Heute möchte ich mal einen kleinen Rückblick auf meine Anfänge der Trockenheit werfen:
Als ich mich nach meinem letzten Totalabsturz (im Juli 2010) entschloß, ein Leben ohne Alkohol zu führen, konnte ich mir trotzdem kaum vorstellen, dass ich tatsächlich alkoholkrank bin. Wie jeder von uns war ich nur im Vergleich mit anderen, die schlimmer trinken als man selbst 
Die erste Zeit meiner Abstinenz war relativ easy. Vielleicht, weil ich nicht täglich getrunken habe und mein letzter Absturz saß mir noch tief im Nacken. Mein Suchtgedächtnis war zumindest im Tiefschlaf und ich habe sogar gedacht: okay, in einem Jahr setze ich mich mit einer Flasche Wein hin und gucke, ob ich mein Trinken kontrollieren und nur ein Glas Wein trinken kann … (Nicht weil ich wieder trinken wollte, sondern weil ich es mir nicht vorstellen konnte, tatsächlich keine Kontrolle über den Alkohol zu haben).
Nach 4 Monaten Abstinenz kam mein Wendepunkt: mir wurde eine „gute“ Flasche Hochprozentiges als Mitbringsel geschenkt ( die Person wusste nicht, dass ich nicht mehr trinken wollte) und wenig später sprang mir mein Suchtgedächtnis an. Nicht für eine Minute, sondern bestimmt über eine Stunde. Eine eloquente, penetrante und manipulative Stimme der übelsten Sorte.
Ich habe mich glücklicherweise zeitnah ins Forum begeben, statt den Schnaps zu öffnen 😅
Für mich war das der ALL IN Moment:
Ich stellte es nicht mehr in Frage, ob ich ein Alkoholproblem habe - ja, ich bin alkoholkrank! Gleichzeitig begann der Prozess meiner persönlichen Kapitulation. Es dauerte gefühlt 2 - 3 Tage, in denen ich mit mir kämpfte mir einzugestehen, etwas nicht über meine Kraft und Willen steuern zu können. Ich sah das als Schwäche von mir an. Es mir umzudrehen, dass es eine Stärke ist, zu meiner Schwäche zu stehen die ich habe, war mein persönlicher Gamechanger. Ich erinnere mich, dass es ein ungewohntes, aber sehr befreiendes Gefühl war: ich muss endlich nicht mehr gegen den Alkohol kämpfen🙏🙏 !
Ich konnte meinen Individualismus und mein Ego in die Ecke stellen, dass bei meiner Sucht doch alles anders sei, als bei anderen. Ich hab´s hier tagtäglich gelesen, dass die Sucht nur nach unten geht - warum sollte das ausgerechnet bei mir anders sein ….
. Auch die anfängliche Risikominimierung bekam für mich eine ganz andere Dimension, da es mich soviel Kraft und Energie kostete, dem Suchtgedächtnis entgegenzutreten.
…. und den Versuch mit dem Trinken vom Wein in einem Jahr, den brauchte ich schlagartig auch nicht mehr 😁. Den brauche ich bis heute nicht , den brauch ich in Zukunft nicht - ich weiß, ich werde bei dem Versuch verlieren
Das ist nun 13 Jahre her - ich konnte noch früh aussteigen 🙏.
Mein Leben ist heute nicht nur rosarot und toll - nö - die Welt da draußen hat sich ja nicht verändert - aber ich muss nicht mehr zusätzlich täglich gegen einen Gegner kämpfen, gegen den ich sowieso verlieren werde und kann diese gewonnene Energie für das ganz normale Meistern des Lebens nutzen , das ist schön 😁
Viele Grüße Martha 🌸