schokiert

  • Hallo ivana ...
    und herzlich willkommen im Forum.

    Du sagst, dass dein Mann eine Entgiftung hinter sich hat und seinen neuen Weg gehen möchte. Gleichzeitig äußerst du, dass du nicht weißt, ob deine Kraft für einen Rückfall reicht.

    Wie du bestimmt schon gelesen hast ist eine Entgiftung ein ganz wichtiger Meilenstein. Zudem nimmt dein Mann jetzt das Hilfsangebot der Caritas wahr.

    Ergänzend besteht eben die Möglichkeit, sich hier mit Gleichgesinnten, auch erfahrenen "älteren Hasen" auszutauschen und ein trockenes Leben zu reflektieren und zu erlernen. Schwer ist es eigentlich nicht, man kann es sich höchstens schwer machen. Die drei Schlüsselbegriffe lauten eigentlich:
    ZUHÖREN (FRAGEN) - ANNEHMEN - UMSETZEN

    Deinem Mann stehen hier alle Türen offen.

    Gruß, Freund.

  • Hallo Ivana,

    schön, dass du dich entschlossen hast, hier zu schreiben.

    Dass du traurig bist und dich fragst, wie lange du noch Kraft hast, kann ich gut verstehen. Aber auch damit wirst du nicht verhindern, dass dein Mann wieder trinkt, wenn er es will. Entgiftung und Caritas können nur ein Teil dessen sein, was sein Leben, und damit zum Teil auch deines, verändern kann. Er muss seinen Betrag selbst leisten, trocken und zufrieden leben zu können. Und dann, da hast du recht, ist es wieder eine neue Herausforderung, miteinander klarzukommen. Die Gefahr des Rückfalls wirst du jedoch auch mit noch so viel Traurigkeit ausschalten können. Um sie zu verringern, muss der Betroffene ganz viel an sich selbst arbeiten, seinen eigenen Weg suchen, finden und gehen.

    Ich glaube auch nicht, dass es für Angehörige ausreicht, dass der Betroffene nicht mehr trinkt, damit das Leben wieder in Ordnung kommt. Jedenfalls habe ich das für mich bemerkt. Ich habe meine eigenen Defizite und Päckchen aus der Vergangenheit, die mit der „Sucht nach dem gebraucht werden“ überdeckt wurden. An die muss ich jetzt dran, sonst bin ich irgendwann wieder in der selben Situation, alles regeln zu wollen. Seitdem ich mich daran gemacht habe, kann ich auch mit der Angst vor einem, vor „seinem“ Rückfall, besser leben. Denn ich weiß, dass ich den, sollte er kommen, sowieso nicht verhindern kann. Wenn ich aber für mich selbst und eigenständig leben kann, für mich sorge und mit dem Alleinsein klarkomme, schreckt mich die Tatsache, dass es wieder passieren könnte, dass „er“ trinkt, nicht mehr so sehr. Was aber nicht heißt, dass ich nicht auch meine eigenen Rückfälle in die Co-Abhängigkeit durchleben muss.

    Ich weiß nicht, inwieweit du dich mit deiner eigenen Abhängigkeit auseinander gesetzt hast. Lies hier ein wenig, horch in dich hineine, versuche vielleicht, dir selbst einen Profi (Therapie?) zu suchen, mit denen du über deine Ängste und Gefühle sprechen kannst. Ich habe irgendwann festgestellt, dass es auch eine Chance war, einen alkoholkranken Mann kennen zu lernen und mit ihm zu leben. Ohne ihn hätte ich mich nie an bestimmte Dinge und Verhaltensweisen, die mich auch im „normalen“ Leben oftmals behindern, gemacht um sie zu verändern.

    Vielleicht richtest du dein Augenmerk einfach mehr auf dich selbst. Dass du dich hier angemeldet hast und schreibst, ist sicher ein vernünftiger Anfang. Versuche herauszufinden, was dir selbst gut tut und wie du zufriedener werden kannst. Versuche, die Energie, die du dafür einsetzt, dass das Leben deines Mannes rund läuft, für dein eigenes Wohlbefinden ein zu setzten. Ich glaube, wir Co-Abhängigen wissen meist gar nicht mehr so recht, was wir selbst wollen und was wichtig für uns ist. Es ist dann einfach ein Lernprozess, der auch seine Zeit dauert. Aber es findet sich dann auch ein Weg aus der Traurigkeit und der Angst, da bin ich sicher.

    Sorry, so lange sollte meine Äußerung gar nicht werden. Aber es hat mich ziemlich angepackt, was du geschrieben hast.

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo Irvana

    Herzlich Willkommen hier im Forum.

    Ja, Du hast Recht, eine Entgiftung ist erst der Anfang auf einem langen Weg. Vieles wird sich bei Euch ändern, aber doch wohl in Richtung des Besseren.
    Dein Mann wird wieder Verantwortung übernehmen, wenn Du ihn auch lässt. Dann mußt Du aber auch bereit sein, Verantwortung abzugeben. Das scheint mir bei Partnern von Alkies schwer zu sein, denn sie haben viel Vertrauen in den Partner verloren, das mus er sich erstmal zurückholen.

    Wenn Du auch bereit bist zu Veränderungen, dann steht doch einer weiteren Beziehung nix im Wege und die Veränderungen müssen doch nicht negativ sein, für den Alkie selber wird die Veränderung, wenn alles gut läuft, auf jeden Fall positiv. Eins gehört sicher an erste Stelle der Veränderungen, und das ist: Viel miteinander reden. Das erscheint mir das wichtigste überhaupt, ist auch meine Erkenntnis aus vielen Beiträgen hier von Betroffenen und Angehörigen.

    Ja, es ist richtig, die Rückfallquote bei unserer Krankheit sehr hoch. Aber man kann das Risiko minimieren. Dazu gehören regelmäßige Besuche von SHG. Vielleicht mag sich Dein Mann auch hier bei uns anmelden, wir haben immerhin 24 Stunden durchgehend geöffnet, und es ist IMMER jemand schnell zur Stelle mit Unterstützung und Rat in schwierigen Situationen, man muss nicht bis zum nächsten Treffen warten.

    Man darf auch nicht immer nur an einen Rückfall denken, das macht einen ja irre, Betroffene ebenso wie den Alkoholiker selbst. Dazu gehört auch, ihm wieder Vertrauen zu schenken, ich weiß, das das sehr schwer ist, aber wichtig. Nicht immer nur argwöhnisch beäugen, trinkt er wieder ? Das ist für den Betroffenen auch demütigend.
    Du fragst, ob Du die Kraft für einen Rückfall hast, hat er die Kraft für einen Rückfall ? Für ihn wäre das ebenso schlimm.
    Außerdem ist ein Rückfall nicht der Untergang der Welt, er zeigt aber immer, das irgendwas schief lief. Dann sollte man daraus lernen, ihn einfach so hinzunehmen, halte ich für falsch.

    Und ja, es ist eine neue Herausforderung, aber ich sehe es nur als positive Herausforderung. Mit einer Entgiftung und SHG-Besuchen ist es nicht getan, es gehört auch viel Arbeit an sich selbst dazu. Dabei kannst Du ihn unterstützen, aber er wird auch das meiste allein machen müssen. Und Dein Partner wird sich wahrscheinlich auch verändern, wird wieder selbstbewußt und Fügsamkeit gehört nicht mehr zu unserem Leben. Aber ist das so schlecht ?
    Es kann doch auch sein, das Du das alles als positiv empfindest ? Wenn auch erstmal ungewohnt.

    Ich wünsche Euch beiden alles Gute auf Euren gemeinsamen Weg und versuche doch einfach mal, in bisschen optimistisch in die Zukunft zu sehen.
    Es fängt ja auch ein neues Leben für Euch an, das siehst du ganz richtig.

    LG
    Lilly

  • hallo ivana

    auch von mir ein herzliches willkommen. ja ich weiß was du meinst. ich bin zwar alki aber auch irgendwie co, denn mein verflossener säuft immer noch.

    hilfe bekommst du hier auf jeden fall und wenn dir das ausreicht brauchst du keine weitere shg.

    ihr steht grade am anfang, mach dir keine gedanken über einen rückfall, wenn dein mann ernsthaft seine sucht und die therapieangebote in angriff nimmt stehen seine chancen auf ein trockenes leben recht gut. lies dich hier etwas ein und ermutige deinen mann auch hier zu schreiben, mit hilfe der menschen hier geht es auf jeden fall einfacher.

    gruß doro

    Alkohol ist ein prima lösungsmittel es löst familien arbeitsverhältnisse freundeskreise und hirnzellen auf.
    trocken seit 18.10.2001

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