wie gehe ich mit dem Verlustgefühl der co-abhängigkeit um?

  • Hallo,
    wünsche allen ein gutes neues Jahr!

    wie gehe ich mit der Verlustangst um, die mich gerade beherrscht,weil ich meinen Freund und den guten Kumpel langsam verliere.

    Ich lese viel über Alkoholismus und die Co-abh., vieles ergibt einen Sinn.
    Ich rekapituliere meine Vergangenheit, wie meine Kindheit verlaufen ist.
    Nur Schläge, bis zum Willen brechen. Verantwortung massenweise, meine Schwester erzogen. Dafür gesorgt, das es meiner Mutter gut geht.
    Mein Stiefvater hat viel Bier getrunken, mein richtiger Vater war Alki, war in Winnenden.
    Meine Tante war Alki, hat sich aufgehängt. Ich habe sie geliebt.
    Ich bin sehr willensstark, selbstbewusst, bin durch Höhen und Tiefen gegangen.
    Habe meine kids vor ihrem Vater geschützt, indem ich mich scheiden hab lassen. Ich hatte mich aufgegeben, weil ich dachte, es muss so sein.
    Er trank nicht, in jungen Jahren sehr viel. War ein sehr Aggressiver unter Alkoholeinwirkung.

    Ich suche dir Ursache, und komme nicht drauf. Außer das ich bis zur Scheidung mich angepasst habe.

    Ich entdeckte mich neu. Habe bemerkt, das ich stark bin.Meine Grenzen immer besser setzen kann.

    Ich habe dafür meine Gefühle abgespalten, mein ganzes Leben lang, und merke jetzt, ich fühle nichts.
    Innerlich, bin ich tot.
    Bis auf die Leere, die ich momentan annehme.
    Ich habe keine Versagensängste, denn ich war Perfektionistin, das habe ich auch schrittweise abgelegt. Ich habe funktioniert, auf Kosten meiner Gefühle.

    Und jetzt sitze ich da, spüre diese Leere, ab und an Verlustangst.
    Meinen Freund zu verlieren, obwohl ich mich distanziert habe.
    Ich seine Räusche nicht mehr mag.

    Meinen Kumpel zu verlieren, obwohl er der einzige Mensch in meinem Leben ist, der mir vertraut und dem ich vertraue.
    Der jetzt seit 7 Tagen trocken ist und es wohl durchzieht, weil er sich Hilfe von aussen holt.

    Meine Gefühle versuche ich hier im Forum in Worte zu fassen.
    Ich habe kein soziales Umfeld, hatte ich noch nie, wirklich.
    Ich komme damit zurecht, ich kenne es nicht anders.
    Ich kann mich selbst beschäftigen, ich geniesse Musik, ich gehe gerne ins Kino, ich lese viel, von Fantasie bis Psychologie.
    Ich versorge meine Kinder, wunderbare Mädchen, die ich sehr liebe.

    Warum fühle ich so wenig?
    Ich lasse mich auf keinen Mensch ein. Ich gebe anderen viel. Sobald mir jemand zu nahe kommt und mir signalisiert, das er oder sie mich gern hat, mache ich eine vollbremsung und verkrieche mich in mein Schneckenhaus.

    Ich habe Angst mich wirklich auf jemand einzulassen, zumal es Alkis sind, aber auch normalos, die nicht trinken.
    Ich mag keinen Alkohol, nicht wirklich. Ich vertrage kein Bier, Schnaps kann ich trinken, bis mein Körper sagt, es ist genug, denn dann schmeckt es nicht mehr.
    Ich kenne Schnaps sehr gut. In meiner Familie wurde viel und gerne gefeiert, als ich Kind war.

    Ich weiß, das ich meine innere Leere tolerieren sollte, denn aus diesem Zustand wächst etwas neues.
    Ich habe einen Monat nichts geträumt, nun kommen sie wieder, die Träume.
    Ich wandel mich.
    Ich frage mich, ob mir eine Selbsthilfegruppe etwas bringt.

    Ich wollte einfach mal meine Gedanken loswerden, in der Hoffnung, es liest sie jemand und gibt mir feedback.

    lg
    xena

  • Hallo Xena,

    du hast da einen sehr berührenden Text geschrieben.

    Zitat

    Bis auf die Leere, die ich momentan annehme.

    Das war für mich auch der Schlüssel.

    Die Leere annehmen.

    Und mit der Zeit füllt sie sich mit lebendigem Leben, wenn ich nicht so doof war, sie mit "Ersatz" zu füllen, z. B. mit Fressen, stundenlangem TV oder sonstwas.

    Die Leere fühlt sich komisch an. Die Fühllosigkeit, das kenne ich so gut.

    Geh einfach weiter. Frau muß lernen, ohne das Falsche zu leben, damit das Richtige ins eigene Leben hereinfließen kann.


    Das mit der Selbsthilfegruppe ist eine gute Idee. Einfach hingehen und schauen, ob die Chemie stimmt.

    Das mit dir und dem Schnaps, bist du selbst abhängig? Ich frag einfach mal.


    Liebe Grüße,

    Linde

    You can't wait until life isn't hard anymore before you decide to be happy.

    - Nightbirde

  • Liebe Xena,

    zuerst einmal schließe ich mich Linde an: die Leere annehmen, das ist wichtig, es ist o.k. so.

    Und es ist nur verständlich, dass es Dir so geht und Du so fühlst. Schon früh mußtest Du Dich von Deinen Gefühlen abkoppeln, um allen Erwartungen, die an Dich gestellt wurden, gerecht zu werden.

    Nach allem, was ich selbst erlebe und auch so lese, bin ich sicher, dass wir Co´s es alleine nicht schaffen. Wir müssen uns Hilfe holen von Menschen oder Gruppen, die das gleiche erlebt haben wie wir. Ich gehe seit 3 Wochen zu Al-Anon, vielleicht kann Dir das auch Halt geben? Dort kommen Menschen wie Du und ich zusammen und es tut so gut, über seine Gefühle und Erlebnisse sprechen zu dürfen. Dieses Forum hier ist auch einer super Plattform, aber persönliche Gespräche finde ich auch sehr wichtig. Mir haben einige Gruppenmitglieder auch ihre Telefonnummern gegeben, und ich darf sie bei Redebdarf gern anrufen.

    Du hast lernen müssen, alles allein zu bewältigen, aber nun ist die Zeit gekommen, Hilfe anzunehmen. Ohne geht es nicht...

    Da Du gern liest, möchte ich Dir meine derzeitig beiden Lieblingsbücher empfehlen (Karsten, so o.k.?! :wink: ):

    https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…62430316&sr=8-1

    https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…62430344&sr=1-2

    Die Bücher helfen mir gerade sehr, zu verstehen. Ich habe auch Angst, wieder an einen Alkoholiker o.ä. zu geraten, weswegen ich beschlossen habe, mich auf gar keine Beziehung einzulassen, bis ich für mich meinen Weg gefunden habe. Mich selbst wiedergefunden habe, meine Selbstliebe, mein Vertrauen, die Vergangenheit/ Kindheit losgelassen habe. Ich weiß nicht, wie lange sowas dauert...

    Ich spüre mitunter auch viel Leere in mir, so wie Du auch. Ich konzentriere mich dann auf mich, spüre in mich rein, was ich gerade fühle... lasse auch den Schmerz zu. Das ist gar nicht so einfach, aber es geht nach und nach.

    Ich wünsche Dir alles Gute und ein wunderbares Neues Jahr 2010.

    Bis bald.. LG.. Pedi

  • Hallo Linde, Pedi

    das mit dem Schnaps ist so ne Sache.
    Ich bin nicht alkoholabhängig, weil ich dem nichts abgewinnen kann.
    Ich habe nur festgestellt, das ich schnaps besser vertrage wie bier.

    Ab und an trinke ich in Gesellschaft, was so alle paar monate mal vorkommt.
    Nicht bis zum abwinken, weil mein körper vorher schluss sagt. gott sei dank

    Ich stehe auch nicht auf das trinken, weil es mir nichts bringt.

    Das mit der Fühllosigkeit und der Leere ist gerade sehr groß.
    Ich fülle es nicht mit essen, kann ich nichts abgewinnen, hab eh sehr wenig appetit

    Heute bin ich auf Entzug.Will heißen, mein noch Freund meldet sich nicht, ist in Österreich auf Urlaub.
    Mein kumpel hat den Kontakt abgebrochen, weil ich ihn nach einem wunderschönen Silvester, gebeten habe mir raum zu geben.

    Er hat solche Verlustangst, das er nicht mehr erreichbar ist.
    Ob er es aushält oder wieder trinken wird, ist nicht meine Baustelle.

    In mir rasen die Gedanken, die Entzugssymtome, die beinhalten, das Gefühl des Gebraucht werdens, kommen sporadisch.
    Sind voller Sehnsucht und Unverständnis.
    ich fange an zu denken, und komme zum Schluss das ich nichts momentan ändern kann,
    also nehme ich sie an.
    Ich habe Katzen und einen Hund, die mich brauchen, weil sie versorgt werden müssen.
    Ich habe kids, die mich noch brauchen, weil sie jung sind.
    Ich gehe nächste Woche mal zu den Al anons. Mal sehen, ob die Chemie stimmt.

    Es stimmt schon, ich löse meine Probleme allein, ich schreibe Tagebuch,
    ich gehe zu meiner Therapeutin, wenn ich das geld dazu habe, damit ich mich strukturieren kann.
    Ich habe gelernt mir selbst zu helfen.
    Das Paradox dazu ist, das ich keine Hilfe von aussen annehmen kann.
    Ich sag mal noch nicht.
    Meine Kids haben mir viel beigebracht. Das Loslassen, weil sie ihren eigenen Willen haben.
    Durch meine besch.... Kindheit, wollte ich es anders machen, und hab es auch oft geschafft, ich habe sie nicht geschlagen.
    Ich habe ihnen nicht meinen Willen aufgezwungen, oder gebrochen.weil sie mir immer Kontra gegeben haben.

    Meine Bücher haben mir seit meiner Kindheit den Halt gegeben.
    Leider ist alles nur Theorie und die Praxis ist manches mal auf der Strecke geblieben.
    Ich weiß nicht, ob es die Liebe an sich gibt. Ich tendiere immer mehr dazu allein zu bleiben.
    Auch aus meiner Bindungsangst heraus.
    Ich habe gelernt, das es nur Liebe, gemocht werden mit Schmerzen gibt.

    Ich möchte gern die andere Variante lernen.
    Und stehe mir oft selber im Weg.

    Das sind meine Gedanken und Gefühle dazu.
    Ich habe auch festgestellt, das ich räumliche Trennung brauche um die Personen die ich mag, loslassen zu können.

    Mein Ziel ist es, erst mich und meinen gefühlslosen Körper kennenzulernen.
    Mich mit warmen Gefühlen zur erden, weil ich mich ja so mag, wie ich bin.
    Mein Körper bzw. mein Bauchgefühl warnt mich vor Übergriffe psychologischer Art, will heißen, vor Manipulationen.
    So auch bei dem Kumpel.
    Er kapiert es aber nicht. Weil er sagt, er liebt mich.

    Ich bleibe standhaft, weil zuviel Nähe mir nicht guttut.
    Vielleicht liege ich auch falsch? Ich weiss es nicht.
    Ich horche in mich und ich werde sehen.

    Danke fürs zuhören
    lg
    xena

  • So
    ich nehme es an.
    Mein Kumpel will keinen Kontakt, es ist seine Entscheidung und in Ordnung so.

    Ich fühle mich gut dabei.

  • Liebe Xena,

    danke für Deinen langen, offenen Bericht.

    Höre weiter auf dein Bauchgefühl, dann wird alles gut. Ich finde, Du hast schon sehr viel Theorie aus Deinen Büchern auf Dein Leben in die Praxis übertragen! Sei stolz auf Dich! :wink:

    Alles Liebe.. Pedi

  • Liebe Xena,

    <<ich gehe zu meiner Therapeutin, wenn ich das geld dazu habe, damit ich mich strukturieren kann. <<

    Warum musst Du das selbst bezahlen? Wird doch von der Krankenkasse übernommen?
    Ein Überweisungsschein vom Hausarzt genügt.

    Ich bin wegen meiner Depris und angst schon lange in Behandlung. Mach dich mal schlau, Du musst das nicht bezahlen!
    Und wie ich lese, hast Du schon ganz schön was hinter Dir!!!
    Alles Liebe
    Conny

  • Hallo

    mein Kumpel hat sich entschieden, wieder was zu trinken.
    endlose diskussion und vorwürfe an mich.

    ich kann nicht mehr.
    soll er machen was er will

    ist sein leben.

    ich halte distanz, und zwar großen

    ich brauche das um bei mir bleiben zu können.

    lg
    xena

  • Hallo Conny

    klar gibt es das auf Krankenschein.
    Ich habe einige Psychiater durchgemacht.
    Bis auf Tabletten und klinische psychologie
    habe ich nichts kennengelernt


    Also zahle ich lieber.

    lg
    xena

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