neu hier, ich brauch eine Einschätzung

  • Hallo Cluedi,

    Aus Gewohnheit kann schnell Alkoholabhängigkeit werden, es kommt weder auf die getrunkene Menge noch auf die Regelmäßigkeit an, das ist beides kein Indikator für eine evtl. schon bestehende Abhängigkeit.

    Solange es für Dich nichts schöneres gibt, als Abends zu saufen, mußt Du das weiterhin tun. Ohne Leidensdruck und einen persönlichen Tiefpunkt wird man sich nicht aus seiner Sucht befreien können.

    Der Wunsch, nie wieder Alkohol trinken zu wollen, muß von einem selber kommen und dieser Wunsch muss dann an allererster Stelle stehen. Und dann ist es wichtig, sich Hilfe zu holen, den ersten Schritt hast Du hiemit gemacht.

    Einfach aufzuhören mit trinken nennt man einem kalten Entzug, der sehr gefährlich werden kann, Du könntest Krampfanfälle bekommen oder in ein Delier fallen, das kann tödlich ausgehen.

    Darum sollte Dein zweiter Weg Dich zu einem Arzt führen, der alles weitere veranlassen wird.

    Das alles allerdings nur unter der Voraussetzung, das Du überhaupt ein völlig abstinentes Leben möchtest. Kontrolliertes trinken gibt es für Alkies nicht, nur entweder-oder.
    Wir haben das wohl alle versucht und sind auch alle daran kläglich gescheitert.

    Nun mußt Du selber entscheiden, was Du willst.

    Unsere Krankheit verläuft im übrigen ungestoppt tödlich.

    LG an Dich
    Lilly

  • Hallo Cluedi,

    mit Deinen Freunden und der Familie möchtest Du nicht reden, das würde sie sehr verletzen, schreibst Du.

    So war es bei mir am Anfang auch, ich habe versucht, die Alkoholkrankheit zu verheimlichen, obwohl sie doch jeder gesehen hat.

    Seitdem ich zur Drogenberatung gehe und eine Therapie beantragt habe weiß ich, daß es keinen Grund gibt, sich für die Alkoholkrankheit zu schämen!

    Sie ist genetisch vorbedingt und sie kann jeden treffen. Das hat nichts mit schwachem Charakter zu tun.

    Es ist keine Blamage, krank zu werden, aber es ist nicht gut, wenn man nichts gegen die Krankheit unternimmt. Damit ziehst Du nämlich am Ende auch andere mit hinein, und das ist nicht so gut.

    Es ist, wie gesagt, eine Krankheit, die man nicht selbst verschuldet hat, aber man sollte sich auch helfen lassen, sonst geht es nachher wirklich auf Kosten Anderer, wenn man sich und den Anderen weiterhin was vormacht.

    Entweder holst Du Dir Hilfe bei der Suchtberatung und versuchst die Krankheit zu verstehen, oder Deine Freunde und die Familie können Dir irgendwann zu Recht vorwerfen, daß Du nichts unternommen hast.

    Ich finde es sehr schade, daß sich so viele Menschen erst so spät Hilfe holen, weil sie nicht wissen, daß eine genetische Veranlagung für die Alkoholkrankheit verantwortlich ist, und weil sie sich unbegründet dafür schämen, daß sie alkoholkrank sind.

    Mit besten Grüßen für die Zukunft,
    Meinolf

  • Hallo Meinolf,

    auch wenn das hier Cluedi`s Thread ist, möchte ich doch gern von Dir wissen, woher Du das Wissen nimmst, das Alkoholismus durch eine genetische Veranlagung bedingt ist ??
    Meines Wissens gibt es darüber zwar Untersuchen, sie in diese Richtung weisen könnten, aber bewiesen ist es noch nicht. Ich kenne jedenfalls keine andersartig lautenden wissenschaftlichen Untersuchungsergebnisse, wenn ich hier falsch liege, korrigiere mich bitte.

    In meiner Famile sind beide Elternteile beispielsweise nicht Alkoliker, auch meine Großeltern waren keine, ganz im Gegenteil.

    Sorry, aber diese Erklärung ist mir zu einfach, gesoffen habe ich immerhin selber, mich hat keiner dazu gezwungen. Ich selber habe mir das Zeug beschafft, ich bin in diese Abhängigkeit sozusagen reingeglitten, ohne es recht zu merken. Als es mir richtig bewußt wurde, war ich längst psychisch abhängig, bis zur körperlichen Abhängigkeit war es dann nur noch eine Frage der Zeit.

    LG an Dich
    LIlly

  • Zitat von Meinolf

    Ich finde es sehr schade, daß sich so viele Menschen erst so spät Hilfe holen, weil sie nicht wissen, daß eine genetische Veranlagung für die Alkoholkrankheit verantwortlich ist, und weil sie sich unbegründet dafür schämen, daß sie alkoholkrank sind.

    Das stimmt nicht!

    Gruß Hermann

  • Hallo Lilly und Hermann,

    Das habe ich bei der Suchtberaterin meiner Stadt gehört, sie ist seit 25 Jahren in dieser Arbeit beschäftigt.

    Sie kritisiert auch die "Suchtfibel" von Ralf ... (?), weil dieser Aspekt dort noch nicht eindeutig klargestellt wurde.

    Die Frau sagt, daß der Alkohol bei manchen Personen nicht richtig zerlegt wird, die genauen chemischen Bezeichnungen weiß ich jetzt nicht.

    Auch wenn ich das nicht genau wiedergeben kann halte ich diesen Erklärungsansatz für sinnvoll, weil er uns vor dem schlechten Gewissen bewahrt, Versagen oder Charakterschwächlinge zu sein.

    Warum meint Ihr denn, daß sich ein Alkoholkranker nicht "zusammenreißen" kann? Ich denke, daß es mit einem Fehlen von Opioiden zu tun hat, so wie eine Depression mit dem Fehlen von Serotonin und Noradrenalin zu tun hat, was sich durch die Vergabe von Antidepressiva (Wiederaufnahme-Hemmer) deutlich verbessern läßt, zumindest nach meiner Erfahrung.

    Warum sollte Alkoholismus nicht durch eine Unterstimulierung durch die körpereigenen Opioide verursacht sein?

    Beste Grüße,
    Meinolf

  • Hallo Meinolf,

    Alkoholismus ist ganz einfach eine Krankheit.
    Und zwar unheilbar, wir haben sie für immer in uns.
    Woher sie kommt ist realtiv egal, wenn man sie hat, hat man sie. Man braucht sich auch nirgends dafür zu entschuldigen.
    Und niemand braucht sich für eine chronische Krankheit zu schämen !
    Oder schämen sich Diabetiker oder Eiweißallergiker ?

    Man müßte sich nur dafür schämen, nichts dagegen zu tun, das ist aber auch schon alles.

    Ich suche keine Ausreden für meine Krankheit, ich habe sie nun mal einfach, akzeptiere sie so und bin damit glücklich und zufrieden.
    Warum, wieso, weshalb ist mir egal, ich kann es eh nicht mehr ändern.

    UND ich bin weder willens-noch charakterschwach.

    Sucht hat mit Willen rein gar nichts zu tun. Sie ist stärker als alles andere und viele sterben dran. So sieht datt nu ma aus.

    Lieben Gruß an Dich
    Lilly

  • Hallo Cluedi,

    was war denn gestern, bist Du ohne Kühlschrank, ohne Gewohnheit klar gekommen?

    Zweifel sind der erste Schritt. Bier gehörte zu meinem Umfeld, Wein war später die richtige Dosis, auch als ich einige Zeit hier war, hatte ich noch kein Problem, nur meine Frau. Dann knallte es in mir.

    @Meinolf, ich konnte das leider nur unverständlich überfliegen, vielleicht hätte ich das vor einem Jahr auch gefragt, heute ist es bedeutungslos, für das Leben meiner Frau, für mich, es macht keinen Sinn Begründungen zu suchen, nur das Leben zählt, sein lasen. Meine wichtigste Schwäche und Stärke, ich bin dankbar sie hier gefunden zu haben, ist es sein zu lassen.

    LG kaltblut

    Sie standen dar und fragten sich warum und nur einer meinte: warum nicht.

  • Liebe Freunde,

    hier im Forum wurde einmal gefragt, warum Leute mit ADHS so oft Alkoholprobleme haben.

    Die Drogenberaterin sagte mir dazu, daß Alkoholismus und ADHS nichts miteinander zu tun hätten.

    In einem Buch über ADHS war zu lesen, daß die Betroffenen oft zu Stimulantien wie Alkohol, Cannabis und Nikotin greifen.

    Also stellt sich die Frage, ob der Alkohol das einzige Mittel ist, das in der Therapie Beachtung finden sollte, oder ob nicht auch andere Süchte bei den Betroffenen mittherapiert werden sollten.

    Beste Grüße und einen schönen Feiertag,
    Meinolf, seit 36 Stunden ohne Alkohol.

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