Beiträge von Rattenschwanz

    Zitat von Barthell

    z.B. Lebenslauf/Suchtgeschichte anfertigen soll dannach als Unterlagen für eine anschließende Psychologische Betreuung bzw. auch für den Antrag einer Therapie?

    Da würde ich erst mal noch nichts machen, guck dir das erst mal an. Wenn dir's "gefällt", erzähl dort was dir grad einfällt oder antworte auf Fragen. Aber nee, ich würde nichts vorbereiten.

    Schön ist das „Normale“ am Leben ohne Alkohol. So oder so ähnlich hab ich das vorhin bei „Silberkralle“ gelesen.

    Für einen Gesunden ist das normal aber ist das denn ein normales Leben so als Alkoholiker ohne Alkohol?

    Ohne Zweifel ist für mich – und nur für mich kann ich schreiben - ein schöneres Leben ohne als mit Alkohol aber normal? Hm. Nun mach ich mir ja nicht so viele Gedanken über bestimmte „Grundbausteine“ wie andere Alkoholiker - und das geht nun trotzdem schon über 4 Jahre gut – aber irgendwo ist ein ständiges bewusstes Aufpassen da, dass ich nicht aus Versehen oder Dummheit oder Leichtsinn oder … irgendwo „rein trete“ wo es für mich brenzlig werden kann. Ja bewusst im Unterbewusstsein wenn es sowas gibt. Und das belastet mich manchmal schon. Schön wäre es wenn ich mal überhaupt nicht mehr dran denken würde/bräuchte, ob der Alk nicht doch irgendwo lauert. Das wär für mich normal. (Jetzt ist es manchmal Kampf und Krampf.)

    Zitat von Thalia1913

    Ein Suchttherapeut weiß, wie es dir geht. Du wirst nicht überfordert, sondern aufgefangen.

    Das ist mir zu pauschal. Ich hatte mehrere Therapeuten, denen ich nicht anvertraut hätte was ich gestern Abend gegessen habe. Aber hin gehen (zur Suchtberatung zum Beispiel) und sich die Therapeuten und die Einrichtung ansehen kostet ja nichts. Und dann kannst du nach einem Gespräch bestimmt einschätzen, ob das was für dich ist oder nicht. Ich würde es wenigstens versuchen Wolfgang.

    Zitat von Gaby72

    [quote='Rattenschwanz']
    Es ist immer sinnlos einem Alkoholiker einreden zu wollen, dass er mit dem Saufen aufhören soll. Du willst ihm gestatten paar Biere zu trinken oder wer ist "man"?

    Ich rede es ihm nicht ein, das will er selbst.
    Bitte doch einfach mal die Texte richtig lesen ;)
    quote]

    Auch beim 2. Mal hab ich nichts davon gelesen, dass er was will. Ich lese immer nur "wir haben" oder "du hast ihm"... oder "was ihr ihm auftragt" ... Bitte doch einfach mal den Text verständlich schreiben :wink:

    Zitat von Gaby72

    Nochmal an alle:

    Die Frage, die sich mir stellt, ist folgende:

    Wenn mein Sohn es geschafft hat, sich auf 1-2 oder 2-3 Bier "runterzutrinken" , ob es sinnvoll ist, jetzt zu sagen,oder es ihm nahe zu legen es ganz zu lassen, oder ob man ihm gestattet seine 1-2 Bier zu trinken.
    Daraus ein kontrolliertes trinken zu machen- versteht ihr?!


    Von einem sogenannten "kalten Entzug" ohne ärztlicher Aufsicht, wird ja immer abgeraten.

    Es ist immer sinnlos einem Alkoholiker einreden zu wollen, dass er mit dem Saufen aufhören soll. Du willst ihm gestatten paar Biere zu trinken oder wer ist "man"?

    Zitat von Asta

    Nur weil Therapeuten nicht ...

    Ich bin der Meinung, dass das eh nicht einfach so festgelegt werden kann, was für wen gut ist. Der eine kommt mit 'ner LZT zurecht der andere mit 'ner ambulanten Therapie, der nächste ohne. Das muss schon jeder selbst bissl rausfinden, da gibt's kein Patentrezept.

    Mal noch was zum Forum als vollwertige virtuelle SHG: Ich hab hier oft genug gelesen, dass ein Vorteil hier wäre, dass hier jeden Tag 24 h lang Hilfe zur Verfügung steht wenn Probleme auftreten. Hm, schade nur, dass eben grad so gegen 4.15 Uhr als der "Hesse 79" Probleme hatte Niemand hier war, um zu antworten. (Bei 'ner realen Gruppe hätte er Jemanden anrufen können.)

    Zitat von Sunshine_33

    Das kommt vielleicht auch darauf an, wo man steht und wie wichtig einem ein trockenes Leben ist?

    Mir fiel es nicht so schwer, gleich in der Notaufnahme alles ehrlich zu sagen.
    Ich habe dort genau angegeben, wie viel ich so gesoffen habe.

    Darum geht mir's nicht. Es geht darum, während einer Therapie/qualifizierten Entgiftung offen über seine wirklichen Problem zu sprechen. Es geht also nicht um die Saufmengen, sondern um Ursachen"forschung".

    Zur Ergänzung zum Thema „Offenheit und Ehrlichkeit während der Entgif-tung/Therapie“:

    Zur ersten LZT bin ich voller Elan und Zuversicht und mit dem festen Willen alles für den Erfolg der Therapie zu tun. Ich hatte mich wirklich darauf gefreut was für mich tun zu dürfen. Die Realität sah anders aus, was ich allerdings erst hinterher so richtig „schnallte“. Es passierte nämlich genau das, wovor hier schon von "Ghiuirgean" gewarnt wurde, ich erzählte nur das, was ich hören wollte. Ich hab ausgiebig darauf hingearbeitet mir die Therapie so zu gestalten, wie ich dachte, dass sie gut für mich ist. Bedeutet: Meine Therapeutin hab ich nur so weit in mich rein sehen lassen, dass es nicht zu weh tat. Also habe ich selektiert was ich für wichtig hielt und was nicht. Das führte dazu, dass ich meiner Meinung nach aufrichtig war und an Problemen gearbeitet habe. Allerdings waren das die Probleme, die nicht wirklich richtig weh taten wenn ich sie vor 10 Mitpatienten oder in Einzelgesprächen anging. Und somit war das ganze mehr oder weniger „ein Schuss in den Ofen“.

    Am Ende war ich – Idiot – auch noch stolz darauf, wie gut ich bei den Beurteilungen durch die Psychologen weg kam und was ich doch für ein toller Mensch war. Dabei hab ich in den 16 Wochen nichts anderes erreicht, außer mir in die eigene Tasche zu lügen. Das Ergebnis war, dass ich - in meinem Größenwahn - der Meinung war nun ein „toller Hecht“ zu sein, der alle seine Probleme geklärt hatte und der ab sofort wieder kontrolliert Alkohol trinken kann. Das ging paar Tage gut, dann war ich weiter als vor der Therapie, jedenfalls was die Literzahl an Schnaps anging, die ich mich rein schüttete.

    Es ist nicht einfach offen und ehrlich zu sein und besonders schwer, ist es das sich selbst gegenüber.

    Zitat von Hesse79

    Lieber Rattenschwanz, und alle andren hier, mir scheint, so mancher liest nicht richtig, sondern überfliegt nur...

    Ich hab das schon verstanden und ich hab auch verstanden, dass du hier Niemanden nach W-LAN in der Klinik fragst, sondern in deiner realen SHG. Ich finde das auch in Ordnung, dass du dich erkundigst, sei froh darüber, dass das noch geht.

    Mir ging's darum den Irrtum aufzuklären, dass dir hier jemand wünschen würde, dass es dir noch dreckiger geht. Das ist nämlich nicht so.

    Zitat von Hesse79

    Aber solche Aussagen wie "dir gehts nicht dreckig genug" sind in der Hinsicht dann doch Contraproduktiv: So nach dem Motto du musst erst alles verloren haben, dann darfst du bei uns "mitspielen".

    Da hast du aber irgendwas gründlich falsch verstanden. Es geht nicht darum, ob du mitspielen darfst oder nicht. Es geht um die Ansprüche (Gut, das hast du ja nun erklärt, warum.) die du an die Klinik stellst, um überhaupt erst mal bereit zu sein, eine Entgiftung dort in Anspruch zu nehmen. Wenn es dir richtig dreckig geht, denkst du nicht mehr darüber nach, ob es dort W-LAN gibt oder nicht und wo die Klinik ist oder ob die Wände gelb oder grün gestrichen sind - da willst du einfach nur Hilfe.

    Und zum Schluss: Es macht überhaupt keinen Unterschied ob du klar denken kannst oder nicht wenn du zur Entgiftung gehst - Alkoholiker bleibt Alkoholiker. Alles andere Denken entspringt einer unsäglichen Eitelkeit (besserer und schlechterer Alkoholiker). Ein sehr beliebter Spruch aus der Schublade ist: Ich bin ganz allein zur Entgiftung gegangen, ich musste nicht eingeliefert werden. Den hab ich auch mal drauf gehabt - kotz.

    Zitat von Karsten

    Hallo Rattenschwanz,

    das ich nicht normal trinke, war mir schon während der ersten Jahre des trinkens klar. Das war mit ca. 14 oder 15 Jahre.
    Da musste mir keiner mit der Nase drauf stoßen.

    Ich und niemand anderes lebt ja nur alleine und sieht, dass es andere Menschen gibt, die anders leben. Ich hatte diese normal lebenden Menschen später sogar beneidet, weil sie in meinen Augen sorgenlos lebten.

    Hab ich was anderes geschrieben?

    Klar war dir das, weil du bei anderen Menschen gesehen hast, dass es anders geht. Wenn du das bei anderen Menschen nicht gesehen hättest, hättest du nicht gewusst, dass es anders geht und hättest nichts geändert, weil es ja nichts anderes gegeben hätte auf das du hättest neidisch sein können. Also unbewusstes mit der Nase drauf stoßen durch die anderen.

    Selbsthilfegruppe bedeutet ja erstmal, dass sich die Mitglieder/Teilnehmer der Gruppe selbst/untereinander dabei helfen, mit ihren Problemen zurecht zu kommen. Also „Problemkinder“ unter sich und ohne – meiner Meinung nach oft störende weil hemmende - Mitwirkung von Psycho-Profis aber unter der Leitung eines (meistens) geschulten Moderators, dem Leiter der Gruppe – ohne wird’s Anarchie.

    Die hier viel gepriesene Methode sich einfach selbst zu helfen funktioniert ja so überhaupt nicht – meine Meinung. Der Anstoß zur Bereitschaft etwas gegen die Sucht zu tun, muss natürlich vom Kranken selbst kommen. Aber selbst der Weg zur Einsicht funktioniert ja nicht im Selbsthilfe-Programm, da ja der Anstoß daraus resultiert, dass irgendwas anders ist als bei anderen. Die Idee, dass was anders ist – Trinkverhalten, soziales Umfeld zum Beispiel – kommt ja erst, wenn andere irgendwie zu verstehen gaben, dass irgendwas anders ist. Also zeigt erst der Vergleich mit den anderen, dass ich mich doch bitte mal an jemanden wenden möchte, der mir dabei hilft, wieder so oder wenigstens ähnlich wie die anderen zu werden. Wenn uns andere – bewusst oder unbewusst – nicht mit der Nase darauf stoßen würden, dass irgendwas nicht stimmt, würden wir ja denken, dass wir so wie wir sind normal wären und kämen nicht auf die Idee, etwas ändern zu müssen/wollen, weil: Warum? Und jeder von uns hätte ohne die Hilfe anderer wahrscheinlich „aufs Brett geschi.ssen“, wenn er auf immer und ewig versucht hätte sich selbst zu helfen und auf die Hilfe anderer zu verzichten. Die Bezeichnung Selbsthilfe als Bedeutung für ohne die Hilfe anderer auszukommen, ist – auch wieder meiner Meinung nach – hier nicht richtig. Einfach deshalb nicht, weil wir nicht ohne Hilfe auskommen. Wenn dem so wäre, bräuchten wir dieses Forum nicht, nicht die reale Selbsthilfegruppe, nicht unsere Familien, Bekannten, Ärzte … (Das ist eine Aufzählung, keine Wertung.). Selbsthilfe hat also keinesfalls was mit allein zu tun. Und jetzt zahl ich auch ins Phrasenschwein (symbolisch): Der Erfolg hat viele Väter. 

    Ja, das ist schon Schei.ße, wenn das so langsam alles klar wird, was so mit dem nicht mehr saufen auf einen drauf zukommt. Da stehste erst mal vor ‘ner Wand - vielleicht Job weg, die Erkenntnis sich wie ein Arsc.hloch benommen zu haben, sich besoffen zum Affen gemacht zu haben, die Erkenntnis, doch nicht so heimlich wie gehofft gesoffen zu haben …glaub mir, es geht meistens vorbei. Job weg, manchmal Familie weg. Wenn du Glück hast, hast du noch ‘ne Wohnung und bissl Geld. Du wirst merken, das ist alles nicht so schlimm als wenn du weiter gesoffen hättest. Wohl dem, der den Absprung schafft, der – die natürlich auch – findet nämlich das Leben wieder. Dass das nicht immer so sein wird, wie du dir das erträumst, das dürfte klar sein. Auf jeden Fall hast du aber nüchtern die Fäden in der Hand und nicht der Alk, und das ist viel wert. Das ist vor Allem dann viel wert, wenn‘s dir nüchtern so richtig beschi.ssen geht und das wird passieren. Die überwiegende Zeit wird dir’s in Zukunft gut gehen, denk ich mal.

    Vor der Entgiftung musst du keinen Bammel haben, die Zeit wird dir gut tun. Und was du Neues oder Anderes an dir entdecken wirst … du wirst damit zurechtkommen, irgendwie und nüchtern alle Male besser als besoffen. Alles Gute für die Zukunft.