Teska - Ich glaube,ich bin Co-Alkoholiker

  • Hallo Ihr Lieben,

    ich lebe seit vielen Jahren mit einem wundervollen, liebevollen, aufmerksamen, fleißigen und sehr hilfsbereiten Mann zusammen. Ich selber habe früher relativ wenig Alkohol getrunken, mal ein Glas Sekt mit Freundinnen oder ein Glas Wein im Restaurant zum Essen. Als ich ihn kennengelernt habe, war ich schon sehr über die Menge an Alkohol überrascht, die er so täglich trank, aber da er immer ganz nüchtern gewirkt hat und auch seinen Job regelmaßig und gewissenhaft nachgeht, und er mir auch immer erklärt hat, dass in dieser Region der Wein, wie in Bayern das Bier, ein Grundnahrungsmittel ist, hab ich die negativen Gedanken auch von mir geschoben. Ich war, und bin es auch heute noch, total verliebt in diesen Mann. Die ersten Jahre habe ich noch nicht regelmäßig mitgetrunken aber irgendwann stieg auch mein A-Konsum, einfach auch, weil er sich immer riesig gefreut hat und glücklich war, wenn ich, nachdem ich zuvor bei der Frage nach einem Glas Prosecco oder Wein, verneint habe, dann doch *JA* gesagt habe. Es ging dann immer so ein wundervolles Strahlen über sein Gesicht und er hat sich riesig gefreut, seine Augen funkelten nur so.

    Langsam habe ich mir Gedanken über mich selbst gemacht, ich war nicht mehr so leistungsfähig, ich fühlte mich morgens schlecht, aufgequollen, antriebslos. Dann wurde ich plötzlich krank. Aufgrund meiner Erkrankung hatte ich auf einmal eine Ausrede, warum ich nicht mehr mittrinken kann. Ich war irgendwie glücklich und auch dankbar, dass ich krank geworden bin aber ich kann nicht behaupten, dass es mir leicht viel, gar keinen Alkohol mehr zu trinken. Ich hatte tatsächlich Probleme darauf zu verzichten, diese Erkenntnis war ein riesen Schock! Aber ich wollte wieder gesund werden, ich wollte wieder Sport treiben, morgens aus dem Bett springen und mich einfach wieder gut fühlen. Und ja, ich habe es geschafft und trinke seit 2 Jahren gar keinen Alkohol mehr. Ich bin mir sicher, dass ich nochmal rechtzeitig die Kurve bekommen habe. Ob ich schon abhängig war, weiß ich gar nicht aber ich glaube schon, da ich regelmäßig mit ihm getrunken habe, zwar nicht die Menge wie er und auch nicht täglich,aber doch sehr oft.

    Er hat dann angefangen alkoholfreien Wein für mich zu kaufen, damit wir wieder zusammen schön ein paar Gläschen Wein trinken können.....ich habe schnell gemerkt, dass er, wenn ich den getrunken habe, auch mehr Wein getrunken hat, also hab ich dann nach kurzer Zeit auch darauf verzichtet und gesagt, das er mir nicht schmeckt. Er war immer so enttäuscht und traurig, wenn ich nicht mitgetrunken habe, dass es mir manchmal echt das Herz zerbrach. Er hat so wunderschöne, lachende Augen, wenn er glücklich ist. Je klarer und gesünder ich wieder wurde ums so mehr beobachtete ich ihn. Ich habe angefangen die Wein- und Schnapsflaschen zu zählen, die er in einem Monat trinkt und das war schockierend. Mir wurde schlagartig bewusst, dass er Alkoholiker ist. Bis zu diesem Zeitpunkt waren für mich nur die Menschen Alkoholiker, die lallend und schwankend umherlaufen und oftmals auf der Straße leben. Es war ein Schock.

    Ich habe angefangen mich zu informieren, Podcast und Hörbücher zu diesem Thema zu hören und bin dadurch leider auch immer trauriger geworden. Es macht mir Angst... Bei 2 Bluttests in den letzten Jahren, wurde ihm immer empfohlen *weniger zu trinken*, da seine Leberwerte nicht gut sind. Wie schlimm es wirklich ist, weiß ich nicht, aber er hat mal ein Merkblatt mitbekommen, auf dem Empfehlungen draufstanden, wie z.B. auch *mehr Tee trinken und weniger Alkohol* Der Zettel klebte am Kühlschrank und er hat Tee und weniger durchgestrichen und statt Tee *Bier und Wein* und statt weniger *mehr* geschrieben und er fand es mega lustig.

    Mittlerweile trinkt er abends wohl so ein bis anderhalbt Flaschen Wein, ein/zwei Bier und Schnaps. Im Winter wird der Wein abends auf dem Sofa auch schon mal mit Whisky oder Rum ausgetauscht. Ob er tagsüber auch trinkt weiß ich nicht, aber mein Bauchgefühl sagt schon *ja*. Am Wochenende fängt er ja auch schon mittags mit Wein an. Leider traue ich mir auch gar nichts mehr zu sagen, da er immer sehr empfindlich darauf reagiert und es dann schnell in Streit übergeht. Ich habe mir mal vor einigen Jahren zum Geburtstag 2 alkoholfreie Tage von ihm gewünscht... er hat es leider nie geschafft...

    Ich liebe ihn aber ich bin verzweifelt, traurig und weiß nicht wie es weitergehen soll. Ich wäre beinahe mit in diesem Abgrund gestürzt und habe den Absprung geschafft aber ich weiß nicht ob ich die Kraft habe, das mein restliches Leben durchzuhalten. Immer die Sorgen, die Ängste um ihn... und er verändert sich auch, wird immer öfter agressiv, zittert sehr viel, hat ständig Nasenbluten, ist oft depressiv und dann wieder völlig überdreht... es ist so schwierig mit den Launen umzugehen!

    Je gesünder ich wieder werde umso schlechter kann ich mit dieser Situation umgehen. Er versucht immer wieder mal mit zum trinken zu animieren, wenn es z.B. was zu feiern gibt. Dann fällt es mir sehr schwer nein zu sagen, aber nicht weil ich trinken möchte, sondern weil er dann traurig ist... das belastet mich sehr und geht auch wieder auf meine Gesundheit.

    Er wird niemals mit dem trinken aufhören, weil es für ihn das Normalste auf der Welt ist, das was jeder in dieser Region tut, alle seine Kollegen/innen und sein ganzer Freundeskreis auch, er prostet sich auch jeden! Abend mit seinem Freund, mit einem Bildchen per Handy, zu. Er liebt mich über alles und würde mir die Sterne vom Himmel holen, aber so stark die Liebe auch ist, sie würde nicht für einen Verzicht ausreichen.

    So, das war jetzt ein ganzer Roman und es tut mir leid, dass es so viel geworden ist, auch wenn es nur ein Bruchteil meiner Geschichte ist. Es tat aber unglaublich gut, mir mal einiges von der Seele zu reden bzw. zu schreiben.

    Ich bin hier hergezogen und habe nicht wirklich Freude hier, deswegen tat das schreiben jetzt einfach mal unglaublich gut und hat meine kleine Seele gestreichelt.

    Wenn Ihr bis hierher durchgehalten habt, dann vielen Dank <3<3<3

  • Hallo Teska,

    willkommen bei uns in der Selbsthilfegruppe!

    Leider ist es so, dass sich viele Geschichten der Angehörigen bei uns im Forum ähneln.

    Und es ist so, dass nur der Alkoholkranke die Sucht stoppen kann. Du kannst im Grunde nichts tun, nur dafür sorgen, dass es Dir besser geht.

    Für den Austausch mit den anderen Teilnehmern klicke den folgenden Link an:

    https://alkoholiker-forum.de/bewerben/

    Anklicken und kurz etwas dazu schreiben.

    Wir werden Dich dann freischalten und Dein Thema in "Erste Schritte für Angehörige" verschieben.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Du bist jetzt für die offenen Bereiche freigeschaltet, Teska.

    Und Du kannst überall schreiben, jedoch bitte nicht die ersten 4 Wochen bei den neuen Teilnehmern im Vorstellungsbereich. (Erkennbar an den orangeroten Namen)

    Ich wünsche Dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Moin liebe Marie,

    so ganz verstehe ich das hier nicht, kannst Du mich bitte nochmal kurz darüber aufklären! Mein Vorstellungstext ist ja nirgends zu sehen, d.h. ja auch, das mir keiner Antworten kann oder Tipps geben kann? Wird meine Vorstellung nach 4 Wochen freigeschaltet, dass ich auch in eine Konversation treten kann? Sorry, aber ich will hier ja auch nichts falsch machen. Wenn ich Deine Nachricht richtig verstanden habe, dann darf ich im offenen Bereich die Treads lesen und könnte auch antworten, sofern ich das wollte... nur bei den Vorstellungen von neuen Teilnehmern nicht... richtig? Aber wenn Vorstellungen von neuen Teilnehmern zu sehen sind, dann müsste doch auch meine Vorstellung irgendwo zu sehen sein oder?... Sorry aber Internet und PC sind nicht so meine Stärke...

    Liebe Grüße und einen sonnigen Start ins Wochenende

  • Hallo Tesca,

    Deine Vorstellung sieht man hier ganz oben in Deinem Faden. Es wurde nur in den Bereich für die Co's verschoben.

    Heißt, Du schreibst einfach hier unter Deinem Faden in das Textfeld zu Deinen Themen.

    Bezüglich dem Antworten: Im Co Bereich kannst Du Antworten, nur im Vorstellungsbereich übernehmen das die Moderatoren.

    Ich bin auch einfach nur aus dem Co Bereich, dachte aber mal ich antworte Dir.

    LG Momo

  • Hallo Teska!

    Aber wenn Vorstellungen von neuen Teilnehmern zu sehen sind, dann müsste doch auch meine Vorstellung irgendwo zu sehen sein oder?

    Momo hat dir ja schon geantwortet, Dank dafür Momo. Deine Vorstellung ist auch zu sehen sie ist bloss in einen anderen Bereich verschoben worden, du warst erst im "Vorstellungsbereich" und bist jetzt im Bereich "Erste Schritte für Angehörige und Co-Abhängige". Du kannst mit allen Teilnehmern im offenen Bereich schreiben.

    Wenn du ganz nach oben scrollst findest du auch deinen Vorstellungsbericht wieder. Du kannst hier jetzt weiterschreiben oder auch bei anderen Teilnehmern schreiben, momentan aber nicht bei denen die noch rot sind. Du brauchst auch keine Angst haben etwas falsch zu machen, so viel falsch machen kann man hier gar nicht.

    Ich wünsche dir auch ein schönes Wochenende :)

    LG Marie

    Wer nichts ändern will für den ist die Opferrolle die beste Strategie!

  • Hallo Teska,

    ich antworte einfach mal, was mir zu Deiner Vorstellung so durch den Kopf geht. Bin selbst co-abhängig seit vielen Jahren.

    Leider traue ich mir auch gar nichts mehr zu sagen, da er immer sehr empfindlich darauf reagiert und es dann schnell in Streit übergeht.

    Es würde auch gar nix bringen, was zu sagen, das hast Du ja viele Male versucht. Ich hab ganz ähnliche Erfahrungen gemacht wie Du. Dein Partner ist suchtkrank, mit Reden kommt man leider nicht weit, er versteht es als Versuche, ihm den Alkohol streitig zu machen. Die Krankheitseinsicht muss von seiner Seite und aus ihm selbst heraus kommen, darauf hast Du praktisch keinen Einfluss. Wie man es hier vielfach lesen kann, funktioniert das bei vielen Betroffenen nur, wenn es ihnen psychisch und physisch so schlecht geht, dass sie selbst den Konsum stoppen wollen.

    Wichtig ist deshalb erstmal, dass es DIR besser geht, denn Du leidest unter der Situation. An der Seite eines Suchtkranken kann man sich selbst sehr aus dem Blick verlieren, die Erfahrung habe ich auch gemacht. Man gerät auch schnell in eine Isolation - dadurch dass Du in diese Region gezogen bist, verstärkt sich das vermutlich noch. Kannst Du dort für Dich Kontakte knüpfen, Bekanntschaften aufbauen abseits der Beziehung, vielleicht auch eine Selbsthilfegruppe vor Ort besuchen? Das kann hilfreich sein.

    Zur "Selbsthilfe" kann auch dazu gehören, eine neue, realistischere Perspektive auf die Partnerschaft zuzulassen. Ich hab meine rosarote Brille wirklich nur mit Mühe absetzen können , aber es half, etwas Abstand zu bekommen und zunehmend, auch Selbstschutz zu betreiben.

    Dann fällt es mir sehr schwer nein zu sagen, aber nicht weil ich trinken möchte, sondern weil er dann traurig ist... das belastet mich sehr und geht auch wieder auf meine Gesundheit.

    Alleine schon deshalb sind Selbstschutz und Abgrenzung erforderlich. Indem Du seit einiger Zeit nichts mehr trinkst, hast Du den Weg ja bereits eingeschlagen - gut so! Mich hat der Konsum meines Partners auch dazu gebracht, so gut wie nichts mehr zu trinken und schon gar nicht in seinem Beisein.

    Wenn sich Deiner darüber"traurig" oder enttäuscht zeigt, hat das aus meiner Sicht was Manipulatives - er möchte Dich mit in seine Sucht ziehen, um sich nicht selbst damit auseinandersetzen zu müssen, denke ich.

    Aus Deinen Worten liest man heraus, wie sehr Du Deinen Partner magst, aber auch, dass der Umgang mit ihm durch das Trinken immer schwieriger wird. Leider geht das Vielen hier so und die Abwärtsspirale lässt sich nur schwer stoppen. Hast Du Dir mal Gedanken gemacht, wie Deine Konsequenzen aussehen könnten?

    Liebe Grüße

Unserer Selbsthilfegruppe beitreten!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!