Beiträge von Kazik

    Wie geht das? Drogen sind Teil deines Umfelds aber du betreibst Risikominimierung?

    Mein Umfeld besteht doch weiter aus ganz "normalen" Menschen. Es gibt einige trockene Alkoholiker*innen, auch welche die von anderen Drogen weg sind und auch welche die schlicht Alk oder Drogen nicht vertragen. Aber der Rest ist eben nicht süchtig.

    Heißt die trinken oder nehmen auch mal etwas anderes, wenn Ihnen danach ist. Nur das machen sie eben, wenn wir verabredet sind nicht in meiner Gegenwart. So die Absprache (Regel). Und natürlich treffe ich mich nicht mit Ihnen an Orten, Veranstaltungen, Feiern, etc. bei denen Saufen oder konsumieren im Vordergrund steht oder dazu gehört. Aber ich denke, das sollte klar sein.

    Heißt, ich bekomme nicht unmittelbar mit, wenn sie saufen oder konsumieren. Und damit bin ich safe. Die Welt ist ja nicht trockener geworden dadurch das ich nicht mehr trinke. Und es wäre für mich auch ein Risiko, wenn ich mir das einreden würde. Also ändere oder beeinflusse ich nur das, was ich tatsächlich in der Hand habe. Denn das ist Selbstschutz.

    Ich genauso aber die Gefühle triggern und schwierig Gefühlen aus dem Weg zu gehen.

    Wie geschrieben ich verknüpfe nix mehr mit Saufen (Sucht). Keine Gefühle, keine Situationen, keine Gedanken, keine Handlungen, keine Umgebung, etc.. Und wenn ich doch feststelle das irgendetwas dieser Dinge ein Problem (Risiko) darstellt dann ändere ich mein Verhalten so lange bis es kein Problem mehr darstellt.

    Ich muss mit meiner Sucht den Rest meines Lebens leben. Also muss ich jetzt abstinent mein Leben so ändern, dass ich gut den Rest meines Lebens abstinent leben kann. Und zwar ganz konkret und praktisch und nicht nur in meinem Kopf. Weil es eine Notwendigkeit ist. Und weil ich mich im Zweifelsfall eben nicht darauf verlassen kann das mein Kopf immer mitspielt, denn ich bin ja weiter süchtig.

    Nehme es dir nicht übel. Richtig, bei Langeweile, Stress, Erschöpfung, Streit, schlechte Laune, Bombenwetter, Sonne, gute Laune, Geburtsatg, Weihnachten, Wochenende, Feierabend, Urlaub

    Hi Absti,

    bei mir gab es vor den 10 Jahren abhängigen Trinkens, ja Jahrzehnte in denen ich in Zeiten schwer missbräuchlich und riskant getrunken und mir auch manchmal alles Mögliche andere gegeben habe. Meinen ersten Vollrausch hatte ich mit 14. Alkohol und Drogen waren und sind bis heute Teil meines Umfelds.

    Heißt, wenn ich mich mit meiner Vergangenheit was trinken angeht beschäftigen würde dann gibt es wahrscheinlich kaum eine Situation, einen Gefühlszustand, einen äußeren Umstand oder einen Ort an dem ich noch nicht getrunken habe.;)

    Aber seit ich abstinent bin, beschäftige ich mich nicht mit meiner Trinkgeschichte. Nicht im Negativen und auch nicht im Positiven. Die blende ich komplett aus. Jetzt bin ich abstinent, weil das eine Notwendigkeit ist. Deshalb beschäftige ich nur mit dem Hier und Jetzt und dem was vor mir liegt. Und da ist Alkohol schlicht keine Option mehr. Niemals. Egal was ist oder kommt.

    Ich habe die Grundbausteine verinnerlicht und vor allem praktisch umgesetzt. Und betreibe konsequente Risikominimierung.

    Um nur ein Beispiel für Risikominimierung von mir zu nennen. Ich habe mich meinem Umfeld privat und beruflich als jetzt abstinenter Alkoholiker zu erkennen gegeben.

    Heißt bei mir auf der Arbeit und bei berufsbedingten Treffen wir in meiner Gegenwart kein Alkohol getrunken das ist die Vereinbarung.

    Und wenn ich mit Menschen aus meinem privaten verabredet bin bei Ihnen, auswärts oder bei mir ist die Vereinbarung das in meiner Gegenwart kein Alkohol getrunken wird.

    Wenn ich von meinem Umfeld eingeladen werde und dort wird Alkohol getrunken (Menge ist egal) dann habe ich abgesagt, weil ich keinen Alkohol trinke.

    All das gab bisher mit meinem Umfeld überhaupt keine Probleme. Hätte es die gegeben, hätte ich die Konsequenzen gezogen.

    Heißt ich nähere mich weder in meinem Kopf noch tatsächlich auf Armlänge oder näher Alkohol. Deshalb gibt es auch keine Trigger. Heißt, wenn ich sonst im Alltag auf Alkohol stoße, trinkende Menschen, Alkregal, Kneipen, Außengastro dann blende ich das aus. Und wenn das nicht ausreicht, entferne ich mich. Und damit bin ich da Alkohol mich nicht anspringt safe. ;)

    All das führt dazu, das ich den 16 Monaten bisher kaum jemals Saufdruck hatte. Wenn dann hatte ich die HALT Regel nicht beachtet. Und wenn Saufgedanken kamen, dann ignoriere ich diese konsequent und konzentriere mich wie oben geschrieben auf das Hier und Jetzt und das was vor mir liegt. Und dann verschwinden die schnell, weil ich Ihnen keine Bühne gebe. Niemals.

    Vielleicht kannst Du mit den Erfahrungen und meinen Weg ja etwas anfangen?

    Hi Stephie ,

    dies ist jetzt Deine und unsere SHG und Du kannst Dir sicher sein ich denke nichts über Dich, vor allem nichts Schlechtes. Und Du kannst Dir auch sehr sicher sein das ich Dich nicht verurteile. Aber vor allem solltest Du auch nicht das Gefühl haben Du müsstest Dich rechtfertigen oder erklären. Du bist so wie Du bist okay.;)

    Wenn ich Dir meine Erfahrungen schreibe oder wie ich etwas machen würde dann ist das ein Angebot. Ein Angebot von dem Du Dir etwas für Deine Selbsthilfe mitnehmen kannst. Denn dazu sind wir hier. Und wie geschrieben ich bin überhaupt nicht in Deiner Situation.

    Und zum Schluss noch zwei Gedanken von mir. Du bist noch relativ jung, das ist in sich selbst schon etwas Gutes.;) Aber woraus ich hinaus will ist, das Du jetzt schon erkannt, hast das, Du Alkoholikerin bist. Und nicht erst nach 40 Jahren abhängigen Trinkens. Und zweitens bist Du in einem Alter in dem viele Menschen lernen Selbstständig zu werden. Es braucht nur ein bisschen Mut. Und ich kann Dir verraten es ist gar nicht so schwer. Und Du könntest Dir, falls benötigt auch Hilfe dafür holen.;)

    Hi Stephie ,

    ich bin jetzt seit 16 Monaten stabil abstinent. Ohne größere Probleme. Ich habe einfach die Grundbausteine praktisch umgesetzt und im Kopf verinnerlicht. Und ansonsten betreibe ich konsequente Risikominimierung/Vermeidung. Allerdings lebe ich alleine. Heißt, ich treffe nicht auf Menschen aus meinem Umfeld die in meiner Gegenwart Alkohol trinken (schon gar nicht in meiner Wohnung). Denn meine Regel ist das, wenn ich mich Menschen aus meinem Umfeld treffe, egal wo, das diese in meiner Gegenwart keinen Alk trinken.

    Heißt, ich bin niemals in Deiner Situation. Wäre ich in Deiner Situation, würde ich mir ganz schnell etwas überlegen und dann auch durchziehen, weil mir das ein viel zu großes Risiko wäre. In einem ersten Schritt würde ich mir eine eigene Unterkunft suchen. Dort wäre ich dann jedenfalls erstmal sicher und könnte mit Abstand überlegen wie und ob es mit der Beziehung weiter gehen kann. Das mag sich für Dich vielleicht etwas hart anhören. Aber ich habe von Anfang an meine Abstinenz an die erste Stelle gestellt. Und deshalb steht für mich Selbstschutz auch an erster Stelle. Keine Kompromisse, die meine Abstinenz gefährden.:)

    Hallo Stern,als ich zum zweiten mal abstinent war (ca 3,5 Jahre lang) hatte ich fast durchgängig mit Depression zu tun. Ich war so entsätzlich müde,da keine Medis und Therapie half.

    Ja,ich habe dann ganz bewusst wieder das erste Glas eingegossen. Habe ganz gezielt die Wirkung haben wollen.

    Hi Fruechtetee ,

    hier mal ein paar Gedanken/ Erfahrungen von mir zu den obigen Zitaten.

    Ich hatte in meinem Leben mehrere meist schwere Depressionen. Sie sind die Folge einer komplexen PTBS aufgrund von körperlicher und seelischer Gewalt durch meine Eltern. Das heißt, sie sind nicht anlassbezogen z. B. durch einen schweren Verlust oder Überforderung. Deshalb haben mir auch zwei tiefenpsychologische Therapien (eine Einzel- und eine Gruppentherapie) nicht geholfen. Ich habe die Therapien lange Zeit durchgehalten aber dann abgebrochen, weil sie mir entweder nicht geholfen haben oder im ersten Fall ich mich dann zum ersten Mal in eine Klinik hab einweisen lassen, weil ich zu instabil war.

    Nach meiner zweiten schweren Depression hatte ich dann Glück und kam an eine für mich sehr gute Therapeutin. Bei Ihr habe ich im Rahmen einer abgeschlossenen Verhaltenstherapie gelernt wie ich mir in einer Depression selbst helfen kann und ich diese bewältigen kann. Allerdings kann ich das nicht, wenn ich gleichzeitig saufe. Unmöglich.

    Bei mir haben die Depressionen das Saufen begünstigt und verstärkt. Aber das galt eben auch umgekehrt. Als ich vor gut 12 Jahren ernsthaft mit dem Saufen begonnen habe, war dies ein untauglicher Versuch der Selbstmedikation, ich wollte meine Depressionen wegsaufen. Ich wusste, das wird nicht funktionieren und es hat nicht funktioniert. Überhaupt nicht. Ich wusste das ich vom Saufen abhängig werde und ich bin abhängig geworden. Die letzten Jahre aus abhängigen Trinken und Depressionen waren meine eigene selbstgemachte Hölle.

    Diese SHG ist mit Abstand der wichtigste Teil meines Hilfesystems, ich habe mich hier kurz nachdem ich abstinent wurde angemeldet. Ich habe die Grundbausteine praktisch und vom Mindset einfach nur umgesetzt. Außerdem betreibe ich konsequent Risikominimierung. Damit bin ich jetzt seit 16 Monaten stabil abstinent und hatte keine wirklichen Schwierigkeiten.;)

    Eine der wichtigsten Dinge, die ich hier gelernt habe, obwohl ich sie im Grunde schon wusste ist das meine Sucht und meine Depressionen zwei getrennte schwere Erkrankungen von mir sind. Die haben nichts miteinander zu tun. Absolut nichts. Das muss ich in meinem Kopf strikt trennen, weil sie wie oben beschrieben eine Wechselwirkung aufeinander haben können, wenn ich das zulasse. Und ich muss diese Erkrankungen auch getrennt angehen. Und die Reihenfolge ist zunächst stabil abstinent werden und dann die Depression angehen. Ich bin einige Monate nachdem ich abstinent wurde auch noch einmal in eine Depression gerutscht aber da ich wie oben schon geschrieben schon vor Jahrzehnten gelernt habe wie ich mir selbst helfen kann, konnte ich diese nach einigen Wochen bewältigen. ;)

    Vielleicht helfen Dir und anderen die das hier lesen ja meine Erfahrungen im Umgang mit meiner Sucht und meinen Depressionen irgendwie weiter? Denn Depressionen und Sucht kommen eben gerne Mal im Doppelpack.

    Zum Schluss. Du schreibst das Du bisher kein Antidepressivum (AD) gefunden hast, was Dir geholfen hat. Dazu drei Gedanken von mir.

    Ich nehme das gleiche AD in gleicher Dosierung seit mehr als 20 Jahren. Ich hatte vorher auch andere verschrieben bekommen, die aber aus unterschiedlichen Gründen wieder abgesetzt wurden. Aber ein AD alleine reicht bei Depressionen ab einem bestimmten Schweregrad nicht aus, um diese zu bewältigen. Mein AD bereitet nur den Boden und macht mich entweder therapiefähig oder versetzt mich in die Lage mir selbst zu helfen. Wie meine Therapeutin gerne zu sagen pflegte.;)

    Der Goldstandard bei der Behandlung einer Depression ist ein AD und eine Psychotherapie. Insofern ist es vielleicht für Dich eine Idee nochmal eine Therapie zu beginnen? Wie geschrieben mir hat eine Verhaltenstherapie gut geholfen.

    Letzter Punkt. Es gibt auch noch mindestens eine weitere Behandlungsmethode zur Behandlung von schweren Depressionen. EKT (Elektrokonvulsionstherapie). Und ich weiß von einer Klinik hier in der Großstadt, in der ich lebe, die eine modular aufgebaute Therapie für therapieresistente Depressionen anbietet. Worauf ich hinaus will es gibt den eigenen Willen vorausgesetzt viele Möglichkeiten sich in einer Depression helfen zu lassen.;) Aber Voraussetzung ist eben der eigene Wille.

    Hi Sunflower ,

    ich hatte schon mehrere meist schwere Depressionen in meinem Leben. Ich habe dann allerdings vor Jahrzehnten im Rahmen einer Verhaltenstherapie bei einer für mich sehr guten Therapeutin gelernt wie ich mir in einer Depression selber helfen kann und diese bewältigen kann. Ein Antidepressivum nehme ich in der gleichen Dosierung auch seit Jahrzehnten. Allerdings konnte ich mir in den zehn Jahren abhängigen Trinkens nicht mehr selbst helfen und eine Depression bewältigen. Das ist unmöglich. Deshalb waren die letzten Jahre des Saufens auch meine eigene selbstgemachte Hölle aus Saufen und Depressionen.

    Ich bin nach dann nach dem ich abstinent geworden bin nach einigen Monaten noch einmal in eine Depression gerutscht. Aber da ich nun nüchtern war, konnte ich mir innerhalb einiger Wochen selbst helfen.

    Worauf ich hinaus will. Das Dein Antidepressivum hochgesetzt wurde, ist schon einmal gut. Aber hast Du mit professioneller Hilfe schon einmal gelernt wie Du Dir in einer Depression selbst helfen kannst und diese bewältigen kannst?

    Hey Seppel1986 ,

    für mich liest sich das auch besorgniserregend aber vor allem aber ziemlich kopflos.

    Ich hatte in meinem Leben mehrere meist schwere Depressionen. Und gerade in den ersten beiden schweren Depressionen hatte ich ähnliche Gedanken wie Du das ich eigentlich nur wollte, dass das aufhört und ich am liebsten einfach nur abgehauen wäre, um irgendwo neu zu starten. Natürlich hatte ich dabei auch die Vorstellung, wenn ich das so machen würde, dann wäre gleichzeitig alles wieder gut. Obwohl ich (unterbewusst) wusste das dies auf gar keinen Fall so sein würde.

    Denn eine Depression ist für die Zeit wo sie anhält eine sehr schwere Erkrankung. Von alleine wird da gar nichts gut. Also habe ich mir professionelle Hilfe geholt und wenn es gar nicht ging habe ich mich akut für längere Zeit in eine Klinik einweisen lassen oder selbst eingewiesen. Ich bin dann einfach in eine Klinik gegangen und habe gesagt das es mir rattenschlecht geht und ich sofort Hilfe brauche. Und auch bei meinem Therapeuten*innen war ich zuerst bei zweien wo ich die Therapie nach einer ganzen Zeit abgebrochen habe, weil ich zu instabil wurde oder weil sie mir nicht geholfen haben. Aber ich bin hartnäckig geblieben. Und während meiner zweiten schweren Depression bin ich dann an meine für mich sehr gute Therapeutin gekommen. Bei Ihr habe ich dann eine Verhaltenstherapie abgeschlossen, in der ich gelernt habe, wie ich mir in einer Depression selbst helfen kann und diese dann bewältigen kann. Das ist inzwischen Jahrzehnte her. Und ich hatte auch danach noch weitere Depressionen aber ich konnte mir bei diesen eben auch gut selbst helfen. Worauf ich hinauswill Depressionen sind eine schwere Erkrankung und es ist möglich eine Depression mit professioneller Hilfe zu bewältigen.;)

    Nun zu Dir. Du kannst vor einer Depression ebenso wie vor unserer Alkoholsucht nicht weglaufen. Du kannst Dich aus Beiden nicht rausschleichen oder sie verdrängen. Das Einzige, was Dir in einer Depression wirklich helfen kann, ist gute professionelle Hilfe. Das kann wie geschrieben eine Weile dauern bis es greift besonders bei einer schweren Depression aber es ist der einzige sichere Weg. Und wenn Du aktuell zu instabil bist lass Dich akut in ein Krankenhaus einweisen. Dort gibt es Profis für Akutintervention, das ist deren täglich Brot. Was Du jetzt nicht tun solltest, ist kopflos wegzurennen. Denn das hilft Dir überhaupt nicht bezüglich der Depression und gefährdet im hohen Maß Deine Abstinenz.

    Zu dem Schreiben hier. Du bist bezüglich Deiner Alkoholsucht als auch wegen Depression genau richtig hier in dieser SHG. Denn Saufen und Depressionen kommen gerne Mal im Doppelpack. Und deshalb kann ich mich nur den Rat von Anderen hier anschließen schreib über alles was Dich gerade bedrängt. Ich habe die Erfahrung gemacht das mir das geholfen hat, weil es mich gleichzeitig entlastet hat und mir geholfen hat meinen Kopf zu sortieren. Also was hast Du zu verlieren?

    Nein, habe für 30 Personen gefeiert in meinem Leben.

    Dein Suchtgedächtnis wird das nicht überzeugen. Aber vielleicht ist das auch der Schlüssel für Dich?

    Ich habe bei Dir wie auch bei dem jetzigen Suchtdruck gedacht, warum triggert Dich das? Sonne = Saufen. Ich habe erst mit Ende 40 ernsthaft mit dem Saufen angefangen. Vorher in Zeiten oft hartes missbräuchliches Trinken. Ich hatte, wenn ich wollte mehr als genug Sonne und Saufen.

    In den 10 Jahren abhängigen Trinken habe ich fast ausschließlich alleine bei mir zu Hause getrunken. Aber nicht, weil ich es verbergen wollte. Ich habe sowieso alleine gewohnt. Ich wohne in einer Großstadt. Heißt, rund um meinen jeweiligen Wohnort gab es immer gut besuchte Orte wo ich in Gesellschaft hätte saufen aka feiern können. Und das in der Woche bis spät in die Nacht und am WE rund um die Uhr. Aber das wollte ich überhaupt nicht.

    Für mich waren spätestens die letzten Jahre des Saufens meine selbstgemachte Hölle aus Saufen und Depressionen. Da war schon sehr lange überhaupt nichts mehr schön am Saufen. Als ich aufgehört habe, hatte ich die Schnauze gestrichen voll.

    Worauf ich hinaus will ist, vielleicht hast Du die Schnauze noch nicht richtig voll?

    Hey Lullaby_76 ,

    ich bin Alkoholiker, daran habe ich nicht den geringsten Zweifel. Deshalb hatte ich überhaupt keine Probleme mich hier in der SHG als Alkoholiker zu bekennen. Ich hatte übrigens auch keine Probleme mich meinem privaten und beruflichen Umfeld als jetzt abstinenter Alkoholiker zu bekennen.;) Und deshalb bin ich hier in dieser SHG genau richtig. Weil ich hier Hilfe in Form von Erfahrungen und dem passenden Mindset bekomme um stabil und sicher abstinent zu sein und zu bleiben.

    Ich hatte in meinem Leben schon mehrere Depressionen. Und diese Depressionen haben bei mir schon vor meiner Abhängigkeit das Saufen begünstigt. Denn sie waren ein untauglicher Versuch der Selbstmedikation, der Versuch die Depressionen wegzusaufen oder wie Du schreibst Spaß in die Birne zu bekommen. Hat nie geklappt und das wusste ich auch aber das nur am Rande. Und auch deshalb bin ich hier in dieser SHG genau richtig, weil wie Hartmut schon schrieb Saufen und Depressionen kommen gerne im Doppelpack daher. Und deshalb schreibe ich hier auch über meine Depressionen. Allerdings habe ich schon vor Jahrzehnten im Rahmen einer abgeschlossenen Therapie gelernt wie ich mir in einer Depression selbst helfen kann. Deshalb brauche ich hier kaum Hilfe, sondern kann in meinem Rahmen Hilfe geben.

    Wichtig ist das ich zu Beginn meiner Abstinenz, hier auch noch mal gelernt habe das meine Sucht und meine Depressionen zwei unterschiedliche schwere psychische Erkrankungen sind. Die ich strikt (in meinem Kopf) auseinanderhalte und getrennt angehe. Sie haben absolut nichts miteinander zu tun. Diese Trennung ist für mich absolut wichtig weil wie oben geschrieben meine Depressionen mein Saufen begünstigt haben.

    Warum schreibe ich Dir das, weil ich Deine Probleme hier mit dieser SHG nicht verstehe?

    In dem Austausch, auf den Du Dich meiner Meinung nach beziehst, ist der Nutzer lebst durch diesen Austausch zu dem Schluss gekommen das seine Abstinenz nicht gefährdet ist und er sich deshalb jetzt vorrangig seinen anderen psychischen Schwierigkeiten zu wendet. Und er sich deshalb hier zurückzieht.

    Worauf ich hinauswill. Wenn das bei Dir ebenso ist, dann mach das doch genau so. Aber die Voraussetzung sollte eben sein, das Deine Abstinenz nicht gefährdet ist und Du hier keine Hilfe mehr benötigst. Oder etwas zugespitzter formuliert Du solltest Dir über das eben geschrieben habe tatsächlich absolut sicher sein. Und Du solltest nicht Begründungen im Außen suchen, beispielsweise indem Du Dich an Regeln oder dem Verständnis von Sucht hier in der SHG abarbeitest. Denn damit spielst Du Deiner Sucht in Hände. Unsere Alkoholsucht ist diesbezüglich absolut gnadenlos, wenn sie eine Hintertür bei Dir auch nur wittert, säufst Du schneller wieder als Du bis drei zählen kannst. Und das ist auch der Grund warum ein Austausch über unsere Sucht so todernst genommen wird.

    Hi Soapstar ,

    noch mal eine Ergänzung zu Kapitulation, Wille und wie ich das in meinem Kopf gelöst habe.

    Das erste und wichtigste was ich hier für mich mitgenommen und verinnerlicht habe, ist das es für mich als Alkoholiker eine Notwendigkeit ist das ich nicht trinke. Weil ich dann sofort wieder auf dem elendigen Weg des Saufens bin und schlussendlich genauso elendig daran draufgehe.

    Und weil es eine Notwendigkeit brauche ich vor meiner Sucht auch nicht zu kapitulieren. Ich habe das trotzdem gemacht aber das war für mich eigentlich nur eine "Formsache".

    Und weil es eine Notwendigkeit ist, brauche ich meinen Willen auch kaum. Klar musste ich am Anfang die Zähne manchmal zusammenbeißen aber inzwischen muss ich das schon sehr lange nicht mehr. Im Prinzip habe ich meinen Willen nur in Bereitschaft dafür, wenn ich völlig unerwartet in eine riskante Situation komme oder wenn es irgendwelchen Gründen starken Saufdruck bekommen sollte. Beides ist bis jetzt nicht passiert und für beides habe ich ja auch noch meinen Notfallkoffer.;)

    Schluss jetzt mit dem Experiment, das bist einfach nicht du, du bist Säufer, fertig aus".

    Aber Zufriedenheit stellt sich leider immer noch nicht ein.

    Hey Soapstar ,

    wie bitte soll sich Zufriedenheit einstellen, wenn Du Deine Abstinenz als Experiment bezeichnest? Und gleichzeitig denkst das Du als Säufer eben nur saufen kannst. Und gleichzeitig mit saufenden Kumpels abhängst oder es bedauerst das Du nicht an einer Saufveranstaltung teilnehmen kannst. Weil Du nicht eingeladen wurdest.

    Hast Du eigentlich schon einmal mit Risikominimierung auseinandergesetzt? Jedes Mal, wenn Du ein Risiko eingehst, wenn Du Dich mit saufenden Kumpels triffst oder auf Deinem Balkon gehst und Deinen Kumpels beim Saufen zuschaust. Bindet sich Dein Suchtgedächtnis schon das Lätzchen um.

    Und so ist es dann nur noch eine Frage der Zeit bis Du das "Experiment" wirklich abbrichst. Aber nicht, weil Du es willst, sondern weil Du den Willen nicht mehr aufrechterhalten kannst es fortzuführen. Du kannst Deine Sucht nicht mit Willen alleine stoppen.

    Konsequente Risikominimierung hilft mir dabei das ich meinen Willen eigentlich nie brauche. Ist nicht notwendig.