Hallo in die Runde!
Hm, wo anfangen, mein Dad, ja, der ist klar seit gut 45 Jahren Alkoholiker (jetzt 64), der sogenannte Quartalstyp, wobei sich nasse Phasen zunehmend verlängert haben.
Ich selbst habe wegen Coabhängigkeit und meiner chronischen Unsicherheit vor Jahren Therapie gemacht und dachte, ich sei soweit gefestigt, dass Ereignisse mit meinem Vater mich nicht nachhaltig erschüttern. Und werde gerade vom Leben belehrt.
Dabei spielt der Glaubenssatz: "Blut ist dicker als Wasser", glaube ich, eine ganz gewichtige Rolle.
Zu meinem Weg, ich distanzierte mich räumlich bereits mit 17 Jahren von meiner Familie, mental erst sehr viel später, zuletzt brach ich den Kontakt vor vier Jahren zu meinem Vater ab, stellte die Bedingung nur nüchtern, wenn, Kontakt zu mir. Damals hatte er noch eine Unterkunft und konnte seinen teuren Lebenswandel (Kneipengänge sind richtig teuer) wohl auch finanzieren. Zudem führt mein Vater ein Mietnomadenleben, sprich in den nassen Phasen bricht er weg und flüchtet, lässt einen Saustall zurück und, wie ich jetzt weiß, damals seinen Bruder, der eine Bürgschaft für seine Wohnung gab, mit tausenden Euro Schulden.
Aktuell ist er obdachlos, ich beging den Fehler ihm Karfreitag Geld zu geben, er hat inzwischen ganze vier Mal alle Sachen "verloren" die er von seinem Bruder und mir bekam.
Wo ich keine Probleme mit Abgrenzung habe ist, das er bei uns nicht wohnen kann.
Wo ich aktuell Schwierigkeiten habe ist Abgrenzung in Form einer Klartextansage = Schlußstrich. Hier steht noch ein Doggy-Pack als Notversorgung, die kann er noch kriegen, und Infos zu Ämtern und Stellen, an die er sich wenden kann und dann mag ich nicht mehr tun.
Und dieser Wille einen Schlußstrich zu ziehen, weil es mich zu sehr belastet, ich gerade jetzt aufschiebe einkaufen zu gehen, weil er ja unten irgendwo an einer Ecke auf mich warten könnte... oh Gott das ist so ätzend. Ich ärgere mich grad sehr über mich selbst. Wie ein unangenehmer Zahnarztbesuch, der einem im Kopf herumkreist und wo man weiß es ist unvermeidbar.
Und über dem steht halt: Familie darf man nicht im Stich lassen.
Das es so tief wirkt überrascht mich selbst. Vor allem ist rational alles sonnenklar und ich habe getan was ich kann und selbst wenn er sich etwas antut oder ihm was passiert, ich kann nichts ausrichten. Aber diese unheilvolle Bindung, emotional, die mich festhalten will seit einigen Tagen. Und ich vermute, ich stehe damit nicht alleine.
Hat es hier wer geschafft diese Bande emotional zu trennen und vielleicht eine oder auch gerne zwei Ideen für mich, wie ich das Gedankenkarussel abstellen kann?
Liebe Grüße
Regina