"Ich bin Alkoholiker/in" - korrekte, aber für viele schwierige Aussage?

  • Wieder aufgetaucht ist aber nicht ein Bewerber.

    Es sind zwar immer einige dabei, doch meist verschwinden sie wieder denn sagen wir ehrlich: Hier herrscht nicht immer eine Atmosphäre, in der man sich wohlfühlen oder zwanglos plaudern kann.

    Sich als Alkoholiker zu erkennen zu geben, ist erst der Anfang, der erste Schritt. Danach zeigt sich oft ein wiederkehrendes Muster: Zuerst wird diskutiert, ob das Label überhaupt zutrifft. Niemand möchte sein Denken als irrational ansehen oder die Kontrolle über das eigene Handeln infrage stellen.

    Aber genau das passiert bei einer Sucht: Sie übernimmt schleichend die Kontrolle.

    Das lässt sich oft auch in Beiträgen erkennen — in den Formulierungen, zwischen den Zeilen. Ein "nasses Denken " ist schwer selbst zu erkennen, meist nur von außen sichtbar.

    Doch wer lässt sich schon gern sagen, wie es um ihn steht?

    Gruß Hartmut

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    Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe!

    Trocken seit 2007

  • Hartmut Warum musst Du mir immer wieder den Spiegel vor die Nase halten?

    Sei mal nicht so egoistisch, du bist schließlich nicht allein hier . :whistling:;) Zum Glück war’s bei dir nicht ganz so schlimm – aber pssssssst, das bleibt unter uns. Muss ja nicht gleich jeder wissen.

    Mal ehrlich – ich habe auch nicht immer recht. „Alkoholismus ist zu komplex." Die Rückfallquote liegt bei etwa 95 %. Das macht hier auch keinen Unterschied.

    Von 100 Leuten, die Hilfe suchen, verschwinden dadurch 95 wieder. Die meisten tragen ihr "nasses Denken" einfach weiter mit sich. Und der Rest...? Der Rest kämpft darum, trocken und zufrieden zu bleiben.

    Umso absurder ist es, sich über Begriffe wie Alkoholiker aufzuregen, statt über die Sucht selbst.

    Gruß Hartmut

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    Trocken seit 2007

  • Das ist definitiv so. Warum sich an Begrifflichkeiten stören, die eh ein Fakt sind. Es verschwendet Energie, Zeit und "Ressourcen" die anderweitig im Chat/Forum fehlen.

    „Frei bin ich nicht, weil ich dem Alkohol entkomme – sondern weil ich mich selbst nicht mehr verliere.“

  • Hi Ihr,

    ich habe diesen Faden gerade erst entdeckt.

    Zu den beiden Ausgangsfragen. Ich habe mich hier (offensichtlich ;)) als Alkoholiker bekannt. Und ich habe mich gegenüber meinem Umfeld privat und beruflich als Alkoholiker bekannt. Daraus haben sich für mich keinerlei Probleme ergeben.

    Für mich gab und gibt es keinen Zweifel daran, dass ich Alkoholiker bin. Als ich vor fast elf Jahren ernsthaft mit dem Saufen angefangen habe, wusste ich, dass ich abhängig werde. Und ich wurde abhängig. Daran ließen auch Menge und Taktung keinerlei Zweifel. Dazu kommt, dass ich erst mit Ende vierzig angefangen habe ernsthaft zu trinken. Zu der Zeit war ich definitiv erwachsen und ich machte mir keinerlei Illusionen, was jetzt folgt. Dazu kommt, dass ich vorher jahrzehntelang in Zeiten einen riskanten Alkoholkonsum praktiziert habe. Ich wusste ganz genau, dass das jetzt, was komplett anderes war.

    Ich kann mir allerdings vorstellen, dass dies bei anderen Menschen anders ist. Denn ich glaube, dass bei den allermeisten Menschen das Ziel der Rausch ist und nicht die Abhängigkeit. Und dann kann es vermutlich auch schwierig zu akzeptieren, dass sie es sind. Alkoholiker*in. Und ich kann mir auch vorstellen, dass diese fehlende Akzeptanz ein weiterer Grund neben dem Stigma ist, sich als Alkoholiker*in zu bekennen.

    Warum habe ich mich in meinem Privaten und Beruflichen dazu bekannt, Alkoholiker zu sein? Zum einen wollte ich, dass mein Umfeld von meiner Krankheit weiß. Ebenso wie sie beispielsweise von meinen Depressionen wissen. Und zum anderen wollte ich proaktiv den Grund nennen, warum ich Änderungen in meinem Leben vornehme. Denn wenn mir Irgendeine Schwierigkeiten bei diesen Änderungen gemacht hätte, hätte ich meinerseits die Konsequenz daraus gezogen. Aber das bin eben ich, mir ist Selbstbestimmung wichtig.

    Liebe Grüße Kazik

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    abstinent seit 10.12.2024 / Heute trinke ich nicht.

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