Betrug im Zusammenhang mit der Alkoholkrankheit

  • Hallo,

    ich bin ganz neu und weiß nochnichteinmal ob ich hier mit meinem Thema richtig bin:
    Mein Freund missbraucht Alkohol, seit eh und je. Vor 10 Tagen kam heraus wie schlimm eigentlich alles ist. Mir wurde bewusst, dass er Alkoholkrank ist. Ihm auch. Seit 7 Tagen trinkt er nicht mehr. Er möchte sich eine Auszeit nehmen und in eine Klinik gehen, um das Problem und die Probleme die sich daraus ergeben haben zu lösen und die Ursache zu erkennen.
    Das hört sich alles gut an! Ich hab auch schon fast ein komisches Gefühl, wenn ich die Beiträge andere lese, die nichtmal Ansatzweise von dem erfahren dürfen, wie es mir geschieht.
    Auf diesem Weg würde ich ihn gerne unterstützen...und noch ist meine Liebe nicht von 100% auf 0% gesunken.
    Der Knackpunkt ist nur, dass alles auf den Tisch kam, weil ich herausgefunden habe, dass er mich mit seiner Ex betrogen hat. Mehrmals.
    Ich nehme an, dass er seine Schuldgefühle mit Erkenntnis/Einsicht kompensiert. Und ich merke das er mit der Alkoholkrankeit dieses Verhalten rechtfertigen will. Und die vielen Lügen als Folgen seines Mißbrauchs sieht. Sein Leben besteht eigentlich nur aus Selbstlüge in jeder Hinsicht- und jetzt ist es daran zerbrochen.
    Es ist schon schwer, im 'gesunden Maß' einen Menschen mit Alkoholkrankeit zu unterstützen- ist das überhaupt möglich, wenn man zusätzlich solchen Vertrauensbruch erlitten hat? Oder muß ich mich in Geduld üben, und kann diese Frage erst nach dem Klinikaufenthalt klären?
    Vielleicht bin ich hier ja doch richtig...

  • Hallo Spezzana,

    zunächst mal herzlich Willkommen hier im Forum !!

    Um aus meiner Sicht zu sprechen, sind für mich Alkoholkrankheit und Betrug innerhalb einer Beziehung zwei paar Schuhe. Mir scheint es eher, dass er die "Fehltritte" mit dem Alkohol entschuldigen, gar vertuschen will. Ist lediglich meine Meinung auf den ersten "Blick", aber da ich Deinen Freund nicht kenne, vermag ich kein konkretes Urteil über ihn abgeben.

    Ich kann Dir nur sagen, was ICH tun würde. Ich würde ihm sagen, dass ich ihn unterstützen werde, wenn er die Krankheit wirklich bekämpfen bzw. ausrotten will. Allerdings würde ich ihm klipp und klar sagen, dass ich erstmal eine räumliche Trennung vorziehe, da doch ein erheblicher Vertrauensbruch im Raume steht. (Wobei angemerkt, derjenige, der mich auch nur einmal betrügt, sollte schnellstens das Weite suchen...der macht das nie wieder, denn dann wäre für mich Schluß).
    Den Alkohol für seine Fehltritte vorzuschieben ist einfach. Wäre hier im Zusammenhang mit dem eventuellen Entzug eine Paartherapie ratsam und hilfreich ? Kenne mich auf dem Gebiet nun nicht aus. Aber ich denke, Ihr solltet Euch wirklich einerseits für die Alkoholkrankheit an einen Spezialisten (Klinik, etc.) wenden und in Sachen des Vertrauensbruches auch (Kombination der beiden Probleme möglich?)

    Ich persönlich würde den Typen in den Wind schießen, allerdings bin ich in der Hinsicht mittlerweile sehr hart.

    Gruß,
    Kerstin

  • hallo spezzana,

    zuerst einmal herzlich willkommen hier im forum.

    tja, du möchtest einen rat von uns. das ist schwer. für die bekämpfung der alkoholkrankheit ist der weg klar: arzt, entgiftung, therapie und/oder selbsthilfegruppe, veränderung des umfeldes.... all das kannst du hier in diversen beiträgen nachlesen.

    deinem beitrag entnehme ich aber, dass dich eher die frage des betrugs umtreibt. und da kann dir wahrscheinlich hier keiner helfen, das musst du für dich entscheiden. ich schließe mich kerstins meinung an, bei mir wäre bei betrug schluss, und ich finde auch nicht, dass man betrug durch trinken entschuldigen kann. ein alkoholiker lügt und betrügt, um an seinen stoff zu kommen und trinken zu können, das gehört zum krankheitsbild. aber lügen und betrügen, um an s** zu kommen, DAS gehört nicht dazu.

    DU musst dich fragen, ob DU mit einem mann, der dich fortgestzt betrogen hast, leben kannst und willst. nur wenn du das für dich bejahst, solltest du dir auch gedanken machen, ob und wie du ihm helfen kannst. wie gesagt: ICH würd ihn auch in den wind schießen - wegen des betrügens, nicht wegen des trinkens.

    gruß

    lavendel

  • Vielen Dank Kerstin und Lavendel für eure klaren und ehrlichen Antworten...

    Ich habe mich zwar noch nicht entschieden ob es für die Beziehung noch eine Zukunft geben wird, aber dafür, dass ich ihm bei seinem Entschluß die Krankeit zu bekämpfen weiterhin unterstützen werde. Denn das was er bereits dafür tut sollte auch gesehen werden.
    Ich denke für mich wird die Zeit, wo er in der Klinik ist, Klarheit bringen oder die Zeit dananch. Trennen kann man sich immer noch- und schwer ist es auch immer.
    Aber das wichtigste ist erstmal, dass er gesund wird und sein Leben auf die Reihe bekommt- bevor es um jemanden anderen gehen kann.
    Ich habe auch verstanden, dass es zwei paar Schuhe sind die kaputt sind, die man nicht aufeinmal reparieren kann.

    Mir hat das Forum sehr gut getan auch mal Gehör geschenkt zu bekommen- danke- und ich wünsch euch von ganzem Herzen das Beste!

  • Hallo spezzana

    Herzlich Willkommen hier in unserem Forum.

    Doch, ich denke schon, das Du hier ganz richtig bist.

    Erstmal finde ich es sehr gut, das Dein Freund von sich aus seine Krankheit in Angriff nehmen will. Und eine stationäre Entgiftung ist sicher der richtige Weg.
    Aber es ist auch so, das er nun für immer Alkoholiker ist, er kann nur ein trockener werden, die Krankheit wird er aber nun immer in sich tragen und er wird vieles in seinem Leben verändern müssen. Leider zerbrechen auch oft Beziehungen daran, auch wenn der Partner trocken wird. Das wollte ich nur mal so vorabsagen.
    Es gibt aber auch gute Chancen, eine Partnerschaft aufrecht zu erhalten.

    Tja, das mit dem Betrügen ist so eine Sache. Wenn es nun ein einmaler Ausrutscher gewesen wäre, kann man es vielleicht noch entschuldigen, ist halt mal im Suff passiert. Aber Du schreibst ja, das es mehrmals war, das würde mir dann doch zu denken geben. Offenbar scheint ihm ja was in Eurer Beziehung zu fehlen, kann das sein?
    Vielleicht seid ihr einfach nicht die "Richtigen" füreinander ? Dann würde ich besser ein Ende mit Schrecken vorziehen.

    Ansonsten hilft wohl nur viel reden, das wird er sowieso müssen, wenn es ihm wichtig ist, trocken zu bleiben und die Beziehung aufrecht erhalten zu wollen. Er wird ja auch vieles ändern müssen, sein Umfeld, neue Betätigungen finden, womit er die Zeit füllt, in denen er früher gesoffen hat etc.

    Ich finde es natürlich super, wenn Du ihn trotz allem unterstützen willst, Rückkhalt in der Familie und beim Partner finde ich sehr wichtig, das macht einiges leichter.

    Aber Du darfst dabei auch nicht auf der Strecke bleiben. Denn für Dich musst Du an erster Stelle stehen, Dein persönliches Glück sollte an erster Stelle stehen. Ob das mit diesem Mann noch möglich ist, weiß ich nicht. Ich denke, das kann nur die Zeit zeigen.

    Tausch Dich hier gern mit anderen CO`s aus, das wird vielleicht Deine Entscheidung leichter machen.

    Lieben Gruß an Dich
    Lilly

  • Das mit dem Betrügen kenne ich leider auch. Ich frage mich ebenso , ob es dazu gehört zum Alkohol oder nicht. wäre vielleicht mal interessant einen eigenen Thread dazu zu eröffnen, da ich das schon heir und da gelesen habe, dass man sagt: Nja, das war im Suff, er hat sich bestätigung gesucht, er wußte nicht was er tat. Ich weiß es selber nicht.

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