Kopfmensch ./. Gefühlsmensch - kranke Symbiose od Ergänzung?

  • Ewig schon, mache ich mir Gedanken darüber was wohl bereichernde Kontakte sind. Ich selber bin ein Gefühlsmensch, der sich leicht verletzten lässt. Innerhalb der Suchtbeziehung hatte ich den Eindruck, die Gefühlskälte oder Kopfbetontheit des Gegenübers solle gegenseitige Mankos "regulieren".

    Nun ... jetzt ist jetzt.... die Suchtbeziehung ist vorbei....

    Ich bin immer noch Gefühlsmensch, Kontakte, liebevoller Art, entwickeln sich jedoch auch zu Kopfmenschen. Wo aber fühle ich mich wohler, geborgener oder besser verstanden?

    Ein ebenso gefühlsbetonter Mensch wie ich wird mit mir zusammen wohl ein Feuerrad ergeben. Ein Kopfmensch und ich könnten Missverständnisse auf der ganzen Linie ergeben. Müssen aber nicht zwangsläufig... Hier entscheidet die Struktur der beiden und deren Gefühle füreinander. Aber .... na wie sieht das denn bei den Kopfmenschen mit Gefühlen überhaupt aus???

    Wo trifft sich das, was sich ergänzt ohne als krankhafte - co-betonte- Symbiose betrachtet zu werden? Wo ist gesunder Gegensatz und krankhafte Ergänzung zu unterscheiden?

    Alleine meine Gedankengänge zeigen mir sehr wohl, dass ich von Kopfmenschen "lernen" kann um selber in der Lage zu sein eines mit dem anderen in mir selber zu verbinden. Ich denke mit Grauen daran, wie die Balzzeit in meiner ehemaligen Beziehung so schien, als gäbe es nie Streit weil wir uns ja "so toll ergänzten" während diese "tolle Ergänzung" uns beide in Suchtmechanismen trieb ohne Ende.

    Bin mal gespannt, ob es auch eine so chaotische Frage "Licht in meinem Dunkel" geben kann.

    lieben Gruß von Dagmar

  • Liebe Dagmar,

    jeder Kopfmensch ist auch Gefühlsmensch. Ich glaube, du machst es dir zu schwer, wenn du schon im Vorfeld festlegen willst, was besser für dich ist. Damit schaffst du schon vor den Begegnungen, die in der Zukunft liegen eine innere Starrheit.

    Kann es sein, dass du Angst vor dem Unbekannten hast? Ich glaube, man muss sich ein Stück weit einlassen, um herauszufinden, ob es einem gut tut - egal, ob der Mensch Kopf- oder Herzgesteuert ist.

    Ich als Kopfmensch weiß z. B., dass mich Menschen wegen meiner Gedanken, Ideen und der manchmal daraus entstehenden Reibung schätzen. Ich wiederum finde es bereichernd, Menschen zu begegnen, die herzlich sind – ohne ihren Kopf vorwegzuschicken.

    Einen schönen Sommerabend.

  • Bingo, lieber Kopfmensch ;)

    Übrigens auch das Schätzen auf Grund genau dieser Eigenschaft, dem kann ich mich anschließen! Dadurch, dass Gespräche auch über, durch und mit Intellekt erfolgen ist der Kontakt eine große Bereicherung für mich.

    Nunmehr sind wir über Monate immer Schritt für Schritt weiter gegangen um uns jetzt in die privaten Räume und Persönlichkeit zu "begeben". Ich denke, meine Problematik liegt darin begraben, dass mein ehemaliges - alkoholkrankes - Gegenstück auf mich wirkte wie ein Kopfmensch, tatsächlich aber krank war. Ich bin noch zu lernen mir selber mit meinen Einschätzungen über den Weg zu trauen.

    Diese nämlich sagen mir ebenso, das was ich da spüre ist jede Menge Gefühl, wenn auch selten in verbaler Form ausgedrückt.

    Ich glaube, festlegen wollte ich mich im Vorfeld nicht, sondern vielleicht einfach für mich irgendwo ins Gleichgewicht kommen. Denn mal ehrlich, egal ob Kopf oder Gefühl, wenn ich einen Menschen schätze werde ich den Kontakt immer genießen und eine Ausweitung immer annehmen, egal welche Eigenschaften, Voruteile oder anderes gegen jemanden bestehen, der mir gut tut.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Liebe Dagmar,

    ich habe auch immer gedacht, dass die Bereiche die bei mir schwächer waren durch meine Frau ausgeglichen würden und ich ihr das gab, was ihr fehlte, wir uns ideal ergänzten. Das war kranker Missbrauch.

    Gesund ist, was nicht krank macht und solange ich noch krank werde, bin ich gesund.

    Seit ich meine Gefühlswelt in geordnete Bahnen lenke und die Gedanken entmüllt wurden, ist alles so, wie es sein soll. Meine Gefühle sind am rechten Fleck und ich denke wieder mit dem Kopf. Mir fehlt da überhaupt nichts mehr. Anders ausgedrückt, bin ich mit meinem Gehirn eine Symbiose eingegangen, das macht mich unabhängig vom Bauch und Kopf anderer.

    Die Frage ist doch, welchen Maßstab wir habe, der für uns ausschlaggebend ist die Gefühle der anderen zu bewerten? Je weniger ich bewerte, je mehr komme ich nicht mehr in verzwickte Situationen.

    LG Kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Liebes Kaltblut,
    ich denke, da hast Du mir gehörig auf die Sprünge geholfen!

    Früher nämlich habe ich mein Hirn "genutzt" dass ich mir Pläne zurecht legte, wie ich meine gewünschten Emotionen erfüllen kann. Welche Trick 17 fussen oder was ich wie erfahren kann.

    Nunmehr wird mein Hirn eingesetzt um mich zu erden, Abstand zu bekommen oder auch einfach dass mein Hirn meinem Gefühl klar macht dass beide sich brauchen und gemeinsam ergänzen können. Mein Hirn unterstützt nun (manchmal - aber nur manchmal) mein Gefühl.

    Das mit dem Bewerten habe ich in den letzten Monaten lernen dürfen, können, müssen. Wobei ich bei jedemanden, der wenig über Gefühle spricht oder sie kaum zeigt merke dass ich noch mehr Zutrauen zu mir selber aufbauen muss. Wurde ich doch in den letzten 10 Jahren oft angelogen weil es ins Schema passte. Wenn jemand nicht darüber spricht, so lügt er auf jeden Fall nicht.

    Da muss ich mir eben erlauben mich auf meine Gefühle zu verlassen - eben keine Bestätigung vom Umfeld, die einer Kontrolle ähneln könnte.

    Genau vor einer kranken Symbiose habe ich Angst, Bedenken noch, liebes Kaltblut, dass ich noch in alte Muster fallen könnte.... Wobei, die Angst wird kleiner, weil das was ich mal lebte, nicht mehr zwangsläufig weitergelebt werden muss.

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Du meinst, dein Mann sprach auch nie über den Alkohol, klar, die verheimlichen das ja
    Ja, Gefühle zeigt meiner auch nicht mehr, leider gewöhnt man sich selbst dann auch so was an.
    Du hast in sein Schema gepasst, weil du auch wenig gemeckert hast, oder warum?
    bei mir könnte es so sein, über mich kann sich meiner nicht beklagen, ich war heute lange bei meiner Mutter, habe da Abstand zu dem Thema gefunden, und mein MAnn hatte sozusagen im Erdgeschoss des Hauses sturmfreie Bude fürs Trinken, als ich kam, war er eingeschlafen.
    Das mal grad meine Gedanken.

  • Guten Morgen, liebe Trauerkloss,

    nein, mein ex-Alkoholiker und ein Mensch, den ich gerade kennenlerne, die haben nichts miteinander zu tun - auch dürfte Alkohol kein Thema sein. Nein, liebe Trauerkloss, es geht mir um meine Gedanken zu Freundschaften und Menschen kennenlernen - nicht darum was andere "verstecken" oder "verstecken könnten". Es geht darum, was ich "interpretiere" - was ich einfach selber als belastendes einbringe.

    Es geht mir darum Menschen, die ich neu kennenlerne fair und offen zu betrachten - nicht mehr und nicht weniger.

    Gefühle zeigen - hmmm, galt ganz sicher für den alkoholkranken Ex-Partner, der dazu nicht in der Lage oder interessiert war. Könnte sich aber im derzeit entwickelnden Kontakt doch anders aufzeigen. Die Entwicklung geht dahin dass viel Offenheit und Herzenswärme entsteht und gepflegt wird und meine Ursprungsbedenken wohl nur durch den (meinen) Kopf geisterten ohne dass ich das "Leben" dieser Entwicklung zuließ.


    Lieben Gruß von Dagmar

  • Hallo Dagmar,

    ja so würde ich mir das auch wünschen, Herzenswärme und Offenheit, statt dessen empfinde ich oft nur Hass.
    Wenn man Jahrelang nur Launenhaftigkeit erlebt hat, dann wird man auch abgebrüht und hasserfüllt, ich muss versuchen , mein Leben auch gegenüber meiner Söhne wieder freundlicher zu gestalten.
    Jungs im Alter von 15 und fast 17 sind auch etwas faul, alles muss man sagen, hilf da, hilf dort, ich als Mutter soll an vieles denken, irgendwann ist mir das zu blöd.
    Das mal für heute.

  • Liebe Trauerkloss,
    ich für mich muss ganz klar sagen, dass mein Umfeld ganz dolle auf mich abfärbt. Das Alkoholumfeld machte mich wütend und aggressiv, ich habe es verlassen.

    Nunmehr ist mein Umfeld komplett anders, liebevoll und ruhig - beständige Stimmungen (vom Montagmorgengesicht mal abgesehen ;) und das färbt auf mich ab.

    Es gibt in meinem Leben nichts mehr, dass mich ärgert oder hilflos erscheinen lässt. Ich lebe arm, aber frei - ich lebe mein Leben und meine Gefühle. Ich beginne zu lernen meine Emotionen und den Kopf in Einklang zu bringen, was nicht ganz einfach ist. Eine jahrzehntelange, kranke Beziehung hinterlässt Schatten und macht es mir schwer neutral auf Männer zuzugehen, die in Herz und Seele nachwirken. Das aber bringt maximal nachdenkliche oder melancholische Momente in mein Leben. Wut, Trotz und schlechte Laune haben hier keinen Platz mehr.

    Weißt Du Trauerkloss, ich war auch keine hilfreiche Tochter. Als Kind konnte ich nämlich nicht sehen was meine Mutter leistete. Ich bin mir aber ganz sicher, dass das - was sie heute zurückbekommt - mehr wiegt als alles im Haushalt helfen oder Geschirr spülen in "jungen Jahren".

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Ja, die Stimmung färbt auf mich ab, wenn er genervt ist , bin ich es auch, heute abend meinte er erst, ich hätte den Tag verdorben, weil ich heute morgen mit den Kids schimpfte, weil sie nicht helfen wollen, ich sagte es ihm dass er mich unterstützt, er ist ja der Vater, und abends bekommt man zuerst vorgeworfen, dass ihm der Tag verdorben wurde.
    Dann konnte er lange reden über seine Radtour, das macht ihm nämlich spass, ich fahre nicht mehr so oft mit, schon gar nicht so weit, wie er , das kann ich nicht, so ausdauernd, bin wohl ausgepowerter als er.
    Obwohl ich Hausfrau bin, das ist komisch.
    Heute langs bei mir auch an der periode.

  • Erschreckender Aha-Moment :(

    So, ich bin also Gefühlsmensch und frage mich, ob oder wie ich mit einem "Kopf-"Menschen klarkomme.... Hmm, gerade habe ich mich gefragt ob ich nicht vielleicht leichter mein Ego durch einen Gefühlsmenschen aufpolieren könnte als durch einen Kopfmenschen. Logisch, wer wie ich gefühlsdusselig sein kann, dem gehen Komplimente und anderes viel leichter von der Zuge.

    Fazit oder Fragestellung an mich selber: erwarte ich mir durch einen Gefühlsmenschen das Aufpolieren meines Egos, welches ich meine im Kopfmenschen nicht sehen zu können.

    Na, geniale Pleite ... Gut, nach dem ersten Schock würde ich sagen, mir reicht mein eigenes Ego und ein weiterer Polierer ist nicht notwendig. Aber diese Einsicht war gerade ein "HAllo-Wach"-Moment und nciht gerade ein schöner....

    Lieben Gruß von Dagmar

  • Komisch in den Threads wo ich kurz was schrieb geht es grad nicht weiter, oder ihr seid alle teilweise in Urlaub.
    Gestern musste ich meinem Mann lange zuhören, als er alles mögl. erzählte und sich öffnete oder mich unter Druck setzte, wenn ich nächste Woche eigentl. nicht mitmöchte , wenn er je eingeladen ist bei Freund zu essen, es wäre über eine Std. zu fahren über Autobahn abends bis spät abends.
    Seit ich weiß, er ist Alk, traue ich nicht mehr ganz beim Fahren, wenn ich mit drinsitze, schon gar nicht auf Autobahn.
    ER meinte , er müsse nichts trinken, er kann auch Sprudel trinken oder nur Schorle, hahaha, wo wir als Cos wissen,dass es mögl.weise schwierig ist, dann aufzuhören, und doch ich fahren müsste, und das nachts aus Grossstadt raus auf Autobahn,eigentl. nein danke,

  • Hallo Dagmar007,
    lese mir gerade dein thread durch. Ich denke es ist in jedem beides vorhanden ist und angelegt-Kopf-und gefühl. Aber durch Einflüsse von außen, wie Erziehung, Umgang, Schicksal ect, entwicklet man für sich eher Kopfmensch oder Gefühlsmensch. Beides ist in Ordnung, man muss nur beides zulassen und nicht versuchen den anderen zu bekämpfen.Ich meine damit ich bin auch mehr Gefühlsmensch(Co), habe aber trotzdem den Kopfmenschen noch irgendwo in mir, den ich jetzt indem ich mich auf mich besinne immer mehr finde. Und beide zu gleichen Anteilen in einer Person zutreffen glaube ich ist der Zustand- mit sich im Einklang- zu sein.
    Wünsche dir einen schönen Tag! Und entschuldige den etwas verwirrten Erlärungstext!
    Ganz liebe Grüße
    Nancy

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