Denn die machen Karriere, haben vielleicht viele Kontakte. Das reicht ihnen. Die stehen nicht auf Gefühle.
    Weil das leider der Wahrheit entspricht bin ich sehr traurig und einsam und habe Angst keine intensive Bindung mehr eingehen zu können. Ich meine damit, jemanden zu finden, dem diese genauso wichtig sind. Das gab es nur mit meinem Exfreund.
    Ich fühle diese Gefühle auch bei anderen Anlässen wie z. B. auf der Arbeit oder wenn ich für meine Tochter etwas durchsetzen muss und bin gerade dabei zu reagieren.

  • Guten Morgen, liebe Zeter,
    gerade was die Streitsituationen betrifft durfte ich etwas ganz neues, anderes, lernen. Während ich früher alles gleich regeln "musste" weil ich damit nicht klarkam wenn etwas unruhig und ungelöst im Raum stand, so habe ich gerade in diesem Kontakt etwas anderes lernen dürfen.

    Oft wurden Gespräche an einem Punkt beendet, wo mein Gegenüber anderer Meinung war, evtl. auch getroffen von meiner Meinung. Am nächsten Tag war er dann in der Lage und willens mir zu erklären warum, wieso, weshalb er etwas anders sieht. Das ist eine schöne Lösung - weil jeder für sich nochmal den eigenen Standpunkt überlegen konnte.

    Ich kannte das bisher nur anders: ich wollte gleich eine Bereinigung der Ex lief davon und wollte nie darüber reden. Nunmehr gibt es eine Zwischenlösung, die ich gut finde - die mir aber noch fremd und ungewohnt ist.

    Ich habe mich gestern stundenlang mit einer lieben Freundin unterhalten, die einen sehr unterkühlten Mann hat und sehr darunter leidet. Dennoch denke ich sehr wohl, jeder Mensch hat Gefühle (egal welche) aber Frauen fällt es oft leichter sich mit Freundinnen auszutauschen und somit wieder Erdung zu erhalten und eine neutrale Meinung. Bei Männern ist es oft so, dass sie sich unter ihresgleichen entweder keine Schwäche erlauben wollen oder eben keinen Freund haben, mit dem sie ganz offen reden können oder wollen.

    Weißt Du Zeter, schlechte oder negative Gedanken zu spüren und sich dagegen zu wehren ist gut! Ich jedoch spüre positives und habe Angst davor. Das ist nicht gut und das muss ich lernen anders zu leben. Mir selber wegen und auch einer liebevollen Natur mir gegenüber.

    Wenn Du Deine Grenzen spürst, liebe Zeter, dann ist es ein Lernprozeß in dem Du langsam, bei mir ging es sehr langsam, lernen kannst diese Grenzen selber zu schützen. Es wird immer Überschreitungen geben (weil es Menschen gibt, die Grenzen anderer nicht achten), dann aber müssen wir uns eben vor solchen Menschen fernhalten. Wer meine Worte und Grenzen nicht versteht, trotz deutlichster Ansage im Höflichen, den meide ich ganz und beende die "Freundschaft". Sonst nämlich mache ich mich zum Sklaven von anderen. Die Versuche sind in den letzten Monaten von diversen Leuten gemacht worden - diese meide ich nun wie der Teufel das Weihwasser. Deren Klingeln an meiner Tür bleibt ungehört!

    Ich denke, liebe Zeter, ich will derzeit noch gar keine Bindung eingehen, weil wohl ich noch nicht so weit bin. Aber ich selber schotte schon viel davor ab, somit komme ich nicht in die Situation überlegen zu können wie tief ein andere Mensch in Herz und Seele darf. Ich möchte aber für mich offen sein und mich nicht verschließen wegen Dingen, die mir Angst machen weil ich sie nicht kenne oder meiner Wahrnehmung nun mehr nicht mehr trauen kann. Oder besser gesagt: positive Gefühle mache ich selber durch eigene negative Gedanken kaputt.

    So, sind wir nun wieder im co-Bereich? Mir darf es nicht gut gehen? Öhem.... vielleicht komme ich da der Sache etwas näher.... und erschreckt mich gerade gewaltig!!!

    D. h. nämlich in der Übersetzung, ich lerne gerade ganz, ganz langsam einen Menschen kennen, der mich nicht überrollt (was ich nicht kenne). Einen Menschen, der wie ich am Kontakt arbeitet (was seither meistens ich aktiv tat). Einen Menschen, der nach einer Meinungsverschiedenheit versucht sich zu erklären (während ich früher stehen gelassen wurde und das Thema war für den anderen erledigt).

    Oh je, da habe ich was zum knabbern für die nächsten Tage! Das würde nämlich bedeuten, dass ich sehr wohl gute Gefühle spüre, sie aber selber tot rede weil es ungewohnt ist geschätzt und geachtet zu werden in tieferer Basis. Bei Freunden und Bekannten ist das, wie gesagt kein Thema. Es wird dann ein Thema wenn ich Interesse bemerke an mehr als "nur Kumpelschaft". Ich habe Panik bekommen als ich etwas gespürt habe von meinen Gegenüber, was ich klar als interessierte, tiefe Zuneigung empfunden habe. Ab da hat nämlich mein Gehirn mir negatives und Bedenken nur noch so ausgespuckt....

    So, Erdung anpeilen....

    Danke, für Deine Gedankenanstöße, so komme ich vielleicht ein bischen weiter!

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Guten morgen Dagmar,

    Deine Worte von Dir tun mir gut. Denn ich hatte bei meiner neuen Begegnung nämlich alles in kurzer Zeit dabei.
    Kennenlernen, Sympathie entwickeln, gegenseitiges Interesse, dann aber Panik nur benutzt zu werden, gesagt dass es zu viel Nähe ist, dieser Mann hielt aber nicht Abstand nur kurz, dann war ich durcheinander, wußte nicht wie ich Kontakt aufrecht halten konnte ohne gleich alles zu zerstören, also zugelassen, dann kam ein nicht vorhersehbares Ereignis, was mich belastete, hatte nichts mit diesem Mann zutun, sondern passierte in meinem Umfeld, wollte das mit diesem Mann besprechen, da er dabei war, er lies mich kühl abblitzen, dann erfuhr ich später viel negatives über diesen Mann von einer Freundin.
    Das alles zusammen hat mich später als negativ empfinden lassen. Denn hätte dieser Mann mich wirklich gewollt und nicht nur benutzen wollen, hätte er Abstand gehalten. Da fehlte Respekt vor mir. Gleichzeitig hätte er wohl ein Ohr für mich gehabt. Da habe ich es beendet. Hätte ich das nicht gemacht, hätte ich nämlich warten dürfen, und das wahrscheinlich alles totgeschwiegen wurde. War für mich unerträglich. Oder das er sich einfach nie mehr gemeldet hätte.

    Mit meinem Expartner hatte ich mal den Zustand des Weglaufens, mal den Zustand des Redens am nächsten Tag.

    Also auch wenn positive Gefühle da sind, heißt es jedenfalls bei mir noch nicht das sich alles gut entwickelt.

    Aus diesem Grunde habe ich mir überlegt wie ich dem vorbeugen kann.

    Indem ich jeden Schritt bewusst steuer. Wenn dann der erste Schritt gut verlaufen ist, kommt dann der zweite.
    So kann ich langsam mein positives Gefühl steuern und lasse nur so viel Nähe zu wie ich erst mal bereit bin zu geben. Denn können immer wieder neue Probleme entstehen. Aber wenn ich mir vorher einen positiven Weg gelegt habe, kann ich dann darauf zurück greifen. Vielleicht reicht das aus um wirklich weiter nach vorn zu kommen und einen Partner zufinden der wirkliche Nähe mit allen für mich und ihn wichtigen Bindungen sucht.

    Liebe Grüße Zeter

  • Guten Morgen Dagmar,

    ich möchte Dir mal kurz da lassen, daß dies ein sehr tiefer Austausch mit Dir gerade ist. Eine Substanz, die Du sehr klar hervorbringst, welche Prozesse kommen, nachdem die Einsicht in die Erkrankung stattgefunden hat.
    Ein dickes Lob an Deinen Mut dafür!

    Zitat

    Ich konnte "gesteuert" werden ohne es zu merken.


    Dies warst Du, als Du noch *unbewusst* krank warst.

    Jetzt das Heute:

    Zitat

    Ich jedoch spüre positives und habe Angst davor.

    Zitat

    Ich möchte aber für mich offen sein und mich nicht verschließen wegen Dingen, die mir Angst machen weil ich sie nicht kenne oder meiner Wahrnehmung nun mehr nicht mehr trauen kann. Oder besser gesagt: positive Gefühle mache ich selber durch eigene negative Gedanken kaputt.

    Dieses Kaputtmachen ist die *ungewohnte* Verhaltensweise von Dir, die Angst macht, aber Du spürst es, nimmst es wahr!

    Zitat

    Ich denke mal, ich habe vieles an den alten Mustern aufgearbeitet - weiß aber, dass bei mir Knöpfe zu betätigen sind.

    Ich denke, der meiste *Irrglaube* nach Erkennen der Co ist, daß wir Co´s denken, es wird dann nie wiederkommen, aber dies ist nicht so. Co-Knöpfe werden immer wieder gedrückt, aber unser Fortschritt ist es, daß wir dies a) immer wieder erkennen, von dem wissen, und b) nicht mehr soooo tief fallen, wenn einer gedrückt wurde.


    Und jetzt zu einemfür mich auch wichtigen Faktor:

    Zitat

    So und wo liegt nun des Pudels Kern, wann ich wie meinen eigenen Gefühlen trauen kann. Oder sagen wir lieber: wie schaffe ich es, dass mein Hirn nicht das zerstört was die Gefühle mir überdeutlich sagen?

    Ein großer Teil meiner Co war immer, alles genaustens zu *zerspflücken*, ungeduldig zu hohe Ansprüche an mich zustellen, und damit dann auch an den Anderen.
    Liebe Dagmar, auch diesere Prozess bedarf einer Geduld, denn Vertrauen in sich selbst, darf auch ganz langsam wieder beginnen, sich aufbauen. Du erkennst diese Trittstufe, an der die Puste ein wenig auszugehen scheint. Laß Dir Zeit, Du darfst genau an dieser Stelle jetzt auch mal ein bißchen Luft holen, Dich geniessen, denn das,was Du hier schreibst, liest sich als ein großer Schritt nach Vorn. Und diese Schritte nehmen ein bißchen Luft.

    Ich danke Dir für diese tiefen Gedanken.

    Lieben Gruß

    Susanne

  • Hallo Ihr Lieben,
    schön, dass Ihr es nicht nur nachvollziehen könnt, sondern dass auch Du Susanne, mir da wertvoll helfen konntest.

    Es fiel mir recht schwer das ganze überhaupt in Worte zu fassen - sei es hier oder gegenüber meiner Freundin. Es wirkte auf mich wie ein Teenager-Gestammel, weil es "eigentlich" grundlos war. Aber: ebenso wie ein Teenager muss ich nun alles neu lernen, weil alte Verhaltensmuster jetzt nicht mehr angebracht sind.

    Ich laufe genau die Stadien durch, von denen ich dachte, sie überstanden zu haben. Wie oft dachte ich in den letzten Jahren bin ich froh keinen Liebeskummer mehr zu haben oder für jemanden zu schwärmen oder zu überlegen was geht wie weiter. Ein Grund auch, warum ich geblieben bin.

    Ja, liebe Susanne, es braucht wirklich Kraft und so viel an Nachsicht sich selber gegenüber. Kleines Beispiel: "sponatan wie ich bin habe ich etwas verwechselt um rumgeflaxt, somit also kompletten Blödsinn verzapft.". Er kam später und meinte ob ich da etwas missverstanden hätte. Uuuuuuppppppps - blamiert .......... Was nun? Cooliberta spielen und alles umdrehen und in die witzige Richtung ziehen oder einfach, wie ich es tat, feststellen, dass ich es wohl richtig verstanden habe, aber morgens einfach nicht wach war und einen Mist verzapft habe.

    Bei Freunden kein Problem, hier aber war ich betroffen. Alles nichts schlimmes, aber alles anders als zuvor.

    Boah Susanne, die Angst hätte ich nie in mein eigenes Kaputtmachen projeziert. Ich schob es immer auf tausend Gründe warum nähere Kontakte nicht gut sind - habe es also, wie Du zerpflückt... Erschreckend.

    Ich denke genau die Zeit ist ein Faktor, die auch die passenden Menschen um sich herum benötigt. Da empfinde ich sehr viel Dankbarkeit, diesen Prozess derzeit so erleben zu dürfen, mit eben diesen Pausen, damit nicht irgendwie überrollt zu werden. Zwar fühlte ich ich zuweilen so, weil ich von der Situation in mir selber überfahren wurde, aber zwischen allen einzelnen Stufen, die da so gegangen wurden in den letzten Monaten waren immer wieder Verschnaufpausen drin, über die ich meingem "Lehrmeister" sehr, sehr dankbar bin.

    Ich habe auch heute morgen in mir eine gewisse Lösung der Anspannung bemerken können. Einfach dadurch mich selber auch diesen Themen zu stellen, die nicht unbedingt schön für mich sind. Einfach zu sagen akzeptiere das "Durcheinander" lass es zu - und versuche damit ehrlich zu sein, auch anderen gegenüber. Sollte mir passieren - was nie auszuschließen ist - dass das ausgenützt wird, nun gut, dann muss ich auch da dann weiter lernen.

    Ich spüre ganz massgeblich die Veränderungen zu früheren Kontakten, die oftmals ganz schnell ins körperliche gingen und man/frau dabei einfach das Reden vergessen konnte. Sich quasi austricksen durch Händchenhalten und so "zu tun" als wäre alles in Ordnung. Einmal lieb sein, lässt Meinungsverschiedenheiten vergessen - vereinfacht gesagt.

    So, das geht auf meinem derzeitigen Lernweg nicht, hier geht es definitiv darum Kommunikation zu betreiben, Herz und Seele zu öffnen (zu überlegen wie weit), sich wieder in den Erdungszustand zu bringen und alles in Einklang mit der eigenen Seele und dem Gefühl. Sprich: erstmalig bin ich bemüht immer erst mich selber anzutreffen und wohl zu fühlen, bevor ich weitere Schritte gehe oder zulassen.

    Dass ist genau das was Zeter schreibt, so habe ich unbewußt gelebt die letzten Monate auf diesem Lernweg. Noch vor drei Monaten hielt ich vieles für undenkbar, was dann doch geschah. Dinge, die damit zu tun hatten, nichts mehr verdrängen zu wollen. Der Wahrheit in die Augen sehen und sie auch auszusprechen - nicht breit zu treten - aber einfach es ist so.

    Ich denke, ich habe noch einen größeren Weg vor mir aber er scheint zunehmend leichter zu werden, auch wenn ich mich dabei nicht gerade locker, flockig fühle. Aber dennoch: es scheint leichter zu werden, je mehr ich annehme was um mich herum passiert und dass ich durch den Wind bin. Einfach nicht dagegen anlaufen.

    Dadurch, dass da jetzt zwei Menschen aufeinander treffen, die ausgesprochen vorsichtig miteinander umgehen (müssen) ist es natürlich ganz leicht sich "falsch" zu verhalten und das Gefühl zu bekommen - ups - blamiert. Das war in mir früher sehr stark. Ich war richtig stolz auf mich, als ich gestern ein paar schnelle Sätze zwischen Tür und Angel nicht umsetzen konnte einfach nur sagte: "Ich kann Dir gerade nicht folgen, ich bin heute nicht so schnell, kannst Du es nochmal sagen". NULLO PROBLEMO ! Keine Blamage, keine dummen Witze.

    Denn auch hier sind wir mittlerweile an einem Punkt angekommen das eine oder andere aktuell zu besprechen. Das bedeutet in jedem Fall Kommunikation und bedeutet klar auf einen Mitmenschen zuzugehen und zu sagen, ich will Dir was privates sagen. D. h. die Trick17-Maschen weg zu lassen und keine komischen Zufälle zu forcieren sondern aufeinander zuzugehen.

    Oh, war ich früher ein Spezialist in Trick 17 Mannövern, hmmm :) Bevor ich gesagt hätte, ich will mich mal mit Dir unterhalten hätte ich tausend Umwege gefunden - von der defekten Toilettenspülung bis hin zu technischem Unverstand. Aber eines hätte ich niemals: einfach nur menschliches Interesse offen vorne angestellt.

    Genau aber diese "brauchen"-Muster könnten ein Schritt in die Co-Abhängigkeit gewesen sein. Dieses nicht offene, dieses verdruckte - ich als co, ebenso wie der Alkoholkranke, der seinen Konsum verschleiert. So trafen evtl. zwei Menschen aufeinander, die beide über Umwege gehen und sich nie offen in Augen oder Seele sahen.

    Erschreckend.....

    Lieben Gruß von Dagmar

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