Geht es schon wieder von vorne los?

  • Hallo warrenville 1,

    herzlich willkommen hier bei uns.
    Schön,dass Dub zu uns gefunden hast.Was ich da lese,dazu kann ich Dir folgendes schreiben.
    Ein Alkoholiker "kann" nicht kontrolliert trinken.Es bleibt auch nicht beim probieren und Aussagen,wie er schmeckt mir nicht,sind nichtig.
    Deine Mutter hat das gleiche Verhaltensmuster wie alle.
    Auch ich habe heimlich getrunken,sehr viel gelogen(das können wir sehr gut),alles heruntergespielt.
    Ich denke schon,dass Deine Mutter wieder trinkt.
    Deinen Ekel vor Alkohol kann ich verstehen,da Du ja schon einiges miterlebt hast.
    Für uns Alkoholiker(es gibt keine EX),gibt es nur eines,keinen Allkohol mehr trinken,wir können keinen in Maßen trinken.

    Liebe Grüsse Peter Pan

  • Hallo warrenville1,
    ich möchte mich auch für Deinen Bericht bedanken!
    Ich erkenne mich gleich 2x selbst darin wieder.
    Als Alkoholikerin und als Tochter einer sterbenden Mutter.
    Meine Mutter war allerdings nicht drogenabhängig.

    Mir ging es im Grunde wie Deiner Mutter, als ich noch gesoffen habe.
    Die Selbstvernachlässigung, die äußerlich gar nicht mal so sichtbar war, innendrin war sie hundertmal schlimmer.
    Und immer wieder die Versuche, auszusteigen aus der Sucht.
    Andererseits sich lange nicht eingestehen zu wollen, wirklich abhängig geworden zu sein.
    Immer auch mal wieder gute Phasen, denen aber unweigerlich auch wieder schlechte folgten.
    Grundsätzlich ging es aber immer weiter bergab.

    Manche Menschen denken, schwerstabhängigen Alkoholikern würde man das immer ansehen, sie wären halt die Penner, die man draussen verwahrlost an bestimmten Plätzen antrifft.
    Dem ist aber weiß Gott nicht so.
    Ich war bis zuletzt im Beruf, dort auch immer anständig angezogen, ich hatte noch meinen Partner, eine liebe Tochter, ein Auto samt Führerschein, Haus und Garten und pipapo...
    Trotzdem war ich schwer alkoholabhängig geworden.

    Ich kam dann am Ende auch auf die Intensiv, mit einigen der Symptome, die Du auch schilderst.
    Es war bei mir nicht fünf vor 12, sondern eher 2 vor zwölf.
    Ich wäre beinahe in der Entgiftung gestorben, weil mein Körper so am Ende war.
    Mein Glück war, das ich alles schon bei der Aufnahme im KH erzähle, auch exakt die Mengen, die ich mittlerweile trank.
    Und das ich FROH war, endlich dort zu sein, wo ich Hilfe bekam.
    Ich konnte dort also gleich meine Krankheit eingestehen und die Hilfe annehmen, die mir dort geboten wurde.
    Wäre dem nicht so gewesen... dann bin ich mir 100% sicher, das es bei mir exakt so weiter gegangen wäre wie bei Deiner Mutter.
    Ich wäre auch längst tot.
    Die Ärzte sagten mir auch im KH, das ich höchstens noch 3 Wochen gehabt hätte, bis meine Leber endgültig versagt hätte.

    Zitat

    Es war keine Frage des Ob, sondern nur des Wann. Schlimm waren auch nicht die Tage nach ihrem Tod, sondern vielmehr die Tage bzw. knapp 2 Wochen vor ihrem Tod -
    in denen wir als Angehörige wussten, dass es zu Ende geht, sie aber gleichzeitig noch klar im Kopf war und dauernd fragte, wann sie denn nach Hause könne.

    Das habe ich so bei meiner Mutter erlebt, als ihr Körper nicht mehr mitmachen wollte und konnte.
    Meine Mutter hatte Blutkrebs, war Diabetikerin und es kamen noch andere Krankheitsbilder dazu.
    Für mich und meinen Bruder waren auch die Tage vor ihrem Tod am schlimmsten.
    Wir wußten, das sie nie wieder das KH verlassen wird, und ihr wurde auch gesagt, das sie "austherapiert" sei.
    Sie wußte aber nicht, was austherapiert bedeutet und dachte, das sie bald wieder nach Hause könne aufgrunddessen.
    Ein Pfleger machte ihr erst klar, was es wirklich in ihrem Fall bedeutet.
    An dem Tag sprach auch der Arzt mit uns und als wir dann zu unserer Mutter kamen, wußte sie bereits, das sie sterben wird.
    Damit umzugehen ist schwer. Für ALLE ist das sehr schwer.
    Ich hatte große Problem, offen mit ihr darüber zu reden.
    Das gelang mir erst in den letzten Tagen vor ihrem Tod.
    Sie schlief am Ende dann auch friedlich ein.
    Da bei ihr auch eine längere Krankheitsgeschichte voran ging, empfand ich auch erstmal Erleichterung über ihren Tod.
    Nicht wegen uns, sondern weil sie es geschafft hatte, hinüberzugleiten.
    Die Trauer kam erst viel später.
    Und hält bis heute an.
    Sie ist nicht mehr so schmerzhaft wie in der ersten Zeit, aber sie ist trotzdem irgendwie immer da.

    Zitat

    Wir haben meiner Mutter am Tag nach ihrem Tod ein schönes Grab ausgesucht. In einem Friedhof mit reiner Baumbestattung, unter einer schönen, alten Buche, mitten im dichten Wald. Sie hätte diesen Platz geliebt.


    Das habt ihr gut gemacht.

    Alles Gute weiterhin wünsche ich Dir von ganzen Herzen!
    Ich würde mich sehr freuen, wenn Du Dich hier ab und zu mal melden würdest.

    LG Sunshine

  • Liebe warrenville,

    toll, dass du wieder hier her gefunden hast.
    Wenn ich deinem Bericht folge,
    ist er zwar auf der einen Seite traurig,
    aber ich lese auch einige positive Aspekte,
    z.B. dass du und deine Schwester euren Abschluss so toll hinbekommen habt.

    Hast du denn Lust,
    dich hier in unserem Forum weiter auszutauschen?
    Das würde uns ForenMitglieder sehr freuen.

    Viele Grüsse, B.Nyborg

  • Hallo warrenville,
    wenn du in deinen Träumen das Negative siehst,
    heißt es ja, dass da noch was zu bearbeiten ist.
    Verdrängen hilft leider oft nur kurzfristig
    (meist um etwas zu Überleben),
    langfristig kann es sein,
    dass das Negative dir aufs Dach steigt.
    Spätestens dann würde ich mir Hilfe suchen,
    gern kannst du natürlich dann hier schreiben.
    Vielleicht macht es Sinn, nicht erst bis zum Ausbruch zu warten,
    aber das musst und darfst du für dich entscheiden.
    Vielleicht leidest du auch nicht so stark unter der Vergangenheit
    und wirst es nie.

    Ich wünsche dir alles Gute und würde mich freuen,
    dich bald mal wieder hier zu lesen.

    Viele Grüße, B.Nyborg

  • Zitat

    Irgendwie ist es ziemlich deprimierend, dass man nach dem Tod keinen Kontakt mehr haben kann (auch wenn viele das Gegenteil behaupten).
    Für mich als Naturwissenschaftler steht aber fest: Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Leben nach dem Tod bzw. keine Möglichkeit der Kontaktaufnahme.
    Auch wenn ich mir sehnlichst wünsche, dass es anders wäre.

    Ja, das ist wirklich deprimierend. Besonders wenn noch Fragen offen sind.
    Andererseits denke ich, das IMMER irgendwelche Fragen noch offen sind bei Verstorbenen.
    Egal was passiert ist, das hat mit Alkoholismus wenig zu tun.
    Es ist wie es ist, wir werden diese Fragen nicht mehr stellen können.
    Damit müssen wir leben.

    Liebe Warrenville,
    zum Thema "Aufarbeitung".
    Manchmal gibt es auch einfach nix zum Aufarbeiten :wink:
    Und wenn doch, wird es die Zeit zeigen.
    Ich habe ja auch eine Tochter. Sie ist somit auch die Tochter einer Alkoholikerin.
    Daraufhin beschäftigte ich mich auch mit der Angehörigen-Materie und sprach auch mehrmals mit ihr über alles.
    Ich sagte ihr, das es auch SHG für Angehörige gibt. Und auch Therapien.
    Meine Tochter meinte dazu, das sie nicht wüßte, was sie da solle bzw. aufarbeiten sollte/könnte?
    Sie sagte mir, das sie ihre Kindheit als sehr schön empfunden hat, besonders das ich mir immer Zeit für sie genommen hätte und wir viel zusammen gemacht haben.
    Sie wüßte nicht, was sie für Schädigungen durch meine Krankheit haben sollte?
    Nun muss ich dazu sagen, das meine Krankheit auch erst besonders schlimm wurde, als sie längst auf eigenen Beinen stand und schon mit ihrem Lebensgefährten zusammen lebte.
    Als ich entgiftete, war sie schon Anfang 20.

    Zitat


    Beispielsweise mal ein so heftiger Streit zwischen meinen Eltern, dass meine Mutter die Scheidung ankündigte,
    ins Schlafzimmer ging und meinem Vater sagte, er würde von ihrem Anwalt hören.
    Da war ich noch recht klein, das war damals ein ziemlich massives Erlebnis.


    Ich hatte beinahe das gleiche Erlebnis mit meinen Eltern. Nur waren weder meine Mutter noch mein Vater alkoholkrank.
    Sowas kommt auch in anderen Ehen vor, es gibt keine Wolkenkuckucksheime, wo sich die Eltern nie streiten.
    Für mich war das aber auch ein beängstigendes Erlebnis, was ich bis heute nicht vergessen habe.
    Dazu kam noch die Angst, das wir Kinder ins Heim müßten, weil meine Mutter damit außerdem meinem Vater gedroht hatte.
    Ich sehe heute noch die Szene genau vor mir, das war besonders für mich sehr traumatisch.
    Mein Bruder kann sich nicht mehr dran erinnern, er war damals auch noch zu klein.
    Meine Eltern haben sich übrigens nicht scheiden lassen :wink:

    Ich habe mir das aber genau gemerkt und immer sehr darauf geachtet, das meine Tochter sowas nicht miterleben muß.
    Ich bin auch 1x geschieden, aber wir trennten uns im Guten, meine Tochter hat keine Streitereien mitbekommen, das war mir immer sehr wichtig.
    Mein Ex ist bis heute einer meiner besten und engsten Freunde, von daher war auch unsere Scheidung wohl kein so schlimmes Erlebtnis für meine Tochter.
    Schön aber sicher auch nicht.

    Ich will damit nur sagen, nicht jeder braucht grundsätzlich therapeutsiche Hilfe.
    Wenn aber doch, dann bitte nutzen.

    LG Sunshine

  • Hallo warrenville,

    Zitat von warrenville1


    Große, nachhaltige Probleme gab es allerdings nicht. Bis halt auf ihren Alkoholismus. Aber da kann ich ja nichts mehr aufarbeiten, die Zeit ist vorbei und es ist nun alles so geschehen, wie es geschehen ist.
    Auch wenn ich natürlich in all den Jahren oder jetzt - postmortem - mit ihr rückblickend gerne mal über die ganze Sache gesprochen hätte. Eine richtig offene, tiefgehende Diskussion war mit ihr ja nie möglich über dieses Thema.

    Meiner Erfahrung nach braucht es für solche Gespräche nicht unbedingt einen Adressaten. Was meinst du denn damit, dass es keine Probleme gab bis auf den Alkoholismus? Dass sie getrunken hat, hatte ja offenbar auch Auswirkungen auf das Zusammenleben. Mit welchen Gefühlen bist du denn da konfrontiert? Was würdest du ihr denn gern sagen in einem Gespräch? Was würdest du sie fragen wollen? Was würdest du dir denn wünschen, dass sie antwortet? Vielleicht verbergen sich hinter solchen Fragen ungestillte Bedürfnisse eines Kindes, die du heute, wenn du dir ihrer bewusst bist, in anderer Form stillen kannst.

    Viele Grüße, B.Nyborg

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