Der Kampf beginnt...

  • So... nachdem ich jetzt entgiftet habe sehe ich dem Tag Nr. 10 entgegen...

    Noch habe ich so meine schwachen Momente aber ich bin zuversichtlich, dass ich es durchhalten kann. Leider habe ich allerdings noch nicht die `geistige Trennung' vom Alkohol geschafft -- aber das wird auch noch werden. Trinken kann ich schon alleine nicht mehr, weil sonst dieser Knast (Entgiftungsstation) umsonst gewesen waere *g

    Ich beginne mich auch langsam wieder besser zu fuehlen, der Entzug war kein Vergnuegen. Normalerweise muesste ich morgen wieder arbeiten aber ich werde mir noch ein paar Tage auszeit goennen ich bin immer noch etwas `instabil'. Nicht dass mich der Stress ueberfordert. Ich kann auch noch nicht richtig schlafen.

    Ich wuerde mich hier gerne etwas unterhalten und meinen Fortschritt diskutieren. In diesem Sinne alles Gute,

    Michael

  • Hallo Michael,

    du schreibst:

    "Leider habe ich allerdings noch nicht die `geistige Trennung' vom Alkohol geschafft -- aber das wird auch noch werden. Trinken kann ich schon alleine nicht mehr, weil sonst dieser Knast (Entgiftungsstation) umsonst gewesen waere *g"

    Diese beiden Sätze haben es in sich, finde ich. Im ersten Satz bedauerst Du, "die geistige Trennung" nicht geschafft zu haben. Im zweiten Satz bezeichnest Du die Entgiftungsstation als "Knast" und setzt ans Ende ein *g.

    Ich vermute mal, so wird das nichts. Vielleicht hilft es Dir ein klein wenig auf die Sprünge (auch für den geistigen Absprung), wenn ich Dir sage, dass Du Deine Entgiftungsstation eher als Hilfe und Gelegenheit begreifen solltest, denn als Knast. Sie (die Entgiftung) gibt Dir die grossartige Möglichkeit unter Kontrolle von der körperlichen Abhängigkeit runterzukommen. Nach der Entgiftung hast Du die Basis für die weitere Arbeit an Dir und Deiner Trockenheit.

    Nimm das doch besser als Chance wahr. Es ist nämlich wirklich eine.

    Alles Gute!

    Gruss Peter

  • Als Knast bezeichne ich es, weil es durchaus Parallelen mit dem offenen Vollzug hat und ich die Zeit ueber eingesperrt war.

    Und dass ich die geistige Trennung noch nicht geschafft habe ist nicht negativ, da ich das Problem erkannt habe. Ein *g indiziert meistens, dass man etwas nicht todernst meint, ne?

    Ich weiss schon dass hier viele Leute sofort schwarz sehen wenn nicht alles so laeuft, wie sie es in ihrer persoenlichen Optimalvorstellung ausgemalt haben... aber von diesem Pessimismus lasse ich mich jetzt mal nicht anstecken, ne? In diesem Sinne...

  • Hallo Michael,

    ich beglückwünsche dich zu deiner Entscheidung, ein Leben ohne Alkohol führen zu wollen.

    Ich denke nicht, dass Petter's Hinweis auf die Einstellung zu einer stationären Entgiftung dazu taugt, in die Pessimistenschublade geschoben zu werden. Aber das kann ein schriftliches Missverständniss sein und ich will da nicht weiter Wortklauberei betreiben.

    Was ich persönlich nicht verstehe ist, warum du deinen Thread überschreibst: "Der Kampf beginnt"?

    Welchen Kampf meinst du ? Ich frage dich das, weil ich das Trockenwerden ganz anders erlebt habe/erlebe. Ich habe seit ich nicht mehr getrunken habe das Gefühl und zunehmend auch die Gewissheit, den unleidlichen Kampf gegen den Alkohol endlich nicht mehr führen zu müssen. Das ist das was mein Trockenwerden kennzeichnet: Ich habe kapituliert vor der Kraft die der Alkohol auf mich als Alkoholiker ausübt. Ich habe jeden Kampf gegen ihn verloren und habe deswegen vor 7 Monaten beschlossen, mich in keine Auseinandersetzung mit ihm mehr einzulassen und mir stattdessen ein Leben fern ab des Alkohols aufzubauen.

    Und das empfinde ich als sehr befreiend. Und mit jedem Tag mehr, weil ich merke, dass ich mich wirklich von ihm abnabeln kann wenn ich mich erst auf gar keinen Kampf mehr einlassen muss und mir ein Leben ohne ihn bastele.

    Finde ich gerade so schön, nicht mehr dagegen kämpfen zu müssen und endlich so schlau geworden zu sein, den Alkohol aus meinem Leben herauszuhalten. Ich habe dadurch im Lauf der Zeit schon erheblich an Selbstbewusstsein gewonnen und weiß, dass ich keine Auseinandersetzung mehr mit dem Alkohol haben muss um zu wissen, dass ich sehr gut ohne ihn lebe.

    Auseinandersetzen und austauschen tu' ich mich nur noch über den Alkohol, aber nicht mehr mit ihm.

    Ich wünsch' dir alles Gute auf deinem weiteren Weg

    Mit trockenem Gruß vom Micha

    Das Schönste kommt noch

  • Hei!

    Nunja... ich bin halt erst im zehnten Tag und da ist es wohl klar dass man noch so seine schwachen Momente hat. Aber ich denke nicht dass ich deswegen fallen werde. Mir geht es auch zunehmend besser so dass ich bald auch keinen Kampf (im Endeffekt der Entzug) mehr fuehren muss. Ich geniesse es auch, dass es mir das erste mal seit Jahren mal wieder halbwegs gut geht... das will ich nicht missen.

    Habe mich gerade mit Markus (meinem besten und quasi einzigen Freund) zum Thema unterhalten und er meinte, ich habe seine volle Unterstuetzung und dass er mich fotzt sollte er mich nochmal mit einem Bier sehen... das finde ich schonmal sehr positiv ;) Hatte Angst dass er das evt. in den falschen Kragen bekommt weil er sich das Zeug ja selber so gerne schmecken laesst. Aber wie gesagt er ist halt wirklich ein Freund und kam keinesfalls nur zum Saufen zu mir oder sowas. Gott sei Dank habe ich mir erst garnicht so einen Kreis aufgebaut, von dem ich mich jetzt weinenden Auges trennen muesste! Was meinen Umgang angeht war ich immer waehlerisch. Damit habe ich jedenfalls schonmal ein grosses Problem behoben.

    Als ich aus der Klinik rauskam war ich halt ein bisschen ueberwaeltigt und mir war zum Heulen. Aber einen ernsten Gedanken daran, zu trinken, hatte ich nicht.

    Ich beseitige gerade noch die letzten Relikte (leere Bierflaschen usw.) und bring die Bude bisschen auf Vordermann. Schon witzig zu sehen was ich in nem Monat so weggesoffen habe... bestimmt 10 Kaesten... und das ohne das Tankenbier *g

    lg && bb,

    Michael

  • Hallo Michael,

    ja, die Gefühle können einen schon mal überwältigen. Ich denke mal, wir haben mit dem Saufen früher eine Menge Emotionen "runtergespült".
    Ich find's echt bereichernd, mich nüchtern und sehenden Auges auf meine Gefühle einlassen zu können und sie anzunehmen wie sie sind. Am Anfang konnte ich mich manchmal nur schwer ertragen.
    Mittlerweile finde ich mich schon ganz passabel.

    Das ist gut, dass du deine Bude auf Relikte des Saufens untersuchst und alles beseitigst, was dich ans Trinken erinnern könnte.

    Das Thema von Freundschaften ist für viele eine heikle Sache. Ich musste einsehen, dass sich die meißten meiner Bekannten als Saufkompagnons herrausstellten. Das bezieht sich bei mir leider auch auf die Familie. Ich habe da sehr große Veränderungen vornehmen müssen, die ich aber nie bereut habe, weil mir klar wurde, dass es dabei wirklich im Vordergrund ums Saufen ging. Da habe ich Trennungen unterm Strich als Bereicherung empfunden.

    Umso besser, wenn du einen richtigen Freund hast, der nicht nur Verständnis hat, sondern sogar etwas auf dich achtgibt. Du schreibst, dass er dich nie wieder mit einem Bier sehen will. Du solltest deinerseits darauf achten, dass du ihn in den nächsten Monaten auch nicht mit einem Bier siehst. Er sollte seinen eigenen Konsum in deiner Gegenwart auch unterlassen, was ja sicher kein Problem für ihn/euch ist, da ihr ja vorher keineswegs nur zum Trinken zusammengekommen seid.

    Ich wünsch' dir noch ein aufgeräumtes Gefühl beim "Altlastenentsorgen" und alles Gute


    Trockener Gruß vom Micha

    Das Schönste kommt noch

  • Hallo Micha,

    sicher... ich habe viele Gefuehle einfach runtergespuelt. Unterm Strich bin ich doch ein recht emotionaler Mensch. Ich habe die Angewohnheit, nicht die Augen zu verschliessen und habe mir oft Probleme anderer zu meinen eigenen gemacht... aber Gefuehle koennen durchaus etwas schoenes sein, definieren sie uns doch als Menschen.

    Das mit den Saufkompagnons ist klar... das duerfte fuer viele ein grosses Problem sein. Sowas wusste ich aber immer zu vermeiden -- haben haette ich das sicher koennen. Aber Freunschaft war fuer mich immer schon ein Begriff, mit dem ich vorsichtig umgegangen bin. Und jemand, der sich nur zum Birne-Wegsaufen treffen will haette sich ohnehin nie qualifizieren koennen. Dass sich in einem solchen Moment die Spreu vom Weizen trennt ist natuerlich klar. Aber als Verlust haette ich das sicher auch nicht empfunden an Deiner Stelle.

    Ich denke wir werden uns jetzt eine Zeit lang nicht sehen oder dann eben nur unter der Premisse, dass nicht gesoffen wird. Er weiss worum's geht und wird das sicher verstehen.

    Das mit dem Altlasten-Entsorgen dauert wohl noch nen bisschen hehe... is ne Menge.

    greetings,
    Michael

  • Hallo Michael,

    ich freue mich, von dir wieder zu hören und erinnere mich an den Tag im Weihnachtschat, als du dann beschlossen hast, doch in ein Klinikum zu gehen. Du hast einen immensen Grundstein gelegt.

    Dieser Grundstein allein ist eine enorme Bereicherung in deinem Leben, an dem du nunmehr täglich feilen musst.

    Nur nichts trinken reicht leider nicht.
    Du hast eben auch hier im Forum gewaltiges Wissens- und Erfahrungspotential zur Verfügung, was man sich sehr zu nutze machen kann.
    Also lesen, lesen, lesen ...
    Es heißt nun, täglich sein neues Leben zu gestalten, fern von altern Mustern, fern den Anlässen und Begebenheiten, zu denen man früher obligatorisch zum Alk gegriffen hat.

    Mit Kampf hat das nichts zu tun, den hast du gegen den Alk aufgegeben.
    Arbeite kreativ und wertschöpfend an dir.

    Ich freue mich sehr für dich.

    Gruß, Freund.

  • Hallo Freund,

    nuja ich waer schonmal wieder in den chat rein der is aber sinnigerweise passwortgeschuetzt.

    Was Du sagst kann ich nachvollziehen. Im Moment bin ich halt noch etwas ueberwaeltigt von der ganzen Sache aber ich bin sicher, dass ich das in den Griff bekomme. Lesen tu ich hier sowieso viel.

    In diesem Sinne,

    greetings
    Michael

  • Hi nochmal,

    ich war grad mit meinem Hund draussen, nachdem ich den Rest meiner Flaschen entsorgt habe (Hammer wieviele das waren...). Und da habe ich das erste mal gemerkt, wie gut es mir eigentlich geht. Keine Matschbirne keine Schmerzen... keinen Zwang zu saufen. Wenn man 6 Jahre lang fast ununterbrochen gesoffen hat weiss man garnicht mehr, wie sich das anfuehlt... mal sehen was noch so kommt.

  • Danke auch fuer die Gruesse hab ich jetzt erst gesehen *g
    Ich pflanz mich jetzt hin und schau die TNG, ein episches Meisterwerk wie ich meine. Ich denke das kann mir auch helfen neue Kraft zu schoepfen ;) Und vor allem wird es mich gut 140 Stunden beschaeftigen *lach

  • Guten Morgen Michael,

    bist ja schon früh dabei, SUPER, kann nie schaden.

    Und, was hast du dir heute vorgenommen, wie hast du deinen Tag geplant ? Trocken und nüchtern, für die nächsten 24 Std., das sollte immer deine "Morgenandacht" sein. Immer überschaubare Zeitspannen, Tag für Tag.
    Ich habe mir immer feste Sachen vorgenommen, die ich dann erledigt habe, auch viel Privates, an denen ich auch Spaß hatte, habe keine Zeit aufkommen lassen für Momente, die mich evtl. aus Langeweile oder alter Muster an den Alk denken liessen.

    Ich wünsche dir einen schönen Tag.

    Freund.

  • Hi Freund,

    klar ein bisschen `Nachwehen' habe ich natuerlich noch. Ist Tag #11. War heute schon einkaufen. Hab mir auch Vitaminpraeparate geholt (B-Komplex fuer die Leber und nen A-Z). Ich denke damit geht's mir auch schneller besser, hab waehrend der Entgiftung auch Vitamine bekommen.

    Hm... ich werde spaeter noch mein Paket absenden und wohl oefter mal mit Hundi raus. Ist halt noch nich grad so einladend das Wetter draussen *g Aber ich denke heute und morgen werde ich mich noch ausruhen und Kraft sammeln und ab Mi. geh ich dann wieder in Action, d.h. Studium+Arbeit. Da ist der Grossteil des Tages ohnehin schon ausgefuellt ;)

    Heute werde ich wohl hauptsaechlich vorm Rechner rumpflanzen und TNG schauen. Das lenkt auch gut ab...
    Ich werde auch hier im Forum lesen und schreiben. Freu mich von Euch zu hoeren.

    Michael

  • Hallo Michael,

    du schriebst in Lillys threat:
    Mit anderen Worten konnte er sein nahes Umfeld und seine Frau nuechtern nicht mehr ertragen (nach der Entgiftung) und er hatte nur Streit und Aerger, so dass er nach einer Woche wieder rueckfaellig geworden ist. Das Ende vom Lied war dann dass er wieder beim Entgiften war und der ganze Mist hat von vorne begonnen.

    Hier könnte man ja, ohne tiefgründiger zu gehen, meinen, dass der Anlass zum Rückfall die Frau, ferner der Ärger und Streit, war.
    JEIN !

    Lieber Michael,

    hier heißt es z.B. die alten, in deinem Suchtzentrum eingehämmerten Verhaltensmuster, bei Streit, Ärger, Streß, auch Freude etc. zum Alk und zur Flasche zu ergreifen, auszulöschen. Anders zu umgehen.
    Es wird auch bei dir nicht alles rosig ablaufen, das wär zu schön. Das Leben ist nun eimal ein Auf und Ab. Du musst lernen, mit sämtlichen Situationen rationell denkend umzugehen und sie ohne Flucht und im Nebel lösen zu können.
    Das ist z.B. aktive Arbeit an deiner Nüchternheit.
    Die von dir erwähnte Person hatte insofern keine Arbeit an sich geleistet, war sicherlich auch total überfordert, aber wäre die Frau nett und freundlich gewesen, hätte es vlt. nach 14 Tagen einen anderen Anlass gegeben.
    Du verstehst ?!

    Gruß, Freund.

  • Noch einmal zur Verdeutlichung:

    Also, Streit und Ärger mit Partner, Chef, Freunden etc.
    wird es immer geben.
    Freude, Euphorie, Stolz, und andere positiven Gefühle
    wird es immer geben.

    Nur veranlasst das bei einem trocken denkenden und lebenden Menschen nicht das Suchtmuster : FLASCHE HER !

  • Nunja, so wie er mir vorgekommen ist... ich denke wenn er genug Abstand gehabt haette, waere es OK gewesen. Ich meine die 4 Monate auf der Kur hatte er ja auch kein Problem... aber nun gut. Es geht ja im Endeffekt darum, solche Probleme generell zu vermeiden. Das geht natuerlich nicht immer aber man kann es sich auch unnoetig schwer machen. Uebrigens habe ich letztlich nur das wiedergegeben, was er mir erzaehlt hat. Ein Urteil wollte ich mir damit nicht leisten, es war seine eigene Einschaetzung.

    Das ganze ist ja auch der Grund warum ich jetzt die Sache langsam angehe und mit Bedacht. Ich habe auch Bedenken, dass es mich sonst leicht ueberfordern koennte. Aber mit genug Staerke und Uebung sollte das alles in den Griff zu bekommen sein. Im Moment denke ich noch tageweise. Mir geht es schon deutlich besser als noch vor zwei Tagen, also ich meine nicht nur koerperlich.

  • Hallo an alle,

    Erstmal danke an Sensei.

    Ich hab grad quasi eine Stressituation gemeistert. Mir ist die Festplatte in meinem Gateway gestorben, was aergerlich ist, weil ich dadurch a) offline bin und b) Kosten habe. Bin in die Stadt gefahren und habe mir eine neue Platte geholt. Ich habe gemerkt, dass ich weniger leicht `nervbar' war als sonst. Wer weiss, vllt. wirkt sich meine Nuechternheit fuer mich hier positiv aus. Jemand aehnliche Erfahrungen?

    Online bin ich jetzt jedenfalls wieder, nachdem ich alles neu aufgesetzt habe ;)

    bis bald,
    Michael

  • Hi Leute,

    irgendwie hat sich meine Uhr auf 0530 eingestellt... schlimm. Anderseits hat es natuerlich vorteile, wenn man so frueh schon wach ist. Heute ist Tag #12

    Ich schaetze ich werde heute mal meinen grossen Schrank ausmisten... ich mach die Tuer auf und alles faellt mir entgegen, Katastrophe. Anderseits graust mir auch davor ;) Naja... bissel Arbeit zur Ablenkung.

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