Wie ein normales Leben leben?

  • hallo christian,

    willkommen hier im forum. jetzt weiss ich auch, warum du hier bist :wink:, deine vorstellung im "wer ist wer" war ja sehr knapp :).

    dass da eine ganze menge wut über die eigene kindheit da ist, wenn man in einem alki-haushalt groß geworden ist, ist ganz "normal", auch dass man sich wünscht, dass die eltern das eigene leiden anerkennen. aber in den meisten fällen klappt das nicht, da wird entweder das trinken relativiert, oder aber der eigene "verdienst" des nicht-trinkenden elternteils sehr hochgehalten, so nach dem motto "das kind hatte doch alles". das ist bitter, aber damit musst du wohl leben, du wirst deiner mutter kaum eine andere sichtweise beibringen können.

    was dich ja jetzt (unter anderem) umtreibt ist der wunsch deiner freundin nach einem kind, dem du nicht gewachsen fühlst. warst du schon mal bei einem psychologen, um mit ihm deine kindheit aufzuarbeiten? sowas kann sehr hilfreich sein, gerade um sein eigenes leben als erwachsener bestehen zu können. denn es ist einfach so, dass das aufwachsen in einer alki-familie einen haufen macken hinterlässt, derer man alleine nur schwer herr werden kann. vielleicht wäre das eine idee?

    gruß

    lavendel

  • hi chris (& auch alessandra)

    um sich wirklich in angehörige von alkoholikern hineinversetzen zu können, muss man es auch selber mitbekommen haben. ich muss zwar dazu sagen, dass ich noch nie solche reaktionen wie ihr bekommen habe, meine freunde kümmern sich da schon um mich, aber ich merke halt doch den unterschied, wenn ich mit ner freundin red, deren eltern selber trinken oder mit einer, die ein "normales" elternhaus erleben durfte. für außenstehende ist es oft mit einem auszug oder auch dem trockenwerden des angehörigen erledigt, aber da gibts trotzdem noch soviel an dem man zu knabbern hat, über das man sprechen sollte, um es verarbeiten zu können. vergessen wird man es wohl nie, aber vielleicht mal damit leben können.

    mit therapeuten ist es so eine sache, dem einen hilfts wie dir alessandra, dem nexten wieder nicht, gell chris. muss zugeben, mir haben die gespräche mit dem therapeuten von der suchtberatung gar nix gegeben, da hilft mir das forum hier und meine freunde viel mehr. am besten ist es wohl alles auszuprobieren und dann den für sich richtigen weg zu wählen, beiweilen ist es aber oft schwer diesen überhaupt zu finden.

    als ich und meine geschwister beim angehörigenseminar bei der therapie meiner mutter warn, ham wir mitgekriegt wie andere frauen über uns geredet ham. im endeffekt waren sie total überrascht, das unsere mutter vier so nette, sympatische und höfliche kinder hat. in einigen steckt halt immer noch das altmodische denken, dass aus kindern von alkoholikern, ich sag etz mal, nix werden kann. dieses denken hatte vielleicht auch deine kommilitonin, chris, und konnte sich wohl nicht vorstellen, dass du aus so einer familie stammst. verstehst wie ich des mein? hast wohl doch nen so guten eindruck auf sie gemacht :wink:

    hast du denn schon deiner freundin erklärt, warum du bezüglich eines kindes so unsicher bist? ich kann verstehn, dass du ein kind erst möchtest, wenn du mit dir selbst im reinen bist, vielleicht verstehts deine freundin ja auch. also ich möchte definitiv noch kein kind, weiß net mal ob ich mal überhaupt eins möchte, aber ich bin auch erst 23 :wink:

    kinder von alkoholikern verhalten sich oft total unterschiedlich, dein bruder lenkt sich mit dem studium ab. aber 70 stunden in der woche sind verdammt viel, da bleibt wenig zeit um über sich selbst nachzudenken. kann sein, dass ihm das hilft, kann aber auch sein, dass er damit vor allem und sich davonrennt und ihn irgendwann alles einholt. aber viel machen kannst du da eigentlich wenig. vielleicht könntest ihn ja mal fragen, ob ihr mal zusammen in ne selbsthilfegruppe geht, wer weiß, vielleicht hilfts euch beiden...

    liebe grüße

    @ alessandra: ist das dein wirklicher name? hab ich noch nie ghört, find ihn aber total schön!

  • hi chris

    Zitat

    es ergibt sich nur das Problem, dass ich es auch nicht sagen kann, wenn ich mal Hilfe brauch. Das fällt mir total schwer


    genau richtig erkannt. alles in sich reinfressen ist nicht das wahre, aber immer rumjammern auch net. man versinkt in selbstmitleid, kommt damit keinen schritt weiter und die anderen nehmen einen nach ner zeit auch nimmer ernst.

    bis vor ca. 2 jahren hab ich auch nie was gesagt, war oft gereizt und genervt. wurde es mir zuviel hab ich jeden wegen ner kleinigkeit angefahren, oft wegen sachen, wo total unberechtigt warn. hab wegen jeder kleinigkeit geheult, mit mir war keine vernünftige diskussion zu führen. oft hab ich das meine beste freundin spüren lassen :( trotz allem ist sie immer noch meine beste freundin gott sei dank...

    wenn ich vor jemanden steh, fällt es mir schwer mit dem thema anzufangen, das wissen meine freundin und meine ex(schluchz)-arbeitskollegin inzwischen und fragen mich immer wieder mal. dann kann ich im normalfall scho sagen wie's mir geht. besonders gut kann ich mit meiner ex-arbeitskollegin drüber reden, wir haben in der mittagspause immer fast schon psychologische gespräche über das ganze geführt. ihre eltern trinken auch und sie hat ziemliche probleme damit, hat bullemie, kaum vorhandenes selbstbewußtsein, sucht alle fehler an sich, kann sich net selbst beschäftigen oder einfach mal entspannen. da gehts mir richtig gut dagegen...

    ich habe noch wesentlich mehr freundinnen, auch echt gute, aber mit denen hab ich einfach das gefühl nicht drüber reden zu können (frag etz bitte net warum, es ist einfach so). aber mir persönlich hilft es zu wissen, das ich leute hab, die auch für mich da sind, diese wissen auch genauso, dass sie auch zu mir kommen können, wenn was ist. ich kann dir sogar sagen, wann ich das letzte mal geweint habe, das war letztes jahr anfang september auf dem angehörigenseminar meiner mutter. also unter der berücksichtigung dass das früher zeitweise an der tagesordnung war, (oft wenn ich alleine war), bin ich da scho recht stolz auf mich...mein gott bin ich wieder eingebildet :wink:

    sorry das ich bezüglich deiner freundin nachgefragt habe. hab halt scho öfter die erfahrung gemacht, das ich mit freunden über ein beziehungsproblem geredet habe, dabei vorausgesetzt habe, dass darüber mit dem partner schon gesprochen wurde und dann wars ne längere diskussion wo sich im kreis gedreht hat und irgendwann frage ich, was denn der freund oder die freundin ganz genau dazu gesagt hat und dann kam "ja spinnst du, er/sie weiß des doch gar net, will ihn/sie doch net verletzen". seitdem frag ich das immer gleich im vorfeld :wink:
    rat kann und will ich dir dazu jetzt keinen geben, da ich finde das ein kind eine entscheidung ist, die jeder für sich selber treffen muss, das kann kein außenstehender beurteilen, ob er euch etz persönlich kennt oder net. ich kann deine ansicht verstehen, aber auch die deiner freundin.

    viel glück mit deiner arbeit für die uni, hoffe du kommst gut voran (net so wie ich zur zeit mit meiner hausaufgabe :cry: )

    liebe grüße

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