Ich brauche auch Hilfe

  • Hallo Kletterrose,

    willkommen hier! Ich hoffe, du findest hier die Kraft und Unterstützung, die du brauchst. Wenn du hier liest, wirst du immer und immer wieder ähnliche Schicksale finden wie dein eigenes. Du findest fast alles schon einmal geschrieben und wirst feststellen, dass du nicht alleine bist mit dem, was du erlebt hast. Mit der ein oder anderen Abweichung gleichen sich alle Geschichten.

    Als es bei meinem Ex-Freund und mir damals zur Eskalation kam, rieten mir mehrere Bekannte, die sich bereits vor Jahrzehnten von ihren trinkenden Ehemännern getrennt hatten, ich solle meine Beine in die Hand nehmen und so schnell und weit laufen, wie ich nur könne. Und mich vor allem nicht wieder auf ihn einlassen, denn er würde mich kaputt machen, egal, was er mir erzählen würde. Ich glaubte ihnen keine Wort, denn ich wusste es ja besser. Unsere riesengroße, einmalige Liebe würde uns in die Lage versetzen, das alles in den Griff zu bekommen – dachte ich und war fest davon überzeugt.

    Selbst als er mir sagte, dass er mit mir nicht mehr leben könne, weil er nur ohne mich trocken sein kann, sich aber immer wieder mit mir verabredete, hoffte ich und wollte mein eigenes krank sein nicht sehen. Es dauerte insgesamt mehr als zwei Jahre, bis ich es endlich schaffte, den Schnitt zu machen. Und plötzlich scheint alles so einfach und klar in meinem Leben, dass ich es manchmal gar nicht fassen kann. Aber ich musste es selbst erleben, durchstehen. Ratschlägen habe ich nicht geglaubt.

    Wie beim Trinken, musst du selbst den Willen und den Mut haben, dich auf ein Leben ohne den Alkohol deines Partner und vielleicht auch ohne ihn einzulassen. Es ist dein Leben, welches du gestalten kannst, so wie es dir gut tut. Ich musste erst herausfinden, was mir WIRKLICH gut tut und das hat gedauert. Deshalb konnte ich so lange nicht von ihm lassen.

    LG
    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Guten Morgen Kletterrose,

    ich sehe das ein wenig anders als du, das mit dem Denken und Fühlen und uns bewusst in schlimme Lagen zu bringen.

    Wer trinkt, denkt anders, denn das Trinken verändert die Psyche. Ich glaube manchmal, ihr eigenes Fühlen schütten sie zu, um nicht damit konfrontiert zu werden. Sie bringen uns auch nicht bewusst in unsere Lage, sondern weil sie nicht anders können. Zudem tragen wir selber einen ganz schön großen Teil dazu bei. Niemand muss sich selber aufgeben, um den Anderen zu retten, aber wir versuchen es immer wieder. Wir wollen die tolle Frau sein, die ihn von der Sauferei losbringt. Wenn dein Mann jetzt eine neue Frau hat, dann meint sie jetzt vielleicht, seine Retterin werden zu können. Sie wird scheitern, wenn er es nicht selber will.

    Du hast recht, wenn du bemängelst, dass es für Co´s keine Klinik- und Therapieplätze gibt. Speziell für Co´s sicher nicht, aber du hast genauso die Möglichkeit, dich in therapeutische Behandlung zu begeben. Es ist nur deutlich anstrengender als dies für den Abhängigen selber ist. So habe ich es jedenfalls empfunden. Ich musste mich kümmern und telefonieren und mich bemühen. Ich konnte nicht einfach zu einer Suchtberatung gehen und sagen, ich kann nicht mehr, helft mir. Ich habe jedoch das Glück, einen sehr verständnisvollen Hausarzt zu haben, der ohne großes Primporium mit mir zusammen einen Reha-Antrag ausfüllte als ich in der gleichen Situation wie du war. Innerhalb von vier Wochen hatte ich die Genehmigung dazu und konnte sechs Wochen lang nur für mich etwas tun. Das hat nicht alles gleich wieder heile gemacht in mir, mir aber sehr geholfen, meinen Weg aus der Abhängigkeit von meinem Ex zu finden. Nicht ohne Rückfälle, aber inzwischen bin ich deutlich autonomer und kann für mich alleine zufrieden leben, ohne ihm hinterher zu jammern. Und es hat mir geholfen, irgendwann eine erwachsene, eine gesunde Liebe mit einem Menschen zu leben.

    Elle hat recht, es verletzt uns, wenn wir das Gefühl haben, dass wir und unsere Beziehung mit ihm kein Ansporn sind, dass er mit dem Trinken aufhört. Schließlich lassen wir uns auf so viele Dinge ein ihm zuliebe. Dinge, für die wir uns irgendwann hinterher an den Kopf fassen, weil sie uns so krank und dumm erscheinen. Wir lassen uns klein machen, demütigen und verzeihen immer wieder und hoffen, dass alles gut wird.

    Und in dieser Trennungsphase, in der du jetzt steckst, da greifen wir nach jedem Lebenszeichen von ihm wie nach einem rettenden Strohhalm, weil wir denken, jetzt endlich bekommen wir von ihm auch die Liebe, die wir ihm so lange ohne zu hinterfragen gegeben haben. Kletterrose, wir müssen uns selber viel mehr lieben und achten, unsere eigenen Gefühle ernst nehmen und sie zulassen. Die Trauer, die Wut, das Selbstmitleid und die Enttäuschung. Nur uns nicht darin festbeißen, darin verweilen und denken, dass nur er, wenn er nicht mehr trinkt, uns daraus erlösen kann. Wir ganz alleine können uns da rausholen, vielleicht nicht unbedingt ohne Unterstützung. Aber die erhalten wir in Plattformen wie dieser oder in SHG´s, die es in unterschiedlichsten Formen gibt. Oder auch durch ganz professionelle Hilfe, für deren Inanspruchnahme wir uns auch nicht schämen sollten.

    Liebe Grüße

    Ette

    Im Schmerz von gestern liegt die Kraft von heute.
    ("Handbuch des Kriegers des Lichts" v. P.Coelho)

  • Hallo Kletterrose,
    ist ja heftig..Ich bin auch co..aber mein Mann lacht darüber.. Ich habe an manchen Tagen ganz innige Gefühle für ihn und an anderen hasse ich ihn für seine Sucht!! Ich weiß in mir, dass er mit mir nicht trocken werden wird..vielleicht wird er dies ja auch nie.. Ich wünsch mir unter Tränen, dass er es schaffen möge (und ein kleines Stimmchen in mir hofft immer noch auf eine gemeinsame Zeit) Ich kann dich gut verstehen..wir müssen auch unseren Weg gehen..Mir hilft ein Therapeut und eine Angehörigen SHG. Für meine Kinder suche ich gerade auch therapeutische Hilfe .. Mein Mann ist allerdings der depresive ruhige Trinker..wenner dann voll ist, dann schläft er eben...
    Ich wünsche dir viel Kraft!! Und vielleicht hilft es dir: Wir haben nur dieses eine Leben ..auch die Süchtigen..man muss nur auch was draus machen wollen...

    LG Tihaso

    co-abhängig...Sich auf den Weg machen - egal wie schwer er ist!!!

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