Co-Abhängig... wie ernst werde ich genommen

  • Hallo Ihr Lieben,

    möchte hier einen neuen Thread eröffnen und hoffe auf einen regen Austausch.

    Co-Abhängig... wie ernst werde ich genommen

    Mir war lange nicht klar das ich Co-Abhängig bin, geschweige denn was Co-Abhängigkeit überhaupt ist. Alkoholabsus (Alkoholmißbrauch) ist im Volksmund allgemein bekannt, hierfür wird mehr oder weniger Verständnis aufgebracht. Wie sehr ein Angehöriger unter dieser Krankheit leidet und sein eigenes Krankheitsbild entwickelt, wird sehr oft unterschätzt.

    Ich muß gestehen das ich mich oft nicht für „ernst“ genommen werde. Unter dem Motto“ ja ja dann trenne dich halt, dann wird schon wieder alles gut“. Als ich einer langjährigen Freundin vor ein paar Monaten von Co-Abhängigkeit erzählte, war sie völlig überrascht. Ihr war keineswegs bekannt was für Folgen, was für ein Leiden in diesen Menschen vorgeht. Auch sie ist immer der Meinung gewesen „entferne das übel, dann ist wieder alles ok“. In Zukunft ist sie was dieses Thema betrifft „sensibilisiert“. Genau so habe ich einer Bekannten davon erzählt (sie ist Alkoholikerin, hat nach 2 Jahren „Trinkpause“ einen Rückfall) . Von Ihr bekam ich zu hören: Ach Ihr... macht das alles noch schlimmer, da muß man ja trinken.
    Ok das war der ganz falsche Gesprächspartner, dieser Frau gehe ich seit diesem Tag aus dem Weg. Das ich mit meinem trinkenden Partner nicht darüber reden kann brauche ich hier wohl nicht erwähnen....Überhaupt gehe ich der „Alkohol konsumierenden Gesellschaft“ aus dem Weg, ich habe echt ein großes Problem damit.

    So, das sollte vorerst mal reichen. Wie ist Eure Meinung? Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht? Habt Ihr Euch als Co-Abhängig geoutet? Wie waren die Reaktionen? Und was mich brennend interressiert: Wie denkt Ihr trockenen Alkoholiker darüber? Was geht Euch durch den Kopf wenn Ihr die Threads der Co-Abhängigen lest?

    In diesem Sinne
    Liebe Grüße
    Lillith

  • Zitat von Lillith67

    Und was mich brennend interressiert: Wie denkt Ihr trockenen Alkoholiker darüber? Was geht Euch durch den Kopf wenn Ihr die Threads der Co-Abhängigen lest?

    Hallo,

    ich denke mir sehr oft: Oh Mann, Mädchen (nicht abwertend gemeint), wie kann man sich nur so manipulieren lassen!? Geh weg, melde dich nie wieder bei ihn und leb ein glückliches Leben. Und da spreche ich aus Erfahrung. Als ich noch nass und in einer Beziehung war, hatte ich dieses Manipulieren meiner Partnerin perfekt drauf. Ich weiß nicht, wie oft ich sie hingehalten und belogen hab. Und das, obwohl sie so fest zu mir stand. Aber das Saufen ging halt nunmal vor. Darauf bin ich nun nicht gerade stolz, aber so war es. Und sie hätte alles tun können. Ich hätte zu dieser Zeit niemals mit dem Trinken aufgehört, weil meine Zeit noch nicht gekommen war.

    Dir alles Liebe
    Eric

  • Hallo Lillith,

    Co- Abhängigkeit hab ich vor ein paar Jahren das erstemal gehört. Als ich die Bücher vom Kolitzus gelesen habe.
    Habe mich in diesen Büchern auch wieder gefunden und sie dann zur Seite gelegt. Und weitergelebt wie bisher. Hatte dieses Wort aber immer im Hinterkopf irgendwie.
    Erst als ich dieses Forum gefunden habe, habe ich gelernt was es bedeutet Co- Abhängig zu sein und bin immer noch nicht fertig damit. Zuerst hab ich gedacht das sind die Partner von Alkoholikern die den Alk besorgen und mittrinken. Und genauso denken viele die davon hören.
    Aber das eine Co- Abhängigkeit auch in anderen Bereichen zu finden ist als beim Alk, war für mich ganz neu aber jetzt natürlich sehr verständlich.
    Das wir nicht ernst genommen werden ist kein Wunder, weil es viel zu wenig bekannt ist und dann noch dazu sehr Komplex. Wenn ich das Wort Co- Abhängigkeit auswechsele und dafür sage Beziehungsgestört wird auf einmal ganz anders hingehört. Viele können anscheinend nicht mit dem Wort Abhängigkeit umgehen.
    Da ich selber noch dabei bin das ganze zu erfassen ist es auch sehr schwierig für mich es anderen Nahe zubringen. Denen ich es erzählt habe, kannten sich mit Alkoholismus aus bzw. sie haben ähnliches erlebt. Bei anderen habe ich als erstes gesagt ich bin krank und konnte dann erklären und erst zum Schluss habe ich gesagt das man es Co- Abhängigkeit nennt.

    Was ich sehr Schade finde ist das auch viele Institutionen damit nichts anfangen können und somit auch nicht helfen. Sie sehen nur die Alkoholkrankheit.
    Beispiel:
    Dem Jugendamt war bekannt das mein Mann ein Alkproblem hat. Sie haben uns unter Druck gesetzt, das er eine Therapie oder sonst wie daran arbeitet. Was natürlich unmöglich ist wenn der Betroffene es selber nicht will und anerkennt. Ich als Co kam dann natürlich noch mehr in die Bedrängnis und mein krankes Verhalten noch mehr auszuleben. Ich wurde noch hilfloser und mein Verhalten hat sich dadurch noch mehr verstärkt, ich konnte meinen Mann ja nicht dazu Bewegen etwas zu tun aber verlassen konnte ich ihn auch nicht weil ich ja selber in meiner Abhängigkeit gefangen war.
    Als der Jugendamtsmann irgendwann sagte, da sie nicht in der Lage sind sich von ihrem Mann zu trennen müssen wir ihnen die Kinder wegnehmen. Toll, dann sitzte da und hast nur noch Panik. Hätten sie meine Krankheit verstanden, hätten sie mir eine Kur/Therapie angeboten wo ich etwas über Co-Abhängigkeit lerne, damit ich mich lösen kann, das wäre in meinen Augen die richtige Hilfe gewesen.

    Und auch bei mir fällt auf wie genau ich das Trinkverhalten aller sehr kritisch beobachte und oft innerlich platze wie leicht es genommen wird und wie selbstverständlich überall getrunken wird.

    Liebe Grüsse
    Elocin

  • Servus Lillith67,

    ich nehme Co-Abhängige genau so ernst wie Betroffene.

    Bei Co-Abhängigen gibt es -genauso wie bei Alkoholikern- welche, die sich wirklich aus ihrer Abhängigkeit befreien wollen. Die gehen auch meist recht zierlstrebig (hier im Forum) vor.

    Und dann gibt es diejenigen Co-Abhängigen, die ihre Co-Seite so richtig ausleben und gar keine Veränderung wollen (die gibt's bei den Alkoholikern genauso...) - da habe ich dann genau so wenig Verständnis wie für jemand, der "eigentlich" weitertrinken möchte.

    Davon abgesehen: ich kann weder den Co-Abhängigen noch den Betroffenen ändern, das müssen beide schon selbst erledigen. Wie heist es so schön? Wer will, findet Wege. Wer nicht will, findet Gründe...

    LG
    Spedi

  • Es ist sehr schwer überhaupt jemandem über das Thema etwas zu sagen...mehr als "Er trinkt zuviel", "das kann ich nicht leiden" etc. hab ich kaum rausgebracht...und immer wenn ich mal versucht habe etwas anzudeuten sind die Leute nicht drauf eingegangen... geschweige denn zu dem Problem etwas zu sagen was ich damit habe..Allerdings habe ich den Begriff Co-Abhängig noch nicht so ganz geklärt für mich. Ich wüßte gar nicht mit wem ich offen darüber reden könnte. Aber manchmal würde ich es gern hinausschreien, vorallem Leuten gegenüber die mittrinken oder mich als "Langweilig" in dieser Beziehung bezeichen...vonwegen Alkohol gleich Spaß...

    Das Leben ist Widerspruch: Das eine ist und das andere auch.

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