Nach langer Zeit wieder Kontakt zum Vater?

  • Hallo, ich habe bereits kurz im Vorstellungthread beschrieben, wie meine Sachlage ist. Nun wollte ich hier noch etwas näher darauf eingehen.
    Meine Großmutter (die Mutter meines Vaters) ist vor zwei Wochen verstorben. Ich bin vergangenen Samstag auf der Beerdigung gewesen. Leider war mein Vater nicht dort. Aus welchen Gründen auch immer. Ich habe nur gesagt bekommen, dass er sich von der Familie abgewand hat. An dem Abend, als ich meine Begrüßung hier in dieses Forum gestellt habe, schrieb ich ihm eine SMS. Die Telefonnummer hat mir meine Tante gegeben. Ich wusste nicht mal, wie ich ihn ansprechen sollte. Nach so langer Zeit ist mir einfach der Bezug verlohren gegangen. Er rief mich daraufhin zurück und war sehr distanziert. Er sagte, er wolle sich eine neue Zukunft aufbauen und dass in seinem Leben so viel schief gelaufe wäre.
    Ich bin mir nicht sicher, ob er ich nochmal melden wird.
    Weiterhin bin ich mir auch sehr unsicher, wie ich mit seiner Krankheit umgehen soll. Der Alkohol hat ihn schon so viele Beziehungen gekostet (wie mir meine Verwandtschaft erzählte). Er hatte bereits drei Magendurchbrüche und ich habe einfach Angst, dass er den Bezug zum Leben irgendwie verloren hat.
    Ich selbst trinke kein Alkohol. Nicht einen Tropfen. Umso schwerer fällt es mir zu verstehen, wie der Alkohol ihn so sehr in seinen Bann gezogen hat.
    Was hat der Alkohol ihm geben können, was wir ihm damals als Familie nich geben konnten`? Ist vielleicht damals etwas schief gelaufen in der Ehe mit meiner Mutter, was ihn in diese Sucht getrieben hat? Ich habe so viele Fragen und weiss nicht, wie ich mit Ihm umgehen soll.

    Vielleicht kann mir jemand erklären, warum der Alkohol im so wichtig ist... warum es im moment den anschein hat als würde er sein einziges Kind von sich wegstoßen. Kann ich Ihm denn gar nicht helfen? :(

  • Hallo Trillia , willkommen im Forum.

    Mein Name ist Vaan. Ich bin Alkoholiker
    (Den Spruch werde ich so lange aufsagen bis daß ich es schaffe dabei keine Gänsehaut zu bekommen und anfange ins Leere zu starren :cry: )

    Zitat

    Leider war mein Vater nicht dort. Aus welchen Gründen auch immer.


    Also in einer Sache kann ich Entwarnung geben. Um bei der Beerdigung seiner Eltern zu Hause zu bleiben muss man kein Alkoholiker sein. DAZU kann ich Dir auch eine Geschichte erzählen. Das war so ein trauriger Tag bei mir .. Aber nun gut .. Hier geht es ja um Dich

    Zitat

    Vielleicht kann mir jemand erklären, warum der Alkohol im so wichtig ist...


    Ich bin selber erst seit 2 Monaten hier aber die Frage stelle ich mir seit meinem (hoffentlich) letzten Glas Wein insgeheim immer selber. Man bringt Alkohol mit vermeidlich positiven Dingen in Verbindung und begreift beim Saufen irgendwie nicht, dass man im Grunde alles falsch macht was man überhaupt nur falsch machen kann.

    Man ist besoffen nicht geselliger
    Man ist besoffen nicht beliebter
    Man ist besoffen nicht angesehener
    Man ist besoffen nicht in der Lage seine Problemchen zu lösen

    All diese Sachen bildet man sich ein und merkt erst was los ist wenn man sich mal in sich kehrt und mal mit klarem Kopf überlegt was man sich da antut. Im Grunde saufe ich um über die Probleme nachzudenken die ich ohne Alkohol nicht hätte :wink:

    Man ist eigentlich niemals wirklich nüchtern. Auch wenn man abends eben seine 5 Bier trinkt ist man am nächsten Abend nicht wieder nüchtern. Eine Entgiftung (die ich nie gehabt habe) dauert nicht umsonst bis zu 2 Wochen wie hier berichtet wird. Alkohol ist ein Nervengift, dessen Wirkung weit länger anhält als den reinen Verdauungsvorgang. Gehirn, Magen, Organe es ist einfach überall und wenn der Körper es abgebaut hat braucht man wieder etwas .... und wieder ... und wieder.... :roll:

    Irgendjemand hier im Forum hat mal den Satz losgelassen "Wenn Alkohol Heute auf den Markt kömmen würde würde die Regierung ihn verbieten" Den Spruch wird Dir wahrscheinlich jeder hier bestätigen. Nun habe ich Dir nicht geschrieben warum mit der Alkohol wichtig ist sondern weßhalb er mir wichtig war. Ich hoffe mal einfach dass es so bleibt bei mir mit der Trockenheit und dass Du mit meinem Bericht hier ein wenig was anfangen kannst.

  • Hallo Vaan.
    Ich möchte Dir erst einmal danken dafür, dass Du so offen darüber schreibst, wie Du Dich fühlst. Es ist bestimmt nicht leicht und wenn ich meine Mutter richtig verstanden habe, dann hat mein Vater nie darüber so sprechen können.
    Sich selbst einzugestehen, dass man ein Problem mit dem Alkohol hat, finde ich sehr mutig und ich drücke Dir fest die Daumen, dass Du durch hälst.

    Es ist für mich erst einmal erschreckend, wie der Alkohol es schafft den Menschen so zu beeinflussen.
    Da mein Vater damals sehr aggresiv war, wenn er entweder zuviel oder zu wenig getrunken hat, habe ich heute noch angst davor, mich mit einem alkoholisierten Menschen zu unterhalten. Vielleicht ist das nicht richtig, weil ich dadurch mit sicherheit alle über einen Kamm schere.. ich weiss, dass nicht jeder aggresiv ist, wenn er betrunken ist. Aber die Bilder haben sich bei mir stark eingeprägt.
    Mittlerweile bin ich verheiratet und mein Mann trinkt gern abends sein Bier. So weit bekomme ich das auch gut hin. Böse werde ich erst, wenn z. B. am nächsten Morgen noch die Flaschen auf dem Tisch stehen, oder gar neben dem Bett.
    Allein der Geruch, der mir entgegen schlägt, wenn er mir einen Kuss gebe n will, bringt bei mir gleich einen würgereiz hervor.

    Wenn jemand trinkt um die Sorgen vielleicht zu vergessen oder auch anders sehen zu können, warum schafft er es dann nicht, sein größtes Problem, den Alkohol, zu sehen? Ist er sich im klaren darüber, wenn er anfängt, sein Wein oder Bier oder Schluck zu trinken, dass er gerade eine n Fehler macht?
    Ab wann gesteht man sich ein, dass man Alkoholiker ist? Kann man das einfach so? Ist er ich dessen vielleicht noch nich bewußt, dass der Alkohol das größte seiner Probleme ist?

    Wie würde er wohl drauf reagieren, wenn ich ihn genau da frage?
    Ich habe angst, dass er dann wieder ausfallend wird. Auch nach so langer Zeit.
    Sollte ich ihn darauf aufmerksam machen, wenn der Kontakt wieder etwas gefestigter ist? Oder habe ich vielleicht gar ein Recht dazu?

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles erdenklich Gute und hoffe, dass Du irgendwann auf die Zeit zurück blicken kannst und mit stolz zu dir selbst sagst. Hey! Ich habe es geschafft, davon weg zu kommen! Ich bin froh, zu lesen, dass es Menschen gibt, die es schaffen und so einen Willen zeigen! :)

  • Hallo Trillia

    Zitat von Trillia

    Ich möchte Dir erst einmal danken dafür, dass Du so offen darüber schreibst, wie Du Dich fühlst.


    Siehst Du GENAU DAS !!! ist der große Unterschied. Wenn man mich auf der Straße erkennen würde hier im Forum oder wenn ich meine Tochter und meine Frau vor mir stehen hätte würde ich das auch NIEMALS laut eingestehen ein Trinkproblem zu haben.

    Zitat von Trillia

    Es ist bestimmt nicht leicht und wenn ich meine Mutter richtig verstanden habe, dann hat mein Vater nie darüber so sprechen können.


    Ich kann hier nur von mir schreiben :

    Man vergleicht sein eigenes Trinkverhalten immer sehr sehr gerne abwärts. Nach unten hin. Man grinst etwas mitleidig die armen Schweine am Bahnhof an, die in ihrem eigenen Urin liegen und das Erbrochene auf dem Hemd klebt und schnallt selber nicht dass man auf dem halben Wege dahin ist.

    In Sachen aggressiv oder nicht reagiert glaube ich jeder anders. Ich gehöre da wenn ich RICHTIG VOLL BIN wohl eher zu der ´in der Ecke sitzen und mit sich selber quatschen“ Fraktion. Ich denke mal das ist bei vielen verschieden.

    Zitat von Trillia

    Allein der Geruch, der mir entgegen schlägt, wenn er mir einen Kuss gebe n will, bringt bei mir gleich einen würgereiz hervor.


    Wenn es um den Geruch bei Alkoholikern geht bin ich völlig immun. Ich rieche es nicht keine Chance. Vielleicht ein weiterer Grund mich selber als Alkoholiker zu bezeichnen.

    Zitat von Trillia

    Wenn jemand trinkt um die Sorgen vielleicht zu vergessen oder auch anders sehen zu können, warum schafft er es dann nicht, sein größtes Problem, den Alkohol, zu sehen?


    Was für ein Alkoholproblem ??????
    * Ich liefere bei der Arbeit einen erstklassigen Job ab und keine Kollegen maulen
    * Ich bin für meine Tochter da wenn sie mich braucht
    * Für meine Frau auch
    * Gegen ein (ich wette es sind mehr) Bierchen abends ist ja wohl nichts einzuwenden sein.
    * Ich kann jederzeit aufhören ich muss es nur wollen (Immer wieder der Klassiker bei den Sprüchen)

    DIE SPRÜCHE kennt hier JEDER :roll: Ist ein wenig zynisch aber Du merkst worauf ich hinaus will.

    Zitat von Trillia

    Ab wann gesteht man sich ein, dass man Alkoholiker ist? Kann man das einfach so?


    Da wirst Du von jedem Trinker eine andere Antwort bekommen. Da hatte wohl so jeder sein Erlebnis wo man länger als bis zum Verschwinden des ´Katers´ drüber nachgedacht hat. Ich persönlich war auf einem Rochkonzert und bin dann früh morgens auf einem leeren Parkplatz aufgewacht. Hinterher wurde mir von den Freuden erzählt, dass noch Polizei und Notarzt da waren. Dadurch dass aber Pupille, Blutdruck und all diese Sachen normal waren hatte man gesagt : Der soll mal einfach pennen und dann ist gut.

    Danach konnte ich mir selber nicht mehr vorquatschen dass man ja nur in Ausnahmefällen ein Schlückchen trinkt. Man war das eine Nacht.


    Zitat von Trillia

    Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles erdenklich Ich bin froh, zu lesen, dass es Menschen gibt, die es schaffen und so einen Willen zeigen! :)


    Na ja Danke .. Ich bin ja auch sehr sehr frisch hier .. Mache es mal gut

  • hi trillia

    ehrlich gesagt wundert es mich, warum du überhaupt noch kontakt zu deinem vater aufbauen willst nachdem was du a) aktuelles und b) von früher erzählst...

    Zitat

    Allein der Geruch, der mir entgegen schlägt, wenn er mir einen Kuss gebe n will, bringt bei mir gleich einen würgereiz hervor.


    das kann von deinem vater herstammen, andererseits is glaub bier einfach eklig, wenn man es selbst net mag. is wohl des gleiche, wenn man net raucht, aber nen raucher küsst :wink:

    Zitat

    Wenn jemand trinkt um die Sorgen vielleicht zu vergessen oder auch anders sehen zu können, warum schafft er es dann nicht, sein größtes Problem, den Alkohol, zu sehen? Ist er sich im klaren darüber, wenn er anfängt, sein Wein oder Bier oder Schluck zu trinken, dass er gerade eine n Fehler macht?
    Ab wann gesteht man sich ein, dass man Alkoholiker ist? Kann man das einfach so? Ist er ich dessen vielleicht noch nich bewußt, dass der Alkohol das größte seiner Probleme ist?


    ne menge fragen, ich werd mal probieren sie zu beantworten, is aber nur meine sichtweise, vielleicht sieht das ein alkoholiker wieder anders.
    anfangs trinkt mal wohl um vergessen zu können, langeweile zu vertreiben oder so. dann kommt der übergang in die sucht, den man aber selbst net wahrnimmt und damit is man auch scho mittendrin.
    klar, alkohol is das problem, aber im moment des trinkens, kann man dann alles andere wohl leichter verdrängen. du weißt dann irgendwann, dass es nicht gut is, aber da es dir in dem moment besser geht, tust du's wieder. und bei den meisten kommt dann noch die scham hinzu, sie schämen sich wie sie sich betrunken benommen haben, wie sie freunde oder frau/mann und kinder behandelt haben usw, das gefühl betäuben sie dann au wieder mit alk - ein einziger teufelskreis wie du siehst...
    wie vaan würde ich sagen, das dir jeder alkoholiker die frage nach dem ab wann man was dagegen tut, anders beantwortet.

    les dich doch mal hier im forum ein, gibt übrigens auch viele bücher zu dem thema, kann ich auch nur empfehlen!

    liebe grüße

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