EKA Merkmal: Verbindung zu den eigenen Emotionen kappen!

  • Hallo Ihr

    Ich habe wieder mal ein bisschen in den Seiten vom “Merkmale für ein EKA” gestöbert. Es ist für mich sehr wichtig, gewisse Merkmale zu erkennen und sie zuordnen zu können. Zu verstehen, dass dies Eigenschaften sind aufgrund dessen, dass ich in einem Alkoholiker-Haushalt aufgewachsen bin. Manchmal stehe ich dann aber bildlich vor einem Haufen Merkmalen, die ich am liebsten alle sofort verstehen und verarbeiten möchte. Doch das geht nicht. Man schenke mir Geduld, aber sofort bitte ;-).

    Also picke ich eines raus. Ein Merkmal, das mich im Moment am Meisten beschäftigt, woran ich arbeiten möchte:

    Zurzeit ist die Verbindung zu meinen Emotionen gekappt. Ich bin wie ein Eisklotz. Völlig neutral. Ich stecke z.B. in einer Situation und denke mir: Hm, toll, jetzt solltest du dich eigentlich darüber freuen. Aber ich fühle es nicht wirklichlich. Das war nicht immer so.

    Ich lese in den Beiträgen, dass dies bei vielen EKA’s stark ausgeprägt ist. Irgendwann haben wir zugemacht.

    Wie es möglich ist, das Eis aufzutauen? Habt ihr Techniken entwickelt, wie man die Verbindung zu den eigenen Emotionen wieder herstellen kann?

    Habt vielen Dank schon im Voraus für Eure Gedanken und Zeilen.
    Mia

  • Die "negativen" Gefühle sind wichtig, wenn man an die eigene verlorene Kindheit denkt.
    Dass man zornig sein kann auf die, die schuld daran sind, dass man sowas wie eine Kindheit in dem Sinn gar nicht hatte.
    Dass man wütend sein kann, auf die, die einen vernachlässigt und auf welche Arten auch immer misshandelt haben.
    Dass man sie dafür, was einem passiert ist, auch hassen kann.

    Könnt ihr das bei euch beobachten, dass wenn sich der aufgestaute Zorn oder die Wut ihren Weg endlich nach außen bahnen wollen, sich Schuldgefühle in euch breit machen und Scham?
    Das lähmt.
    Das Mitleid, dass man eventuell noch immer in sich verspürt zu denen, die einem die Kindheit zerstört haben hält einem hinter der Mauer fest.

    Ich weiß, dass Freude und was sonst noch gut ist, dann von selbst kommt, wenn man den anderen Gefühlen auch gestattet sich endlich Platz zu verschaffen.

  • Liebe Vienna

    Stolz sein kann ich nicht. Da sagt mir eine innere Stimme bloss “auf was denn stolz sein?”. Und Freude fehlt zurzeit ganz. Mir geht es da ähnlich wie dir. Wenn ich mal Freude empfand, dann immer mit dem Gefühl, dass dies etwas ganz einzigartiges sein wird und habe mich dann innerlich schon wieder eingestellt, dass die Freude nicht lange anhalten wird.

    Du hast recht, dieses nicht fühlen ist fest verankert. Ein Gesetz das fest eingemeisselt ist.

    Zitat

    Wichtig ist es glaube ich, sich erst einmal wieder über sich selbst zu freuen. Das man Dinge erleben darf, schöne Dinge sehen darf, dass man einfach da sein darf. Den Zugang zu sich selbst zu finden und herausfinden wer man selbst ist und nicht mehr nur das erwachsene Kind eines Alkoholikers. Es ist verdammt schwer und ich hänge ja ebenso in diesem Kreislauf.

    Ich bin mir bewusst, dass es nur Schritt für Schritt geht. Ja, ich möchte mich freuen, über mich oder über andere. Möchte fühlen, tief aus meinem Herzen heraus. Möchte staunen. Möchte lachen. Aber wie du sagst, es ist verdammt schwer sich da wieder Zugang zu verschaffen. Wie geht das bloss? Hätte gerne eine Anleitung?! ;o)


    Zitat

    Geht es Dir denn bei Trauer etc. ebenso?

    Traurig sein fällt mir leichter als mich zu freuen. Das ist so ne Art Grundgefühl.
    Eine Mischung aus Trauer, Angst und Vorsicht. Schwer zu beschreiben. Aber im Moment kann ich nicht mal traurig sein. Ich versuche sehr gut zu mir zu sein im Moment und mir vieles zu gönnen.

    Schönen Abend
    Mia

  • Hallo Schnuffig

    Danke für deine Zeilen. Du sprichst da sehr interessante Sachen an, über die ich noch ne Weile nachdenken muss.

    Zitat

    Dass man zornig sein kann auf die, die schuld daran sind, dass man sowas wie eine Kindheit in dem Sinn gar nicht hatte.
    Dass man wütend sein kann, auf die, die einen vernachlässigt und auf welche Arten auch immer misshandelt haben.
    Dass man sie dafür, was einem passiert ist, auch hassen kann.

    Es war ja eigentlich überhaupt nicht schlimm, denk ich mir. Ich weiss, dass ist wohl eine Täuschung, die ich selber mache.

    Zitat

    Könnt ihr das bei euch beobachten, dass wenn sich der aufgestaute Zorn oder die Wut ihren Weg endlich nach außen bahnen wollen, sich Schuldgefühle in euch breit machen und Scham?

    Vor einer Weile war ich wütend. Sehr wütend. Vor allem auf meinen Vater. Aber ich konnte diese Wut nicht ausleben, hab sie runtergeschluckt. Es hätte nichts gebracht. Er hätte es eh nicht begriffen. Es war wohl besser, dass ich sie nicht gelebt habe, die Wut. Es hätte alte Wunden nur noch mehr aufgerissen. Und es ist so wie du schreibst. Ich kann mich sehr gut in die Situation eines anderen hineinversetzen. Jeder gibt sein Bestes. Er kann ja auch nichts dafür. Und was bringt es, Vorwürfe zu machen.

    Aber dieser Zorn ganz tief drinnen ist wohl schon sehr wichtig, das fühle ich. Und du bist der Ansicht, dass die Freude und die anderen Gefühle von alleine kommen, wenn man erst mal den Zorn angeschaut hat??? Ich denke grad, ob es vielleicht auch schon was nützen würde, den Zorn - den ich im Übrigen grad überhaupt nicht greifen kann - im Sport auszuleben. Boxen oder so :o).

    Danke Schnuffig, für deine Zeilen. Werde mir noch intensiv darüber Gedanken machen.

    Schönen Abend.
    Mia

  • Liebe Mia,

    Zitat

    Es hätte nichts gebracht. Er hätte es eh nicht begriffen.

    Du darfst deine Wut leben, das hat nichts damit zu tun, ob dein Vater sie versteht oder nicht. Du musst deinen Vater auch nicht mit der Wut konfrontieren. Du hast es ja schon geschrieben und bei mir ist es auf jeden Fall so, dass mir Sport beim Wut abbauen hilft.
    Ich versuche die Wut nicht mehr zu unterdrücken, weil mir zuerst auch der Zugang zu ihr fehlte. Bevor die Wut kam, habe ich mich selbst gehasst, für meine Wut. Die Wut hatte sich hinter Selbsthass versteckt.

    Zitat

    Es war wohl besser, dass ich sie nicht gelebt habe, die Wut. Es hätte alte Wunden nur noch mehr aufgerissen

    Solange du dieses Gefühl nicht zulässt, verdrängst du weiterhin und ändern wird sich dadurch nichts. Mir hat mal jemand geschrieben, dass die alten Wunden vereitert sind und sie geöffnet werden müssen, damit der Eiter ablaufen kann und die Entzündung abklingt. Erst dann können sie heilen und vernarben.

    Zitat

    Er kann ja auch nichts dafür. Und was bringt es, Vorwürfe zu machen.


    Es geht nicht darum, ihm Vorwürfe zu machen. Es geht darum, dass DU fühlen darfst, was auch immer an Gefühl gerade in dir ist.
    Du darfst wütend sein, dass du vielleicht keine schöne Kindheit hattest, du musst nicht einmal wütend auf deinen Vater sein, aber du kannst wütend sein, oder trauern über die viele Zeit, die du verloren hast, weil du sie aufgrund der Krankheit deines Vaters nicht genießen konntest.

    Erlaube dir selbst zu fühlen und hab keine Angst davor :) .

    Viele Grüße
    Fleur

  • Zitat

    Solange du dieses Gefühl nicht zulässt, verdrängst du weiterhin und ändern wird sich dadurch nichts. Mir hat mal jemand geschrieben, dass die alten Wunden vereitert sind und sie geöffnet werden müssen, damit der Eiter ablaufen kann und die Entzündung abklingt. Erst dann können sie heilen und vernarben.

    Liebe Fleur

    Ich danke dir von Herzen für deine Zeilen. Sie fühlen sich an wie Balsam. Und ich werde deine Zeilen wohl noch ein paar lesen und sie mir verinnerlichen.

    Ich werde mir mal Gedanken machen, wie ich denn diese Wut aus mir herausholen kann (da ich sie zurzeit überhaupt nicht wahrnehme). Dies ist also meine Herausforderung für die nächsten Wochen. Meine jahrlang aufgestaute Wut zu spüren und sie herauszulassen, in der Hoffnung, dass dann auch wieder andere Gefühle "fühlbar" werden.

    Vielen Dank nochmals, Fleur :) .

    Gute Nacht
    Mia

  • Doch, es war schlimm, deine Kindheit war schlimm. Meine auch.

    Ich bin hier, weil ich vor allem im letzten Jahr zu oft aus war und mich mindestens einmal die Woche besoffen habe. Aber eigentlich bin ich hier, weil ich mich dann auch mal neben meiner Tochter besoffen habe...auf einer Party.
    Meine Tochter ist 8.
    Sie hat mir am nächsten Tag klar erklärt, dass sie mich am Ende nicht mehr mochte. Sie war auch zornig auf MICH. Nicht auf verlorene Stunden ihrer Kindheit oder sonstwas oder wen, sondern auf die, die ihren Zorn verdient hatte, also auf mich.
    Seither habe ich nichts mehr getrunken. Ich habe ihr gesagt, dass das was ich getan habe falsch war. Dass ich das nicht mehr tun möchte und mich bessern werde. Sofort. Punkt.
    Fehler kann man machen, man ist Mensch - wenn man liebt sieht man sie ein.


    Mein Vater hat sich, wenn überhaupt, entschuldigt und ich durfte ihm dadurch also auch noch sowas ähnliches wie Absolution erteilen. Weder durfte ich zornig sein, noch wütend, ihn auch nicht hassen, sondern ihn verstehen und ihm verzeihen. Immer schön das Gute sehen dass es nicht gab.
    Ich war ein unglückliches Kind, eine unglückliche Jugendliche und junge Erwachsene.

    Meine Tochter rennt mindestens einmal am Tag durch die Gegend und quietscht : Ich liiiiiiebe mein Leben.

    Ich glaube du bemerkst den Unterschied.

    Er kann ja auch schon was dafür, dein Vater....übrigens.

    Zorn ist so ähnlich wie Wind finde ich. Rückenwind für Leute mit so Kindheiten. Er kann dich über diese Mauer bringen. Während Mitleid dafür sorgst dass du drinnen bleibst.

    Boxsack habe ich aus sportlichen Gründen auch einen. Besser tun mir Briefe, die ich ihm schreibe und dann in die Schublade lege.

    Und falls du, wenn du von deiner Kindheit erzählst, das so machst, dass das ganze noch Witz und Humor hat obwohl es eigentlich zum Weinen wäre, dann lass das mit dem Witz bleiben.
    Das ist ein sehr guter Anfang.

    Liebe Grüße dir und alles Gute!

  • Liebe Schnuffig

    Ich kann zuwenig beurteilen, ob meine Kindheit wirklich schlimm war. Fakt ist, dass ich meine Rolle hatte, die mich tief geprägt hat.

    Ich finde es klasse, wie du reagiert hast, deiner Tochter gegenüber. Das ist genau das, was vielen fehlt. Eltern, die offen mit den Kindern reden, Fehler eingestehen. Eine Entschuldigung kann ich vergessen - wofür denn, ist ja alles in Ordnung!!!

    Und wie schön für deine Tochter, dass sie quietschend durchs Leben ziehen kann :) . Da hast du bestimmt auch dazu beigetragen.

    Ich glaube ich bin mehr der Typ, der mal den Zorn rauslassen muss.

    Vielen Dank, Schnuffig, für deine Zeilen.
    Dir auch alles Gute und man liest sich :wink:

    Mia

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!