Beiträge von Trinkula

    Zitat von Tautropfen

    Hallo Trinkula,

    Es ist halt so,deine Gedanken kreisen nur um ihn.Und irgendwann wird dir klar,du kannst nichts tun.

    Ein wenig muss ich da widersprechen; ich habe vorwiegend an mich und meine Kinder gedacht. War in Planung, wie eine Trennung vonstatten gehen sollte. Habe gerechnet, wie ich es schaffen kann. Ich habe nicht daran gedacht, was ich tun kann, damit er aufhört zu trinken, denn mir ist klar, dass es da nichts gibt. Aber was ich an Druck aufbauen kann, um ihm klar zu machen, dass ich so nicht weitermachen will, habe ich versucht. Es sollte jetzt alles gesagt sein, von meiner Seite aus. Mein Erster Mann meinte mal, ich hätte alles versucht um die Ehe mit ihm zu retten, aber ich hätte nicht gesagt, dass ich gehe, wenn sich nichts ändert. Das möchte ich mir in meiner 2. Ehe nicht sagen lassen müssen.
    Etwas für mich zu tun, was gut für mich ist, habe ich am Wochenende nicht geschafft. Wenn man sich intensiv mit Trennungsgedanken trägt, sorgt das nicht gerade für Wohlbefinden, egal aus welchem Grund man das tut. Ich war einfach geschossen. Aber ich möchte zu einem Al-Anon Angehörigen Treffen gehen und schauen, ob man mir da auch Adressen für Therapeuten in meiner Nähe empfehlen kann, die Erfahrung mit dem Thema haben. Klar denke ich auch an ihn, ... aber mehr denke ich an mich und wie ich es schaffe, dass es mir wieder gut geht.

    Wie ich vermutete, hat sich mein Mann für die 4 trockenen Tage letzte Woche am Donnerstag abend belohnt und so richtig zugelangt. Ganz miese Laune aus dem Büro mitgebracht und um 16:00 die erste Flasche auf. Diesmal allerdings hat er meine Kinder mit reingezogen und per Handynachrichten direkt abgewertet. Das war Premiere! Um 19:00 lag er dann komatös im Bett. Ich hatte alle händevoll zu tun um meine Kinder – und mich – ein wenig zu beruhigen und mich von seinem Verhalten eindeutig zu distanzieren. Natürlich habe ich nichts entschuldigt, was er gesagt hat, aber meiner Tochter erklärt, wie umfangreich das Alkoholproblem bereits ist. Sie hat ganz natürlich reagiert und gemeint „Na und? Und was kommt als nächstes?“ So sieht wohl die ganz „normale“ Reaktion eines nicht- Co- Abhängigen aus. Das muss ich ihr erhalten und sowas darf nie mehr passieren. Mein Sohn meint immer noch, was man im Suff sagt, muss keiner für voll nehmen. Mit ihm konnte ich seitdem noch nicht sprechen, aber das kommt noch.
    Am nächsten Tag verließ mein Mann wie von Furien gejagt das Haus und kam erst 12 Stunden später wieder, nüchtern. Ich konnte nicht mit ihm reden, war selbst zu aufgebracht. Aber er hat sich geschämt, sich entschuldigt und war traurig, wenigstens das.
    Gestern dann, habe ich ihm erklärt, dass ich Phasen habe mit starkem Trennungswunsch und auch konkrete Planungen, die ich abrufen kann ( stimmt ja schließlich ) und diese Phasen dauern länger und kommen öfter. Wenn die Entwicklung so bleibt, werde ich gehen. Er hat natürlich wie immer alles eingesehen, aber auch zum ersten Mal eingeräumt, dass er ein Problem hat, die Finger vom Bier zu lassen. Er arbeitet dran, sagt er. Hatten wir schon so oft. Das Muster ist: Es kommt eine heftige, nie dagewesene Eskalation seines Verhaltens im Suff und die Entschuldigung ist dann umfangreicher, sowie die Beteuerung etwas zu ändern. Ich hätte fordern sollen, dass er sich Hilfe nimmt, habe ich aber nicht. Gleichzeitig habe ich ihm und mir auch kein Ultimatum gestellt, sondern klar gemacht, dass sich die Entscheidung zur Trennung in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten einfach trifft, wenn er nichts ändert.
    Es war dann ein sehr ruhiges WE; soweit man davon sprechen kann, wenn man Freitags damit verbracht hat den eigenen Nervenzusammenbruch zu verhindern.
    Es geht also weiter Richtung Trennung und offensichtlich mit großen Schritten.
    Für mich selbst kann ich entscheiden mich abzugrenzen und auszuhalten, aber wenn es um meine Kinder geht, dann läßt er mir keine Wahl.

    Ja, Aurora ..Denkanstöße bekomme ich hier. Aber was am wichtigsten ist, glaube ich,ist zum ersten Mal von meiner Situtation berichten zu können. Es ist kein Zuckerschlecken, wie Du sagst, aber noch schlimmer ist es, das alles mit sich alleine auszumachen.

    Ich kann erst mal nicht anders als Festzuhalten, und ich nehme an, dass die Zeitfenster, in denen ich diesen starken Trennungswunsch habe, weniger werden oder eben mehr und dann ganz da sind, bleiben. Dann wird es soweit sein. Ich lese derzeit ein sehr gutes Buch zum Thema Co-Abhängigkeit und habe dort gemeint zu entdecken, dass ich schon sehr weit bin, in einer Phase in der Zorn und Ärger auf den Süchtigen überwiegen. Wenn ich soviel Geld hätte, wie ich keins habe und mich und was ich brauche in eine schöne, kleine Wohnung beamen könnte...es wäre schon ein paar mal passiert. Aber ich bin auch darüber hinweg, ihn retten zu wollen, ihm helfen zu wollen, denn ich kann es nicht.
    Ich bin 10 Jahre mit meinem Mann zusammen und wir haben schon viel durch. Führt hier zu weit im Detail, aber er hat Symptome einer Persönlichkeitsstörung und im ersten halben Jahr unseres Zusammenseins diverse andere Frauen mit am Start gehabt. Als ich drauf kam, sagte ich ihm Therapie und absolute Transparenz oder ich gehe sofort ( mir war schon klar, dass er da ein psychisches Prob haben musste ). Er hat damals unmittelbar alles geändert für uns und die Therapie hat sehr geholfen! Es war ein so langer Weg bis hierher, bis mein Vertrauen wieder da war, bis wir unsere familiäre Situation geklärt hatten, die Kinder, unsere Scheidungen, 3 Umzüge...ich bin manchmal nur fassungslos, dass er all das wegwerfen will für Kumpel Alkohol. Möglicherweise ist der hier auch als Co-Morbidität zu sehen. Aber ich lasse mich daran nicht kaputtgehen, auch für meine Kinder nicht. Und ich habe nicht mehr soviel Kraft, wie vor 10 Jahren um zu kämpfen. Da er schon einmal sein Verhalten so stark geändert hat, habe ich noch Hoffnung, ja. Er kann augenscheinlich auch nüchtern sein, ohne Vergiftungserscheinungen, ( vorausgesetzt er führt sich jetzt nicht schon unabhängig von der Tageszeit seinen Stoff in kleinen Dosen zu ) und das gibt mir Hoffnung, dass er es vielleicht doch noch packen kann. Nie habe ich einen Menschen mit größerer Willenskraft kennengelernt; wenn er denn etwas will. Ich hatte in meinem Leben Phasen - nach der Trennung von meinem ersten Mann - da habe ich täglich getrunken. Jeden Abend, nicht bis zum Kontrollverlust, aber zur Betäubung. Nach 3-4 Wochen ließ ich es; ich war zu müde, es machte mich depressiver als ich tatsächlich war und es schmeckte schlicht nicht mehr. Vielleicht ist es nur eine Phase bei ihm, vielleicht rede ich mir etwas schön... ( dauert jetzt halt schon eine Jahr!) ...viele vielleichts, ich weiß.

    Es tut gut, dass hier jeder weiß, wie es einem geht, was man durchmacht. Und das wird mir helfen, egal welchen Weg ich gehen muss.
    Danke!!

    Das klingt nicht gut! Ich hoffe, dass Du wieder ein wenig Kraft findest und auf Dich achten kannst. Du schreibst von Deiner Sorge um ihn, aber mach Dir Sorgen um Dich...
    Leider habe ich kaum "qualifizierten"Rat, weil ich selbst kämpfe und dabei einen Haufen Fehler mache. Aber ich kann verstehen, wie es Dir geht!
    LG

    Zitat von Sunshine_33

    Na dann ist ja alles gut, Trinkula.
    Weitermachen.

    Das alles gut ist, davon habe ich nicht gesprochen. Und "Weitermachen" werde ich so, solange ich mich dabei besser fühle. Darum geht es mir in meiner Situation. Ich will, dass es MIR besser geht! An ihm kann ich nichts ändern.

    Zitat von Sunshine_33


    Aha.
    Erstaunlich, wie sehr man seine Toleranzgrenze anhebt, nur um nicht handeln zu müssen.

    Meine Toleranzgrenze liegt genau da, wo ich regelmäßig nicht mehr den Mann um mich habe, den ich geheiratet habe, ja. Was ist daran falsch? Wenn er einen gewissen Grad der Alkoholisierung erreicht hat ( manchmal nach 1, manchmal nach 3 Bier), dann ist das nicht mehr der Fall. Ich muss da HIER nichts zu erklären, das kennt jeder. Und ja, wenn er darunter bleibt, bleibt er unter meiner Toleranzgrenze.

    Zitat von Sunshine_33


    Auch sehr interessant.
    Toleranzgrenze... siehe oben.
    Plus eine große Portion Egoismus.
    Es geht im Grunde nur um Dich und wie Du ihn gern sehen willst.
    Und viel Angst vor Veränderung lese ich auch heraus.


    Welchen Sinn hat es einem Alkoholiker etwas über Gesundheit und die Wirkung des Nervengiftes Alkohol zu erzählen? Oder einem Raucher über das, was er seinem Körper antut? Eben..sinnlos!!
    Egoistisch bin ich gerade, ganz genau! Und warum bitte nicht? Es geht im Grunde darum, was MICH an seinem Alkoholkonsum stört, nicht darum WIE ich ihn sehen will! Alkoholiker ist Alkoholiker, egal ob 2 oder 8 Bier, aber hier geht es um mich, oder? Und für mich macht es einen Unterschied, ob er 2 Bier oder 8 getrunken hat, denn einmal hab ich Jekyll und einmal Hyde! Ich habe so viel oder wenig Angst vor Veränderung wie jeder andere. Aber ich bin 50 und in den letzten 10 Jahren meinese Lebens hatte ich mehr, selbst herbeigeführte Veränderung, als manche ihn Ihrem ganzen Leben. Ein Teil dieser Veränderung ist meine Lebensplanung mit diesem Mann. Das gebe ich erst auf, wenn ich keine Möglichkeit mehr für mich sehe, zufrieden an seiner Seite zu leben. Du siehst,...wieder geht es mir um mich ;)
    Er will keine Hilfe von außen, sieht kein Problem..sagt er kriegt alles in den Griff...Er hat in 4 Tagen jetzt insgesamt 3 Bier getrunken. Vermutlich belohnt er sich dafür wieder demnächst und ich versuche, nicht daran zu denken, sondern an mich! Das führt mich weg von ihm. Entweder ist dieser Abstand heilsam und bringt ihn auf Gedanken oder er macht es mir einfacher ganz zu gehen.

    Danke Lütte, ich habe schon alles, was ich finden konnte, von Dir gelesen. Es macht Hoffnung, auch mal zu lesen, dass man als Paar aus der Abhängigkeit in eine neue "trockene" Lebensphase gehen kann, auch wenn es über eine Trennung sein kann.
    Und Morgenrot, ich bin noch nicht so weit, mich zu trennen. In den letzten Tagen ist es mir recht gut gelungen, mir Raum zu schaffen. Vor allem gefühlsmäßig. Ich habe sein Verhalten nicht so dicht an mich gelassen, dass es mir Probleme bereitet hätte. Er hat seit ich aus dem Urlaub gekommen bin, seinen Konsum stark gedrosselt; keinen Abend war er so angetrunken, dass es mich gestört hätte. Das mag gar nicht viel heißen; ich weiß, dass Alkoholiker Ihren Co bei der Stange halten. Das lustige Nähe-Distanz Spiel spielen. Er fühlt, dass ich auf Abstand gehe und lockt mich wieder an. Aber mein Mann hat schoneinmal sein Leben geändert, quasi um 180 Grad gedreht. Inwiefern führt vielleicht zu weit, aber sein Verhalten war eine totale Ausnahme von der Regel. Ich habe noch die Hoffnung, dass er es vielleicht selbst will und jetzt die Kurve kriegt. Ich klammer mich aber nicht daran und ziehe weiter mein Ding durch. Im Kopf habe ich mir Zeit gegeben, da mich das Verlangen nach Abstand und Trennung sehr unter Druck gesetzt hat. Ich habe mir quasi erlaubt, mich zu trennen, wann ich will... aber was einen neuen Start angeht, wäre es in 4 Jahren viel einfacher und finanziell deutlich weniger belastend als jetzt.
    Ganz ehrlich; wenn er jeden Abend 2-3 Bier trinken würde, und am Wochenende einmal deutlich mehr...es wäre in Ordnung für mich. Seine gesundheitlichen Probleme sind nicht meine und meinetwegen soll er süchtig sein, solange ich noch meinen Mann in ihm sehe. Er nicht dieser andere ist, der mich so abstößt. Ich versuche also auf mich zu achten und ziehe mich mehr zu mir zurück. Mag sein, dass mir dann sehr bald nicht genügt, was er mir gibt..aber ich muss noch ein Wegstück zurücklegen um ihn verlassen zu können. Und wer weiß..vielleicht muss ich es nicht.

    Ich befinde mich derzeit auch auf dem Stand, dass es an den meisten Tagen nur die finanzielle Situation ist, die mich davor zurückhält, zu gehen. Mein Haus, mein Garten..ich dachte ich wäre angekommen und weiß nicht, wie ich ohne einen kleinen Fleck Grün, in den ich mich zurückziehen kann, leben soll. Mein Mann trinkt zu viel, für meine Verhältnisse und auch sein Sohn und meine Tochter sehen das so. ( Wir sind in 2. Ehe verheiratet). Aber er hat keine Einsicht. Mir zuliebe, wenn er mal wieder einen Kontrollverlust hatte und irgendein Blödsinn im Suff vertapft hat, läßt er es dann ein paar Tage ruhig angehen, aber ein Abend ohne Alkohol ist für ihn ein verlorener Abend, an dem er sehr früh schlafen geht und im Grunde nur wartet, bis der Tag rum ist. Ich bin dabei mich wieder um mich zu kümmern, meine Bedürfnisse neu wahrzunehmen und ihn, wenn er sich mit Bier weggebeamt hat, außen vor zu lassen. Das kann natürlich ein Weg sein, der sehr weit weg führt und dann schließlich in eine Trennung führt. Aber im Grunde, sind wir doch schon alleine, oder? Wo ist denn der Mann, den wir lieben? Meiner ist kaum noch da, wird immer weniger...
    Hast Du Deinem Mann schon mal gesagt, dass Du Dir ein Leben mit ihm, wenn er weiter trinkt nicht vorstellen kannst, Elisa Chrissy - ich habe mal vorausgesetzt, dass es so ist. Das ist ja keine Drohung! Aber wenn die Lebensplanungen auseinander laufen, dann muss man das doch mal ansprechen, oder?

    Hallo Hier! Ich war in Urlaub - ohne meinen Mann - und habe mit dort recht gut entspannen können. Auch mit meinen erwachsenen Kindern habe ich dort über meine derzeitige Situation und meine Gedanken sprechen können. Sie haben ihre eigene Meinung zu ihrem Stiefvater und seinem Alkoholkonsum ( meine Sohn verharmlost, meine Tochter ist zornig auf ihn ) aber sie haben mir beide unaufgefordert, rückhaltlose Unterstützung zugesagt, was immer ich in Zukunft mache. Das hat sehr gut getan. Meine Gedanken in den letzten Wochen haben so oft darum gekreist, was ich in meinem zu Hause überhaupt noch machen soll ( wir sind noch nicht mit dem renovieren aller Räume durch ); die Motivation geht mir flöten, wenn ich daran denke, dass ich vielleicht bald nicht mehr hier bin.. aber egal wo ich bin, möchte ich es ja schön haben und so wie es mir gefällt. Also werde ich weiter an "meinem" Haus arbeiten. ( Es gehört zu 2 Dritteln meinem Mann!) Ich versuche sehr, auch auf meine Gedanken zu achten; nicht so an ihn und zu denken, und was mich bald wieder erwarten könnte. Manchmal führe ich nur in meinem Kopf Streitgespräche, Argumentationen mit ihm durch; das ist ganz schön schräg
    :shock: und muss aufhören. Im Grunde hätte ich mich gar nicht als typische Co-Abhängige bezeichnet; ich will ihm nicht helfen, denke nicht, dass ich ihn retten kann und mache mir auch schon lange keine Sorgen mehr um ihn, obwohl da noch einiges an Liebe ist, was ich für ihn fühle. Ich habe aber schon vieles einfach losgelassen. Meine Sorge gilt mir! Aber ich reagiere schon sehr stark alltäglich auf ihn und sein Verhalten. Wenn er trinkt geht es mir schlecht, wenn er nicht trinkt deutlich besser. Das muss ich auch ihn Gedanken bekämpfen, sonst habe ich keine Chance mich auf mich zu besinnen und drehe mich immer weiter nur um ihn. Also MEINEN Tag planen, und dann entsprechend meiner Bedürfnisse verbringen, unabhängig davon, ob er voll ist oder nicht. Außerdem will ich mir täglich, zu Hause eine Auszeit nehmen, von min. einer halben Stunde. Alleine in einem Zimmer sein, lesen, fern gucken ...mich entspannen. Und ich suche mir einen Therapie-Platz. Das ist ziemlich viel auf einmal, oder?
    Gibt es hier Erfahrungen, von Partnern von Alkoholikern, die sich noch in der Beziehung befinden und denen es besser geht, weil sie gelernt haben mehr auf sich zu achten? Ich wüßte gerne, ob es auch vor einem Auszug schon Besserung geben kann..

    Das WE war entspanndend, kaum zu glauben. Ich bin schon wieder versucht zu schreiben, was ER getrunken, nicht getrunken, getan, nicht getan hat..als Begründung, warum ich mich entspannen konnte. Und das zeigt wohl, wie weit ich von einer Selbstbestimmtheit meiner Verfassung entfernt bin. Zu ihm sage ich nur, er hat sich sehr zurückgenommen, nur einmal in meiner Gegenwart 2 Bier getrunken,...dann bin ich ins Bett. Ich spioniere seinem Konsum nicht mehr hinterher, aber augenscheinlich trinkt er jetzt heimlich, wenn ich schon im Bett bin; bis dahin, solange ich um ihn bin nur Wasser. Ganz ehrlich; das ist für den Moment besser als nichts. :shock:
    Ich muss aufpassen, dass ich nicht in die komplette, motivationslose Trägheit abdriffte, was den Alltag angeht. Wir haben im und am Haus noch einiges zu tun und bei mir schleichen sich dann die Gedanken ein "Wozu? Wieso all diese Mühe, wenn ich morgen, in 3 Monaten, 1 Jahr, 4 Jahren..gehe?" Aber ich will es schön haben, damit ich mich entspannen kann ohne ihn. Diese Zerissenheit kostet mich maßlos viel Kraft und wenn ich mich länger als eine halbe Stunde mit dem Thema beschäftige ( sind eigentlich nur kreisende Gedanken ) werde ich bleiern müde, geradezu erschöpft. Hinzu kommt, dass das WE tatsächlich so konfliktlos war, dass sich meine Gefühle für ihn machtvoll zurückgemeldet haben; aber das kenne ich schon. Dieses Schwanken zwischen Wut und Liebe. Ich mache mir eigentlich keine Hoffnung, dass er was ändert, aber auf den ersten Blick sieht es natürlich so aus.

    Zitat von Sunshine_33

    Hallo Trinkula,

    ich frage mich, warum man sich überhaupt vom Partner abgrenzen "muss"?
    Und das auch noch wider Willen ?? :shock:
    Ist das eine gute Beziehungsgrundlage, wenn ich mich von meinem Partner abgrenzen muss, mich gar vor ihm in Sicherheit bringen muss, wenn er wieder säuft.
    Ich kann ja nur für mich sprechen, aber so eine Beziehung würde ich überhaupt nicht wollen.
    Das hört sich für mich sehr nach "zu zweit einsam" an, wenn jeder nur noch sein Ding macht.

    Falls Du die Hoffnung hast, das Abgrenzung Deinen Mann zur Einsicht bringen könnte... das funzt selten bis gar nicht.

    Er hat kein Problem mit seinem Trinkverhalten, aber ich. Ich lasse zu, dass er meine Grenzen überschreitet, wenn ich bei ihm bin und seinen Suff ertrage...das will ich ändern. Ich will ihn nicht mehr um mich haben, wenn er sich ausgeknipst hat. Das ist für mich eine Grundvoraussetzung mal wieder in die Lage versetzt zu werden, die ganze Situation aus meiner Sicht bewerten zu können; ohne die ständigen Gedanken an sein Verhalten.

    Es könnte ihm tatsächlich etwas ausmachen, wenn ich mich zurückziehe, denn er sucht meine Nähe, auch ihm Suff. Die Stimmung kippt natürlich irgendwann, und ich werde abgewertet, aber da ist er dann schon so weit weg, dass er nichts mehr mitbekommt.

    Zitat von Sunshine_33


    Und mal im ernst, warum sollte ich mich denn dauerhaft mit einem Zimmerchen irgendwo unterm Dach oder sonstwo begnügen in meinem eigenen Heim ??
    Nur weil mein Partner saufen will oder muss?
    Glaub es hackt...

    Ja, das ist allerdings wahr. Es stinkt mir auch, der Gedanke daran, dass er im Wohnzimmer thront, während ich...
    Aber das wäre keine dauerhaft Lösung. Mir ist vollkommen klar, dass ich durch diesen räumlichen Abstand - der im übrigen nur seinem Rückzug entspricht - mehr Distanz in unsere Ehe bringe. Aber es kann auch sein, dass ich diese Distanz brauchen werde, da dann der letzte Schritt - die Trennung - nicht mehr so groß sein wird. Es bricht mir das Herz soetwas zu schreiben, zu denken...meine Liebe, meine Lebensplanung, mein zu Hause ...all das zerfällt. Quälend langsam, weil ich ständig versuche alles zusammenzuhalten. Jetzt möchte ich den Prozess nicht mehr aufhalten. ER muss das tun und die Verantwortung dafür, gebe ich ganz an ihn. Dazu gehört ein Stück weit, mein Leben ohne ihn zu führen.

    Gestern abend schon hat er sich wieder für seine Bierchen entschieden und ich habe mich ausgeklinkt! Das wird jetzt erstmal der Weg für eine Weile sein...ich sehe, ob das was auslöst oder nicht und ob es mich etwas zur Ruhe kommen läßt.

    Manche Beziehungen lassen sich nicht so einfach beenden, Sunshine, auch unabhängig davon, ob Alkoholismus im Spiel ist oder nicht. Wir stehen nicht am Anfang unserer Lebensplanung, sondern am Ende, sind beide 50. Unser Heim ist noch gar nicht fertig..wir renovieren gerade den letzten Raum..auch das geht nur sehr langsam, liegt ja auf der Hand. Der Gedanke etwas hinter mir zu lassen, was ich - zum ersten Mal in meinem Leben - als MEIN zu Hause angesehen habe. Was ich so gestalten konnte, wie ich es wollte. Mit einem eigenen Garten ( ich bin ein besserer Mensch, wenn ich in der Erde wühlen kann) ...nur der Gedanke daran kostet mich endlos Kraft, und Kraft musste ich ihn den letzten 10 Jahren genug lassen. ( Scheidung, Probleme mit den Kindern, Patchwork-Chaos, Mobbender Chef...)
    Andererseits ..was soll das für ein zu Hause sein, in dem frau ihremMann beim Saufen zuguckt.
    Das ist mir alles klar; aber ich möchte noch ein paar Dinge versuchen um ihm einen Anstoß zu geben. Er ist noch nicht ganz unten; vielleicht hat ein Einsehen und lässt sich helfen ( nicht von mir, sondern professionell; er war schonmal in Thera, wg. einer PS und ist nicht grundsätzlich unzugänglich) Und ich muss mich aufbauen mit Hilfe der SH-Gruppe und einer Therapie, die ich für mich anstrebe.
    So wie die Beziehung jetzt ist, will ich sie nicht, das steht fest.

    Ja,ich bin auch sehr skeptisch. Gestern abend bin ich zum ersten Mal in eine Selbshilfe Gruppe für Alkoholiker und Angehörige gegangen. Es war unheimlich befreiend über die Situation und meine Gefühlslage zu sprechen...das habe ich noch nie! Mit wem auch! Die Befürchtung, dass Freunde und Bekannte sich von uns als Paar abwenden ist natürlich da. Mein Mann wußte wohin ich gehe und hat es nicht kommentiert. Ich brachte allerlei Info-Material mit und er hat es sich angesehen, aber auf mein Nachfragen ob er nicht mal mitwolle, fragte er, was ich denn jetzt von ihm wolle. Spielchen! Er hat gestern abend nichts getrunken...aber dafür wird er sich natürlich belohnen..heute oder morgen..mir wurde dort einiges vermittelt und ich habe mich aufgehoben gefühlt. Also schauen wir mal, wie es weiter geht. Natürlich habe ich die Hoffnung, dass ...ganz vielleicht..u.U. mein xx jetzt doch etwas ändert. Aber da er eigentlich immer bis zum Kontrollverlust trinkt, sieht es schon sehr nach "Sucht" aus; Schlafstörungen, Gedächtnisprobs, Magenschmerzen ( eher wenn er nüchtern ist ) ...und er hat ja auch kein Einsehen, meint nur ich habe das Problem..
    Ich muss mich regelrecht zwingen über mich nach zudenken und darüber, wie ich mich verhalte und vorgehe. Alles nicht so einfach!

    Ich muss das durchziehen können, sonst geh ich ganz kaputt. Habe ihm allerdings gesagt, was in mir vorgeht und das ich mein Leben nicht mit einem Alkoholiker verbringen werde. Er meinte, er weiß, dass er was ändern muss...das kam schon so oft.
    Es tut gut, hier was loswerden zu können. Danke für die Unterstützung!
    Im Moment plane ich nur meinen Tag, bzw. den Rest davon...an die nächsten Wochen, Monate kann ich gerade nicht denken.

    Ich will mich jetzt endgültig Abgrenzen, auf mich achten, Zeit verbringen ohne ihn, vor allem, wenn er sich sowieso schon ausgeknipst hat und nicht bei mir ist! Soll ich ihm von meinem Plan, ihn im Suff grundsätzlich mit sich allein zu lassen und mich im Haus zurückzuziehen erzählen? Ihm sagen, was ich vorhabe? Oder ist das kontraproduktiv, da ich es vielleicht nicht konsequent schaffe und dann sein Respekt vor mir noch mehr schwindet? Bin gerade ratlos…und völlig am Boden! Mal fühle ich mich stark, mal will ich nur noch heulen. :(

    ..wenn man es denn so nennen kann. Ich hatte mir versprochen, dass ich nie wieder mit ihm abends ausgehe, wenn er vorher schon getrunken hat. Gestern mittag habe ich ihn für abends zum Essen eingeladen, als Dankeschön für seine Hilfe am Sonntag vormittag. Als ich heimkam von der Arbeit, hatte er schon 2 Bier drin und stierte mich an. Er hat sich belohnt für Papierkram, den er für "uns" erledigt hat. "Nimmst Du mich jetzt nicht mit?" Ich hätte "Nein" sagen sollen, habe ich aber nicht. Es war grauenvoll...ungeduscht, mit schmutzigem, kaum zugeknöpftem Hemd, rülpsend und mich beschimpfend...ok, ich brauche sicher nichts mehr dazu zu schreiben. Ich verachte mich dafür, dass ich das getan habe. Morgens habe ich noch darüber nachgedacht, wie ich mich sinnvoll abgrenze. In meinem Kopf führe ich ständig Gespräche mit ihm und gebe mir dabei selbst seine Antworten...ich bin doch ziemlich tief drin in der Co-Abhängigkeit fürchte ich. :(
    Heute morgen habe ich nach Wohnungen geguckt ...natürlich wäre es möglich; ich bräuchte nicht zu hungern. Aber mein Garten, aber meine Katze, aber, aber...
    Ich gehe es jetzt konzentriert an; kleine Schritte. Soll ich ihm mitteilen, dass ich vorhabe mich in eine anderes Zimmer zurückzuziehen, wenn er trinkt? Soll ich mit ihm darüber reden, oder es einfach, auf mich konzentriert, versuchen durchzuziehen ohne ihm zu sagen, was passieren wird?

    Ich habe Deine Geschichte gelesen, Lütte und musste mehrmals schlucken. Meine eigene Wahrnehmung meiner Situation ist ziemlich verschoben; wenn ich vor 10 Jahren schlagartig mit diesen Verhältnissen konfrontiert worden wäre, ich wäre gerannt bis zum Nordpol. Aber so bin ich wie der Frosch, der im Topf sitzt und gekocht wird, weil das Wasser nur langsam heiß wird und er nicht den Impuls bekommt herauszuspringen.
    In dem, was Du geschrieben hast, habe ich gelesen, wie ich mich fühle. Das schlimmste ist tatsächlich das Gefühl der Unsicherheit. Wie verbringe ich meinen Abend, werde ich terrorisiert werden, wird er nüchtern sein und deshalb schlechte Laune haben, die er an mir ausläßt, wird er mich wecken, wenn er ins Bett kommt und wieder durchs Haus geistern, wird er in die Ecke pi...statt es ins Bad zu schaffen, WIRD er, wird ER...ich bin das so leid. Es interessiert mich gar nicht, was ER macht...ich will es nicht erleben müssen! Ich werde mir einen Plan machen, wie ich meine Leben wieder lebenswert machen kann. UND ich muss mit meiner Tochter reden (ist nicht seine Tochter!). Sie macht sich Gedanken, grenzt sich bereits ab, wenn Sie da ist. Vor einem Jahr sagte sie zu mir, "Er braucht Dich auf, Mama!" Mir kommen die Tränen, wenn ich daran denke. Sie hat nicht verdient, so wenig Energie von mir zu bekommen, weil ich sie in IHN stecke! Sorry, das macht mich gerade zornig. Ich hör jetzt auf zu schreiben, ...es tut gut hier zu lesen, Feedback zu bekommen. Und es ist sehr anstrengend, das alles zu verarbeiten.

    Zitat von Aurora

    Wenn du nun nicht sofort eine Trennung schaffst, dann belaste dich doch damit nicht noch zusätzlich.

    Aurora

    Ja, eine Trennung innerhalb der nächsten 3 Jahre wäre für mich aus unterschiedlichen Gründen, ein finanzielles Fiasko. Das Haus gehört noch der Bank. Ich muss nicht nur für mich sorgen, sondern auch meine beiden Kinder aus erster Ehe unterstützen. Also versuch ich mal nicht darüber nachzudenken. Diese ersten Schritte, die Du empfiehlst, ...die in dieser Situation den Angehörigen offensichtlich immer empfohlen werden..die sind im Grunde soetwas, wie die ersten Schritte in eine Trennung. Eine emotionale Abnabelung, Stück für Stück, die mit der notwendigen räumlichen Abgrenzung - die bei mir Not tut - einhergehen wird. Ich sehe nicht ein, klaglos das Schlafzimmer zu räumen, vagabundieren zu müssen, nur weil er keine Rücksicht nehmen kann und nicht freiwillig woanders schläft. Das Gästezimmer wird auch 3-5 mal im Monat von einem unserer Kinder beschlafen; es gibt tatsächlich im ganzen Haus kein Zimmer, dass ich für mich alleine belegen könnte (seine und meine Kinder ) Irgendeinen Weg muss ich finden...es erschreckt mich aber. Denn am Ende dieses Weges wird wahrscheinlich eine soweit fortgeschrittene Abgrenzung stehen, dass die vollständige Trennung der letzte konsequente Schritt dieser Entwicklung ist. Und das macht mich sehr hoffnungslos!

    Zitat von Barthell

    ...wird er immer wege und Mittel finden dich ab zu stoßen, an zu ziehen eine Abhängigkeit von dir zu ihm zu erzeugen um ungestört weiter trinken zu können. vielleicht nicht bewusst oder absichtlich aber dennoch sehr verletzend.

    Du solltest dich darauf konzentrieren was DU machen kannst, wie du DEIN Leben ändern kannst. Wie DU Mut und Unabhängigkeit bewahren kanns

    Barthell

    Das unglaubliche ist, dass dieses Spiel mit dem "Abstoßen" und "Anziehen" auch schon ständiges Thema war, bevor er anfing zu trinken, und das alleine hat mich schon enorm viel Kraft gekostet. Er hat eine mehr oder weniger ausgeprägte Borderline-Symptomatik ( war auch schon in Thera) und der Alkohol scheint sein "neues" selbstschädigendes Verhalten zu sein. ABER ich frage nicht mehr nach dem WARUM! Ich möchte mich schützen und gut zu mir sein. Mut und Unabhängigkeit muss ich mir wieder erarbeiten, denn diese Eigenschaften habe ich verloren.
    Ich habe mir die Grundbausteine durchgelesen, Barthell. Es trifft so manches auf mich zu; aber ich fühle mich wirklich nicht verantwortlich für sein Leben und sein Wohlbefinden. Wenn ich etwas für ihn tue, dann meistens, weil ich "Angst" vor seinen Launen habe. Vermutlich wäre eine Therapie für mich auch sinnvoll, denn ich war immer ein sehr selbstreflektierter Mensch und im Moment erkenne ich mich selbst nicht mehr. :(

    Hallo hier!
    Ich nehme an, dass ich mit einem Alkoholiker verheiratet bin und das macht mich zunehmend fertig. Mein Mann hat noch nie wenig getrunken, aber seit einigen Wochen ist er maximal 2 Abende in der Woche nüchtern; er trinkt ausschließlich Bier und kommt dann so auf bis zu 4 oder 5 Litern am Abend, nie weniger als 2 Liter. Ich möchte den Mann um mich haben, in den ich mich verliebt habe, aber den gibt es immer seltener, denn sein Wesen hat sich auch geändert. Ich begreife aber langsam, schmerzlich, dass ich ihn nicht ändern kann...es hilft kein diskutieren, drohen, betteln oder weinen. Er sieht es ein, legt einen Tag Pause ein und macht dann weiter. Ich kann nicht mehr neben ihm schlafen, wenn er betrunken ist – er wirft sich dann im Bett herum, als gäbe es mich gar nicht - , und habe vor ihn an den Abenden, wenn ich absehen kann, dass er sich betrinkt, aus dem Schlafzimmer auszusperren. Angedroht habe ich das schon, aber nicht den Mut bisher, es auch durchzuziehen. Ich ziehe mich aus dem Wohnzimmer in ein winziges Gästezimmer zurück, wenn ich ihn nicht ertrage. Manchmal fühle ich mich gar nicht zu Hause, mit ihm und denke an Trennung. Aber ich will mich nicht trennen. Ich liebe und hasse ihn, und begreife langsam, dass ich mich ändern muss...etwas für mich tun muss um nicht kaputtzugehen. Abgrenzung ist wohl das Ziel, aber muss ich dafür nicht auch ein Stück weit meine Liebe zu ihm töten!? Wir leben erst seit ein paar Jahren in unserem eigenen Haus und ich brauche meinen Garten. Ich habe bereits eine Scheidung hinter mir und fühle mich auch nicht mehr jung genug, nochmal von vorne anzufangen. Das und auch der Gedanke an die finanziellen Probleme, machen mir die Aussicht auf Trennung unglaublich schwer. Ich hoffe, dass mir der Austausch mit den Betroffenen hier hilft.