Hallo zusammen!
Bevor ich loslege sei gesagt, dass ein Bier auf dem Schreibtisch steht.
Ich schreib einfach mal runter was mir so durch den Kopf geht.
Erstmal freue ich mich, dass es dieses Forum gibt!
Habe mich am 8. Januar registriert aber mich noch nicht vorgestellt.
Wahrscheinlich hat mich da mein Unterbewusstsein gebremst und meinen Drang zu Trinken wie schon immer eigentlich relativiert.
Und auch während ich hier tippe sagt mir eine innere Stimme: "Komm' is doch alles gar kein Ding, läuft doch alles."
So nach dem Motto: "Ich hab doch gar kein Problem, mal ein paar Bierchen trinken ist doch normal, machen doch alle."
Bisher hab ich es auch erstaunlicherweise gut hinbekommen, trotz meiner Alkoholsucht einen gefestigten Platz in der Gesellschaft zu wahren.
Augenscheinlich.
Die Anonymität in diesem Forum erleichtert es mir und sicher auch vielen Anderen sich zu öffnen .
Also wo fangen wir an![]()
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Ich bin Anfang 30. Finanziell kann ich mich nicht beklagen. Ich habe einen Job den ich laut meines Chefs und meinen Kollegen vernünftig ausführe.
Obwohl ich teilweise betrunken oder verkatert bin, werde ich für meinen Einsatz gelobt.
Das ich "gerne mal einen trinke" ist bekannt, in welchem Ausmaß jedoch nicht.
Habe auch besten Kontakt zu meiner Familie und eine wundervolle Partnerin.
Sie und meine engsten Freunde sind die Einzigen (denke ich), die wissen, dass ich eine Alkoholsucht habe.
Fakt ist aber auch, dass sich etwas ändern muss. Sonst laufe ich Gefahr diesen "gefestigen Platz" von dem ich spreche zu verlieren und darüber hinaus meine Gesundheit - das wertvollste Gut.
Ja - deshalb auch dieser Text, der im Prinzip noch gar nicht begonnen hat.
Also wo fangen wir an![]()
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Das erste Mal getrunken habe ich mit 12.
Bin ohne Vater aufgewachsen und die ersten Kontakte die ich dann mit ihm hatte waren seit Anbeginn mit Alkohol verknüpft.
Kann man sich so vorstellen, dass wir zum Beispiel gemeinsam campen gefahren sind und gemeinsam mit meinem (Halb)Bruder einen Kasten oder manchmal zwei vernichtet haben. Eine Flasche Schnaps gab es meistens auch noch zusätzlich.
War für ihn wahrscheinlich am Einfachsten, eine Bindung mit uns aufzubauen. Wir haben das damals natürlich auch gefeiert, weil es bei meiner Mutter defintiv nicht erlaubt gewesen wäre, sich derart zu betrinken.
Ich würde sagen, so ab dem 14. Lebensjahr ging es dann los, dass ich mich regelmäßig abgeschossen habe.
Im Osten nennt man das Jugendweihe. In den Kreis der Erwachsenen aufgenommen zu werden hieß, sich ganz offiziell zu berauschen.
Haben ja alle gemacht, völlig legitim. /Sarkasmus off
Ab da habe ich dann jedes Wochenende getrunken. Gemeinsam mit Freunden mindestens eine Flasche Schnaps. Mischen in Pappbechern.
Wie ihr euch vorstellen könnt, hatte das auch nichts mit Alkoholgenuss zutun, sondern mit Rauschtrinken.
Wenn ich mich dann mit meinem Vater und Bruder getroffen habe, haben wir teilweise mehr getrunken, als ich mit meinen Freunden.
Das ging so bis 16 - dann haben meine Jungs und ich das Kiffen für uns entdeckt. Das hieß dann erstmal Suchtverlagerung.
Jedoch reden wir hier auch nicht von entspannt einen Joint rauchen und philosophieren sondern explizit von Bong rauchen.
Ein Joint wäre ja Verschwendung, weil es weniger wirkt als sich einen Bongkopf zu rauchen.
Das war dann auch nicht mehr nur jedes Wochenende sondern täglich.
Vor dem Deutschunterricht, Ethik, Kunst, Sozialkunde - also quasi alle nicht mathematisch- naturwissenschaftlichen Fächer, haben wir auch regelmäßg vor dem Unterricht gekifft. Alkohol war in dieser Phase tatsächlich nicht mehr interessant.
Das ging dann bis zum Abitur so weiter, welches ich dennoch "Gut" bestanden habe.
Danach war ich ein Jahr im Ausland, da war viel Party mit den Arbeitskollegen auf dem Programm - und natürlich auch Alkohol.
Das erste halbe Jahr habe ich mich noch ganz gut zusammengerissen, im zweiten halben Jahr war ich dann im Prinzip jeden Abend feiern und im Zuge dessen auch häufig besoffen. Bin dennoch morgens (fast) immer zur Arbeit erschienen. Mit 19 hat der Körper das noch mitgemacht.
Ja, dann ging es zurück nach Deutschland. Geld hatte ich genügend, Freizeit auch.
Heißt ich habe auch fast jeden Tag getrunken. Häufig bis zum Morgengrauen und tagsüber gepennt.
Zu der Zeit habe ich dann Weed und Alkohol konsumiert.
Ich war dann ein halbes Jahr in Deutschland und bin danach nochmal ein Jahr ins Ausland. Gleiches Schema wie schon im Jahr davor.
In der Zeit habe ich dann zusätzlich häugiger aufputschende Drogen genommen, meistens MDMA.
Als ich dann wieder zurückkam nach Deutschland wurde es konsumtechnisch nochmal etwas intensiver.
Glaube, ich wollte nicht wahrhaben, wieder zuhause zu sein.
Neben Alkohol und Gras ging es zu der Zeit auch los mit chemischen Drogen.
Amphetamin, Ecstasy - ab und zu Kokain.
Getrunken habe ich zu der Zeit auch fast täglich, gekifft sowieso und chemische Sachen dann am Wochenende.
Das hat sich dann auch so weitergezogen und schleichend wurden die chemischen Drogen dann auch zum Alltag. Da war ich Mitte 20.
Zu der Zeit war ich häufig von Freitag bis Sonntag wach. Irgendwann dann auch innerhalb der Woche.
Alkohol und Gras waren dabei "Standard", nicht das wir uns falsch verstehen.
Im Frühjahr 2021 hatte ich dann eine Panikattacke. Ich habe gedacht, jetzt sterbe ich.
Mir wurde da wahnsinnig heiß und gleichzeitg kalt und mein Herz hat unregelmäßig geschlagen.
Habe einen Rettungswagen gerufen.
Denen habe ich aber nicht erzählt, dass ich im Prinzip seit Monaten nicht mehr richtig geschlafen habe.
Die haben mich tatsächlich nicht mal mit ins Krankenhaus genommen, da ich so "stabil" gewirkt habe.
Das konnte ich schon immer gut runterspielen, wie am Anfang dieses Textes schon erwähnt.
Danach dachte ich, ich bin clean! Das war's. Ich hab's verstanden.
Ging dann aber nach ein paar Wochen wieder los. Nicht mehr ganz so selbstzerstörerisch wie voher aber ganz gewiss bedenklich.
Fast immer, wenn ich mir vornahm nur ein paar Getränke zu trinken wurden es zig. Und nicht selten kam dann auch wieder Amphetamin ins Spiel. Letztendlich um mehr trinken zu können.
In den letzten Jahren ist mein Konsum zurück gegangen- Ich habe auch immer wieder Abstinenzphasen von circa zwei Wochen.
Aber man kann quasi einen Wecker danach stellen, wann es wieder eskaliert.
Aus einem Bier werden zwei, aus zwei Bier wird bis zum nächsten Abend trinken.
Ich hab immer wieder reflektiert, dass mein Konsum extrem bedenklich ist. Für mein Umfeld und in erster Linie auch für meinen Körper.
Gerne würde ich bewusst und kontrolliert am Abend in geselliger Runde mal eins zwei Gläser trinken. Das funktioniert aber in den seltensten Fällen.
Mehrfach habe ich mir felsenfest vorgenommen, jetzt ist Schluss! Die medizinischen Risiken sind mir absolut bewusst, der Drang zu trinken ist aber immer wieder stärker als die Vernunft. Im letzten Jahr 2025 war ich auf einem guten Weg, habe viel seltener getrunken und auch die Aufputschmittel in den meisten Fällen weggelassen.
Jetzt kamen leider einige Schicksalsschläge hinzu, die mich wieder dazu brachten zu trinken, tendenziell wieder in ähnlicher Manier wie beschrieben.
Mir ist bewusst, dass das psychologisch eine sehr ernstzunehmende Sache ist - was mich ja letztlich auch dazu veranlasst hat, mich hier vorzustellen.
Ich hab echt keinen Bock mehr da drauf und brauche Unterstützung. Bin gespannt was ihr dazu sagt.
Ich bitte um konstruktive Kommentare, Hab hier in einigen Beiträgen gelesen, dass ich mich nicht schuldig fühlen sollte.
Alkoholismus ist eine Krankheit.