Hallo liebe Leser! ![]()
Meine Mutter hat vor ein paar Tagen meinen Vater verlassen. Mein Vater säuft (finde keinen anderen Ausdruck dafür) solange ich denken kann. Wenn er früher viel intus hatte, wurde er sehr agressiv. Dabei kam es auch zu Handgreiflichkeiten gegenüber meiner Mutter. Das ging bis zu meinem 6/7 Lebensjahr. Wie man sich denken kann, war dies nicht sehr angenehm für mich. Ich muss dazu sagen, dass ich zu meinem Vater trotz allem eine besondere Beziehung hatte. Wollte er meine Mutter schlagen, war ich die Einzige, die ihn stoppen konnte. Ich wurde also als Vermittlerin/ Beschwichterin benutzt.
Danach entwickelte er sich zu einem Pendeltrinker. Er trank nur noch sehr selten bis zum Verlust der Selbstbeherrschung.
Naja gleich nach dem Abi bin ich raus aus dem Elternhaus. Habe aber dennoch sehr engen Kontakt gehabt. Meine Eltern haben mir immer sehr geholfen und mir unter die Arme gegriffen. Mittlerweile sind ja wieder einige Jahre ins Land gegangen. Zwei trockene Phasen inklusive.
Letztes Jahr erlitt mein Vater zwei Schlaganfälle. Meine Mutter konnte ihn erst Tage später überreden zum Arzt mit zu gehen. Das er das überlebt hat ist schon ein Wunder. Darauf folgte ein Jahr eine trockene Phase. Man merkt ihm auch keinerlei Spätfolgen an (kann wieder normal sprechen etc.). In diesem Sommer fing er wieder an. Nun säuft er sich sozusagen zu Tode. Meine Mutter hat es endlich geschafft sich zu lösen und ist gegangen.
Nun mein Problem: Meine Mutter ist es sch...egal wie es nu weitergeht. Ich fühle mich plötzlich sehr allein gelassen. Ich kann ja meine Mutter verstehen. Aber ich bin auch sauer auf sie. Erst muss ich diese Sch...-kindheit mitmachen und nun kann ich zusehen, wie ich klarkomme. Mein Vater wird allein definitiv nicht zurechtkommen. Er kann noch nicht einmal die Waschmaschine bedienen. Dazu kommt, dass er sich wohl seit neuestem einmacht. Wenn irgendwas geregelt werden muss, hat er null Durchblick. Außerdem gibts noch Haustiere. Die müssen doch auch versorgt werden? Frau Mama macht sich jetzt vor allem Gedanken ums Geld. Also ich finde das geschmacklos.
Gesundheitlich wird er das wohl nicht mehr lange durchhalten. Ich hab natürlich Angst, dass er noch einen Schlaganfall bekommt und keiner ist da. Ich wohne am anderen Ende von Deutschland. Zum Arzt wird er nicht gehen. Ehrlich gesagt spüre ich, dass er sterben will. Aber sein Körper ist einfach noch zu zäh. Manchmal denke ich, es wäre das beste für uns alle, wenn endlich dieser Tag kommt.
Kurz gesagt: Ich verstehe meine Mom, finde es aber teilweise unmoralisch, wie sie sich verhält (auch mir gegenüber).
Meinen Vater will ich eigentlich nicht mehr helfen. Andererseits mache ich mir sehr große Sorgen. Alle sagen "der ist erwachsen, da kannst du nix machen, blabla" Wie soll ich das denn durchhalten? Wenn er jetzt anruft und Hilfe braucht (nicht in Richtung Entzug, das kann ich sowieso vergessen)? Soll ich sagen, dass ich das nicht mache? Wenn ihm dann was passiert, kann ich mir das nie verzeihen! Ich weiß einfach nicht weiter. Ich muss eine Lösung finden, mit der auch mein Gewissen klarkommt. Aber welche?
Traurige Grüße von Jule