Wunderschönen guten Tag, ich würde mich auch ganz gerne hier vorstellen und meinen Leidensweg mit euch teilen. Ich bin 30 Jahre alt und Alkoholiker. Eigentlich habe ich es nicht so mit schreiben, will es aber einmal ausprobieren und bin seid knapp zwei Jahren stiller Mitleser, nun aber mit Account. Wichtig: ich möchte abstinent leben und ich weiß, dass meine kalten Entzüge jedes Mal sehr gefährlich gewesen sind!
TRIGGERWAHNUNG: Im Text kommen meine Erfahrungen mit dem Tod zu Vorschein.
Vorwarnung 2: Der Text ist sehr lang.
Meine ersten zwei Lebensjahre bin ich nur umgezogen, von Stadt zu Stadt, den eigenen Papa nie kennengelernt und mit drei Jahren in eine Pflegefamilie gekommen. Dort habe ich eine kleinere Pflegeschwester und einen älteren Adoptivbruder bekommen. Bis dahin vielleicht einen nicht so bescheiden Start gehabt im Leben aber gut. Der Kindergarten und die Grundschule verlief bei mir dennoch ohne auffälliges Verhalten. Später kam der gelegentliche Alkoholkonsum am Wochenende dazu zur Realschulzeit. Man muss dazu sagen, dass meine Pflegeeltern ziemlich arm aufgewachsen sind, jedoch es relativ schnell zu etwas gebracht haben. Somit war bei uns im Keller ein Weinlager und Alkohol immer zum Greifen nah. Rückblickend haben die Eltern und ich schon sehr oft am Abend zusammen gesessen und die vor meinem Augen halt getrunken, wobei ich mir im Nachhinein denken kann, dass mich das beeinflusst haben könnte. In der Anfangszeit der Schule hatte ich sehr mit Mobbing und Schlafstörungen zu kämpfen. Noch dazu kam, dass meine Pflegemutter eine sehr narzisstische Person ist, der Pflegevater sich aber aus allen Situationen einfach entzogen hat. Zu dem Zeitpunkt hatte ich wieder Kontakt mit meiner leiblichen Mutter wäre auch fast zurück gezogen aber ihre Unzuverlässigkeit macht da ein Strich durch die Rechnung. Leibliche Geschwister habe ich eine kleine Schwester und einen großen Bruder wobei damals nur ich weggeben wurde aus undefinierbaren Gründen. Ende der Schulzeit war ich ein sehr beliebter Schüler, habe einen guten Abschluss gemacht. Anschließend habe ich eine Ausbildung als Winzer begonnen und damit nahm alles seinen Lauf. Von jeden Tag mit irgendwelchen Freunden um die Häuser ziehen zu mehr oder weniger den ganzen Tag alleine sein. Ich nutze den Alkohol zum schlafen und nahm mir täglich eine Flasche aus dem Betrieb mit. Schon damals habe ich 5/7 Tagen getrunken. Zumal ich beim Trinken kein Ende kannte sobald ich einmal begonnen habe. Zu einem späteren Zeitpunkt stellte mich meine Pflegemutter mit Medikamenten ruhig, da ich immer das laute Kind gewesen bin und das Riss mich in eine tiefe Depression. Anschließend hatte ich meine erste Freundin obwohl ich unserer Beziehung als sehr stürmisch bezeichnen würde. Diese Beziehung endete auch nach nur einem Jahr aufgrund von Untreue ihrerseits. Anschließend absolvierte ich eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker als drittbester im Jahrgang. Wobei ich diese beinahe nicht erlebt hätte, da ich im Winter mit vollem Kopf am Feuer eingeschlafen bin - Unterkühlung -und anschließend ein Tag im Koma lag. Zeitlich hatte ich sehr viele Schulden, mit meinen Pflegeeltern kaum Kontakt und dementsprechend ließen diese mich auch finanziell im Regen stehen. Anschließend kam ich mit meiner zweiten Freundin zusammen, wurde Geselle und zog von ein auf den anderen Tag aus. Als Geselle herrschte aber so Zeitdruck, sodass ich anfing zwei Flaschen an Wein zu trinken. Das ging 6/7 Tagen so! Zudem sorgte wieder Untreue nach zwei Jahren für Probleme in der Beziehung, wir traffen dann die Entscheidung uns einer Paartherapie zu unterziehen. Da ich ausgezogen bin habe ich wegen Differenzen zwischen meinen Eltern und meiner damaligen Freund den Kontakt komplett abgebrochen. Zeitgleich habe ich im Autohaus von der ein auf die anderen Sekunde meine Kündigung abgegeben und schulte um in die Luftfahrt. Die Schicht war eine sehr große Umgewöhnung für mich und meine Depression war noch immer da. In der Anfangszeit begann ich aber den Alkoholkonsum aufzugeben. Jedoch kam er zurück, da ich mich nur sehr schwer in den Job integrieren konnte und immer wieder Auseinandersetzungen mit Kollegen stattfanden. Den Kontakt zu meinen Pflegeeltern baute ich zwar wieder auf und durch diesen harten Kontaktabbruch den ich durchgeführt hatte hat sich das charakteristische Wesen meiner Pflegemutter komplett verändert. Sie ist verständnisvoll, ich kann mit ihr über viele Dinge reden aus dem Alltag, das wäre zum früheren Zeitpunkt nicht ansatzweise möglich gewesen. Da ich mich aber so schwer mit meinem Job tat, kaum Freundschaften mehr bestanden fing ich wieder an zwei Flaschen zu trinken an 6/7 Tagen. Sonst trank ich nur am Abend aber das änderte sich je nach Schicht und verlagerte sich auf den Tag. Neben meinen Hauptberuf fing ich an als Werkstattleiter noch in einem Autohaus zu arbeiten und somit nahm das Schicksal seinen Lauf. Ich fuhr dauerhaft meine Autos zu Schrott, war auf der Arbeit gar nicht mehr leistungsfähig aber hatte das große Geld in der Tasche - als Schattenseite kamen dann aber die Panikattacken dazu und der Konsum stieg auf jeden Tag in der Woche. Zwei Flaschen, ein Jahr lang. Mit der Trennung nach insgesamt vier Jahren meiner Beziehung begann meine Therapie, 9 Monate lang. Offiziell bekam ich dann auch meine Depression diagnostiziert, meine Unzufriedenheit merkte man mir immer mehr an und so endete ein Streit mit meinem Chef anschließend in meiner Kündigung. Rückblickend würde ich behaupten, dass man mir meinen Konsum angemerkt hat aber keiner sich dazu äußern wollte. Da ich aber im letzten Jahr vor dem Stand jetzt sehr krank körperlich geworden bin hatte ich meine erste richtige Abstinenzzeit von 1 1/2 Monaten. Doch das Schicksal nahm weiter seinen Lauf, trotz Therapie kam ich nur sehr schwer über die Trennung hinweg, da ich plötzlich alleine da stand, keine Freude zum Reden oder bei bestimmten Leuten meine seelisches Dilemma aus Scharm nicht ansprechen wollte. Ständig hatte ich Rückfälle, die Entzugserscheinungen wurden immer schlimmer und nach meinem Führerscheinverlust gegen Ende des Jahres war es bei mir komplett vorbei. Meine beiden Omas verstarben und meine Seele zerbrach. Anfang des Jahres 2025 versuchte ich mir im betrunken Zustand das Leben zu nehmen bevor ich dann in Absprache mit meiner Ärztin eine medizinische Reha von drei Monaten absolvierte aufgrund meiner Suchterkrankung. Meine Antidepressiva setzte ich zu diesem Zeitpunkt ab. Danach blieb ich auch Abstinent eine Zeit lang aber meine innere Einsamkeit, mein Bild von mir selbst und die nicht so groß vorhandene Selbstliebe ließ mich nicht los. Ich tätowierte mich von oben bis unten voll was das Selbstbild veränderte, jedoch ich im Nachhinein so nicht noch einmal machen würde. Der größte Fehler begann dann aber, dass ich nach den 9 Monaten in Therapie und der anschließenden Rehabilitation nicht meine Nachsorge beantragte. Ich hatte einfach keine Lust mehr die ganze Zeit über solche Themen zu reden, ich bin sehr emotional und somit blutete mein Herz jedes Mal. Zwar hatten wir Online unsere eigene Selbsthilfegruppe mit Leuten aus der Klinik gegründet, jedoch fing ich immer öfter an die Sitzungen einmal die Woche zu schwänzen. So kam es immer wieder zu Rückfällen, wenn mich Situationen belasten und diese wurden schlimmer. Zum Teil knapp 5 Flaschen vom Wein am Tag, immer eine Woche auf der Couch verbracht bis ich wieder zurück ins Leben kam, die Rückfälle wurden immer häufiger und die Entzugserscheinungen noch schlimmer. Was aus einer sagen wir Spaßbewerbung aufgrund meiner langen Arbeitslosigkeit von knapp einem Jahr geworden ist: ich bin stellvertretender Werkstattleiter in einem riesigen Autohaus. Nun schon knapp 2 1/2 Monate. Da ich meine Nachsorge damals nicht beantragt habe ist die Frist verstrichen und aktuell keine Stelle frei. Dementsprechend treibe ich mich nun hier herum!
Liebe Grüße und bis bald