Hallo Becki,
ich lese eine Menge Frust aus deinem letzten Post. Ich kann Dir aus meiner Sicht nur sagen, dass ich Dir nix Böses will. Ich habe Dir meine Erfahrungen geschildert und meine Erkenntnisse, die ich daraus gezogen habe. Die scheinen aber nicht das zu sein, was Du erwartest hast und jetzt hörst Du dich sauer an. Vielleicht ist aber genau das ein Grund, sich unsere Posts noch einmal gründlich durchzulesen. Bei mir war es so, dass Dinge, die mich beim ersten Lesen auf die Palme gebracht haben, des Pudels Kern getroffen hatten, ich mir das nur nicht eingestehen wollte.
Ich war zu meinem Trennungszeitpunkt über 20 Jahre mit meinem Mann zusammen. Er ist der Richtige für mich, wir konnten zusammen lachen, Projekte stemmen ...., aber ständig war da dieser Schei*alkohol, der diese Dinge immer wieder zunichte machte. Ich wollte mich nicht trennen, ich wollte das er ne Therapie macht und alles wird wieder gut. Was hab ich Flaschen gezählt, gebettelt, geredet, geweint, gemault. Es hat alles nix geholfen. Dann schlug es langsam um. Ich fühlte mich in seiner Nähe unwohl, konnte ihn nicht mehr riechen, konnte nicht mehr mit ansehen wie er stierend auf der Couch saß. Ich war unglücklich und er war Schuld. Ich hab noch nicht mal gewusst warum es mir so bescheiden ging, bis ich ein langes Gespräch mit unserem Kind hatte, dass mir die Augen geöffnet hat. Das war im April und ich fing an, im Netz zu recherchieren und kam auf dieses Forum. Im Juni bin ich ausgezogen. Es war die beschissenste Zeit, die ich je durchgemacht hatte. Aber ich hatte das Gefühl, wenn ich nicht gehe, gehe ich ein, verschwinde immer mehr und das wollte ich einfach nicht. Ich wollte von ihm erstmal nix sehen oder hören und er hat alle Register gezogen, damit ich wieder in die Spur komme. Aber ich konnte wie gesagt nach einem Monat die Kontaktsperre durchsetzen und dann ging es mir langsam besser. Vorher hatte ich Panikattacken, wenn er anrief. Ich fühlte mich so dermaßen schlecht, dass ich ihn verlassen hatte, mein Herz sagte, dass alles falsch ist und mein Verstand sagte mir, da musst du durch. Ich hab einfach mal gemacht, was der Verstand sagte und irgendwann kam mein Herz hinterher. So hatten wir beide Zeit, unsere Genesung in Angriff zu nehmen - jeder für sich.
Du kannst doch gern mit deinem Partner so weiter leben wie bisher - das meine ich wirklich nicht sarkastisch. Es ist nur so, dass Du einen Alkoholiker nicht trocken legen kannst. Er muss selbst die Erkenntnis haben und dann muss er selbst beschließen trocken zu werden und dann muss er selbst Taten folgen lassen. Und ja, es ist eine Krankheit, aber ich als Partner kann bei anderen Erkrankungen ja auch keine Diagnose stellen, da muss mein Partner schon mal selbst zum Arzt gehen und die vorgeschlagene Therapie machen. Und nichts anderes ist es bei einem Alkoholiker - er muss in die Puschen kommen.
Ich dachte ich finde in diesem Forum Menschen und Tipps, die mit einem Alkoholkranken trotz der „Schwierigkeiten“ zusammen sind und ihn bei seinem Weg in die Trockenheit unterstützen. Aber solche gibt es anscheinend nicht mehr. Alle verlassen den Alkoholiker und führen fernab ein glückliches Leben. Die einzig richtige Lösung ist: Streiche den Alkoholiker aus deinem Leben. Das ist das Fazit dieses Forums. Dann ist das so. Dann kommen wir hier nicht auf einen gemeinsamen Nenner. Ende der Geschichte.
Ich lebe wieder mit meinem Mann zusammen und habe Dir meine Erfahrungen geschrieben. Sie sind anscheinend nicht das, was Du Dir wünschst zu hören, denn für mich war es wichtig, allein wieder zu mir zu finden. Was aus meiner Ehe würde, war mir zu diesem Zeitpunkt völlig egal. Vielleicht hab ich es aber viel zu lange direkt neben einem Alkoholiker ausgehalten ohne die Freiräume, die Du hast und konnte es daher so durchziehen.
Trotzdem denke ich, ist es wichtig zu wissen, was man wie möchte und es so auch seinem Partner zu kommunizieren.
Du wirst Deinen Weg gehen und er wird für dich der richtige sein.
sonnige Grüße
Lütte