Hallo!
Ich bin von der anderen, der kranken Seite.
In dem Alter deines Partners habe ich meine Alkoholkarriere begonnen. Auch die Trinkmengen und die Anzahl der "freien" Tage kommen mir da sehr bekannt vor.
Es ist so, als hieltest Du mir einen Spiegel vor.
Leider war ich damals nicht in der Lage, mein Problem zu erkennen und nach dieser Erkenntnis zu handeln.
Das entwickelte sich dann kontinuierlich zu einem rund 20-jährigen "Suff", unterbrochen von ein paar abstinenten Wochen pro Jahr, um mir selbst vorzumachen, ich hätte kein Problem. Ganz zum Schluss klappten nicht einmal ein paar abstinente Tage. Warum? Weil ich ein chronisch abhängiger Alkoholiker geworden bin. Auch die konsumierten Mengen stiegen selbstverständlich an.
Von meiner leidenden Frau angesprochen, reagierte ich auch " sehr ungehalten", auch wenn keine Fernbedienungen o.ä darunter zu Bruch gingen. Erst als sie mir klar machte: Familie oder Suff und mich bei der Suchtberatung anmeldete und gleichzeitig nach einer Wohnung für sich Ausschau hielt, machte es bei mir Klick im Kopf, zumal ich in dieser Phase selbst die alkoholfreien Tage nicht mehr hinbekam.
Ich bezweifele aufgrund meiner vita und dem was ich von anderen Kranken mitbekommen habe, dass ein Partner von sich aus freien Stücken plötzlich zu einem "Normalo" mutiert. So etwas kann vorkommen, ist aber leider nicht die Regel, also nicht sonderlich wahrscheinlich. Der Anstoß zu einer Verhaltensänderung kommt häufig von außen wie der Familie, dem Arbeitgeber, der Führerscheinstelle, dem Arzt auf der Intensivstation ....
Sofern bei deinem Freund noch kein abhängiger, sondern nur ein riskanter Konsum vorliegt, könnte für ihn auch das sog. Kontrollierte Trinken eine Möglichkeit sein. Für einen Mann liegt der noch ungefährliche Konsum bei maximal 5-6 Flaschen Bier (0,5l) die Woche. Das nur mal so als Maßeinheit. Damit kommt dein Freund heute nicht mal 2 Abende hin.
Mein Rat: Wende dich an die Suchtberatung und geh mit ihm dort hin. Will er nicht, dann musst Du dich entscheiden, wohin deine Reise gehen soll.
Und was die angesprochene Intelligenz anbelangt, die lässt bei dem geschilderten Konsumverhalten mit der Zeit stetig nach. Oder anders gesagt, man verblödet. Als Ausgleich dafür nehmen bei vielen Kranken die aggressiven Verhaltensweisen und Ausfälle zu.
Der Alkohol verändert den Charakter eines Menschen, genauer: Er zerstört ihn.
Gruß
Carl Friedrich