Beiträge von Nayouk24

    Hallo Zuckerwatte und willkommen zurück.

    Hat jemand damit Erfahrungen gemacht?

    Ja, definitiv.
    Der Alkohol hat das Neurotransmittersystem ziemlich verstellt und ohne Alkohol kommt es nun zu Über- und Unterreaktionen.
    Die gute Nachricht ist, das Gehirn kann den Zustand vor dem Alkohol weitestgehend wieder herstellen, aber dafür braucht es Zeit und deine Geduld. Mit einem Leben nach den Grundbausteinen kannst du diesen Prozess unterstützen.

    Ich habe mehrere Monate gebraucht, bis sich vieles wieder normalisiert hatte. Jahrelang habe ich mit Alkohol das System zunehmend gestört und nun konnte ich nicht erwarten, dass alles binnen Wochen wieder hergestellt wird.

    Gibt dir die Zeit und finde Wege, wie du mit deinen Gefühlen umgehen kannst. Das kann alles mögliche sein, Auseinandersetzung mit der Krankheit, Achtsamkeit und Selbstfürsorge erlernen, alte Interessen wiederbeleben, neue finden, hier im Forum lesen und schreiben und vieles mehr. Probiere dich aus.

    Viele Grüße
    Nayouk

    Dazu kommt , wenn z.b. 3 Wochen keine Saufgedanken da waren und plötzlich welche da sind, ich garnicht mehr weiß wer will jetzt trinken?! Wollte ich oder das Saufhirn?

    Als ich mir die Frage das erste Mal gestellt hatte, war die Antwort für immer klar und ich habe sie mir nie wieder gestellt, denn ich wusste was zu tun ist, wenn sich mein Suchthirn meldet.

    Ein Jahr Forum kann etwas bewirken, wenn ich mich darauf einlasse. Bei dir habe ich den Eindruck, dass es gewirkt hat, denn du hast dich eingelassen:thumbup:

    Du hörst dich gut an.

    ich habe das Gefühl, dass ich biestiger geworden bin.

    Biestiger würde ich das nicht nennen. Ich bin für manchen unbequemer geworden, weil ich nicht mehr alles abnicke, um meine Ruhe zu haben, weil ich meine Meinung vertrete und das ist für mein Gegenüber ungewohnt und vielleicht anstrengend. Am Anfang fand ich es auch anstrengend aber zugleich auch befriedigend.

    würde für jemanden von euch, die es geschafft haben, alkoholfreies Bier in Frage kommen oder wäre das ein viel zu hohes Risiko?

    Für mich auf keinen Fall. Das ist ein Trigger schlechthin, da passt alles, Optik, Geruch und Geschmack. Das Suchthirn freut sich und steht schon in den Startlöchern und dann passiert das eigentlich Fatale, ich trinke es und nichts passiert, weil der Alkohol fehlt. Dann kann es mir passieren, dass das Suchthirn erst recht am Rad dreht und alle Register zieht.

    Warum soll ich mich diesem Risiko aussetzen. Und ich muss mich auch fragen, warum ich unbedingt Allkoholfreies trinken will.
    Stehe ich nicht zu meiner Abstinenz, will ich sie verbergen und so tun als ob alles normal ist und ich dazu gehöre, denn geschmeckt haben mir diese Alkoholfreien nie.

    Das stimmt. Im Kontext seht in den Grundbausteinen
    "Manche träumen davon, irgendwann wieder wie ein gesunder Mensch Alkohol trinken zu können."

    Ich habe nicht geträumt, ich habe tatsächlich geglaubt, wenn ich das mit Disziplin richtig anstelle, dann bekomme ich das hin.
    Eine Illusion, die ich auch erst erkennen musste.

    Als Alkoholiker kann ich nicht kontrolliert trinken, nicht morgen nicht übermorgen, nie wieder.
    Die Akzeptanz dieser Tatsache hat mir den weiteren Weg eröffnet.
    Akzeptanz - aber nicht mit "...zunächst einmal bleibe ich abstinent, mal sehen was dann kommt...". Das wäre keine Akzeptanz gewesen, das wäre das berühmte Hintertürchen, wobei das Türchen ein Scheunentor ist.

    Jeder kann sich selbst prüfen, ob er akzeptiert hat. Ich musste mir nur zuhören.

    "Manche träumen davon, irgendwann wieder wie ein gesunder Mensch Alkohol trinken zu können."
    Zwischen diesem Traum und der Realität liegt die Akzeptanz.

    Hallo Nadine,

    und mich selbst verstehen.

    Das hast du gestern geschrieben. Für mich lag darin der Schlüssel zu einer stabilen Abstinenz.
    Wie fühlt sich Suchtdruck bei mir an, wie kündigt er sich an, was hilft aus meinem Notfallkoffer und was hilft nicht.

    Suchtdruck kommt und geht auch wieder. Ich bin ihm nicht hilflos ausgeliefert, wenn ich weiss, wie ich effektiv reagieren kann.
    Ich habe Atemübungen geübt, damit ich sie parat habe, wenn ich sie brauchen sollte. Ob sie wirken werden, wusste ich nicht, ich hab es ausprobiert. Ein Baustein unter vielen, um mich kennen zu lernen und zu verstehen.

    anstatt zum Glas zu greifen.

    Wie einfach ist es für dich um "zum Glas zu greifen"? Ist dein Zuhause alkoholfrei?

    Herzlich willkommen auch von mir, Herzblatt und meine Anerkennung zu 10 Wochen Abstinenz.

    Eines vorweg: Diese SHG ist deine SHG und sie sollte auch nur deine bleiben!

    Du bist zusammen mit deinem Freund abstinent geworden und du siehst, dass eure Beziehung darunter leidet.
    Was habt ihr denn noch für Gemeinsamkeiten, außer dass ihr zusammen getrunken habt?
    Vielleicht findest du in der Antwort einen Ansatzpunkt.

    Viele Grüße
    Nayouk

    Tag 10, ein richtig guter Anfang:thumbup:
    Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist der Alkohol aus deinem Körper raus und du bist entgiftet.

    Die Veränderung spürt nicht nur dein Körper sondern auch dein Geist und das Suchtgedächtnis.
    Was immer normal war, ist plötzlich weg. Jetzt muss ich mir Gedanken darüber machen, wie mein neues Normal aussieht.

    Da sind Veränderungen in der Stimmungslage normal. Ich muss aufpassen, dass Stimmungsextreme nicht vom Suchthirn ausgenutzt werden.
    Achte auf dich und sorge dafür, dass es dir gut geht. Dafür kommt eine Option nicht mehr in Frage, aber viele andere.

    Hallo Nadine88 ,

    Wie geht ihr mit solchen Alpträumen um und kommt nach so einen Start in den Tag runter?

    Ich gebe ihm nicht mehr Bedeutung als er ist, ein Alkoholtraum, der ein Anzeichen dafür ist, dass in meinem Oberstübchen etwas in Gang gekommen ist.

    Du hast die Reise vorgegeben und dein Gehirn fängt an, sich diesem neuen Weg anzupassen. Das Gehirn überprüft bestehende Verhaltensmuster und sucht Neue. Der Vorgang entzieht sich unserer bewussten Kontrolle und findet in Träumen statt, aber auch in abschweifenden Gedanken im Wachzustand. Plötzlich ploppt ein Gedanke mit Alkohol auf, obwohl es keinen offensichtlichen Zusammenhang gibt.

    Der erste Alkoholtraum hat mich irritiert und als klar war, dass alles nur ein Traum war, war es okay. Ich hatte 3 Alkoholträume im ersten halben Jahr und das wars. Ich werte es als ein positives Zeichen, dass meine Mission angenommen wird und daran gearbeitet wird;)
    Als Vorbote eines Rückfalls, oder dass ich mir jetzt besonders Sorgen machen muss, sehe ich so einen Traum nicht. Er kommt und geht und er hat seine Begründung.

    Ich habe mir überlegt neue Hobbys wieder zu finden. Ich hab vor die Woche wieder ins Fitness zu gehen, nächstes Jahr möchte ich meinen Motorradführerschein machen. Einfach bisschen schauen, was mir Spaß und Freude macht..

    Motorrad ist ein Plan mit Ziel und an dem kannst du arbeiten.
    Aber du brauchst jetzt Dinge, die dich fordern, dir Spass machen können, um die wiedergewonnene Zeit sinnvoll zu nutzen.
    Fitness ist schon mal gut und da gibt es noch so viel mehr. Wo liegen deine Interessen und könnte z.B. ein VHS Kurs das Ganze wiederbeleben. Hier kannst du auch neue soziale Kontakte knüpfen.

    Die Scham und die Schuld:
    Meine Abstinenz wurde stabiler und mein Selbstwertgefühl und damit auch das Selbstbewusstsein kamen zurück und die Scham wich einem Selbstverständnis über meine Sucht.
    Schuld habe ich auf mich geladen und das kann ich nicht mehr rückgängig machen. Aber ich kann dafür sorgen, dass die Menschen um mich herum wieder Vertrauen aufbauen können.

    Du läufst auf rohen Eiern um ihn herum und was er denkt und möchte, darauf nimmst du scheinbar mehr Rücksicht, als auf deine eigenen Bedürfnisse.
    So kommt es mir jedenfalls vor, wenn ich deine Zeilen lese.

    Aber ich möchte unbedingt nochmal es ansprechen

    Er ist dein Lebenspartner und die Tatsache, dass du Alkoholikerin bist und wie ihr beide damit umgehen wollt, muss geklärt werden. Eigentlich sind es zwei Fragen, die beantwortet werden müssen:
    Willst du bei ihm bleiben, wenn er weiter trinken möchte?
    Will er bei dir bleiben, wenn auf Alkohol in deiner Gegenwart verzichten müsste?

    Sonst hast du vielleicht nur 2 Möglichkeiten, entweder du trinkst irgendwann wieder, oder du bist unzufrieden nüchtern und nur am kämpfen und diesen Kampf kannst du auf Dauer nicht durchhalten.
    Wenn du jetzt denkst, "das wird sich schon irgendwie ergeben", dann hast du die Rechnung ohne deine Sucht gemacht.

    Ich wünsche dir eine ruhige Zeit, in der du für dich Klarheit bekommen kannst.

    Pass auf dich auf.

    Das erinnert mich stark ans Trinken! Gerade immer wenn es mir so ging, habe ich noch mehr getrunken…

    Ich habe mich lange gefragt, wie sich Suchtdruck anfühlt. Laufe ich dann wie ein ferngesteuerter Zombie los und falle über das nächste Glas her? Das hatte ich nie.
    Die Frage lautet eher, wie fühlt sich Suchtdruck bei mir an. Bei mir fühlt sich Suchtdruck genau so an, wie als wenn mein Pegel "bedrohlich" tief gesunken war und ich zur nassen Zeit dringend nachtanken musste. Hypernervös, kein klaren Gedanken fassend, erhöhter Puls etc.
    Als ich das wusste, konnte ich Suchtdruck rechtzeitig erkennen und gegensteuern, mit der HALT Regel, mit dem Notfallkoffer.

    Aber genau so wichtig ist die Frage nach den Triggern, was versetzt mich in diesen psychosomatischen Zustand.
    Es gibt die klassischen Trigger, aber auch andere Mechanismen.

    In letzter Zeit kommen auch immer wieder Gedanken über die Trinkzeit, die Erinnerung an Abstürze, verkaterte Tage danach , und solche Sachen.

    Durch die Abstinenz muss dein Gehirn alte Verhaltensmuster ablegen und neue hinzufügen. Das geschieht auch durch gedankliches Probieren, meist in Träumen oder unterbewusst, quasi nebenher im Wachzustand. Das Blöde ist, dass das Suchthirn nebendran sitzt und mit "probiert".

    Egal wie sich bei dir Suchtdruck äussert, ihn rechtzeitig zu erkennen und gegenzusteuern ist meine Strategie.

    Ausserdem habe ich festgestellt, dass ich mir die Inhalte, die ich gelernt habe, als ich noch getrunken habe, nicht so gut merken konnte wie gedacht...

    Wie sagt hier jemand, "Es ist wie es ist", aber du kannst das Beste draus machen.
    Achte auf dich, sorge für ausreichend Schlaf, esse gut und trinke viel, das Gehirn brauch Energie und Flüssigkeit...

    ...und, "Alkohol ist keine Option".
    Bald wirst du feststellen, dass du auch ohne Alkohol tanzen kannst;)