Mein Vater trinkt wieder

  • Mein Vater hat bereits eine lange Zeit als Alkoholiker "hinter sich", zu der Zeit meiner Kindheit. Als ich 7 Jahre alt war, machte er eine erfolgreiche Entziehungskur. Er war der Typ Alkoholiker, der laut und zerstörerisch wurde, wenn er betrunken war.

    Als ich 12 war, warf mein Vater mich raus. Wir haben seitdem einen sehr gestörten, unregelmäßigen Kontakt. Meistens telefonieren wir einmal im Jahr, oft vergisst er meinen Geburtstag.

    Vor einigen Tagen hat er mich dann mal wieder angerufen und mich geradezu angefleht, häufiger Kontakt mit ihm zu haben (auch wegen meinem Sohn, der ihn allerdings gut 6 Jahre nicht großartig interessiert hat). Inzwischen haben wir 2 Mal telefoniert und jedes Mal hatte ich doch ein recht seltsames Gefühl...

    Mein Gefühl hat mcih nicht getrogen: ich habe erfahren, dass mein Vater seit 7 Jahren wieder trinkt, im betrunkenen Zustand Dinge duch die Gegend wirft und agressiv ist (er soll meine jüngere Schwester so attackiert haben, dass sie das Haus verlassen hat). Wie ich herausgefunden habe, hat er mich auch mehrmals belogen (eine Lüge war eine angeblich von ihm begangene Straftat - so als wollte er sich den Anschein eines starken Helden geben...).

    Ich weiß nicht wirklich, wie ich jetzt am sinnvollsten reagieren kann. Auf der einen Seite glaube ich der Quelle der Inforation nicht, auf der anderen Seite möchte ich unter diesen Umständen keinen Kontakt zu meinem Vater. Ich bin nicht besonders tolerant, was Alkoholiker in meiner konkreten Nähe angeht, ich bin unter Alkoholiker aufgewachsen und weiß, wie belastend es ist. Außerdem habe ich einen Sohn, den ich vor allem schützen muss und der augenscheinlich auch schon Ziel einer Lügengeschichte meines Vaters geworden ist (allerdings kann ich das nicht wirklich beweisen bzw. ausschließen).

    Was soll ich machen? Ich will keine "schlechte Tochter" sein und meinen Vater vor die Hunde gehen lassen, zumal er Herzmedikamente nimmt bzw. im betrunkenen Zustand NICHT nimmt. Aber ich muss auch mich schützen - oder soll ich ihn mal wieder vor mich stellen und durchhalten?

  • hey niccolina

    schön das du hier bist und hilfe möchtest. du bist net allein mit deinen problemen.

    sorry mir gehts heut net so gut und muss in fünf stunden wieder aufstehn, daher drück ich dich etz mal ganz dolle. morgen bzw. heute abend schreib i dir mehr.

  • Mein Vater hat jetzt eingesehen, dass er ein Problem hat und will das angehen. Natürlich verläßt er sich auf meine Hilfe jetzt. Die möchte ich ihm natürlich geben. Leider ist es so, dass zu SEINEN Problemen Vorfälle der letzten Jahren gehören, die mich in tiefe Depressionen und Eßstörungen getrieben haben.

    Heute abend hatten wir ein intensives Gespräch und ich merkte, dass ICH da saß und nur noch zittern konnte. Aber mein Vater braucht mich ja jetzt, da kann ich nicht mit meinem Kram kommen.

    Zumindest war er heute seit langer Zeit mal wieder nüchtern, als wir uns unterhielten...

  • hi niccolina

    ganz ehrlich, meinst du nicht, dass es besser is, wenn du dich erstmal um dich kümmerst, bevor du deinem vater hilfst?

    ich kann verstehn, das du etz für ihn da sein willst, aber ich finde, wenn er trocken werden will, dann schafft er das auch, ob mit oder ohne deine hilfe.

    warst du denn schon mal bei ner suchtberatung oder nem therapeuten? du schreibst von depressionen und eßstörungen, ich vermute mal fast ja. gehst du denn noch?

    ich wollte dich erst fragen, wie's dir geht, aber wenn du schreibst, das du bei eurem gespräch gezittert hast, denke ich, dir gehts gar nicht gut.

    wär schön, wenn du mal mehr von dir schreiben würdest, wie alt du bist, ob du familie hast und so. wenns dir net zuviel wird, vielleicht auch etwas von früher.

    ich kann echt verstehn, das du deinem vater helfen willst, aber achte bitte auf jeden fall darauf, das es dir nicht zuviel wird.

    liebe grüße

  • hallo summerdream!

    du hast natürlich recht, dass ich mich erst um mich kümmern muss. aber mein vater ist ein sehr dominanter mensch und man kann sich ihm nicht so leicht entziehen. vielleicht will ich ihm auch beweisen, dass ich eine stärke habe, die ihm fehlt... weiß nicht.

    ich bin 34 jahre alt, verheiratet und habe einen sohn. zu dem hatte er auch kaum kontakt, mein sohn weiß auch nur, dass sein opa krank ist (klar, im laufe der jahre hat er so einige schäden davongetragen, er hat z. b. keine bauchspeicheldrüse mehr und herzryhthmusstörungen), dass sein opa trinkt möchte ich ihm nicht sagen, er ist ja erst 6.

    mein vater ist ja nicht alleine damit. meine stiefmutter und meine stiefgeschwister (noch so 2 baustellen!) sind da und versuchen, ihm zu helfen. wir werden sehen, wie es weiter geht.

    ich bin lange zeit in therapeutischer behandlung gewesen und habe auch immer noch medikamente (anti-depressiva) im haus, die ich aber nicht nehmen möchte und eigentlich auch nicht brauche.

    aber danke für deine anteilnahme. ich hoffe, es geht dir auch wieder besser (du hattest geschrieben, dass es dir nicht gut geht, ich hoffe es ist wieder i.O.).

  • hi niccolina

    kann verstehn das du deinem sohn net mehr sagst, es langt wenn er weiß der opa is krank. das mit der alkoholsucht würde er wohl au gar no net verstehn.

    wie meinst das denn genau mit noch zwei baustellen? in bezug weil sie auch so drunter leiden wie du? wie geht eigentlich deine stiefmutter damit um?

    was möchte dein vater eigentlich für sich unternehmen? will er es allein probieren oder mit professioneller hilfe? war oder geht er zum arzt deswegen? erste anlaufstelle wäre halt auf jeden fall sein hausarzt.

    danke der nachfrage, mir gehts wieder besser, freitag war ein recht streßiger tag, aber er is ja rum. heut wars dafür umso schöner :wink:

    liebe grüße

  • Hallo Summerdream!
    Entschuldige, dass ich jetzt erst antworte - auch ganz viel Stress.

    Die Baustellen, die ich meine, sind eher seelische Verletzungen, z. T. durch meinen Vater, zum Teil durch meine Stiefmutter. Vor kurzem habe ich jetzt auch noch erfahren, dass meine Schwester ( jetzt 18 ) die Spannung zwischen meiner Stiefmutter und mir mit Lügen zur einen wie zur anderen Seite jahrelang vergroßert hat. Das Mißtrauen wurde immer mehr und jetzt weiß irgenwie immer noch keiner, wem er wirklich trauen kann. Vertrackt, aber irgendwann lösbar.

    Meine Stiefmutter weiß, dass wir sie unterstützen, auch meine Stiefgeschwister wissen das. Sie selbst hatte einen alkoholkranken Vater, so dass es mich ehrlich wundert, wo sie die Kraft und den Mut hernimmt, bei meinem Vater zu bleiben - zumal seine Trinkerei seit 7 Jahren geht (der Kontakt zum Großteil der Familie wurde von meines Vaters Seite abgebrochen, damit es keiner merkt - naja, der Familienzwist durch meine Schwester hat auch was dazu begetragen).

    Mein Vater versucht Hilfe durch die AA zu kriegen, seine Leberwerte sind o.B., so dass der Hausarzt keinen Grund für eine Entziehungskur sieht! Außerdem steckt mein Vater z.zt. in einer ABM-Maßnahe und laut Arbeitsamt darf er da keinen Tag fehlen, schon gar nicht wegen so was. Naja, bevor er gar nichts macht, soll er lieber regelmäßig zu den AA-Treffen gehen.

  • Liebe Niccolina,

    komme leider erst jetzt dazu, Dir zu antworten.

    Ich stecke momentan auch in einer sehr schwierigen Lage, doch ich habe für mich selbst erkannt und eingesehen, dass es besser ist weg zu bleiben.

    Und das will ich Dir auch raten! Mach nix, wozu Du nicht bereit bist und keine Kraft dazu hast. Sonst macht es Dich wieder kaputt!

    Ich hatte auch schon eine Essstörung und habe das Gefühl wieder dort rein zu rutschen, wenn ich nicht auf mich achte.

    Leider kann ich Dir nicht mehr raten, da ich selbst so verzweifelt bin und auch das Gefühl habe eine schlechte Tochter zu sein.
    Doch wenn man ganz tief in sich hineinhört, weiss man, das man dies auf keinen Fall sein kann. Verstehst Du wie ich meine?

    Welche Hilfe erwartet Dein Vater konkret von Dir?

    Welchen Kontakt hast Du zu Deiner Stiefmutter?

    *Mandy*

  • Auch wenn es schon eine Weile her ist, möchte ich doch auf die Fragen antworten.

    1. Mein Vater möchte, dass ich ihm Absolution erteile, für Dinge, die vor 20 Jahren passiert sind, zu einer Zeit, als er noch nicht wieder nüchtern war.

    2. Kontakt gar keinen, sie hat viel zu den Problemen beigetragen (z. B., dass mein Vater mit mit 14 Jahren rausschmiss, weil sie meinte, ich störe oder dass er mich fast täglich geschlagen hat -> dafür möchte er übrigens die Absolution)

    Was hat jetzt mal wieder ist: Er läßt mich wieder voll hängen! Natürlcih trinkt er noch (die AAs findet er doof, weil die da alle "heulen, nur weil sie was getrunken haben"), er sieht auch nicht ein, dass er ein Problem hat bzw. meint, er schafft es allein.

    Nun ist es jedoch so, dass wir am Samstag Einschulung von meinem Sohn haben und ich ihn eingeladen habe (hat er natürlich vergessen, als ich ihn einlud, war er betrunken, also hab ich die Einladung wiederholt, als er nüchtern war). Eigentlich hat er sein Kommen für heute angekündigt (er ist natürlich nicht gekommen) und hat auch nicht angerufen, um zu sagen, ob oder wann er kommt.

    Also bin ich wiedermal von ihm hängen gelassen worden. Ist ja nicht das erste Mal. Ich ärgere mich bloß, weil ich wieder drauf reingefallen bin und ich weiß nicht, ob ich ihm jetzt noch mal die Hand reichen und ihm helfen soll oder ob ich das jetzt so lassen kann / muss / darf.

    Da war sie wieder, die ratlose Tochter, die alles richtig machen will

  • Zitat von Niccolina

    1. Mein Vater möchte, dass ich ihm Absolution erteile, für Dinge, die vor 20 Jahren passiert sind, zu einer Zeit, als er noch nicht wieder nüchtern war.l

    Ich meinte natürlich: "als er noch nicht wieder getrunken hat"

  • hey nicole

    oje den satz, ich schaff das alleine, hui des is glaub der lieblingssatz meiner mutter. meine war in zwei shg's, jede is aus einem anderen grund schlecht. solang alkoholiker weitertrinken wollen, werden sie immer gründe finden, warum dies und jenes net passt. da können wir gar nix machen, entweder danebenstehn und zuschaun oder abstand gewinnen.

    ich finde du sollst ihm absolution erteilen, wenn dir selber danach is und net, wenn er es will. aber so wirklich möchte er deine absolution wohl nicht, sonst würde er dich nicht versetzen. meine meinung...

    ich würd mi etz an deiner stelle erstmal gar net beim vater melden, er hat dich immerhin versetzt, also hat er sich zu entschuldigen. dann kannst du immer noch überlegen, ob du ihm helfen willst, von dir aus sollte dieser schritt aber nicht kommen. warum sollst du ihm hinterherrennen, wenn er mal wieder mist gebaut hat???

    wenn du möchtest und dich stark genug dafür fühlst, kannst du auch über die dinge vor 20 jahren oder so schreiben, könnte mir vorstellen, dass dir das helfen könnte. wirst bestimmt auch ein feedback bekommen, das tut auch immer gut, zumindest ich brauch das von zeit zu zeit :wink:

    liebe grüße

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