Hi lenvan ,
zunächst einmal von mir verspätet hallo und herzlich willkommen hier in Deiner/Unserer SHG.
Ich komme von der Alkoholikerseite bin aber auch EKA, auch wenn ich hier noch keinen Faden eröffnet habe und hier auch eher nur selten schreibe.
Du schreibst das Du sehr schüchtern bist und trotzdem warst Du mutig und hast Dich hier angemeldet. Das finde ich sehr gut. Und Du wirst sehen das hier alle freundlich sind und Dir Hilfe in Form von eigenen Erfahrung für Deine eigene Selbsthilfe geben wollen. Dir will hier niemand etwas Böses. Vielleicht hilft Dir das etwas also nur Mut.
Zu Deiner Schüchternheit. Ich hatte in meinem Leben schon einige meist schwere Depressionen. Mir hat dann vor einigen Jahrzehnten eine abgeschlossene Verhaltenstherapie geholfen das ich mir in einer Depression selbst helfen kann. Das Gute an einer Verhaltenstherapie war für mich, das diese sich kaum mit den Gründen für die Depression auseinandergesetzt hat, sondern sich darauf konzentriert hat wie ich mein Verhalten so ändere, dass ich aus der Depression herauskomme. Denn das ist ja das wichtigste.
Vielleicht ist es ja auch für Dich eine Idee, das Du Dir eine Therapeut*in suchst, mit der zusammen Du Dich in der ganzen Therapie, hauptsächlich darauf konzentrierst, dass Du praktische Wege findest und lernst, wie Du aus Deiner Schüchternheit herauskommst. Das geht denn Deine Schüchternheit ist erlerntes Verhalten, die ist nicht in Stein gemeißelt.
Nun zu Deinem EKA sein. Mir scheint das grundsätzliche Problem zu sein, das Du viel zu dicht an Deinem Alkoholikervater dran bist. Ihr seid zu dicht und es fehlt die Abgrenzung. Und da Du so schüchtern bist fällt es Dir eben auch schwer Deinem Vater zu sagen das er Abstand von Dir und Deinen Kindern halten soll und das auch durchzusetzen. Das Recht dazu hast Du.
Aus diesem Grund ist es für Dich vielleicht wirklich eine gute Idee das Du praktischen Weg findest wie Du räumlich Distanz zwischen Dir und Deinen Vater/Eltern herstellst. Egal ob das Haus Dir gehört. Oder anders gesagt lieber eine Wohnung weiter weg als das Du weiter die ganze Zeit in den Alkoholikersumpf Deines trinkenden Vaters hineingezogen wirst.
Ich glaube, das würde in einem Angang eine Reihe von Problemen von Dir, Deinen Kindern und Deiner eigenen Familie lösen oder entschärfen. Du bist schon lange erwachsen. Und es ist sehr wichtig, das Kinder sich irgendwann von Ihren Eltern lösen und Ihr eigenes Ding machen. Sehr wichtig.
Ich selbst bin sehr früh zu Hause ausgezogen. Ich war gerade 19. Dafür gab es einige Gründe aber der Hauptgrund war das meine beiden Eltern in meiner Kindheit mir gegenüber gewalttätig waren. Das war dann zwar mit 14 vorbei, weil ich dann zuletzt meinem Vater klargemacht habe das ich mir das nicht mehr gefallen lasse und mich wehren werde. Aber nichtsdestotrotz war das ausziehen und wegziehen eine der besten Entscheidungen meines Lebens.
Und noch kurz zum Fremdschämen. Heißt im Wortsinn das Du Dich für das Verhalten Deines Vaters schämst. Dein Vater ist erwachsen und für sein Verhalten einzig und alleine selbst verantwortlich. Eigenverantwortung nennt sich das. Und die kann kein erwachsener Mensch abgeben. Eigenverantwortung lässt sich auch nicht übertragen es sei denn Dein Vater wäre im gesetzlichen Sinne unmündig. Aber das ist vermutlich nicht der Fall.
So vielleicht kannst Du mit dem was ich geschrieben habe ja etwas anfangen. Ich möchte Dich nur ermutigen hier weiterzuschreiben. Dies ist Deine SHG. Schreibe über das was Dich bewegt/beschäftigt. Habe ich auch gemacht und mache ich auch heute noch. Leicht, schwer, wichtig, unwichtig, egal, wenn es hier steht, ist es schonmal raus und damit ist schon viel getan.