Beiträge von Carl Friedrich


    Was mir damals durch den Kopf ging war: Wieviel muss ich vom Vorrat an meinen Lieblingsmenschen abgeben? Wie viele Flaschen kann ich ohne Lostreten einer Diskussion mitnehmen? Wie viele Flaschen kann ich tragen?

    Hallo Miela!

    Diese abstrusen Gedankengänge kommen mir sehr bekannt vor. Das Leben wurde um das Trinken herum organisiert. Zum Glück sind diese Zeiten -hoffentlich auf Dauer- vorbei.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Im Nachhinein ist mir der Weihnachtsabend, auch hier im Forum, eher peinlich.

    Hallo Ernest!

    Nein, das ist er nicht. Er zeigt nur, wie heimtückisch das Suchtgedächtnis reagieren kann.

    Im Übrigen handelt es sich hier nicht um ein "Schönwetter-Forum".

    Und denke bitte an meinen weiteren Rat, dich für Silvester zu wappnen. Da wartet die nächste große Herausforderung. Ich gehe z.B. zu keiner Feier, sondern bleibe brav daheim. Ich wüsste auch nicht, was ich auf einer Silvesterfeier sollte. Anderen beim Trinken zuschauen?

    Gruß
    Carl Friedrich

    Fortsetzung:

    Ich knüpfe mal hier an Ernest und seinen fetten Suchtdruck vom gestrigen Abend an.

    Ich sage es immer, der Dezember, wenn der Alkohol scheinbar allgegenwärtig ist und fast überall und z.T. exzessiv konsumiert wird, ist für einen noch nicht so gefestigten Abstinenten brandgefährlich. In meinem Suchtgedächtnis ist er jedenfalls nach wie vor, wenn auch unter einer mehr oder weniger dünnen Schicht verborgen, präsent.

    Mir geht's gut. Ich hatte gestern keinerlei Verlangen nach dem Stoff. Früher hätte ich jetzt eine "dicke Birne" und hätte ab 12.00 das erste "Konterbier" am Hals gehabt.

    Gleich fahre ich mal für eine gute Stunde ins Fitnesstudio. Anschließend gibt's Kaffee und Gebäck.

    Frohe Weihnachten
    wünscht Carl Friedrich

    Hallo Ernest!

    Vorab, gut gemacht.

    Als ich meinen richtig fetten Suchtdruck hatte schrieb mir Dante dankenswerterweise, dass jeder Triggerabwehr einen für die Zukunft stärkt. Er hat, so weit ich es beurteilen kann, Recht behalten.

    Mir hilft es, wenn ich mögliche Gefahrenherde im Vorhinein, so gut es eben geht, analysiere und mich auf evt. Suchtdruck einstelle.

    Meine Strategie:

    1.) Viel Wasser mit Kohlensäure, damit der Bauch prall voll ist und ich keinerlei Durst habe.

    2.) Sofortiger Ortswechsel und Befassen mit Dingen, die mir Freude machen. Bei mir bewährt: Raus an die frische Lauft, ob zu Fuß oder auf dem Rad ist egal.

    Bei meinem letzten Druck Ende November, packte ich meine Tasche und ging geradewegs ins Fitnesstudio. Der Druck verflüchtigte sich rasch.

    Für heute bist Du gewappnet. Aber habe bitte den Jahreswechsel im Visier. Da kann das Suchtgedächtnis auch brutal zuschlagen.

    Alles Gute
    wünscht Carl Friedrich

    Fortsetzung:

    Weihnachtsmarkt ist dieses Jahr für mich ausgefallen. :)

    Hatte eh keine Lust.

    Was steht Weihnachten auf dem Programm? Ruhig und still bleibe ich im engsten Familienkreis daheim.

    Mein Fitnesstudio hat an allen 3 Tagen stundenweise geöffnet. Da werde ich am ersten oder zweiten Weihnachtstag mal aufschlagen.

    Mir geht's, bis auf das eine oder andere (altersund verschleißbedingte) Wehwehchen, gut.

    Gruß
    Carl Friedrich

    2008 erlangte ich nach erfolgreicher MPU meinen Führerschein zurück, und schwupps nahm das Verlangen nach Alkohol überhand, ich wollte wieder wie so viele Menschen etwas trinken können, ich wollte wieder Teil der „normalen“ Gesellschaft sein, welche zu besonderen Anlässen etwas trinkt, und natürlich bildete ich mir ein, nach einer solch langen Abstinenzphase alles im Griff zu haben… WAS WAR ICH NAIV…


    Hallo Schmitzkatze!

    Willkommen hier im Forum.

    Deine Schilderungen kommen mir bekannt vor, ich habe sie schon öfter gehört. Hat der MPU-Aspirant erst mal den Lappen zurück, hält er/sie sich womöglich für geheilt und das Unheil beginnt von vorne. Als Einstieg dient der Irrglaube, man habe nun mehr alles im Griff und könne moderat mal ein Gläschen trinken.

    Darf ich fragen, wie lange Du jetzt wieder clean bist? Hast Du eine Therapie gemacht?

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo!

    Da gibt es keine verbindliche Richtschnur.

    Will er denn überhaupt für sich trocken werden? Ich wollte es, auch wenn die Familie Anschubhilfe geleistet hat. Als mein Karren der Abstinenz dann Fahrt aufnahm, wollte und will ich ihn am Rollen halten. Daher kam bei mir bei Besuchen von Cafes etc. nicht mehr automatisch der Wusch nach einem Bier auf.

    Diesen Punkt muss dein Mann erst noch erreichen. Das geht nicht binnen Monatsfrist. Rückblickend meine ich, dass ich das Gröbste nach 1/2 Jahr hinter mir hatte. Allerdings bin ich mein Problem konzentriert und von mehreren Seiten aus angegangen: Ambulante Therapie, Fachliteratur aus Patienten- und Therapeutensicht sowie dieses Forum hier.

    Gruß
    Carl Friedrich

    natürlich hatte ich mich auch mit Büchern informiert, bin in Buchgeschäfte und welche gekauft. Kann mich auch erinnern das ich damals in den Anfängen auch den Verkäufern erzählt hatte, dass diese Bücher für einen Freund wären, der abgerutscht ist.

    Es gibt jedoch nur einen Weg für jeden den Einzelnen, der den jeder für sich gehen muss.

    Wenn man dann die Bücher wegstellt und sich auf Wege besinnt, die die Masse von Langzeittrockenen gegangen sind ist es gar nicht mal so schwer es in seinen eigenen Weg einzubauen.


    Hallo!

    Ich wäre nicht überrascht, wenn der Buchhändler klammheimlich doch geahnt/gewusst hat, für wen die Literatur wirklich bestimmt war :D

    Zum eigenen Weg: Der muss auch erst mal gefunden werden. Die Ratschläge der Erfahrenen erleichtern die Suche jedoch ungemein und zugleich verringern sie das Unfallrisiko erheblich.

    Ist der eigene Weg denn völlig anders als der der Erfahrenen? Meiner ist es sicherlich nicht, auch wenn ich immer noch nicht alle Ratschläge der Grundbausteine befolge. Ich behaupte mal, dass die grundsätzliche Richtung, in die die Erfahrenen marschieren, dieselbe ist, die ich eingeschlagen habe.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Fortsetzung:

    Zum Thema Weihnachtsmarkt: Irgendwie zieht es mich in diesem Jahr dort nicht hin.

    Warum? Gute Frage. a) Ich habe keine Lust auf Glühweinhütten. 2.) Es ist eh immer das Gleiche. 3.) In unserer Umgebung gibt es einfach keine schönen.

    Falls meine Frau doch noch unbedingt hin möchte, dann tue ich ihr den Gefallen. Aber am Sonntag ist sehr schlechtes Wetter angekündigt, morgen und nächste Woche habe an fast allen Tagen ich keine Zeit :D

    Unseren frisch Abstinenten rate ich eindringlich von einem Besuch ab. Das ganze Drumherum provoziert das Suchtgedächtnis dermaßen, dass akute Rückfallgefahr besteht. Bevor man solche Risiken auf sich nimmt, sollte eine gewisse Festigung eingetreten sein, was m.E. frühstens nach einem Jahr Abstinenz der Fall ist.

    Und die Ausrede, der Freund X oder die Freundin Y sei dabei, geht ins Leere. Die sind für die eigene Abstinenz nicht verantwortlich und auch kein Babysitter.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo Ideja!

    Stimmungsschwankungen hat jeder Mensch. Niemand ist jahrein jahraus gleichbleibend gut drauf. Das gibt es nicht.

    Während meiner aktiven Zeit waren sie deutlich ausgeprägter als heute.

    Bist Du sicher, dass die Schwankungen deines Mannes mit der Abstinenz zu tun haben und nicht andere Gründe haben? Mangelnde Zufriedenheit mit seiner persönlichen, beruflichen und familiären Situation? Hat er evt. das Gefühl im Vergleich zu Bekannten/Freunden/Kollegen "zu kurz" zu kommen?

    Will er selbst abstinent leben oder praktiziert er es nur, weil es von ihm erwartet wird?

    Gruß
    Carl Friedrich


    eine Frage an Carl Friedrich
    in wie weit hat das Alkohol Verzicht deine Partnerschaft beeinflusst? wie könnte dir deine Frau "helfen"?
    ich kann mich irgendwie nicht entspannen, obwohl ich weiß dass es nichts mit mir zu tun haben sollte

    Hallo!

    Die Antwort ist relativ einfach: Ohne den Alkohol verläuft alles entspannter. Es dreht sich nicht mehr alles darum, wann und wo ich wieder konsumieren kann. Ich bin offener und rücksichtsvoller geworden, was die Belange, Interessen und Bedürfnisse der Familie anbelangt.

    Ganz wichtig ist der Faktor Zeit. Es ändert sich nicht alles zum Guten, dass ein Alki mal 'ne Weile nichts trinkt. Es dauerte ein paar Monate bis wieder neues Vertrauen der Familie wachsen konnte.

    Wie kann die Familie helfen? Für mich war wichtig, nicht ständig kontrolliert zu werden. Man sah, dass ich mich aktiv mit meiner Krankheit auseinander setzte, da wurde mir nicht hinterher geschnüffelt, wie ernst ich es denn meine und standhaft bleibe. Auch war es für mich wichtig, nicht fortlaufend auf mein Problem angesprochen zu werden.

    Die Gesundung des Partners erfolgte bei uns spiegelbildlich zu meiner eigenen positiven Entwicklung.

    Völlig verdaut ist das Problem bei meiner Frau noch nicht. Ab- und an teilt sie mir auch mit, dass ich meiner Familie durch meinen Suff heftig zugesetzt habe und sie auch gelitten hat.

    Gruß
    Carl Friedrich

    Hallo Twizzler!

    Wie geht's jetzt? Den Druck überstanden? Normalerweise dauert er nicht lange.

    Du hast dich hervorragend verhalten und direkt Druck aus dem Kessel genommen, bevor dir das Suchtgedächtnis womöglich einflüstern kann, schnell mal ein Glas zu heben.

    Irgendwann ist jeder mal dran. Und er wird wieder kommen, jedoch in unterschiedlicher Heftigkeit. Die Abstände werden aber immer größer.

    Als ich den ersten heftigen Druck gerade überstanden hatte, schrieb mir hier im Forum Dante, dass jeder Triggerabwehr einen für die Zukunft stärker macht. Wir wissen, dass er nicht ewig dauert und wir wissen, ihm zu trotzen oder gleich in die Leere laufen zu lassen.

    Gruß
    Carl Friedrich