Meine Neuvorstellung, - und Lob an den Administrator

  • Hallo zusammen,

    vorab möchte ich hiermit schon mal ein Riesenlob und Gruß an den Administrator und den Moderatoren dieses Forums hier aussprechen, die diese Internetseite offenbar mit viel Mühe und Motivation regelmäßig pflegen und aktualisieren !!

    Hut ab, ich bin begeistert und gleichzeitig froh darüber, auch auf diesem Wege mit ebenfalls Betroffenen Kontaktmöglichkeiten wahrnehmen zu können.

    Nun weiter zu mir persönlich:

    mein Name ist Heiko, ich bin 48 J. alt und lebe mit Partnerin und gemeinsamer Tochter 7 J. jung im Kreis Soest, NRW. Auch habe ich noch einen Sohn 17 J. aus zweiter Ehe, der bei seiner Mutter lebt, zu dem ich aber regelmäßig und uneingeschränkt Kontakt habe und auch halte.

    Mein Einstieg in die Alkoholsucht begann bereits im Jahre 1985.
    Meine Einsicht Alkoholiker zu sein bekam ich dann nach einem Krampfanfall im November 1987.
    Nach einer Langzeittherapie im Jahr 1988 (Dauer: 6 Monate) blieb ich 8 Jahre trocken, besuchte in dieser Zeit wöchentlich 1x eine Selbsthilfegruppe.
    Im Sommer 1996 hatte ich dann, nach mehreren kurz aufeinander folgenden Schicksalsschlägen in meiner Familie etliche Alkoholrückfälle, mit jeweils immer nur sehr kurzen Abstinenzphasen dazwischen. Ich habe irgendwann nach der siebten/achten Entgiftung auch aufgehört zu zählen. Ich betrachte heute diese fast 3 Jahre bis 1999 als eine einzige Rückfallserie, bei der es mir nicht gelang wieder die Abstinenzstabilität der vorangegangenen 8 Jahre zurück zu gewinnen. Vom Zeittakt her gesehen war ich ungefähr 1 Woche am saufen, dann ca. 14 Tage in Entgiftung, danach ca. wieder 14 Tage trocken und dann ging die Sauferei wieder los usw.
    In diesem Zeitraum verlor ich auch noch meinen Führerschein, bedingt u.a. dadurch erhielt ich damals auch die Kündigung und war auch noch meinen Job los.
    Nach einer erneuten Therapie (diesmal 3 Monate) erhielt ich 1999 von meiner zuständigen Rentenversicherung die Chance und Gelegenheit eine Umschulung zum IK zu machen, was mir bis 2002 auch erfolgreich und vor allem trocken gelungen ist. Auch hatte ich das Glück unmittelbar nach der Umschulung wieder einen Job zu haben.
    Seit Beginn der Umschulung war ich dann bis 2005 wieder trocken.
    2005 ging dann die Firma insolvent, nur wenige Tage nach Schließung des Betriebes stellte sich nach vorheriger Untersuchung heraus, dass meine Lebensgefährtin eine sehr schwere Lungenerkrankung hat (COPD-3 Stufe). Nach Aussagen der Fachärzte hat sie keine sehr hohe Lebenserwartung mehr, war auch schon über längere Zeiträume mehrfach stationär in einer Lungenfachklinik. Beim letzten Mal im September 2006 hatte man sie schon fast aufgegeben. Bei Interesse schreibe ich hier drüber ein anderes Mal etwas ausführlicher.
    Jedenfalls machen mich diese ganzen Ungewissheiten und damit verknüpften Zukunftsängste fast irre. Ich hatte im letzten Jahr wieder 3 Rückfälle, bin nun aber nach letzter Entgiftung im Oktober 2006 bis heute trocken. Zurzeit mache ich noch bis Mai 2007 eine ambulante Therapie in einer hier ortsansässigen Tagesklinik. Meine Ängste und Grübeleien haben seit Beginn dieser Therapie erstaunlich nachgelassen. Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass ambulante Maßnahmen für mich mehr bringen und effektiver sind, da ich unmittelbar nach jeder Gruppen- und Einzeltherapie wieder mit dem Alltag und den ganzen derzeitigen Problemen konfrontiert bin.
    Ich empfinde ein ganz anderes Übungsfeld als bei stationärer Therapie, wo ich nach mehreren Monaten nach Hause komme und alles auf mich einstürzt.
    Ich hoffe nun dass es so wie es im Augenblick läuft, auch so lange wie möglich weiter verläuft. Es ist verdammt schwer, aber ich tue alles dafür.
    Auch mit meiner Tochter und meiner Lebensgefährtin genieße ich jede mögliche freie Minute gemeinsam und intensiver als zuvor im letzten Jahr, wo ich rückfällig war.
    Auch hierbei kristallisiert sich für mich mehr und mehr heraus, wie beide im letzten Jahr während meiner Sauftouren gelitten haben.
    Wenn ich will oder nicht mehr anders kann, hole ich mir immer Hilfe die ich dann auch bekomme.
    Aber oft bleiben alle anderen Angehörigen mit dieser ganzen Stressmühle alleine. Es wird wohl auch noch lange dauern bis, "wenn überhaupt" der ganze Mist den ich zugelassen habe, einigermaßen wieder aufgearbeitet und entspannt ist.

    Gegenüber noch vor Jahren, denke ich aber bei vielen Angelegenheiten und für andere Ziele, einschließlich meiner Abstinenz, auch nicht mehr so langfristig. Ich nehme mir zunächst nur sehr kleine Schritte vor. So habe ich für mich beschlossen auf jeden Fall zunächst in diesem Jahr „egal was kommt und passiert“ trocken zu bleiben und meinen Führerschein neu zu machen bzw. wieder zu bekommen. Und dann mal weiterschauen .....

    Ich freue mich schon auf Anregungen und auch regen und netten Austausch hier in diesem Forum !

    Bis dann mal . . . .ciao, Euer Heiko

  • Hallo Restart und herzlich willkommen

    Die Frage stellt sich, wer nun mehr lernt, du von uns oder wir von dir. Acht Jahre trocken ist eine lange Zeit und ein Rückfall trifft dich dann umso härter. Anstatt darauf stolz zu sein, es so lange geschafft zu haben und daraus neue Kraft zu schöpfen, kommt es einem dann so vor, als ob man es nicht schaffen könnte und es stellen sich auch Minderwertigkeitsgefühle ein. Je länger man trocken war, desto schlimmer kommt einem ein Rückfall vor.

    Neue Erkenntnisse und Ratschläge kann ich dir sicher keine geben, denn nach so langer Zeit ist dir bereits alles bekannt. Die Taktik, immer nur in kurzen Zeiträumen zu denken ist sicher richtig und es bleibt überschaubar. In diesem Jahr den Führerschein zurückbekommen reicht deshalb fürs erste.

    Viele Grüße
    Henri

  • hallo heiko

    herzlich willkommen bei uns.

    was du durchmachst ist sicher eine schwere prüfung, die durchzusstehen jedem eine menge abverlangen würde. in solch schwierigen situationen bist du, wenn ich dich richtig verstehe, immer rückfällig geworden. da heißt es jetzt speziell daran zu arbeiten schicksalsschläge anders als bisher zu verarbeiten.
    ich habe auch eine ambulante therapie gemacht und empfand es auch sehr positiv die alltäglichen probleme anders regeln zu lernen und sofort und aktuell mit den therapeuten sprechen zu können, sozusagen ein jahr lang begleitet leben lernen.

    wenn du probleme hast einfach raus damit, hier sind so viele verschiedene menschen irgendwer hat hier immer ne idee wie man was angehen kann.

    wünsch dir viel kraft auch deiner familie.

    gruß doro

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

  • Hallo Doro, Karsten und Henri !

    vielen Dank für eure Antworten.
    Leider kann ich mich aus zeitlichen Gründen nur max. 2-3 mal wöchentlich für einige Stunden hier in diesem Forum aufhalten, daher kann es ggf. mit Reaktionen und Antworten von mir schon Mal ein paar Tage dauern.
    Auf die Frage von dir Karsten:
    Meine ambulante Therapie umfasst wöchentlich 2 Termine mit einer Dauer von jeweils ca. 2 Stunden. Davon an einem Abend Gruppentherapie und an einem anderen Tag ein Einzelgespräch. Gesamtzeitraum etwa ein halbes Jahr mit Verlängerungsmöglichkeit.

    Ja, Doro du hast vollkommen Recht. In den letzten Jahren bin ich eigentlich immer in Zeiträumen rückfällig gewesen, wenn dem Schicksalsschläge oder auch unerwartete persönliche Probleme vorausgingen.
    Vorallem habe ich im Moment noch sehr sehr viele Ängste, was die Zukunft meiner Familie betrifft, bezüglich des Gesundheitszustandes meiner Lebensgefährtin, welcher zusehends und täglich immer schlechter wird
    Dennoch versuche ich stark zu bleiben - gerade jetzt - weil ich genau weiß, dass ich sonst unser Töchterchen auch noch verlieren werde.
    Wenn das eintreten würde - so bin ich mir sicher - komme ich nie wieder auf die Beine.

    Lieber Gruß von Heiko - bis die Tage !

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