• hallo sabrina,

    willkommen hier im forum, schön dass du hergefunden hast.

    ich bin ja nun schon etwas älter als du :wink:, aber ich bin auch in einer alkoholikerfamilie aufgewachsen, und ich kann mich noch gut an dieses gefühl der hilflosigkeit erinnern, wenn die mutter trinkt, man flaschen sucht, ausschüttet, immer neue dazu kommen, man nie weiss, wie sie drauf ist, heute hü und morgen hott ist - furchtbar. von daher wird es dir sicher gut tun, dich hier einfach mal auszuheulen - hier gibt es viele wie dich (und mich).

    dein vater hat schon recht: sie muss wollen, sonst wird nichts passieren. alles reden hat keinen sinn, alkohol suchen, fragen stellen danach auch nicht, das kostet euch nur nerven. vergiss es einfach.

    was ihr tun sollte ist in erster linie an euch denken. das ist schwer, wenn man kind ist und noch zuhause wohnt, das weiss ich. vielleicht setzt du dich nochmal in einer ruhigen minute mit deinem vater zusammen und sagst ihm, WIE schlimm das für euch ist? vielleicht ist ihm das garnicht so klar? vielleicht könntest du auch mal mit ihm (oder auch alleine, bist ja schon groß :wink:) zu einer suchtberatung in eurer stadt gehen. das kostet nichts und ist anonym. caritas und diakonie haben sowas, die stadt meistens auch, musst du mal im telefonbuch gucken. da könnte man dir erzählen, was es für möglichkeiten gibt - auch für dich und deinen bruder. es gibt zum beispiel selbsthilfegruppen für kinder von alkoholikern - der austausch allein tut oft schon gut.

    ja, und dann könntet ihr eurer mutter deutlich zeigen, dass ihr sie SO nicht mögt. ich hab mich immer in meinem zimmer eingesperrt, wenn sie getrunken hat. heute leg ich das telefon auf, wenn sie mich betrunken anruft. der alkoholiker muss MERKEN, dass sein handeln negative konsequenzen hat - liebesenzug zum beispiel. manchmal ist sowas ein baustein zum aufhören wollen.

    ansonsten kann ich dir nur viel kraft wünschen - und schreib hier ruhig ganz viel, wenn dir danach ist.

    lieben gruß

    lavendel

  • hallo sabrina

    oh ja das mit den freunden kenn ich nur allzu gut. hab mich nicht auf meinen geburtstag gefreut, wie wird sie drauf sein, kommt sie vielleicht auf die idee, einfach mittendrin hereinzuplatzen, ist sie fähig den versprochenen nudelsalat zu machen bzw. ist er dann auch essbar? weihnachten das fest der liebe, für sie ein tag an dem man sich besonders volllaufen lässt. hab letztes weihnachten seit langem ne nüchterne mutter gehabt, mann war das schön. auch wenn ich jetzt schon sieben jahre meine eigene wohnung hab, geh ich lieber zu freunden, als das ich sie zu mir einlade, is irgendwie noch fest in mir verankert dieses verhalten.

    außerdem möchte ich dir sagen, dass das ganze flaschen suchen und wegschütten absolut gar nix bringt. wenn sie trinken will, trinkt sie und wenn sie dafür nachts x-km in die nexte tanke laufen muss. meine mutter hatte auch sicherheitshalber immer was außerhalb des hauses versteckt, in irgendnem graben oder im wald. hab ihr am schluß wenn ich alk zufällig gefunden habe, das zeug hingebracht und gesagt hier sauf, das war mir lieber als das sie ins auto steigt und losfährt.

    auch wenn deine schwester weggezogen ist, du kannst ja immer noch mit ihr telefonieren. könntest auch versuchen mit deinem bruder ein noch engeres verhältnis aufzubauen, das würde euch beiden bestimmt gut tun.

    dein vater hat schon recht, ihr könnt machen was ihr wollt, sie muss sich dafür entscheiden trocken zu werden.

    gut das du ansprechpartner hast, die da sind wenn du sie brauchst. vielleicht gibt es ja bei euch in der nähe eine selbsthilfegruppe für kinder von alkoholikern oder ihr geht mal zur suchtberatung und redet da mit einem therapeuten. da findet ihr hilfe und die könnt ihr brauchen.

    liebe grüße

  • hey urlaub, das ist doch schön. es hat auch seine vorteile, wenn ein familienmitglied oder freund/freundin weiter weg wohnt, so lernt man wenigstens ein bißchen die welt kennen.

    das mit dem wasser und o-saft kenn ich net, liegt aber wohl eher da dran, dass meine mom so softe sachen im normalfall nicht angefasst hat (wenn dann nur in absoluten notsituationen). hatte aber immer angst, alkohol in meiner wohnung zu haben, wer weiß ob sie nicht doch was trinkt. kam eigentlich auch nur nach meinen geburtstagen vor, etwas bleibt halt doch immer übrig. wieder ein grund warum ich mich nicht auf meinen geburtstag freute. aber das feiern selber war dann doch wieder schön und wenn alle gekommen sind. da ich auch viele freunde habe, die eigentlich nur was durch mich miteinander zutun haben oder inzwischen auch teilweise weiter weg wohnen, ist es natürlich besonders toll, alle auf einmal da zu haben. das schlimme für mich war immer das vor dem feiern und das danach.

    das du nicht ausziehen willst, kann ich schon auch verstehen. auch wenn ich nicht bei meiner mutter wohne, aber jeden tag bei ihr bin, bin ich auch gekommen, wenn ich wußte sie hat getrunken. allein um nach meinen zwei kleinen brüdern zu sehen bzw. meine kleine schwester hat damals auch noch daheim gewohnt. nur mit meiner mutter hab ich da dann nix geredet. das würde ich dir übrigens auch empfehlen. wenn sie reden will, dann sag ihr klipp und klar, ich red erst wieder mit dir, wenn du nüchtern bist. wenn sie das nicht einsieht, geh in dein zimmer oder sonstwohin, sollte sie dir folgen (angewohnheit meiner mutter -wenn sie überhaupt laufen konnte-), hab ich so getan als wär sie gar net da. nach ner zeit hat sie sich dann wieder verzogen. sollte es dir zuviel sein, kannst du ja immer noch freunde besuchen, einkaufen oder einfach nur spazieren gehn. kannst ja deinen bruder und vater fragen, ob sie auch mit wollen.

    liebe grüße

  • Hallo Sabrina,
    "kennt Ihr das auch?" und ob! Ich kenne Deine Situation zu genau, aber als Mutter. Beim Lesen Deines Berichts kommen bei mir Erinnerungen wieder hoch, die heute noch wehtun.
    Meine inzwischen erwachsenen 3 Kinder waren genauso hilflos wie Du.
    Zuerst haben sie mich "bemuttert", gedeckt, bedauert...später beschimpft.... aber mir immer Beachtung geschenkt.
    Die Wende kam, als sie mich fallen ließen!
    Dazu mussten sie nicht ausziehen, sie haben mich einfach ignoriert. Wenn ich getrunken hatte, gingen sie aus dem Haus, ohne ein Wort zu sagen. Manchmal blieb der eine oder andere über Nacht bei Freunden. Sie luden keine Freunde mehr zu uns nach Hause ein, sondern gingen zu denen.
    Meine Tochter feierte ihren 18. Geburtstag im Jugendclub....
    Heute weiß ich, dass das alles Mosaiksteine auf meinem Weg zur Trockenheit waren. Dadurch wurden mir meine Kinder ein 2. Mal geschenkt.
    Liebe Grüße
    Sweety15

    Es ist keine Schande krank zu sein.
    Es ist aber eine Schande, nichts dagegen zu tun!

  • Hallo Sabrina,
    das ist absolut keine dumme Frage. Ich fand das natürlich schrecklich. Manchmal war ich furchtbar ärgerlich,fand alle so gemein, aber meistens habe ich mich meinem Selbstmitleid hingegeben. (Keiner hat mich lieb, alle sind undankbar, wo ich doch alles für sie tue...)
    Erst als ich trocken war (kannst Du in meiner Vorsellung nachlesen) konnte ich meine Kinder zurück gewinnen.
    Gruß Sweety15

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