Beiträge von Doro

    Hallo,

    ist es wirklich so einfach, eine rechtliche Betreuung zu bekommen, wenn der Betroffene es ablehnt?

    Ich hätte es mir damals für meinen Mann (bzw. eher für mich, weil ich die finanziellen Konsequenzen zu tragen hatte) dringend gewünscht, dass ihm jemand diese Dinge abnimmt. Denn er war eigentlich verhandlungsunfähig, was für mich schwierig war, weil ich eigentlich mit ihm über diese finanziellen DInge (gemeinsames Haus, evtl. Unterhaltszahlungen oder auch nicht) hätte verhandeln müssen. Es war für mich sehr bedrückend, dass ich nichts regeln konnte und alles auf einer irrationalen Psychoterrorschiene ablief.

    Aber ich wusste nicht, wie das mit der rechtlichen Betreuung geschehen sollte und mir wurde vom Anwalt gesagt, es sei sehr schwer, so etwas zu erreichen. Vielleicht hatte die Anwältin einfach keine Ahnung.

    Ich hätte mich allerdings damit schwer getan, die Verantwortung für eine quasi-Entmündigung gegen seinen Willen zu übernehmen.
    Aber wenn mir gesagt worden wäre, dass es geht, hätte ich es wohl angestrengt, um unnötigen materiellen Schaden (in erster Linie für mich, in zweiter für ihn) zu verhindern.

    Doro

    Natürlich haben beide Eltern die Pflicht, ihre Verantwortung als Eltern wahrzunehmen. Das Recht, sich dem durch Saufen zu entziehen, gibt es nicht.
    ABER: Stichwort: Alkoholismus ist eine Krankheit. Dummerweise eine, deren Therapierung der Kranke in der Regel ablehnt, erstmal jedenfalls.
    Und Kranke können dann eben manchmal einfach nicht, was sie eigentlich müssten.
    Bloß dass man dann diese für die Kinder mitunter sehr schmerzhafte Pflichtverletzung noch mit Respekt würdigen soll, als sei es eben eine Frage des Lebensstils, find ich auch abwegig. Es ist krank und total schade, wenn Kinder ihren Papa an die Flasche verlieren. Da gibt's nix zu beschönigen.

    Wenn keine Kinder da sind, nun gut, dann ist es was anderes (und dennoch krank und schade).

    Aber tun kann ich nix.

    Doro

    Hallo,

    gutes Thema!

    Also, mein alkoholkranker Partner konnte mich regelrecht schwindelig quatschen, und nicht nur mich, das hat er mit anderen auch gemacht. Er hatte das Talent, einem weiszumachen, 2 plus 2 seien 5, und wenn er lange genug geredet hat, war man sich am Ende nicht mehr so sicher, ob das nicht auch wirklich stimmt.
    Deshalb hab ich immer wieder einen eigenen Wahrnehmungen misstraut.

    Sicher hab ich auch versucht, ihn irgendwie unter Druck zu setzen (wenn das manipulieren ist), damit er aufhört mit dem Saufen.
    Eine Zeit lang jedenfalls.
    Dann hab ich damit aufgehört und nur noch still abgewartet, wie lange ich es noch aushalten würde. Dann hat seine Manipulation aber immer noch funktioniert, ganz ohne meine.

    Was ich generell an mir feststelle: Ich bin leicht manipulierbar, weil ich mich leicht verunsichert fühle und hinterfragen lasse. Und da konnte er natürlich gut andocken. Andere hätten das Spiel vielleicht viel eher durchschaut.

    Eine entscheidende Waffe gegen diese Manipulation ist, dass man sich öffnet und Urteile von außen holt.
    Alleine war ich seinen Manipulationen auf Dauer ziemlich hilflos ausgeliefert.

    Leider steht die Scham dem oft im Weg, solange man noch mitten drin in der Beziehung steckt. Da traut sich nich jede/r, sich zu öffnen.

    Doro

    Hallo Mitzu,

    ich hab hier jetzt auch gelesen, was du schreibst, und bin schockiert.
    Ich hab aber auch ähnliches erlebt und mitgemacht!!!!
    Zum Glück vorbei.
    Ich verstehe, wie es so weit kommen kann. Wenn ich mich jetzt erinnere, was ich da mitgemacht habe, grusele ich mich.
    Ich war auch gehirngewaschen.

    Jetzt sehe ich wieder klar, und es ist offensichtlich: Es ist wirklich haarsträubend, wie er dich fertig macht.
    Besonders weh getan hat mir, wie er euch im Urlaub behandelt hat. Wie er dein Selbstbewusstsein systematisch untergräbt.
    Er tut alles, um dich seelisch zu quälen.
    Und ab und zu wirft er dir ein paar Liebesknochen vor, na toll.
    Nur, um dich dann wieder benutzen zu können.
    Pfui.

    Geh einfach.
    Such dir ne Wohnung, zieh zu Eltern oder Verwandten oder vorübergehend ins Frauenhaus. Egal.
    Besprich es nicht mit ihm vorher.
    So viel, wie er trinkt, weiß man sowieso nicht, was er sich überhaupt noch merken kann.
    Außerdem würdest du Gefahr laufen, dass er versucht, dich zum Bleiben mit Gewalt zu zwingen. Wer weiß, sei vorsichtig.
    Mach dir einen geheimen Plan und zieh ihn durch.
    Gesteh dir ein, dass diese Beziehung ein Irrtum war, bevor es noch schlimmer wird.

    Dann hast du deine Ruhe, dann wirst du wieder so sein wie vor dieser absurden Geschichte. Du wirst nichts vermissen!!! Es wird dir gut gehen. DU wirst deine Leute, die es gut mit dir meinen, wieder treffen. Wirst Menschen um dich haben, die dich respektieren und wertschätzen. Wirst frei atmen können und selbst entscheiden können, was du tust und wen du triffst. Wirst leben und lachen können.

    Und ja, für dein Kind wäre es auch sehr sehr wichtig.
    Wer weiß, wie sehr es schon leidet.

    Solidarische Grüße,
    Doro

    Hallo Lacrima,

    ich kann es sehr gut verstehen, dass du noch absolut nicht bereit bist, eine Trennung in Erwägung zu ziehen. IHr hab die Kinder, ihr habt wahrscheinlich bestimmte Vorstellungen, wie euer Leben gemeinsam verlaufen soll, ihr habt auch positive Gemeinschaftserlebnisse.
    Das gibt man ja nicht einfach so auf. Zumal das Alleinerziehenden-Dasein auch nicht so ohne ist.

    Meine Meinung ist trotzdem: Eine Partnerschaft mit einem nassen Alkoholiker ist auf die Dauer extrem belastend. Schöne Momente, ja, aber dann diese abgrundtiefe Verzweiflung. Besonders alarmierend finde ich in deinem Fall, wie er dich beschimpft, wenn er getrunken hat, wie er dein Selbstwertgefühl untergräbt. Das ist psychische-verbale Gewalt, ganz klar. Ich hatte mich damals schon dran gewöhnt, dass er mich in diesem Zustand nur noch runtermachte. Das ist das Fatale, man gewöhnt sich dran. Aber nein, das ist nicht normal, so behandelt zu werden.
    Und es ist auch nicht in Ordnung, dass er dich dann im Stich lässt, mit den Kindern.

    Sei wachsam: Es kann passieren, dass die Hoffnung dich immer weiter trägt in eine dann doch letztlich unglückliche Beziehung. Dann gibt es wieder gute Phasen, dann wieder schlechte, das kann Jahre dauern, bis du dann vielleicht irgendwann wirklich nur noch ein Häufchen Elend bist, deinen TIefpunkt erreicht hast.
    Da finde ich schon, dass man diesen Prozess abkürzen kann, wenn man sich wachrütteln lässt. Abkürzen, nicht übers Knie brechen.

    In der Tat: Mit den Kindern trägst du noch eine zusätzliche Verantwortung. NIcht vergessen.

    Alles Gute für dich,
    Doro[/quote]

    Hallo Melanie,

    es muss ja überhaupt nichts mit seiner Kindheit zu tun haben...

    Ich hörte neulich von meinem Neffen, 9 Jahre alt, dass er ganz große Angst hat, in der Schule zu versagen, obwohl er eigentlich ein sehr guter Schüler ist. Er kommt aus einer heilen Familie, würd ich jedenfalls sagen. Ganz fitte Eltern, nix mit Sucht, Gewalt oder sonstwas, viel Unterstützung und Förderung. Gut, was so an subtilen Prozessen läuft, kann ich schwer beurteilen, ob da auch Druck ne Rolle spielt (ich glaub aber nicht so doll), so im Großen und Ganzen eine Bilderbuchfamilie.
    Und da sitzt der Junge und sagt Sätze, die nach Depression klingen. Jammert, sein Leben sei alles schlimm und so. (mit 9!)
    Ich hab mir gedacht, wenn MEIN Kind sowas sagen würde, würde ich SOFORT denken, das liegt an der Vergangenheit, an irgendwelchen Traumata, an kranken Genen vom Vater her, irgendwas. Ich hätte es sofort so gedeutet, dass es irgendwas mit der besonderen Situation zu tun hat, die nun doch, trotz all meiner Bemühungen, ins Negative ausschlägt.

    Also: Mach dich nicht verrückt.
    Prüfungsangst ist ja nun wirklich ein weit verbreitetes Phänomen.

    Doro

    Hallo,

    ich hab mal mit Allen Carr das Rauchen aufgehört, war allerdings vorher auch keine so extrem starke Raucherin, aber es wurde immer mehr. Allen Carr gelesen, aufgehört. Noch einige Monate Lust aufs RAuchen gehabt, das ganze ist 14 Jahre her, nie wieder Zigarette angerührt. (Wenn ichs tun würde, würde ich aber ganz schnell wieder anfangen, glaube ich.)

    Ich erkenn jetzt hier diese Carr-Philosophie wieder, die ich damals sehr hilfreich fand, bin mir nur unsicher, ob das auf eine so schwere Erkrankung wie Alkoholismus übertragen werden kann.

    Carr hat mich überzeugt, dass Rauchen einfach nur eine lächerliche, total dumme Angewohnheit ist, die überhaupt keinen wirklichen Nutzen und nur Nachteile bringt. Insofern hab ich mich dann auch über die Sucht erhoben. Ich hab mir Raucher angeschaut und innerlich gelächelt: Brauchst du nicht mehr, sowas Kindisches...
    So als Denkkonstrukt war das sehr hilfreich und es ist ja eigentlich auch die Wahrheit. Wenn man sich das mal vor Augen führt, was die Leute, die Rauchen, da so betreiben, ist es wirklich ziemlich verrückt und dumm. (Will hier niemanden angreifen, war ja selbst eine. Und heute bin ich noch ess-süchtig, was auch ziemlich dumm ist.)

    Aber geht das auch mit Alkoholsucht?
    Das Buch hab ich aus Interesse auch mal angelesen - bin selbst keine Alkoholikerin - und es kam mir ein bisschen wie eine massive Verharmlosung vor. Wobei das natürlich Teil der Philosophie von Carr ist: sich klar machen, wie dumm das Ganze eigentlich ist. Den Bann des Suchtmittels zu brechen, ihm die Macht zu nehmen.

    Das Schlimme ist nur: Bei richtigen Alkoholikern könnte diese Sichtweise auch zu der gefährlichen Einstellung führen, er oder sie könne z.B. aus einem aktuellen Anlass (Feierlichkeit oder so) ein Glas mittrinken, denn der Ausstieg ist ja mit dem Willen leicht erreichbar, wenn man erstmal Carrs Erkenntnis verinnerlicht hat.
    Und leider funktioniert das bei richtigen Alkoholikern nicht mehr, da setzt so ne massive, vom Willen nicht mehr steuerbare Eigendynamik ein, dass all die Erkenntnisse - mir gehts gut, warum sollte ich trinken - plötzlich gar nix mehr wert sind.

    Doro

    Hallo BC,

    ich hab es manchmal miterlebt, dass alle gemeinsam für mein Empfinden ziemlich massiv auf eine Person einredeten. Ich glaub, das hat nur sehr bedingt einen Sinn. Das hatte für mich auch schon fast etwas Co-Abängiges, dieses um jeden Preis den User hier zur EInsicht bringen zu wollen. WEnn jemand einfach noch nicht zu größeren Schritten bereit ist - dann ist das so. Dann kann man das doch kommentieren oder es nach einer Weile nicht mehr weiter verfolgen - und gut ist. Das ausführliche Schildern der Trinkgewohnheiten oder überhaupt des Verhaltens des Partners ist natürlich nicht in Ordnung.

    Ich für mich bin froh, dass ich immer genug Menschen im realen Leben hatte, die mich auch in meiner uneinsichtigen Phase nicht allein gelassen haben und für die es sicherlich auch nicht so leicht war mitanzusehen, wie ich mich jahrelang im Kreis drehte. Trotzdem können auch in dieser Zeit Denkanstöße von außen von Wert sein. Wer weiß, wo ich ohne Unterstützung von außen gelandet wäre. Ich war schon eine Phase lang ziemlich suizidgestimmt. ABer wenn alle versucht haben, mich von meinen Irrtümern zu überzeugen, hab ich meist dicht gemacht und mich innerlich zurückgezogen.

    Als ich dann zur Veränderung bereit war, waren viele Menschen für mich da und haben mich unterstützt und da hat es auch am meisten geholfen.

    Doro

    Hallo,
    .
    ich kann das mit den Suchtstrukturen nicht so ganz nachvollziehen. Sucht ist meiner Meinung nach immer ein WEchselspiel von grundsätzlicher TEndenz zur Sucht und dem jeweiligen Suchtstoff. Wobei ja nun mal ein Großteil der Bevölkerung irgendeiner Sucht nachgeht - insbesondere, wenn man co-abhängiges Verhalten dazu zählt.

    Mich stört diese Gleichmacherei, weil sie auch verharmlosend ist. Stell dir vor, du hast ein erwachsenes Kind, das anfängt zu rauchen. Nicht schön, aber na gut.
    Oder stell dir vor, du hast ein erwachsenes Kind, das heroinabhängig wird.
    Die Reaktion wäre sicherlich Panik.
    Alles dasselbe, weil alles SUcht ist? Wohl kaum. Aber das nur am Rande.

    Der Stoff selbst hat doch eine Wirkung. Die Eigendynamik von SUcht ist bei jedem Stoff anders.

    Bei mir ist es Co-Abhängigkeit und Fresssucht. Mit Drogen, Alkohol und Kaufsucht oder gar Spielen hatte ich noch nie im Leben ein Problem. Also bin ich doch nicht generell ein Suchtmensch, sondern ich hab eben diese beiden Probleme.
    Und wie gesagt, wenn ich mich so umschaue: Wenn ich Rauchen dazu zähle, dann bleiben nicht mehr so viele suchtfreie Menschen übrig.

    Ich finds immer besser, die Dinge auch ein bisschen auseinander zu halten.

    Aber zur Ausgangsfrage eine Anregung: Vielleicht könnten wir uns ja mal ausdenken, unter welchen Umständen ein Co-Abhängiger hier schreiben "darf".

    Doro

    Hallo,

    ich denke, man kann tatsächlich Alkoholsucht und Co-Abhängigkeit nicht gleichsetzen. Auch wenn es Parallelen gibt, so sind es doch ziemlich unterschiedliche Dinge.

    So wie im übrigen auch andere Süchte nicht so einfach gleichgesetzt werden können. Man würde ja einen Raucher auch nicht davor warnen, einen Entzug alleine zu probieren. Und Entzugskliniken für Co-Abhängige gibts in dem Sinne ja auch nicht, sondern eben nur Therapieeinrichtungen.
    Ich will damit sagen, dass eben Sucht nicht gleich Sucht ist. Jede hat so ihre Eigenarten.

    Also, ich jedenfalls habe am meisten Hilfe gebraucht, als ich noch mittendrin steckte in der Beziehung. Sobald der Abstand hergestellt war, gings mir schlagartig wesentlich besser und dann hab ich auch gleich viel klarer gesehen. Was nicht heißt, dass damit alles paletti ist. Die zentrale Botschaft: DU KANNST BEI IHM NICHTS AUSRICHTEN - ABER ALLES BEI DIR SELBST. Die brauchte ich doch genau in dem Moment, als ich noch davon überzeugt war, absolut hilflos seinem Schicksal ausgeliefert zu sein.

    Wenn sich jemand natürlich immer weiter im Kreis dreht, dann kann man von außen nix machen. Aber ich glaub, die verlassen dann in der REgel von selbst bald das Forum wieder, oder nicht?

    Schöne Grüße,
    Doro

    Hallo Melanie,

    schön, das mit dem Job. FReut mich für dich! :D

    Das mit der WG: Ich hab ja hier öfter mal Freunde oder Familie für ein paar Tage oder Wochen wohnen, weil ich so weit ab vom Schuss bin, müssen die hier übernachten. Ich freue mich auch immer sehr darüber. Aber ich merke auch, dass mir die Abgrenzung da teilweise schwer fällt, und zwar schon ohne besondere Problemfälle. Ich fang leicht an, mich doch sehr von der jeweils anderen Person dominieren zu lassen.

    Nun bin ich andererseits auch gerne in Gemeinschaft, aber es ist auf alle Fälle ein Punkt, der zur Co-Abhängigkeit gehört, dass ich da wachsam sein sollte, wenn es um gemeinsames Wohnen geht. Mich jederzeit zurückziehen und mein DIng machen zu können, ist ein hohes Gut für mich.

    Liebe Grüße,
    Doro

    Hallo Inga,

    ich finde, du hast echt schon sehr viel erreicht.

    Unverschämt, dass er dir immer noch nachstellt.

    Je nachdem, wie häufig es ist und wie sehr es dich beeinträchtigt, kannst du auch eine Stalking-Anzeige in Erwägung ziehen. Ich hatte das auch mal, habs dann aber doch nicht gemacht (natürlich aus Rücksicht auf IHN - grrrrrr. Ich wollte ihm nicht noch zusätzlichen Ärger machen, davon hatte er schon reichlich. Co-Gedanken.).

    Jedenfalls hatte ich schon ein Gespräch mit der Polizei und der Polizist meinte, Stalking läge dann vor, wenn das Stalking-Opfer stark beeinträchtigt wird im alltäglichen Leben. Zum Beispiel wenn man Umwege fahren muss, um dem Stalker nicht zu begegnen. Wenn man ständig angerufen wird oder sogar die Nummer wechseln muss.

    Ansonsten wird es vermutlich mit der Zeit weniger werden.
    Und es hat wenig Sinn darüber nachzugrübeln, warum er das tut. Wahrscheinlich läuft da in seinem Kopf irgendwas sehr Besitzergreifendes ab. Mein Mann war z.B. total auf die Frage fixiert, ob ich einen neuen Freund habe. Ob ich selbst für mich meine Ruhe haben will, hat ihn nicht interessiert. Ich glaube, er dachte, solange ich "frei" (d.h. ohne neuen Partner) bin, besteht unsere Beziehung noch. So richtig ätzende frauenfeindliche Gedanken sind das. Und auch potenziell gewalttätig. Und Stalking hat für mich auch was mit Gewalt zu tun. Mich hat das ziemlich belastet damals: viele viele Anrufe und ab und zu "Besuche" an unserem Haus (auch gerne nachts). Und dann wieder lange Zeit gar nichts. Unheimlich irgendwie war das.

    Liebe Grüße,
    Doro

    Hallo Johanna,

    also, ich wollte damit nicht sagen, dass eure Erziehung dazu geführt hat, mit welchem Problem sich dein Sohn heute rumschlägt.

    Bei dieser Bekannten von mir geht es mir auch gar nicht so sehr um die Erziehung in der Kindheit, sondern um die Beziehung in der Gegenwart. Und da ist es so, dass sie (das erwachsene Kind) sich einerseits faktisch ständig retten lässt von den Eltern, andererseits diese aber sehr darunter leiden, weil es nicht richtig voran geht mit ihr und weil sie obendrein noch nicht mal dankbar ist. Daraufhin meinte ich: Warum helft ihr noch, wenn sie dann so undankbar reagiert?
    Und bei der Antwort merkte ich, dass es genau wie bei Co-Abhängigen ist. Sie meinen, ohne sie ginge es eben nicht, dann würde alles noch schlimmer werden. Und so gings mir mit meinem Mann auch, ich dachte, ich dürfe ihn nicht im Stich lassen. Und er war ja auch irgendwie von meiner Fürsorge abhängig, aber dabei noch undankbar - nämlich oft sehr unfreundlich und aggressiv.

    Wie ist es denn bei euch? Womit hilfst du denn, welche Unterstützung bekommt euer Sohn von euch? Leidest du darunter? Zeigt er Dankbarkeit?
    (Womit ich nicht meine, dass er im Staub vor euch kriecht, aber doch wenigstens ein freundlicher Umgangston und nicht noch Schuldzuweisungen.)

    Schöne Grüße,
    Doro

    ...also bei dieser einen Bekannten von mir, da sehe ich, dass die Eltern mit ihrer Fürsorge sie daran hindern, sich der REalität des Lebens zu stellen. Das heißt nicht, dass es ihre Schuld ist, dass die Tochter in dieser Situation ist. ABer solange sie ihr alles abnehmen, muss sie sich nicht eingestehen, dass sie ein Problem hat.

    Doro

    Hallo Johanna,

    ich denke, es ist bestimmt noch schwerer, sich gegen das eigene Kind abzugrenzen.
    Aber gerade weil es so schmerzhaft ist, das beim eigenen Kind mit ansehen zu müssen, ist die Distanz vielleicht genauso notwendig wie bei einem Partner. Unterstützung ja, aber doch nur bei Trockenheit.

    Ich selbst stecke nun nicht in dieser Situation, aber ich kenne einige Beispiele aus dem Bekanntenkreis, wo die Eltern irgendwann gesagt haben: Ich kann nicht mehr, ich muss Abstand halten.
    Und ebenso kenne ich co-abhängige Strukturen (nicht nur mit Sucht) zwischen Eltern und erwachsenen Kindern, die für beide SEiten sehr destruktiv sind. Da sind die "Kinder" schon 40 Jahre alt und lassen sich immer noch ständig von den Eltern Geld zustecken, Schulden ausgleichen usw. und werden noch aggressiv gegen die Eltern. Die Eltern wiederum sind nicht in er Lage, sich gegen das eigene Kind zu schützen. Ich hatte grade so einen FAll im Bekanntenkreis und ich fand, es war eigentlich dasselbe wie bei mir und meinem alkoholkranken Mann. Der hat mich auch mit Aggressionen dafür bestraft, dass ich alles für ihn tat. Genauso lief es da zwischen Eltern und Kind auch ab, absurd. Also, ich finde, da passt der Begriff Co-Abhängigkeit absolut.

    Ich nehme an, einen endgültigen Schlussstrich kann man bei den eigenen Kindern vielleicht nie ziehen, das ist sicherlich ein Unterschied. Aber die Strukturen sind nicht grundlegend anders.

    Ich rede hier natürlich immer von erwachsenen Kindern, bei Minderjährigen gibt es natürlich eine andere Verantwortung, aber da wäre dann professionelle HIlfe angesagt, wenn es so weit ist, dass es nur noch destruktiv ist.

    Liebe Grüße,
    Doro

    Hallo, ich meld mich hier auch mal zu dem, was Emma geschrieben hat.

    Ich denke, wir Angehörige sollten uns nicht trennen, um jemanden wach zu rütteln. Den Schuh würd ich mir nicht anziehen. Wir sollten uns selbst retten, darum gehts.
    Ob er dadurch seinen Tiefpunkt erreicht oder nicht, weiß niemand.

    Doro

    Nachtrag: Vielleicht ist es doch mehr als Wunsch nach netten Gesprächen...
    Ich glaub, ich hab auch irgendwie manchmal das Bedürfnis, das, was ich denke oder tue, noch mal von anderen abgesegnet zu bekommen.
    Ich ruf z.B. immer gern mal meine Mutter an :lol::lol: , die ist meistens meiner Meinung. Dann gehts mir schon viel besser. Blöd, wenn das nicht klappt, wenn die dann anderer Meinung ist.
    Gezielt Bestätigung einholen...

    Mangelndes Selbstwertgefühl?
    Oder nur ne Angewohnheit.

    Das heißt aber nicht, dass alle Diskussionen oder Gespräche, die ich führe, nur dazu da sind, mich in meinem schwachen Selbstwertgefühl zu bestätigen. Aber es ist ein wichtiger Aspekt.

    Doro

    Hallo Hartmut,

    womit ich schwer klarkomme, ist, wenn Leute mein Harmonieangebot bewusst ablehnen.
    Ich hatte mal ein Streitgespräch mit einem Vorgesetzten. Da sagte ich: Ich verstehe ja Ihren Standpunkt, ABER...
    Da sagte er (männlich übrigens): Ich verstehe IHren Standpunkt aber nicht.
    Boah, das hat gesessen. Da war ich platt. Ich fands geradeheraus unhöflich. Es war nicht so, dass er es nicht verstanden hat, sondern er wollte es eben nicht verstehen. Er wollte mir kein Zugeständnis machen, dass mein Standpunkt vielleicht auch zumindest nachvollziehbar war. Und sowas erlebe ich immer als sehr irritierend und irgendwie kalt.

    Ein harmonisches Gespräch lebt für mich vom Ton, von der Freundlichkeit, den kleinen Signalen, dass man dem andern wohlgesonnen ist.
    Sachlich verschiedener Meinung zu sein ist kein Problem. Aber wenn ich dann auf die Gefühlsebene komme und der andere steigt da nicht ein, wirds bedrohlich für mich.
    Wenn ich z.B. sage: Für mich ist das aber ein Problem.
    Dann erwarte ich: Ja, klar, das verstehe ich. (Und dann kann ABER kommen).
    Wenn dann der andere aber sagt: Ja, das ist aber dein eigenes Problem, und das interessiert mich jetzt nicht - dann ist das gefühlsmäßig für mich ne Backpfeife. Da legt sich bei mir was auf Eis, damit kann ich nichts anfangen.

    Mittlerweile hab ich gelernt, damit etwas gelassener umzugehen, je nachdem, mit wem ich es zu tun habe.

    Doro