Mutter und Vater trinken, machtlos am Ende ?

  • Hallo ihr Lieben,
    ich bin erst seit kurzem in diesem Forum hier unterwegs und lese hier eigentlich nur, was schon mal hilfreich ist. Jetzt wird es an der Zeit meine Geschichte zu.

    Ich bin auf dieses Forum aufmerksam geworden, weil ich ein erwachsenes Kind (33) von Alkoholiker bin. Bei mir sind es Mutter und Vater. Noch dazu bin ich Einzelkind. Seit ich denken kann, trinken meine Eltern. Es gab hässliche Szenen in meiner Kindheit, die aber nur nach und nach ans Tageslicht kommen. An vieles in meiner Kindheit kann ich mich einfach nicht erinnern. Meine Freundin aus Kindertagen frischt ab und an mal meine Erinnerung auf. Von alleine komme ich auf sowas gar nicht.
    Meine Eltern haben stets ihr Leben nach Außen gemeistert. Nach außen hin, waren wir eine fast perfekte Familie. Tja allerdings sah es innen ganz anders aus. Beide nach der Arbeit getrunken bis der Pegel erreicht war, dann öfters heftige Auseinandersetzungen zwischen beiden Eltern. Oft gingen sie soweit, das sie in körperlichen Attacken endeten. Manches Mal wurde ich von meiner Mutter herbeigeholt, damit ich ich ihr helfe, da mein Vater sie umbringen wolle (O-Ton meine Mutter). Naja so ging es eigentlich bis zum meinem 16 Lebensjahr. Da verließ meine Mutter meinen Vater. Ich blieb bei meinem Vater und drohte ihn ihn auch zu verlassen, falls er nicht aufhört zu trinken. Er hörte auf. Bis meine Mutter wieder zurückkam. Mein Vater trank zwar keinen Schnaps mehr, alllerdings Bier. Die Auseinandersetzungen waren auch "nur" noch verbaler Natur. Es wurde ein kleines bisschen ruhiger, aber nicht besser.
    Irgendwie waren meine Eltern stets bemüht um mich und für mich da, aber auf der anderen Seite waren sie auch in einer anderen Welt für mich. Eine Welt die ich hasste und verabscheute.
    Vor zwei Jahren musste meine Mutter ins Krankenhaus. Sie lag fünf Tage auf der Intensivstation - Bauchspeicheldrüse. Der Arzt meinte nur, einen Tage später ins Krankenhaus und sie wäre tot gewesen. Nach Gesprächen mit dem Arzt (nachdem er von mir erfuhr, dass meine Mutter Alkoholikerin ist) wurde deutlich, dass wenn sie weiter trinke nicht mehr lange zu leben hat.
    Nachdem sie aus dem Khs heraus war, war es herrlich. So wollte ich meine Mutter nüchtern. Mein Vater trank weiter. Tja und nach nich allzu langer Zeit meine Mutter auch wieder. Der Teufelskreis begann wieder. Und ich habe keine Lust mehr.
    Nun geht es seit Wochen meinem Vater zusehends schlechter. ER baut förmlich ab. Gespräche alleine sind fast nicht möglich. Nach einem kurzen Telefongespräch gab er zu sich aufgegeben zu haben und wir sollen ihn doch alle einfach nur in Ruhe lassen.
    Ich sehe zu, wie mein Vater sich langsam umbringt.
    Die Ehe meiner Eltern war schon von jeher Problem geladen und alles andere als glücklich. Meine Mutter kann eine Furie sein und meinem Vater schwer zusetzen. Sie ist kein einfacher Mensch. Hinzu kommt, dass mein Vater im September im Ruhestand geht. Was passiert dann?
    Beide gehen nur arbeiten, nach Hause, trinken. Mehr passiert nicht. Ich wohne ca. 30 km von ihnen entfernt, besuchen kamen sie ich das letzte mal letztes Jahr im August. Da hatte ihr Enkelkind Geburtstag. Sonst fahre ich immer zu ihnen.
    Meine Eltern unterstützen mich teilweise finanziell. Da ich alleinerziehende Mutter bin, bin ich für diese Hilfe sehr dankbar. Allerdings mehr als finanzielle Unterstützung bekomme ich nicht. Emotionale Unterstützung bekomme ich nicht. Denke mal sie sind zu sehr mit sich selber beschäftigt.
    Seit Wochen merke ich wie ich niedergeschlagen bin, öfters an meinem Vater denke, Angst davor habe dass er sterben wird. Ich weiß nicht was ich machen kann. Ich merke, dass nun der Druck wohl der letzten Jahre stärker wird. Körperlich scheint es sich auch bemerkbar zu machen. In letzter Zeit habe ich sehr oft wahnsinnige Kopfschmerzen und bin nur noch müde. Ob es da einen Zusammenhang gibt, werde ich wohl noch herausbekommen.
    Ich glaube ich bin an dem Punkt wo ich mir Hilfe holen muss und auch werde. Habe am Montag einen Termin bei der Suchtberatung vor Ort.
    Natürlich habe ich Angst vor dem was noch an unterdrückten Erinnerungen in mir steckt. Welche Erklärungen es für meinen momentan depressiven Zustand gibt.
    Ich danke euch erst einmal für zuhören, und würde mich freuen, wenn man sich austauscht.

    Ich hoffe es kann mir helfen, mit der Situation zurecht zu kommen.

    Viele liebe
    Simone

  • hi simone

    erstmal schön, dass du dich getraut hast, dich hier zu wort zu melden. hoffe es hat dir gut getan, das alles mal aufzuschreiben.

    ich denke du weißt es schon, aber deine eltern müssen selber trocken werden wollen, du kannst sie net dazu zwingen. versuche mit ihnen zu reden, wenn sie nüchtern sind, aber wahrscheinli hast du das scho öfters versucht und hättest dich genauso gut mit der wand unterhalten können.

    meine mutter hat mir auch mal gsagt, dass sie sterben will und du kannst es dir ja vorstellen, ich war am boden zerstört. sich sowas anhören zu müssen und dann hilflos danebenstehn, da man ja doch nix tun kann. tröstende worte fallen mir etz leider keine ein, aber ich kann auf jeden fall verstehn, wie du dich fühlst.

    würde dir auf jeden fall empfehlen, dass du dir professionelle hilfe suchst. es is echt super, dass du ne freundin hast, mit der du drüber reden kannst, aber irgendwie seh ich das auch so, dass sie deine erinnerungen auffrischt, auch mit dir drüber redet, aber dich letztendlich auffangen und dir helfen diese erinnerungen auch zu verarbeiten kann sie halt wohl doch net. und darin seh ich ein problem. verstehst wie ich mein?

    wegen deiner kopfschmerzen gehst am besten mal zum hausarzt, der kann dich dann körperlich mal durchchecken. ich war vor paar jahren auch immer voll müde und hatte dauernd kopfschmerzen, hatte auch ewig erkältung die ich net richtig losworden bin, als dann meine blutwerte untersucht wurden, is rauskommen, das ich stinknormalen eisenmangel hatte. kann aber verschiedene ursachen ham, auch der streß mit deinen eltern. auch hier kann dein hausarzt dir weiterhelfen, indem er dir weitere anlaufstellen empfiehlt, am besten wäre es, wenn du ihm mal alles erzählst.

    liebe grüße

  • Ich denke mal schon, dass mir das aufschreiben ein wenig geholfen hat. Genauso wie das Lesen ein wenig hilft. Man fühlt sich nicht alleine (obwohl ich es nicht bin).

    Meine Mutter redet auch oft davon, nicht mehr leben zu wollen. Das finde ich immer schrecklich. Ich versuche immer es zu überhören und gar nicht darauf einzugehen.

    Ich bin mal am Montag gespannt, wie der Termin verläuft. Ich werden dann hier berichten.

    lg
    hestia

  • Hallo hestia,

    herzlich Willkommen hier in unserem Forum!

    Schön, dass Du uns gefunden hast und Dich auch traust, hier zu schreiben!

    Das Du Dir einen Termin bei der Suchtberatung geholt hast, ist schon mal ein 1. Schritt in die richtige Richtung!

    Sicher können die Dir helfen!

    Und auch hier wirst Du ganz sicher einen regen Austausch finden, denn Du hast ja schon gelesen, es geht hier vielen, wie Dir!

    Du bist nicht alleine!

    Lieben Gruß
    Speedy

  • hey simone

    ne alleine bist du ganz bestimmt net, wir sind hier und es gibt ja noch soviele, die dasselbe mitmachen und sich entweder anderswo hilfe suchen oder gar keine. hab mehrere freunde, wo entweder ein oder beide elternteile trinken :(

    wie ist dein wochenende bisher verlaufen? hast ein bißchen entspannen können?

    liebe grüße

  • ich glaube wirklich entspannen kann es sich nicht, solange beide nicht einsehen, dass sie was tun müssen. 'Und diese Einsicht ist bei beiden noch nicht vorhanden. An Vatertag wollten beide sich trennen. Nun wird nicht mehr dadrüber geredet, also mal wieder totgeschwiegen, wie eigentlich alles.
    Über die Trennung kann ich mich schon gar nicht mehr "aufregen". Das geht seit Jahren so. Nehme es auch nicht wirklich ernst. Wie leider so vieles nicht mehr. Irgendwann ist genug gesagt und jedes weitere Wort wäre Verschwendung.

    Ich werde auf jeden Fall von meinem Termin am Montag berichten. Bin selber sehr gespannt, ob der Termin mir was bringt. Erst mal sehen ob es Gruppen hier vor Ort gibt, vielleicht wäre das auch was für mich, obwohl ich mich da noch etwas zurückhalte.

    Jenny
    Hier ähneln sich erschreckend viele Geschichten. Das ist traurig, aber in Bezug auf das "nicht-allein-sein" äußerst hilfreich. Die Geschichten ähneln sich alle und meistens gibt es auch ähnliche Lösungsansätze. Der erste Schritt für uns ist sicherlich das offen schreiben über unsere Probleme und endlich einfach nur verstanden zu werden, ohne lange das Problem zu erklären. Und mir hat der Schritt gut getan. Und ich bereue ihn nicht.

    lg
    hestia

  • hey simone

    ich meinte damit eigentlich net ob sich die lage daheim entspannt hat sondern ob du dich entspannen konntest? bißchen was mit freunden unternehmen und so...

    kann verstehn das du deine eltern nimmi ernst nehmen kannst, siehst ja doch immer nur worte und keine taten. wie soll man da noch jemanden ernst nehmen können?

    wünsch dir für morgen viel glück und vergiß net auch über dich zu reden, net nur über dei eltern :)

    liebe grüße

  • Sorry dass es so lange gedauert hat bis ich hier antworten konnte. Konnte eine zeitlang hier nicht antworten, aber der Admin hat mir sehr schnell geholfen und voila hier bin ich wieder.

    Nun zum Gespräch mit der Suchtberatung.
    Irgendwie hätte ich mir das Gespräch sparen können. Er erzählte mir über die Krankheit an sich nichts neues. Wenn man mit der Krankheit groß wird, ist man genauso informiert wie der Suchtberater (nur ohne Ausbildung *g*)
    Es ging viel um meine Eltern. Was die Suchtberatung tun könnte, was ich nicht tun kann etc pp. Alles wie gesagt Infos die ich selber schon wusste. Ich weiß, dass ich absolut machtlos bin und die Verantwortung für meine Eltern nicht übernehmen kann. Ob sie trinken oder nicht liegt in ihrer Verantwortung. Aber emotional fühlt man sich verantwortlich. Aber wem erzähle ich es. Ich denke ihr wisst bestimmt besser wie ein Suchtberater wie man sich als Kind fühlt.

    Ich hatte bei dieser Beratung sehr stark das Gefühl, dass es nicht um mich ging, sondern um den Alkoholliker. Klar braucht er Hilfe, aber wo bleibe ich?? Ich wollte den Termin für mich, nicht für meine Eltern. Wenn meine Eltern einen Termin bei der Suchtberatung gemacht hätten, wäre ich um einige Schritte weiter. Kurz und bündig ich war da wohl falsch.

    Es gibt wohl einige Angehörigen Gruppen, aber keine speziell für erwachsene Kinder. Nun weiß ich nicht ob ich mich einer solchen Gruppe anschließen will.
    Mir persönlich bringt es nichts, wenn ich in einem Kreis sitze wo hauptsächlich Partner oder Freunde des Alkoholkranken sitzen. Es sind in meinen Augen andere Voraussetzungen. Als Partner und Freund habe ich die Wahl ob ich den Weg mit dem Kranken gehe oder nicht. Als Kind hat man diese Wahl niemals gehabt. Hat sie auch nicht wirklich wenn man auszieht und weit weg von den Eltern ist. Eltern bleiben Eltern, und Kind bleibt man sein Lebenlang. Ich hoffe ihr versteht was ich meine.

    Ich bin froh hier das Forum gefunden zu haben. Hilft ein ganzes Stück weiter. Dankeschön dafür

    lg
    hestia

  • hi simone

    schön das dich wieder meldest.

    das es bei der suchtberatung mehr um deine eltern ging als um dich, find i echt schade. kann mir gut vorstellen, das du dich da fehl am platz fühltest. und das mit der shg kann i au gut verstehn.

    das was tochter schreibt wegen dem erinnern, da find i das sie recht hat. einerseits könnt bei dir alles mal plötzlich hochkommen, außerdem denke ich, dass es dich geprägt hat, dass du dich vielleicht manchmal fragst, warum verhalte ich mich da so. so könntest du einige antworten bekommen. aber wie ich glaub scho mal gschrieben hab, würd ich das auf alle fälle mit professioneller hilfe machen, anders net.

    liebe grüße

    p.s. noch entspannt bei badewasser und buch? :wink:

  • Ich spiele schon länger mit dem Gedanken eine Therapie anzufangen, da ich mich tatsächlich an viele Details meiner Kindheit nicht erinnern kann. Klar vergisst man vieles, aber ich kann nicht wissen, ob es wichtige Details sind, die ich verdränge.
    Meine Eltern sind beide auch meilenweit davon entfernt sich für das Leben und gegen den Alkohol zu entscheiden. Ob sie diese Einsicht noch rechtzeitig bekommen, stelle ich in Frage. Ich befürchte dass Ihnen ihr Körper in die Quere kommt und ihnen diese Einsicht abnimmt.
    Momentan heißt es für mich nur warten und versuchen mein Leben einigermaßen aufzubauen und stabilisieren. Ich kann nichts für meine Eltern tun, nur sie selber können das. Aber ich kann was für mich tun.
    Wie ich das anstellen kann im konkreten Sinne weiß ich noch nicht. Es klingt vielleicht nun blöd, aber ich habe keinerlei Ahnung wie ich das mit dem Therapeuten hinbekommen soll. Ich denke mal dafür müsste ich zum Hausarzt. Naja ob er eine Überweisung gibt, keine Ahnung. Mit ihm möchte ich auch gar nicht näher auf mein Prob eingehen. Dann müsste ich erst mal einen Therapeuten finden, der mich und meine Probs ernst nimmt. Naja und noch viele viele Fragen mehr.

    summerdream :
    Ich bin nicht mehr ganz so entspannt, dafür müsste ich jeden Tag in die Wanne und dafür fehlt die Zeit. Aber ein wenig Entspannung finde ich tagtäglich beim Lesen. Meine kleine Oase der Flucht aus dem Alltag

    lg
    hestia

  • hallo simone,

    spät zwar, aber trotzdem begrüße ich dich auch noch ganz herzlich hier im forum.

    zwei dinge möchte ich noch bemerken. zum einen schreibst du:

    Zitat

    Mir persönlich bringt es nichts, wenn ich in einem Kreis sitze wo hauptsächlich Partner oder Freunde des Alkoholkranken sitzen. Es sind in meinen Augen andere Voraussetzungen. Als Partner und Freund habe ich die Wahl ob ich den Weg mit dem Kranken gehe oder nicht.

    jein. nein zu ersterem, dass es dir nichts bringt, mit partnern in solch einem kreis zu sitzen. ich glaube schon, dass auch dir das was bringen würde. ich hab längere zeit auch eine selbsthilfegruppe besucht, vom kreuzbund. das war theoretisch eine gemischte gruppe, angehörige und alkis, praktisch war ich die einzige angehörige. anlass war mein exfreund, der trinkt/trank. aber ich komme auch aus einem alki-haushalt, beide eltern trinken/tranken, seit ich denken kann, mein vater hat sich totgetrunken, klassisch mit leberzirrhose, meine mutter trinkt weiter. weisst du, was mir diese gruppe in erster linie gebracht hat (abgesehen von der trennung von meinem freund)? ich habe eine art "verständnis" für alkoholiker entwickelt, und manche hab ich nachher echt gemocht. was wiederum das verhältnis zu meiner mutter für mich ein stückckchen mehr entspannt hat. naja, und die partner werden trotzdem ganz ähnliche gefühle wie du haben. bisschen wirr, ich versuche mal es zu erklären.

    bis zu meinen besuchen in der gruppe waren für mich gefühlsmäßig :!: alkis hassenswerte menschen. mit dem kopf wusste ich natürlich, dass es eine krankheit ist uswusw., aber meine gefühle waren anders. ich hab in erster linie gesehen, was meine eltern mir angetan haben, worunter ich gelitten habe und mit welchen macken ich immer noch zu kämpfen habe. mit meiner mutter konnte ich nie darüber reden. plötzlich hatte ich 10 erwachsene (trockene) alkis vor der nase, die für mich "unbeleckt" waren, die hatten mir erstens nie was getan, und zweitens konnten sie ganz nüchtern und oft auch mit einem lachen über die krankheit reden und mir vieles nochmal aus ihrer sicht erklären. zum beispiel, wie sehr sie sich alle geschämt haben vor ihren kindern, wie sie sich gefühlt haben, warum sie nicht anders konnten, warum sie wie gehandelt und geredet haben - und das war für mich natürlich viel leichter zu ertragen, weil es eben "fremde" waren für mich. danach hab ich ganz erstaunt hier in mein tagebuch geschrieben, dass ich das erste mal in meinem leben alkis mag. für mich war das gut, weil sich damit für mich (in mir!) meine beziehung zu meiner mutter entspannt hat. ich hab mir ihr nicht drüber geredet, hat auch keinen sinn, aber MIR hats geholfen. vielleicht wäre sowas was für dich, ne gemischte gruppe? ausserdem haben die aas - glaube ich, weiss ich aber nicht - gruppen für erwachsene kinder. und ansonsten haste uns :wink:.

    Zitat

    Als Partner und Freund habe ich die Wahl ob ich den Weg mit dem Kranken gehe oder nicht. Als Kind hat man diese Wahl niemals gehabt. Hat sie auch nicht wirklich wenn man auszieht und weit weg von den Eltern ist. Eltern bleiben Eltern, und Kind bleibt man sein Lebenlang.

    hierzu ein klares ja. zumindest dazu, dass man sich seine eltern nicht aussuchen kann. du bleibst auch ihr (biologisches) kind. mein pastor hat mir mal gesagt, als ich genau mit diesem zwiespalt kam, dass eltern ja immer eltern sind (was für mich implizierte, dass ich sie lieben muss und ihnen dankbar sein), dass eltern dann eltern sind, wenn sie sich wie eltern verhalten, und dass meine das ja wohl nicht getan hätten. auch das hat mir viel von meinem inneren druck genommen. das dauert alles, wenn ich das jetzt so aufschreibe hört sich das ganz gerade an, war es aber natürlich nicht. ich denke, ich hab nach meinem auszug mit 18 etwa sieben jahre gebraucht, um mich wirklich komplett abzugrenzen und einen inneren frieden zu finden. aber immerhin, jetzt lebe ich schon länger ziemlich unbeschwert :wink:. es lohnt sich also.

    und nochmal zu der suchtberatung: ich denke, du bist einfach schon zu weit für sowas. du weisst zuviel. die meisten kommen sicher völlig entgeistert dorthin und fragen verzweifelt, wie sie ihre liebsten retten können. dass die leute schon wissen, dass sie es nicht können, und sich um sich selbst kümmern müssen, hat bis dahin wohl kaum einer verstanden, denke ich. deshalb wundert mich der verlauf des gesprächs auch nicht wirklich.

    uff, jetzt hab ich einen roman geschrieben :?, hoffe du steigst so halbwegs durch?!

    lieben gruß

    lavendel

  • hey simone

    nein, das hört sich gar net blöd an. gar nix hat sich bisher blöd angehört!

    hab etz mit therapeuten selber keine erfahrungen gmacht, meine freundin geht aber zu einer. sie hat mal zu mir gsagt, das man da drei probesitzungen frei hat (hab hier im forum scho andere zahlen gesehen), aber egal, du hast auf jeden fall welche frei. ob du etz deinem hausarzt erzählen musst, warum du da hin willst, hab ich keine ahnung. kann aber gern mal meine freundin fragen, wenn du möchtest.
    nach den probesitzungen kannst du überlegen ob du weiterhin zu der therapie willst, falls ja, schreibt der/die therapeut/in nen bericht für die krankenkasse, diesen kriegt normal auch dein hausarzt. schätze dich etz aber so ein, dass es dich prinzipiell net stört, wenn dein hausarzt bescheid weiß, du möchtest nur net mit ihm persönlich drüber reden oder?

    aber gibt hier bestimmt noch a paar, die sich diesbezüglich besser auskennen wie ich.

    mir fällt grad ein, könntest dich ja mal bei freundinnen über gute therapeuten erkundigen und dann da direkt anrufen und nachfragen. die ham häufig aber nur paar stunden in der woche, wo sie ans telefon gehn, aber das erfährst du dann auf jeden fall vom anrufbeantworter :wink:

    liebe grüße

    ja bücher san scho was tolles, viel besser als fernsehen, da kann man sich die personen nach seinen eigenen wünschen vorstellen :wink:

  • Zitat

    ja, es ist mit einer gewissen Arbeit verbunden, aber Du musst Dich nur aufraffen und anfangen und dann läufts von allein. Allerdings solltest Du Dir im Klaren darüber sein, dass es in der Therapie um Dich und darum geht, wie Du mit Deinem Leben umgehst, und nicht darum, wie Du anderen helfen kannst!
    Ich wünsch Dir die nötige Energie, um die Sache anzupacken!

    Vielleicht ist das einer der Gründe, warum ich mich momentan nicht sehr intensiv mit dem Gedanken einer Therapie beschäftige. Es gibt ja Tage, da sehe ich das Positive an meinem Leben und denke ach eigentlich kann ich ganz zufrieden sein. Warum also zum Therapeuten gehen und schlafende Hunde wecken. Auf der anderen Seite weiß ich aber ganz genau, das die schlafenden Hunde unter Umständen irgendwann von selber aufwachen und dass das ein böses Erwachen werden könnte. Ein andere wesentlicher Punkt ist außerdem schlicht und einfach Angst. Was finde ich in einer Therapie über mich und meine Kindheit heraus? Was schlummert dort in mir? Habe ich die Kraft alles zu durchstehen?

    Ich muss mir das alles noch mal durch den Kopf gehen lassen.

    lg
    hestia

  • hey simone

    ich befürchte halt, dass wie du scho gschrieben hast, irgendwann ganz plötzlich alles über dich hereinbricht. könnt mir au vorstellen, dass du dich so vielleicht immer fragen wirst, was war damals?

    aber es is deine entscheidung, du hast scho recht, nimm dir zeit um drüber nachzudenken. weiß ehrlich gsagt etz au net, wie ich in deiner situation handeln würde.

    also mei freundin hat gmeint, ne überweisung vom hausarzt braucht man auf jeden fall. ging auch mit ner überweisung vom neurologen, aber is ja auch a schmarrn, da brauchst dann erst ne überweisung zum neurologen und dann eine zum therapeuten.

    sie meinte auch, dass man dem hausarzt zumindest grob schildern muss, warum man ne überweisung braucht.
    könntest ja auch sagen, dass deine eltern trinken und du dich an vieles aus deiner vergangenheit nicht mehr erinnern kannst, dies aber gern möchtest, aber befürchtest das alleine net zu schaffen.
    wär ich hausarzt, würd i mi da gar net weitervorwagen sondern dass gleich an fachleute auf diesem gebiet weiterleiten.

    nur so als vorschlag, aber überleg erstmal was du willst, dann können wir uns über das weitere den kopf zerbrechen.

    wünsch dir noch ein schönes wochenende, hoffe man hört bald wieder voneinander

    *grüßle*

  • Hallo Simone,

    Du musst NICHT erst zum Hausarzt! Einfach das Branchenbuch nehmen, Therapeuten heraussuchen und Termin vereinbaren. Ganz einfach!!!
    Gut, je nach Region haben die ganz schön lange Wartezeiten, ein Grund mehr an dem Thema dranzubleiben.

    Zitat

    Es klingt vielleicht nun blöd, aber ich habe keinerlei Ahnung wie ich das mit dem Therapeuten hinbekommen soll. Ich denke mal dafür müsste ich zum Hausarzt. Naja ob er eine Überweisung gibt, keine Ahnung. Mit ihm möchte ich auch gar nicht näher auf mein Prob eingehen. Dann müsste ich erst mal einen Therapeuten finden, der mich und meine Probs ernst nimmt. Naja und noch viele viele Fragen mehr.

    Ich bin mir sehr sicher, dass jeder Therapeut Dich und Deine Probleme ernst nimmt. So kompliziert und spektakulär ist das alles nicht.
    Für mich hört sich das so an, als ob Du aus den falschen Gründen zögerst. Z.B. neigen wir nicht gerade dazu an Hilfe von anderen, oder gar an deren Verständnis zu glauben. Außerdem sind wir jahrelang darauf "trainiert" zu verbergen, was wirklich mit uns los ist.

    Ich bereue es mittlerweile mir nicht früher Hilfe geholt zu haben. Mir könnte es schon sehr lange sehr viel besser gehen. Mit körperlichen Beschwerden wartet man ja auch nicht jahrelang, bevor man endlich zum Arzt geht.

    Probier's doch einfach mal aus und mache ein paar Probesitzungen. Ich bin überzeugt Du wirst positiv überrascht sein.

    LG,

    Teaser

  • Hallo ihr lieben,

    vielleicht sollte ich es wirklich mal ausprobieren. Erst einmal werde ich mich mal sehen, welche Selbsthilfegruppen es hier vor Ort gibt. Und dann versuchen noch mal ein Beratungstermin zu bekommen und zwar für Angehörige. Dort können die mir sicherlich auch sagen, welcher Therapeut da am besten ist bzw. haben die bestimmt Erfahrungswerte mit einzelnen Therapeuten.
    Ich denke mal eine Kindheit mit alkoholabhängigen Eltern muss Spuren hinterlassen. Auch dann wenn die Außenwelt die Kindheit als behütet angesehen hat.
    Ich hoffe einiges über mich zu erfahren und vor allen Dingen für die Dinge gewappnet zu sein, die noch auf mich zukommen werden.

    Sollte ich noch weitere Fragen haben, weiß ich ja wo ich bestens informiert werden. Nämlich hier. Danke .

    lg
    hestia

  • hi simone

    Zitat

    Ich denke mal eine Kindheit mit alkoholabhängigen Eltern muss Spuren hinterlassen


    geb dir wieder mal recht :wink:

    maxte genau richtig, sammel informationen und dann geh es schritt für schritt an.

    wünsch dir viel glück & bis bald

    -Dani-

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