Mit 14 Tagen ist der Anfang gemacht, der Körper ist entgiftet
Das hast du schon mal geschafft, jetzt beginnt die (Trocken-)Arbeit im Kopf.
ist eben alles auch individuell
Genau so ist es und deswegen gibt es auch kein "typischerweise".
Ich habe mit der Zeit gelernt zu unterscheiden, wer da an Alkohol denkt oder Verlangen hat. Bin ich das oder mein Suchthirn.
Gedanken an Alkohol kamen immer mal wieder auf, auch heute noch und das wird auch so bleiben.
Aber ich kann es einordnen und weiss, woher es kommt. Das Suchthirn ist ja nicht weg, diese Konditionierung bleibt mir ein Leben lang erhalten, aber ich kann lernen, sie sicher zu kontrollieren.
Dazu musste ich mich aber erst nüchtern wieder kennenlernen und auch das, was mir aus der nassen Zeit erhalten gebleiben ist, richtig einzuschätzen.
Solange ich nicht weiss, wie ich reagiere und ob ich mich auf mich verlassen kann, gibt es keine Kontrolle und da heisst die Strategie Risikominimierung, gerade in der Anfangszeit, in der ich noch labil und unerfahren bin.
Eine Party überstanden zu haben, bei der kräftig gebechert wurde, besagt nichts über die Stabilität meiner Abstinenz. Das Suchthirn war mit auf der Party und hat kräftig Erfahrung gesammelt. Erfahrungen, die mich irgendwann das erste Glas nehmen lassen, dann wenn ich denke, ich habe das alles im Griff, oder noch schlimmer wenn ich es gar nicht merke.
Du wirst auch erst erfahren, wie sich Suchtdruck bei dir äußert und wie er sich ankündigt, damit du schnell reagieren kannst.
Suchtdruck , wenn er dann kommt, wird von jedem anders erlebt.
Ein Nichtschwimmer geht nicht ins Tiefe, am Besten gar nicht in den See, denn auch der Glaube an den festen Untergrund, auf dem er steht, kann tödlich sein. Er lernt Schwimmen und dabei lernt er sich immer besser kennen und weiss, wieviel er sich zutrauen kann. Diese Gefühl für die eigenen Fähigkeiten hat er am Anfang nicht und deshalb betreibt er Risikominimierung und lernt da schwimmen, wo er nicht ertrinken kann. Und so wird er immer sicherer und stabiler und kann sich irgendwann unter vernünftigen Umständen ins Tiefe begeben.
Schwimmen kannst du in ein paar Wochen lernen. Um stabil abstinent zu werden habe ich die Monate des ersten Jahres gebraucht. Es kam immer etwas dazu, was mir mehr Sicherheit gab, schwimmen um einfach oben zu bleiben, Schwimmen bei Strömung oder Wellen, Schwimmen bei unvorhergesehenen Ereignissen und auch heute noch weiss ich, dass es auf dem Wasser Situationen geben kann, bei denen ich unter gehen könnte.
Stabil abstinent zu werden ist ein Lernprozess über eine Mindestzeit, deine Mindestzeit, die du nicht durch Willen verkürzen kannst. Nimm dir die Zeit und lerne dich kennen, dann kommt auch dein Kopf mit.