Hallo! Ich bin überfordert vom überfordert sein

  • Liebe Elli,


    willkommen hier!


    Ich habe deinen Text gelesen und konnte regelrecht spüren, wie das alles aus dir raus gesprudelt sein muss. So viel Druck ist in dir. Mir ging es am Anfang genau so! Ich kann deine Gefühle zu 100% nachvollziehen, ich hatte sie auch so. Bei mir ging es allerdings um meinen Exmann, gewissermaßen war ich in der Rolle in der deine Mutter jetzt steckt. Mein Fädchen hier im offenen Bereich heißt "Liebe und Hass", ich hatte nämlich auch dieses "böse" Gefühl Hass...


    Ich kann verstehen, dass du deiner Mutter gegenüber Verantwortung spürst, sie ist deine Mutter. Aber sie ist auch erwachsen! Sie muss doch nicht an diesem Mann kleben bleiben. Du sagst du hast ein schlechtes Gewissen, wenn du gehst wenn ER besoffen ankommt. Genau so gut kann deine Mutter doch dann mit dir mit gehen. Wer zwingt sie denn, da zu bleiben?


    Es ist super, dass du dir Hilfe suchst, denn du musst lernen, dich da auch von deiner Mutter abzunabeln. Du kannst ihr einfach nicht helfen, wenn sie es nicht möchte. Genau so wenig wie du diesem Mann nicht helfen kannst.


    Ich weiß, wie erleichtert meine Kinder (die waren da auch schon erwachsen) waren, als ich mich endlich von ihrem Vater getrennt habe. Ich bin ja all die Jahre mit ihm zusammen kaputt gegangen. Aber ich habe auch an dem Mann geklebt, obwohl es mir nicht gut getan hat. Ich musste was für mich machen, selbst aktiv werden, um da raus zu kommen.


    Und das ist das, was du für deine Mutter tun kannst! Du kannst sie ermutigen, sich Hilfe zu holen. Suchtberatungsstellen haben auch Angebote für Coabhängige, und das seid ihr. Deine Mutter von diesem Mann, du von deiner Mutter. Du bist hier gelandet in unserer Online-Selbsthilfegruppe. Deine Mutter kann sich auch eine Selbsthilfegruppe suchen. Alle Organisationen haben sowas auch für Angehörige.


    Caritas, Anonyme Alkoholiker und wie sie alle heißen. Du hast für dich diesen Schritt hierher gemacht! Das ist echt super! Deine Mutter muss diesen Schritt für sich noch tun und ich wünsche ihr, dass sie die Kraft und den Mut aufbringt. Vielleicht könnt ihr erst mal auch Wege zusammen machen, also zur Suchtberatung zum Beispiel. Aber im Prinzip muss deine Mama das wollen, du kannst sie leider nicht zwingen.


    Liebe Grüße
    Aurora

    Der meiste Schatten in unserem Leben rührt daher, dass wir uns selbst in der Sonne stehen.
    (Ralph Waldo Emerson)

  • Hallo,


    danke für deine Geschichte.


    Du kreist mit deinen Gedanken um die Sucht, die Süchtigen, deine Rolle im Bezug auf die Sucht etc.
    Das ist völlig normal, du bist ja selber mitten in der Situation. Da kannst du keine Distanz aufbauen.


    Trotzdem möchte ich dir Mut machen, zumindest gedanklich mit der Distanz zu beginnen.
    Du kannst die anderen nicht ändern. Du kannst die Sucht nicht "besiegen".
    Du kannst aber bei dir anfangen. Schauen, womit es dir gut geht und was du brauchst. Mit der Bestimmung des eigenen Aufenthaltortes hast du ja schon begonnen, gut so! Geh weiter, such dir Freiräume, sorge für schöne Momente in deinem Leben.
    Übernimm die Verantwortung, und zwar für dein eigenes Leben. Und lass die Verantwortung für die Leben der anderen bei ihnen. Hört sich vielleicht schräg an, du hast ja Mitleid, du machst dir Sorgen etc. - ist aber ein Ansatz, der dich weiterbringen kann.


    Zitat

    ich kann doch meine Mutter nicht alleine lassen


    Doch, kannst du.
    Jede junge Frau nabelt sich irgendwann von ihrer Mutter ab. Da ist ein notwendiger Schritt zum Erwachsenwerden.
    Deine Mutter trifft ihre eigenen Entscheidungen. Triff du deine.


    LG viola

    Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde! (Hermann Hesse)

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