Langfristig hast Du das Recht darauf ein für Dich zufriedenes und selbst bestimmtes Leben zu führen. Was wäre dafür nötig?
Kurzfristig hast Du das Recht diese Wohnung zu kündigen. Es gibt auch Kündigungsfristen, Zeit genug zu reagieren für Ihn. Er hat dann die Möglichkeit das Mietverhältnis weiterzuführen ( Er muss dann mit dem Vermieter einen neuen Vertrag machen, Du bist dann raus ) oder er sucht sich etwas Neues. Das soll dann aber auch nicht mehr Dein Problem sein. Aber er kann das nicht ignorieren.
Er wird sich schon bewegen wenn er muss. Das siehst Du täglich wenn er sich neuen Stoff besorgt oder auch Gespräche mit der Nachbarin führt. Er muss dann zu den Ämtern, Wohngeld, Bürgergeld...etc. . Nicht mehr Deine Baustelle.
Jedenfalls habe ich nichts unternommen. Ich habe ihm nochmals klargemacht, dass er sich eine neue Bleibe suchen soll.
Warum sollte er das tun. Läuft doch prima so. Es muss unbequem werden. Nur dann passiert auch Etwas. Dein Reden, Betteln, Schimpfen oder Drohungen interessieren ihn genausolange bis Du wieder weg bist. Das stört eigentlich nur im Trinkeralltag. Wenn Du auftauchst ist er desolat, gehst Du wieder dann wird er aktiv. Normales Trinkerverhalten. Kenn ich alles noch aus meinen Zeiten.
Vorher gibt es keine Hilfe.
Das warten auf die dritte Macht. Auf ein Ereignis das alles ändert. Jemand der Dir alles abnimmt ... genauso wahrscheinlich wie der erhoffte Lottogewinn. Die plötzliche Einsicht oder die rapide Verschlechterung eines Zustandes. Warten. Hoffen. Bangen. Jemand oder Etwas der/das Dir die Verantwortung abnimmt für das was passieren könnte. Damit Du nicht schuld bist.
Dabei bist Du in Deinem Kopf für Dich ja eigentlich sowieso schon schuld. Egal wie das weiterläuft.
Jeden Tag ein Stück unzufriedener aufwachen, weil die dritte Macht einfach nicht eingreift. Dir die Absolution erteilt, Entscheidungen abnimmt.
Er ist ja ein eigenständiger Staatsbürger mit Rechten, Pflichten und dementsprechenden Möglichkeiten.
Ein anderer Mensch, eine andere Person, und nicht Dein Kind für das Du Verantwortung übernehmen musst.
Es gibt Einrichtungen, Männerwohnheime, Psychiatrien, betreutes Wohnen, Gastfamilien, Sozialstationen... Möglichkeiten genug für Ihn etwas anzupacken. Auch in diesen Zuständen. Du glaubst garnicht wozu Alkoholiker alles in der Lage sind. Ich weiss das leider aus eigener Erfahrung.
Er ist am Zug sich Hilfe zu besorgen, wenn er das nicht tut landet er auf der Strasse. Nicht mehr Dein Problem.
Dein Rucksack wird jeden Tag schwerer und Du wirst schwächer. Die Zeit arbeitet gegen Dich. Mach das die Zeit wieder für Dich arbeitet und sie wieder Dein Freund wird. Leben. Ziele. Planungen. Für Dich.
Da gibt es übrigens noch Etwas: Mit jedem Tag den Du zögerst verlängerst Du seinen Leidensweg. Deinen sowieso. Du trägst ihn ja momentan.
Er kann das ja nicht unbegrenzt so weiterführen und muss sich irgendwann entscheiden zwischen Abstinenz oder Tod. Mach ihm die Entscheidung leichter, dringender, indem Du Ihm die Verantwortung für sein (Weiter-) Leben wieder übergibst und Dich rausziehst.
lG WW