Gemeinsames Aufarbeiten

  • Hallo,

    aufgrund des Austausches mit kwiep möchte ich gern einmal dieses Thema seperat ansprechen. Seine sehr respektvollen Worte seiner Exfrau gegenüber haben mich berührt, denn dies ist ja nicht immer so einfach und selten.

    Ist es möglich, in der Zeit des Trockenwerdens(Alkoholiker wie Co-Abhängige), einen respektvollen, ohne Schuldzuweisungen behafteten Umgang zu pflegen?

    Bedarf es dazu externe Unterstützung? Und welche Fähigkeiten (wie z.B.Krankheitseinsicht) sind von beiden Seiten nötig?

    Bin mal auf Eure Antworten gespannt.

    Lieben Gruß
    Susanne

  • Hallo kwiep,

    das was du schreibst von eurem Umgang miteinander, ist auch ein Wunsch von mir. Nur weiß ich heute das ein Wunsch da sein kann aber dieser nicht oder vielleicht auch nie erfüllt werden kann, wenn ich nicht allein dafür verantwortlich bin.

    Dieser Wunsch überschattet nicht mein Sein und mein Leben im Jetzt aber er ist da.

    Vielleicht bekomm ich ja irgendwann mal diese Chance, da ich das Gefühl habe dies für ein wirkliches Abschließen wichtig ist. So scheint mir steht immer noch irgendetwas im Raum und lässt mich nicht wirklich zur Ruhe kommen.

    Lieben Gruß
    Nicole

  • Hallo Ihr beiden,

    dies sind wieder Gedanken, die bei mir ganz viel auslösen. Danke Euch!

    Nicole

    Diesen Wunsch kann ich Dir sehr gut nachempfinden, aber dazu gehört es ja scheinbar wirklich, daß der Partner/Expartner auch die Einsicht hat, daß beide den Weg aus der Sucht gehen. Und dazu gehört ja nicht nur, das Trinken zu lassen/ den Partner zu verlassen.

    @kwiep

    Zitat

    Ich weiss, daß sie mich trotz ihrer Liebe zu mir, von mir abgewandt hat, weil sie ihr eigenes Leben finden musste, und die Kraft aufbringen musste meinen Kindern ein anständiges Zuhause bieten kann.

    Sie musste unter schwierigsten Verhältnissen einen Neuanfang starten - immer noch behaftet mit der seelischen Qual, die ich ihr (bedingt durch mein Suchtverhalten) zugefügt hatte.

    Weißt Du, daß es eine Zeit lang dauert, bis Du Dich selbst wieder finden kannst, ist wohl klar. Bei uns ist es dann nach 8Monaten nach Entzug dann zum Aus gekommen-mit völligem Kontaktabbruch, weil wir es nicht schafften, miteinander umzugehen.
    In meinen Augen ist es eben sehr schwer, wenn die Trennung nicht aus mangelnden Gefühlen stattfindet, diese darauf basiert, sich selbst und Kinder, wenn vorhanden, zu schützen.

    In unserem Fall ist es so gewesen, daß mir der Abbruch sehr gut getan hat, kann ihm wieder normal begegnen- er mir nicht. Es ist scheinbar so, wie in Deinem Fall, daß ich die Böse bin, weil ich in meiner schwersten Co-Krise mein Leben retten mußte und ihn *im Stich ließ*.

    Deine Sicht auf Deine Exfrau macht Mut. Mut, daß eine gute Aufarbeitung all der Dinge, die in ganz kranken, nassen Zeiten passierten, nicht zu Respektmangel führen muß. Leider ist dies aber doch wohl die Seltenheit.

    Der Gedanke, den Nicole anriss, daß irgendwie immer etwas im Raum steht, wenn keine Verarbeitung stattfindet, ist für einen Co-Abhängigen auch etwas ganz Gefährliches, weil der Abschluß nie wirklich vollkommen da ist. Klar, das Abgrenzen kann dennoch stattfinden, aber die Frage nach dem Verzeihen, dem Respekt voreinander, wenn es beide in die Trockenheit schaffen (sowohl Co als auch Alkoholiker) bleibt irgendwie immer...So meine Sicht. Alles andere, so sehe ich es, ist Augenwäscherei.

    Zitat

    Wiedergutmachen kann ich nichts. was geschehen ist, ist geschehen.
    Aber ich kann dazu beitragen, daß ich meiner Frau jegliche Schuldgefühle am scheitern unserer Ehe nehme.


    Dies kann für beide Seiten dazu führen, inneren Frieden zu finden, der ja sehr stark zu einer zufriedenen Trockenheit führt-überlebenswichtig für einen süchtigen Menschen. Aber dafür müssen eben beide bereit sein, den anderen auch als kranken Menschen sehen und nicht in Schuld und Abwehrhaltungen verharren.

    Ist dies dann nicht doch noch sehr suchtgeprägtes Denken, wenn weiterhin ein Schuldiger gesucht wird? Wo bleibt da das Verzeihen und vor Allem ein persönlicher Abschluß?

    Lieben Gruß

    Susanne

  • Hallo kwiep,

    nur ganz kurz. Möchte dies feststellen:

    Zitat

    Vielleicht hat Dein Partner diesen Mut nicht oder noch nicht ?

    Das denke ich auch, daß mein Expartner dies noch nicht hat oder wieder aus dem Auge verloren hat. Leider , aber Seins!


    Ich denke auch, daß wir die Krankheit nicht entschuldigen müssen. So war dies auch nicht gemeint, nur ist es für mich wichtig, die Dinge, die in der Sucht passierten, nicht als böswillig anzusehen, diese zu verzeihen. Denn nicht nur der trinkende Ex machte schlimme Dinge-auch ich in meiner Sucht verletzte und habe wehgetan. Verzeihen heißt ja auch Loslassen, Erkennen, Annehmen. Dann kann es ruhig werden.

    Ich danke Dir für heute für diesen Austausch.

    Lieben Gruß

    Susanne

  • Hallo an alle,

    kwiep, es tut so gut zu lesen, mit wieviel Wertschätzung du von deiner Frau sprichst.

    Ich hege keinen Groll gegenüber meinem Mann. Er ist krank, das sehe ich ein.
    Aber trotz allem sehe ich meinen Anteil als weit geringer an als seinen. Ich kann für uns beide jedenfalls bei aller ehrlichen Selbst-Erforschung kein Gleichgewicht erkennen.
    Fehlerlos bin ich nicht. Mitgemacht hab ich zu viel.
    Aber SEINE Alkoholkrankheit hat das ganze Unheil auf dem Gewissen, hat unsere Familie zerstört. Da bin ich mir inzwischen auch nach einem halben Jahr Forum sehr sicher.

    Eine gemeinsame Aufarbeitung wäre für mich wunderschön.
    Ich glaube nicht, dass ich ihm Vorwürfe machen würde. Ich würde aber ihm gerne mitteilen, wie es mir gegangen ist.
    Und ich würde gerne hören, wie es ihm mit meinen Reaktionen gegangen ist.
    Ich würde gerne mit ihm ein freundschaftliches, respektvolles Verhältnis haben.
    Ich will nicht, dass meine Kinder denken, ihr Vater sei ein schlechter Mensch. Ich werde ihnen das später zu erklären versuchen: Dass nur die Krankheit ihn kaputt gemacht hat, aber dass er ein wunderbarer Mensch war - ohne seine Erkrankung.

    Ich wertschätze ihn immer noch, obwohl seine ursprüngliche Persönlichkeit in den nassen Phasen zu einer absoluten Fratze verkommen ist.
    Ich denke sogar manchmal liebevoll an ihn, denke: Das hat ER mir gezeigt. Das hat ER auch immer gesagt. usw.
    Aber er ist nicht derjenige, wenn er trinkt. Er ist irgendetwas anderes, nur nicht mein Mann.

    Unsere Aufarbeitung - Es bleibt ein Wunschtraum, es wird dazu nicht mehr kommen.

    Liebe Nachtgrüße
    von Doro
    die heute nicht zur Ruhe kommt

  • Guten Morgen kwiep,

    Zitat

    voll cooooool mit 2 Moderatorinnen ..." ::cool:

    wir sind auch "nur" ganz normale User...die noch zusätzlich die Aufgabe haben zu schauen ob die Forumsregeln eingehalten werden. Manchmal kann das tragen von dem Balken auch ganz schön schwer werden :wink:

    Zitat

    Bitte hilf mir bei der "Übersetzung"

    Ich versuch es mal....auch wenn ich sicher bin das du keinen hohlen Kopf hast :wink:

    Wenn ich den Wunsch habe mir dieses Jahr ein besonderes Fahrrad zu kaufen, liegt es allein an mir daraufhin zu sparen. Da ich nicht so viel Geld habe wird es dieses Jahr nichts...aber nächstes. Es ist meine Verantwortung wie lange es dauert...ich könnt ja auch noch wo anders einsparen.

    Aber in dem Moment wo mein Wunsch mit einem anderen Menschen einhergeht....wie in diesem Fall mit meinem Ex...bin ich für die Erfüllung nicht allein verantwortlich. Solange er noch trinkt und keine Krankheitseinsicht hat und zusätzlich nicht die Motivation der Aufarbeitung hat wird mein Wunsch ein Wunschtraum bleiben.
    Und da ich bei ihm die Hoffnung aufgegeben habe wird es wohl nichts mit meinem Wunsch, welcher aber trotz allem in mir schlummert.

    Es ist in unserer Ehe sehr viel schreckliches passiert, teilweise unfassbares, aber ich habe ihm verziehen weil ich meinen Frieden finden wollte. Doch das i-Tüpfelchen wäre der respektvolle Abschluss um wirklich abschließen zu können.

    Oft Frage ich mich was ist so schwierig nach beenden einer Beziehung...nicht nur bei Alk und Co...das ganze respektvoll zu beenden?

    Lieben Gruß
    Nicole

  • Hallo Kwiep, hallo alle Anderen, die Schuldfrage finde ich eine interessante Sache. Es ist doch komisch das Mensch so oft nach einem Schuldigen sucht für etwas das ist oder war. Für mich (co) wurde immer klarer das es um Schuld überhaupt nicht geht. Die Dinge sind wie sie sind und waren wie sie waren. Auch die bestimmung eines Schuldigen kann dies doch nicht ändern.
    Kwiep, das hört sich einfach toll an wie Du von Dir und deiner Frau schreibst.
    Bei mir und meinem Exfreund ist es leider so das immer wieder Phasen kommen in dem er Schuld sucht und mir viele Vorwürfe macht. Obwohl ich immer für Ihn da war und Ihn auch jetzt in meinen Grenzen gerne unterstütze. Aber auch für mich gibt es kein zurück. Auch für mich ist zuviel passiert. Trotzdem schätz ich vieles an Ihm. Leider hat er seinen Alkoholkonsum nur runtergeschraubt und nicht aufgehört.
    Und das sind schonmal 2 Gründe die es für mich oft schwer machen einen Umgang zu finden. Ich glaube er hat bis heute nicht verstanden warum ich gehen mußte, ganz einfach für mich.
    Ich wünsche mir das auch Wir irgendwann mal richtig darüber reden können und er mehr versteht bis jetzt.
    Trotzallem. Und doch denke ich das Wir zumindest im Gespräch bleiben. Und das schätze ich, und deswegen kennen WIr uns auch noch. Und ich würde mich freuen wenn er das mal für sich auf die Reihe kriegt und ein besseres Leben führen kann als jetzt.

    Grüße Karotte

    Das Leben ist Widerspruch: Das eine ist und das andere auch.

  • Hallo kwiep,

    ich möchte Dir ganz herzlich *DANKE* sagen für diese Aussage, die sowohl die Alkoholiker als auch Co-Abhängigen betreffen.

    Zitat

    Ich rate Dir von Herzen, diese Krankheit, die Sucht, und deren Folgen als Schicksalsschlag zu betrachten.
    Ebenso wie Du eine Gemütskrankrankeit wie Depressionen oder Schizophrenie sehen würdest.
    Auch Erkrankungen dieser Art lösen dieses aus:

    Zitat:
    hat unsere Familie zerstört.

    Ich würde es nun nicht unbedingt als Schicksalsschlag bezeichnen, aber allein der Hintergrund, dass es sich um eine Krankheit handelt, die die gesamte Familienstruktur verändert, hilft mir, meine Co-Abhängigkeit und die Alkoholsucht meines Expartners aus einem anderen Gesichtspunkt zu betrachten.
    Bei schweren, prägenden Krankheiten gibt es auch immer eine gewisse Verarbeitung-die sogenannten Phasen der Trauerarbeit.Dabei sind auch Gefühle der Schuld, der Wut u.a.ein großer Bestandteil dieser Phasen. Aber irgendwann tritt dann ja auch der innere Frieden ein (zumindest für jeden von uns wünschenswert). Auf beiden Seiten! Aber dazu muß ich sagen, daß diese Zeiten leider nicht immer parallel laufen, manchmal einer in der einen oder anderen steckenbleibt, und es dann nicht zu einer gemeinsamen Verarbeitung kommt.:roll:

    Lieben Gruß
    Susanne

  • Hallo Susanne,

    dieser Satz ist mir ins Auge gesprungen.

    Zitat

    Aber irgendwann tritt dann ja auch der innere Frieden ein (zumindest für jeden von uns wünschenswert). Auf beiden Seiten! Aber dazu muß ich sagen, daß diese Zeiten leider nicht immer parallel laufen, manchmal einer in der einen oder anderen steckenbleibt, und es dann nicht zu einer gemeinsamen Verarbeitung kommt.Mit den Augen rollen

    Ist das nicht die schwierigste Variante? Nochmal ganz viel Kraft aufbringen, um auf den anderen zu warten, und andersherum. Geduld, Liebe, Respekt und Verständinis auf zu bringen.

    Das schönste was sich viele Vorstellen können.

    Nur dazu reicht meist die Kraft nicht mehr!

    Liebe Grüße
    Nicole

  • Hallo Nicole

    Zitat

    Ist das nicht die schwierigste Variante? Nochmal ganz viel Kraft aufbringen, um auf den anderen zu warten, und andersherum. Geduld, Liebe, Respekt und Verständinis auf zu bringen.

    Wenn ich Dich richitg verstanden habe, dann bleibt mir in meinem Fall nur den Respekt zu bewahren gegenüber der Geschwindigkeit des Ex.Weiter auch Verständnis für die Tatsache, dass es manchen nicht gelingt, einen respektvollen Umgang mit dem jeweiligen Expartner zu haben.

    Warten darauf, dass der andere nachzieht?? Hmmm, das ist in der Tat schwierig und für mich persönlich *vordergründig* nicht erstrebenswert. Innerhalb einer Beziehung ist es sicherlich weiterbringend, aber in meinem Fall habe iich die Hoffnung nicht im Griff, denn da bin ich noch zu sehr in meiner Co.
    Im Hintergrund arbeitet da aber auch diese Hoffnung. Alles andere wäre wieder Augenwischerei. Es ist ein Mensch, der einem wichtig war/ist. Es ist ja auch gerad im Co-Bereich dieses Thema, wie der Umgang damit ist, wenn der Expartner weiterhin in seiner Suchtstruktur bleibt. Nicht einfach. Rein vom Verstand ganz klar:Nicht mehr meins, aber die emotinale Ebene wird da, denk ich, schon hintergründig die Hoffnung haben, daß derjenige es schafft, die Verarbeitung irgendwann auch zu respektvollem Umgang führt. Aber warten möchte ich nicht. Dies ist vielleicht die innere Abgrenzung!

    Lieben Gruß
    Susanne

  • Hallo kwiep,

    Zitat

    Was mich bei allem immer wieder aus der Fassung bringt ist, daß der Alk (ob nass oder trocken) immer mehr Verständnis erwarten kann als der Co

    Da kann ich Dir nur zustimmen. Dies findet aber leider auch bei vielen Alkoholikern statt, dass sie die Krankheit Ihrer Familienangehörigen nicht als Krankheit anerkennen, die genauso tödlich enden kann-nur viel schleichender..buchstäblich wie emotional.
    Habe ich selbst erfahren, sei es bei meinem Exmann oder aber Expartner, der noch heute mit erhobenen Zeigefinger auf mich zeigt, mich beschuldigt, und dabei nicht versteht, dass auch ich sehr schwer krank bin.Dies zum Thema Respekt. Aber eben auch *nur nichts zu trinken, reicht halt auch nicht :roll:

    Ich denke auch, dass da noch ganz viel Aufklärungsarbeit und vor Allem auch einmal die Co-Abhängigkeit endlich als *Krankheit* auch anerkannt wird, Förderung seitens der Gesetzgebers mal ins Rollen kommt.

    Das, was Du über den Vergleich der Krankheiten schreibst, kann ich schon nachvollziehen.Eben alles zu unternehmen, um an mir zu arbeiten ,mit mir und auch denjenigen wieder ins Reine zu kommen, ist ja sozusagen auch eine *Behandlung*, um Wunden heilen zu lassen. Dazu gehört eben auch die Verarbeitung/Aufarbeitung, fern von Vorwürfen/Vorhaltungen.
    Und genau da sehe ich manchmal die Schwierigkeit, wenn eben nur das Suchtmittel weggelassen wird, aber die respektlose Verhaltensstruktur dem Partner gegenüber weiterhin bleibt. Wo ist dann da die Bereitschaft, auch wirklich an den Strukturen zu arbeiten, die ich unter Alkoholeinfluss oder aber in meiner tiefsten Co zeigte?...Nur mal so als rethorische Frage..

    Lieben Gruß

    Susanne

  • Hallo an alle,

    ich würd gerne meine Äußerung von weiter oben nochmal erläutern, offenbar ist sie missverstanden worden.

    Sie bezog sich eigentlich auf Susannes Satz:

    Zitat

    Denn nicht nur der trinkende Ex machte schlimme Dinge-auch ich in meiner Sucht verletzte und habe wehgetan

    Das hätte ich klarer dazu schreiben sollen, dass ich mich auf diesen Satz beziehe. Für mich kann ich dem nicht zustimmen.
    Ich glaube nicht, dass ich meinem Mann besonders verletzt oder wehgetan habe. Niemand ist perfekt, in jeder Beziehung passieren negative Dinge, das ist ja klar. Klar hab ich sicher auch Dinge falsch gemacht, aber doch im "normalen" Rahmen, wie eben jeder Mensch. Vielleicht verletzt ihn schon meine schlichte Existenz :lol: , aber die möchte ich noch ne Weile erhalten.
    Ich glaube, ich habe mich ihm gegenüber "gut" (damit meine ich: eben ganz normal) verhalten. Vielleicht nicht gut im Sinne der "HIlfe durch Nichthilfe", aber "gut" auf einer zwischenmenschlichen Ebene. Ich habe ihn gewertschätzt, ich habe mich um eine gute Partnerschaft bemüht, meine Verpflichtungen eingehalten und und und.
    Er hat sich mir gegenüber nicht so verhalten, seit er wieder trinkt. Er hat sich wie ein Armleuchter verhalten und tut es noch immer. Gerade in diesen Tagen hat er uns eine Gewalttat angedroht im Suff.

    Das wollte ich damit sagen.
    Wenn es was aufzuarbeiten gibt, dann ginge es in der Tat in erster LInie um die Aufarbeitung dessen, was die Alkoholerkrankung zuerst mit ihm, dann mit uns beiden gemacht hat.

    Kwiep, du rennst bei mir offene Türen ein. Ich sehe die Alkoholerkrankung auch als Schicksalsschlag und grüble schon lange nicht mehr über Schuld.

    Ich führe im geschlossenen Bereich ein Tagebuch, um mir klar zu werden über mich selbst und selbst gesund zu werden. Ich nehme meine Co-Abhängigkeit ernst.

    Liebe Grüße
    Doro

  • Hi kwiep!

    Habe eben Deine Worte und den Gedankenaustausch hier gelesen und das hat mich tief berührt. Weil ich fast identische Situationen erlebt habe. Meiner Frau war schon jahrelang klar, dass ich trinken MUSS, nicht WILL. Ich habe mich weggetrunken und sie mit allem alleine gelassen, vor allem mit den Sorgen und Nöten meiner Tochter. Meine Frau hat die ganze Zeit als Co versucht, mich "umzuerziehen", mit Erpressung, mit Liebe etc. Es waren hilflose Versuche. Als dann noch im Alkoholrausch eine Art Liebeswahn zu einer Kollegin dazu kam, hat sie sich in genau diesem Forum informiert. Von ihr habe ich diese Adresse überhaupt. Und dann hat sie einen Schlußstrich gezogen, hat sich getrennt, ist ausgezogen und als ich vor Schreck und dem Anpeitschen meines Bruders ("krieg den Arsch hoch, AGIERE, nicht nur REAGIEREN"), da war ich 3 Wochen lang trocken und hab es auf einen Krieg mit Anwalt (ein alter Schulfreund) ankommen lassen. Dann folgte, wie in meinem Thread beschrieben, der Totalabsturz und Entgiftung etc.

    In dem Moment, in dem meine Frau gesehen hat, dass ich OHNE ZWANG etwas für MICH tue, haben wir uns wieder angenähert. Sie ist JEDERZEIT für mich da und ich hoffe, dass wir uns wieder annähern. Zumal wir BEIDE - also gerade auch ICH - die Verantwortung für unsere wunderbare Tochter haben.

    Ich hoffe, dass es auch bald Tage gibt, in denen wir scöne Dinge teilen, und nicht nur, wenn es mir schlecht geht. Sie hat gesagt: Micha, bevor wir überlegen können, ob wir eine gemeinsame Zukunft haben, musst DU ersteinmal all deine Baustellen in Ordnung bringen, deinen Weg finden. Du bedeutest mir so unendlich viel.

    Wenn ich über diese Worte nachdenke, muss ich fast weinen, denn gibt es einen größeren Liebesbeweis?

    In diesem Sinne,

    der Micha.

  • Hallo ihr lieben, ich bin zwar nicht die Partnerin sondern die Tochter eines trockenen Alkoholikers, aber die Strukturen der Krankheit sind ja die selben. Bei mir stellt sich zwar nicht die Frage, ob ein gemeinsames Lben möglich ist. Aber Vater bleibt Vater. Vielelicht wird Euch aber an meinem Beispiel vieles viel deutlicher. Als Kind habe ich es nie wissen können, dass es sich bei meinem Vater um eine Krankheit handelt. Ich war immer in dem Glauben, dass er auch weniger trinken 'könne', wenne r doch nur 'wollte'. Ich habe es so empfunden, dass die Konsequenzen seines Konsums ihm egal waren, wir ihm also auch. beschimpfung, Gewalt etc habe ich sehr wohl als beabsichigt und persönlichen Angriff empfunden. Mein Leben ging also in erster Linei darum mich selbst , Meine Geschwister und meine Mutter vor diesem Mosnter zu beschützen. Dieses gefühl hat sich sher tief in mir verwurzelt. Auch die Vorwürfe meienr Mutter gegenüber. Denn ich verstand nciht, warum sie nicht 'einfach'mit uns abgehauen war.
    Das klingt doch sicher sehr stark nach Schuldzuweisungen. Ich hatte nichts davon erahnt , dass beide Eltern süchtig und krank sind.
    Wer, da mehr zu unserem Elend beigetragen hat, wer kränker war etc. speilt für mich keien Rolle mehr. Die auswirkungen des Alkohols waren natürlich bedrohlicher, ein Horrorszenario. Nicht zu gehen ist aber nicht weniger schlimm, denn es zwang uns ja in diesem Horrorfilm mitzuwirken. Wenn es also eine Schuld gibt, dann trifft die beide.
    Respektieren konnte ich meine Eltern erst dann, asl ich begriff, wie hilflos sie doch beide waren. Mit welchen Schwierigkeiten sie die Therapie durchgezogen haben udn insbesonders mein Vater eisern an seiner Trockenheit festhielt und meine Mutter ihn darin auch unterstütze. Das verdient Respekt. Trotzdem bleiben offene Wunden. heute weiß ich , dass mein Vater Dinge getan hat , die er wohl nciht anders tun konnte und DInge gesagt hat, die er nciht meinte. So sieht es mein Versatnd. Aber Gefühle haben mich geprägt, tief in mir sind Verletzungen auf emotionaler Ebene. Es sind Dinge passiert, die ich besonders meinem Vater nicht verzeihen kann. Da ist ein Zweispalt zwischen Verstannd und Gefühl. Diesen Zwiespalt finde ich hier immer wieder in fast allen Threads bei Coabhängigen. Die Krankheit begriefen, die Sucht erkennen. Aber die Auswirkungne werden persönlich genommen. Es wird versucht auf emotionaer Ebene, druch Liebe , durch Erpressung, druch Druck irgendetwas verändern zu wolen. Das ist ja genau das was auch aus diesem grudne nciht funktioniert. Weil die Sucht nichts mit Logik , nichts mit Gefühlen mehr zu tun hat. Ich bin enttäuscht, weil ich von meinem Vater anderes erwartet hatte. ich weiß jetzt, dass es ihn dahin 'getrieben' hat. Aber imemr noch ist es ein langer Weg für mich Vergangenes aufzuarbeiten, zu vergessen, verzeihen. Eben weil es so tief in meiner Kindheit verankert ist. Das Ganze hat mich einerseits stark, aber andererseits auch verletzlich gemacht.
    Die Liebe zu meinen Eltern hat diese Sucht nciht zerstört. Eher könnte ich sagen, dass es in mir selbst etwas zerstört oder gespalten hat. Letztlich muß ich eher bei mir etwas aufarbeiten statt in dem Verhältnis zu meinen Eltern. Ich empfinde es nun eher als eine traurige Familientragödie, die ich druchlebt habe und meine Eltern einfach keien besonders starken Persönlichkeiten haben. Das aht sich sicher auf uns Kinder allesamt abgefärbt.
    Ich finde es schade, aber läßt sich nciht ändern. Letzlich kann man nur an sich selber arbeiten udn schauen, dass man das nciht so über die Generationenn weitergibt. Fragen der Schuld , des Respekts ergeben sich aber für mich nicht. Ich vermute sogar, dass ich wohl druch mein Leben allgemein gelernt habe nicht ewig immer nach Schuldigen zu suchen, sondern stattdessen das Beste aus dem zu machen, was noch übrig ist.
    Alles andere ist für mich oftmals nur unnötige energie udn Zeitverschwendung. Wer soll denn einen schuldigen dann bestrafen und wie? Und was sollte dann damit bewirkt werden? Schuld hat ja auch mit Verantwortung zu tun. Mit welcher Absicht und welchem Bewußtsein wurden die Dinge gemacht? Es läßt sich an den Tatsachen nichts mehr ändern. Leben tun wir im jetzt. Und besseres tun können wir etwas für morgen.
    Wenn die Sucht die Liebe in eienr Ehe zerstört hat kann ich das aber auch verstehen. Einge beschreiben ja, dass die Liebe noch da sit , aber auf eine andere Art. Ich denke, was nciht mehr funktioniert ist das Vertrauen. Die Angst , ob die Sucht wieder zuschlägt udn ob man dann ein zweites MAl stark genug ist ist immerhin schon auch ein wichtiger Gesichtspunkt. Denn auch der Coabhängige läßt sich da jawieder euf etwas ein, wenn er/ sie es einmal geschafft hat von ihrem Scuhtmittel loszukommen. Das wird glaube ich oftmals garnicht berücksichitgt. Auch das ist ja eine Sucht und ein Alkoholiker, der es geschafft hat nichts mehr zu trinken fängt ja auch nicht nach der Therapie in kleinen Schlucken wieder an oder läßt sich auf etwas ein, wo er nicht 100% sicher ist, dass da Alkohol drin sien könnte. Ich denke, wenn man es eingesehn hat, dass man füreinander Spiegel, Auslöser sein kann, ist es sicher besser kien neues Risiko einzugehen. Obwohl es bei meinen Eltern dann gut gegangen ist würde ich persönlich das auch kein zweites Mal machen. Meine Eltern haben sich aber auch garnicht getrennt. Ich denke aber, es wäre für uns alle besser gewesen, denn dnan hätten wir einfach mehr Lebensqualität gehabt. Ziel einer Ehe ist für mich nicht diese bedingungslos aufrecht zu erhalten nach dem Motto 'bis dass der Tod und scheidet'.
    Ich trenne mich lieber bevor mein Leben zur Qual wird. Ich habe es aber auch bisher immer gut geschafft in meinen Beziehungen einen gewissen Abstand zu erhalten, mindestens räumlich. Ich denke, dass ist auch eine Konsequenz aus der Suchtgeschichte.

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!