Beiträge von MieLa

    Liebe Penta,

    vielen Dank für deinen Willkommensgruß und deine Gedanken. Das ist sehr hilfreich.

    Bewusst auf sich achten, Pausen einlegen, Grenzen ziehen, Raum für sich nehmen, ab in die Natur, Bewegung: ich merke immer mehr, dass ich genau das brauche.

    Du hast diese Sachen als wichtig für dich beschrieben und auch Ernest und Maria haben so geantwortet. Ich glaube, dass ich diese Sachen vernachlässigt habe. Als Alkoholikerin konnte ich gerade in anstrengenden oder aufregenden Gefühlszuständen den Rotwein zum "Runterkommen" einsetzen. Ohne den Stoff muss ich mich bewusst um meinen seelischen und geistigen Zustand bemühen.

    Ich wünsche dir auch ein schönes Wochenende.

    Lieben Gruß, MieLa

    Hallo Penta,

    bei mir ist die Erkenntnis, Alkoholikerin zu sein, ja noch ganz frisch. Das vorherrschende Gefühl bei dieser Erkenntnis war Erleichterung.

    Ich hatte unter dem Alkoholkonsum gelitten, war aber immer der Meinung gewesen, nur so eine Art Missbrauch zu betreiben (Alkoholiker sind ja die anderen). Damit drehte ich mich natürlich im Kreis und fand keinen Weg raus. Mit der Erkenntnis öffnete sich aber der klare Ausweg vor mir.

    Den Satz "Ich bin Alkoholikerin" habe ich das erste Mal hier im Forum bei der Registrierung verwandt. Auch da war es ein Gefühl der Erleichterung und der Zuversicht. Ausgesprochen habe ich den Satz das erstemal vor zwei Wochen, als ich mit meinem Lieblingsmenschen offen gesprochen habe und klar war, das es sich nicht um eine Alkoholpause handelt.

    Ich habe inzwischen so viel über Alkoholismus gelesen, dass das anfänglich auch vorhandene Schamgefühl verschwunden ist. Ich bin krank. Ich habe ein alkoholkrankes Hirn. Dafür muss ich mich nicht schämen.

    Viele Grüße,
    MieLa

    Hallo,

    wie definiert man den Begriff "trocken"?

    Ich bin seit kurzem nüchtern, aber empfinde mich nicht als trocken. Und das, obwohl sich meine jetzige Nüchternheit total vln früheren Nüchternheiten unterscheidet.

    1. Ich habe verstanden, dass ich Alkoholikerin bin.
    2. Ich bin fest entschlossen, nie wieder Alkohol zu mir zu nehmen.
    3. Ich arbeite jeden Tag an meiner Nüchternheit, indem ich Informationen sammele, mich beobachte, Gewohnheiten ändere etc.

    Für mich ist Entschlossenheit -jedenfalls zu Beginn der Nüchternheit - noch keine Trockenheit.

    Ich wünsche euch einen schönen Tag,
    MieLa

    Hallo allerseits,

    mir ist beim Lesen von Hartmuts Frage aufgefallen, dass ich bisher keine Erwartungshaltung habe. Ich bin total damit beschäftigt, mich nüchtern kennenzulernen.

    Bei mir sind es jetzt 37 Tage. Ich habe sowohl körperlich als auch emotional als auch geistig verschiedene Phasen erlebt. Im Moment habe ich das Gefühl, dass mein Gehirn langsam wieder klarer denken kann und ich weniger erschöpft bin.

    Ich bin neugierig, wie es weiter geht und horche sehr aufmerksam in mich rein. Vor allem vermeide ich soweit möglich alles, was mich anspannt und mir nicht gut tut.

    Ich habe 27 Jahre getrunken. Die Trocknung kann nicht innerhalb kurzer Zeit erfolgen. Während ich dies schreibe, merke ich, dass ich innerlich doch auf einen längeren Prozess eingestellt bin. Vielleicht ein sehr intensives Jahr und dann wird es langsam selbstverständlicher, trocken zu sein.

    Viele Grüße,
    MieLa

    Ich finde es auch toll, frischen Minz-Tee zu trinken. Dafür die frischen Blätter einfach mit heißem Wasser überbrühen. Das gibt es auch in einigen Restaurants. Bin immer froh, wenn ich es auf der Karte finde.

    Im Moment ist mein Ersatz-Getränk aber Bitter Lemon :)

    Viele Grüße,
    MieLa

    Liebe Viola,

    vielen Dank für das Mitlesen und Kommentieren :) Das hilft mir sehr.

    Jetzt habe ich den ersten Monat rum. Heute Morgen bin ich glücklich und dankbar in den neuen Tag gestartet. Ich habe erneut tief und erholsam geschlafen. Solche Nächte habe ich jetzt fast durchgehend. In meiner nassen Zeit kannte ich solchen Schlaf ja fast gar nicht mehr.

    Viele Grüße,
    MieLa

    Hallo Aliengirl,

    herzlich willkommen auch von mir :)

    Ich bin auch ganz frisch dabei in dieser SHG. Nüchtern bin ich seit dem 01.01.2018 und es sollte zunächst nur eine Trinkpause sein. Es war also ein Neujahrsvorsatz, wie ich ihn in den letzten Jahren schon öfter hatte. Mal ergab sich daraus eine Trinkpause von 4 Monaten, mal aber nur von einigen Tagen oder Wochen.

    Diesmal war mir nach einigen Tagen klar, dass ich keine Pause vom Trinken möchte. Ich möchte dauerhaft nüchtern sein.

    Ich wünsche dir viel Erfolg,
    MieLa

    Liebe Viola,

    dein Beitrag hat mich das ganze Wochenende beschäftigt.

    Zitat von Viola

    Diese Einsicht ist sehr wichtig. Aber was folgt jetzt für dich daraus? Was hast du vor, möchtest du in deinem Alltag etwas ändern, und was davon wird bereits konkret?

    Was für eine Frage! Da bin ich ganz schön ins Grübeln gekommen. Ich beschäftige mich seit Wochen mit meiner Krankheit, aber was ändere ich jetzt konkret bzw. was habe ich geändert?

    Vielen Dank für diesen hilfreichen Gedankenanstoß!

    Hier das Ergebnis :)
    1. Ich lese viel über Alkoholkrankheit, sauge alle Informationen auf und reflektiere mich in Bezug auf das Gelesene. Ich beschäftige mich also bewusst mit der Krankheit und mit mir selbst.

    2. Ich versuche zu ergründen, warum ich im Alter von knapp 30 Jahren plötzlich so auf diese Droge abgefahren bin, wo sie mich doch vorher nie interessiert hat.

    3. Ich gehe bewusst durch den Alltag und bin mir gegenüber sehr achtsam. Ich versuche wahrzunehmen, wie entspannt ich bin und in welchen Situationen der Wunsch nach Alkohol aufkommt.

    4. Ich achte gerade abends darauf, in einen ruhigen Zustand zu gelangen. Ich sehe keine spannenden Folgen mehr auf Netflix oder im TV, denn das macht mich nicht müde. Eine Stunde eine spannende Serie und ich bin quietschwach. Früher war das kein Problem, da der Rotwein die nötige Bettschwere schon geregelt hat.

    Ich führe abends auch keine anregenden Telefonate mehr. Stattdessen gehe ich zum Yoga oder lese.

    5. Ich setze ein Kontrastprogramm zu dem Moment des Abends, an dem ich früher das erste Glas getrunken habe. Jetzt genieße ich ein Glas Limo. Inwischen freue ich mich richtig darauf. Ich habe den Eindruck, dass es mir teilweise gut gelingt, die Gewohnheit Rotwein mit der Gewohnheit Limo zu überschreiben. Da bleibt es aber bei einem Glas, danach gibt es problemlos Kräutertee.

    6. Ich habe mich in dieser SHG angemeldet

    Was steht an und ist noch nicht umgesetzt?

    1. Verbreiten der Nachricht im Freundeskreis, bei denen, die es angeht und deren Unterstützung ich brauche. Das kommt nach und nach, je nachdem, wann ich die Freunde treffe.

    2. Die ersten Wochen sind ruhig und unspektakulär verlaufen. Ich hatte keine größeren Aufregungen - weder beruflich noch privat. Aber wie werde ich reagieren, wenn so eine Aufregung kommt? Reicht meine Selbstanalyse aus oder brauche ich präventiv professionelle Beratung? Wie hast du es gemacht? Wie habt ihr anderen es gemacht, die ihr gerade mitlest?

    Viele Grüße,
    MieLa

    Liebe Maria,

    vielen Dank für deinen Beitrag.

    Zitat von Maria

    Ich erkenne mich ebenso in vielem wieder, wovon du schreibst und danke dir, dass du davon schreibst. Weil das die Berichte sind, die meine Erinnerungen an meine anfängliche Zeit hervorholen.

    Ich hätte nicht gedacht, dass meine Anfängererkenntnisse auch für eine LZT hilfreich sein können. Aber natürlich ist das so. Wenn ich schon nach 4 Wochen feststelle, dass sich einiges verflüchtigt und mein nasses Hirn mir einreden möchte, dass es gar nicht soooo schlimm war, wie muss es dann nach 10 Jahren sein?! Es ist toll, dass du seit so langer Zeit nüchtern bist!

    Zitat von Maria

    Für Bekannte oder Kollegen ist es recht unspektakulär, dass ich keinen Alkohol trinke. Da habe ich festgestellt, dass es vor allem auf meine innere Haltung und Überzeugung ankommt. Bin ich selbst fest und stabil, dann strahle ich das auch aus.

    Ja, das stimmt. Diese Erfahrung habe ich auch schon gemacht und sie kommt meinen Präventions-Koffer.

    Viele Grüße,
    MieLa

    Hallo Carl Friedrich,

    danke für die klare Ansage. Die Idee, sich aktiv ein Wasserglas oder ähnliches zu schnappen, finde ich gut. Wenn ich passiv abwarte, setze ich mich der Gefahr aus, dass andere zu wissen meinen, was gerade gut für mich ist.

    Auf derartige Veranstaltungen habe ich im Moment auch keine Lust. Vor 10 Tagen war im Büro am Vormittage eine Veranstaltung, an deren Anschluss Sekt ausgeschenkt wurde. Der Jahreswechsel war ja noch nicht lange her.

    Ich habe mich mit Hinweis auf einen dringenden Termin verabschiedet und bin zügig an den bereits eingeschenkten Gläsern vorbeimarschiert. Obwohl es schon nach Sekt roch, hat es mich nicht getriggert - auch nicht später. Vielleicht, weil ich Sekt im Büro schon immer abgelehnt habe. Außerdem habe ich ja viel lieber abends getrunken.

    Viele Grüße,
    MieLa

    Zum Thema Gedanken: Heute war ich einkaufen und da ich mich auf nichts konzentrieren musste, ließ ich meine Gedanken schweifen. Ihr kennt das bestimmt, dass die Gedanken dann wie ein Affe mal hierhin und mal dahin hüpfen und ein Gedanke den nächsten jagt.

    Plötzlich war ich bei folgender Situation: Irgendwann in der Zukunft, wenn ich stabil nüchtern geblieben bin, drückt mir jemand im beruflichen Kontext ein Glas Sekt in die Hand. Wie reagieren, wenn ich nicht auffallen und Nachfragen vermeiden will? Also könnte ich ja nur nippen und mich am Glas festhalten. Das wird schon nichts auslösen, immerhin bin ich ja schon lange stabil. Das werde ich unter Kontrolle haben und selbst wenn dies Suchtdruck auslöst: sooo schlimm waren die ersten Tage des Entzuges ja nicht - das kann ich wiederholen...

    Heftig, oder? Diese Gedankenfolge ist so schnell durch meinen Geist gerast, das hat bestimmt keine zwei Sekunden gedauert!

    Ich bin froh, dass sofort alle Alarmglocken bei mir angegangen sind. Ich habe diese Gedankensequenz nicht losgelassen, bis ich sie mir argumentativ und auf der Gefühlsebene widerlegt hatte. Ich habe jetzt das Bild vor Augen, dass dieser Gedanke k.o. auf dem Boden liegt. Gut so!

    Aber bei der gestrigen Vorstellung habe ich noch geschrieben, dass die Sucht mir vorgespiegelt hat, dass ich sie nicht habe. Und heute versucht sie es gleich wieder ...

    Lieber Ernest,

    vielen Dank für deine guten Wünsche! Dein Thread war übrigens einer der ersten, die ich hier gelesen habe. Der Thread-Name "Ich hätte es nicht gedacht" hat mich magisch angezogen. Deine Geschichte und deine Erfahrungen mit den ersten Tagen und Wochen des Nüchternseins waren sehr hilfreich für mich.

    Ich wünsche dir auch viel Erfolg beim Trockenbleiben.

    Viele Grüße,
    MieLa

    Hallo allerseits,

    ich bin neu und möchte mich zunächst bei allen bedanken, die hier im offenen Bereich schreiben. Ich habe in den letzten Tagen bei dem Lesen der einzelnen Beiträge - egal ob von den LZT oder denjenigen, die wie ich erst seit kurzer Zeit nüchtern sind, sehr viel gelernt und häufig gedacht: Ja, genauso geht/ging es mir auch :idea:

    Ich bin seit knapp 4 Wochen nüchtern und in der anfänglich angestrebten Trinkpause ist die Erkenntnis gekommen, dass ich Alkoholikerin bin.

    Mir ist ein Licht aufgegangen = MieLa

    Ich habe 27 Jahren regelmäßig Alkohol getrunken, eigentlich täglich und über viele Jahre jeden Abend eine 3/4 - 1 Flasche Rotwein. Ich habe nur abends getrunken und die Menge hing davon ab, wieviel Zeit vom ersten Schluck bis zum Schlafen verging. Es konnte also durchaus auch mal mehr sein.

    Ich war eine gut funktionierende Trinkerin. Ich habe nie die Kontrolle verloren, mich nie daneben benommen, bin nicht getorkelt oder geschwankt, habe mich nie alkoholbedingt übergeben und habe selten einen "richtigen" Kater gehabt. Nebenbei habe ich beruflich viel Erfolg gehabt.

    (Und während ich dieses schreibe, wird mir klar, dass ich gar nicht recht weiß, in welcher Zeitform ich dies schreiben soll: Vergangenheit? Gegenwart? Hm ...?) Da ich mich ganz am Anfang befinde, bin ich vermutlich eine gut funktionierende Trinkerin.

    Auch wenn mir schon vor 20 Jahren irgendwie schwante, dass ich nicht ganz einfach nicht trinken kann, habe ich mir immer eingeredet, dass ich nicht abhängig bin. Eher eine gut trainierte Trinkerin als eine Alkoholikerin. Denn die Alkoholiker, das sind ja die, die die Kontrolle verlieren, die stationär entziehen oder auf der Intensivstation landen. Wie leicht fiel es mir, mir das Interview mit Jenny Elvers nach ihrem Therapieaufenthalt anzusehen und zu denken: Ach guck mal, da sind aber deutliche Unterschiede. So bist du ja gar nicht :oops:

    Wie schreibt Daniel Schreiber in seinem Buch? "Akoholismus ist eine Krankheit, die dir einredet, dass du sie nicht hast" Wie wahr!

    Auf der ganz sicheren Seite wähnte ich mich, als mir ohne Mühen eine Trinkpause von 4 Monaten gelang. Kein Trinkdruck, es ging mir bestens. Also hatte ich ja alles unter Kontrolle! Seither fielen mir derartige Pausen aber immer schwerer, die Trinkmenge erhöhte sich, der Schlaf war konstant schlecht. Ich fühlte mich nicht mehr richtig leistungsfähig und als dann von meiner Rentenversicherung die Nachfrage kam, ob der Beitrag erhöht werden soll, dachte ich: Na, wenn ich so trinke, habe ich nicht viel von der Rente.

    Trotzdem nur der Gedanke: Mal wieder eine Pause machen und dann wieder das "gepflegte" Glas Rotwein (bzw. die Flasche) am Abend.

    Als das in Aussicht genommene Datum nahte (01.01.), wurde mir schon unwohl. Und dann erlebte ich, dass ich nicht mehr einfach ohne Symptome nicht trinken kann. Das erste Mal habe ich körperlich die Nichtzufuhr von Alkohol gemerkt. Schlimme Konzentrationsschwierigkeiten und Erschöpfung (heute weiß ich, dass es schlimmer hätte kommen können).

    Seither setze ich mich täglich damit auseinander und bin froh, diese SHG gefunden zu haben!

    In anderen Threads ist öfter die Rede von "Euphorie" gewesen. Das Gefühl kenne ich auch. Allerdings aus früheren Trinkpausen, als ich dem Irrtum aufsaß, es unter Kontrolle zu haben.

    Jetzt ist mein vorherrschendes Gefühl eher vorsichtige Zuversicht. Ich habe jetzt realisiert, dass ich krank bin und dass das Trockenwerden und -bleiben Arbeit ist. Einfach nicht trinken, ist nicht genug.

    Wenn ich kein Verlangen nach Alk habe, bin ich zuversichtlicher als in den Momenten des Sehnens.

    ... wird fortgesetzt ...

    Viele Grüße,
    MieLa