Wie wichtig ist Annahme von Hilfen in *Druck-Situationen*?

  • Hallo,

    zwei Situationen haben mich zu dieser Frage angeregt. Die Erklärung dauert etwas länger, um zu verstehen, was ich meine :roll:

    A)
    Als ich in meiner tiefen Abhängigkeitsphase in der Klinik war,mußte ich weitgreifende Entscheidungen treffen, die ich unter *normalen*Bedingungen nicht getroffen hätte. Mein Leben und das meiner Kinder war in Gefahr. Es blieb nur die Flucht.
    Hilfreich wäre für mich gewesen, jemanden anzurufen, mit den Therapeuten/Ärzten zu sprechen, bevor ich in so einer *Drucksituation* eine Entscheidung traf,meine Heimat zu verlassen.

    B)
    Gestern bekam ich persönlich eine Drucksituation meiner Freundin mit, die nicht in der Lage war, sich in einem sehr emotionalen Moment wieder auf die Verstandesebene zu bringen, in altes Verhalten fiel und eine Entscheidung traf, die sie später wieder rückgängig machen wollte.


    Dies sind gefährliche Situationen, die für uns süchtige Menschen ja wieder dazu führen können, tofbringende Entscheidungen zu treffen. Sei es, a) die Flasche zu greifen und b) wieder in ein co-abhängiges, zerstörerisches Verhalten zurückzukommen oder sogar wieder in die Beziehung zurückgehe.

    Mein Gedanke dabei ist heute morgen, daß ein wichtiger Bestandteil des Notfallkoffers-der ANRUF einer vertrauten Person(z.B) wirklich lebensrettend sein kann.

    Es gibt ja für jeden so sein persönlichen Favoriten im Fall der Fälle, aber ich möchte nur mal auf das Thema *Hilfe durch einen Anruf*, die für mich seit gestern sehr hilfreich ist, hinweisen.
    Für wie wichtig seht Ihr solch einen Anruf, wenn bei Euch eine Drucksituation entsteht?

    Lieben Gruß
    Susanne

  • Hallo Susanne,

    also seit meinen letzten Rückfall ist es für mich sehr wichtig dass ich jemanden anrufen kann sobald ich mehr Suchtdruck spüre oder dass es mir schlecht geht. Habe letzte Woche wieder eine Situation gehabt wo ich großen Druck spürte. Seit meinen letzten Rückfall habe ich mir einen Notfallkoffer zusammengestellt wo beinhaltet ist dass ich jemanden anrufe wenn es mir schlecht geht oder ich großen Druck spüre. Das meiste spüre ich Suchtdruck und dann bin ich jemdesmal sehr froh wenn ich eine Person anrufen kann. Denn ich merke dass es mir sehr hilft auf meinen Weg zur Trockenheit.

    Lg Susi

  • Hallo Karsten,

    Zitat

    Also Annahme von Hilfen bedeutet vor dem Suchtdruck zu lernen, Hilfe annehmen zu können.

    Ich danke Dir für diese Sichtweise, die ich so gar nicht dabei bedacht habe.

    Dennoch gibt es ja auch Situationen, in denen Druck ausgelöst wird, mit denen ich nicht direkt gerechnet habe. Und da bedarf es ja einer festsitzenden *Notfallkoffer-Struktur*, an die ich mich halte, an die ich mich erinnere. Und eben genau deshalb, weil dies in so einem Moment oftmals nicht abrufen kann, bedarf es doch dann Hilfen, die mir helfen, wie z.B. das Schreiben hier oder eben ein Anruf bei einer vertrauten Person, oder?

    Lieben Gruß
    Susanne

  • Liebe Susanne,
    da kann ich Dir zu 100 Prozent Recht geben. Auch was eine neutrale Betrachtung betrifft helfen Freunde wieder die Realität zu erkennen. Da, wo Freundschaft nicht reicht sondern Fachwissen erforderlich ist, muss ich auch dieses einholen um mich auf eine Situation vorbereiten zu können.

    Früher mal habe ich mich bei Kummer zurückgezogen, bis dann eben der Druck so groß wurde und ich doch mit Freunden sprach. Heute versuche ich mein Leben aktuell zu visieren und gleich in der Entstehung mit Freunden über Fragen zu sprechen. Auch versuche ich mich frei zu machen von dem was andere denken könn(t)en, wo ich blamiere oder oder oder. Ich versuche meine Gefühle und Gedanken zu leben, abzuwarten wie das ankommt und dann aus der Situation heraus zu handeln.

    Ich habe Kummer, ich bin alleine? Es ist Nacht und ich will niemanden aus dem Bett holen? Dann versuche ich meine Gefühle zu spüren - Traurigkeit, Einsamkeit oder was auch immer. Woher kommen sie, beurteile ich sie falsch und bin ich noch realistisch.

    Letzteres muss ich dann zumeist verneinen weil ich durch die Situation so gebeutelt bin dass ich nicht mehr klar denken kann. Mit diesem Resultat könnte ich dann in die Nacht und den Schlaf gehen weil morgen alles anders aussieht.

    Lieben Gruß von Dagmar

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!