Hallo Al_hl,
herzlich Willkommen in diesem Forum. Du kannst hier sehr, sehr viele Informationen finden, die dir vielleicht helfen werden, deine Situation besser einschätzen zu können. Vielleicht findest du dich selbst auch in dem einen oder anderen Erfahrungsbericht wieder.
Mir jedenfalls ging das und geht das so.
Ich verstehe dich so, dass derzeit sozusagen zwei Seelen in deiner Brust schlagen. Die eine fühlt sich verantwortlich und sagt, dass du helfen musst und „zwar mehr deiner Mutter als ihm“ und dass du hinfahren musst. Die andere Seele sagt deutlich, „ich kann mich nicht überwinden hinzufahren und ihn sterben zu sehen“.
Du steckst in einem Dilemma, weil du nicht beiden Seelen gerecht werden kannst.
Es stellt sich die Frage, was dir jetzt helfen könnte/ was dich stärken könnte/ ob sich das Dilemma auflösen lässt.
Ich möchte dir ein paar Fragen stellen, vielleicht hilft dir das weiter. Wenn nicht, lass sie einfach liegen.
Du bist mit 16 Jahren von zuhause weggegangen, das wird seine guten Gründe gehabt haben, und du besuchst deine Eltern eher selten, was vermutlich auch gute Gründe hat.
Was hat dich dazu bewogen, diese Schritte zu gehen? Welche Gefühle hattest du dabei? Aus welchen Gründen besuchst du deine Eltern selten? (Du musst dich hier nicht rechtfertigen und ich will dir gewiss keinen Druck machen, sondern die Fragen sollen dir helfen, dich selbst und deine Bedürfnisse klarer wahrnehmen zu können. Und etwas klarer bezüglich deiner Schuldgefühle werden zu können.)
- Ich selbst bin nach dem Tod meines Vaters im Alter von 15 Jahren von zuhause weg und ich hab das aus purem Überlebensinstinkt gemacht. Das Verhältnis mit meiner Mutter war später wieder viel besser, aber die Telefonate und Besuche haben mir mitunter nicht gut getan und mein Therapeut fragte mich mal, warum ich etwas tue, was mir selbst nicht gut tut.
Ich gehe kaputt an den Schuldgefühlen. Warum habe ich nicht früher was getan? Warum habe ich das so hingenommen? Wie verantwortlich bin ich für alles?
Schuldgefühle sind mir selbst auch gut vertraut, auch Scham. Es scheint so, dass das typisch für EKAs ist.
Dreh das Ganze aber mal um und versuch mal es aus der Distanz zu betrachten: (Stell die Fragen deinem Inneren und höre dabei auf deine eigenen Antworten.)
Hättest du denn früher überhaupt etwas tun können, als 8-, als 10-, als 16-Jährige usw.?
Glaubst du, das DU deinen Vater hättest heilen können?
Deine Eltern sind beide erwachsene Menschen, die ihre eigenen Entscheidungen treffen. Hätten Sie sich von ihrem Kind in ihr Tun dreinreden lassen?
Hätte dein Vater sich nicht auch selbst Hilfe holen können und müssen? Und ebenso deine Mutter? Hätte er nicht auch Verantwortung für sein Leben und seine Taten übernehmen müssen, so wie du es tust?
Wie gut kennst du dich inzwischen mit der Krankheit „Alkoholismus“ und mit „Co-Abhängigkeit“ aus?
Dein Vater scheint gewählt zu haben und deine Mutter auch ...
Wo bleibst DU dabei?
Du hast einen (?) Arzt angerufen, aber die haben aufgrund der „Diagnose Alkohol“ abgewimmelt. Welche Gedanken und Gefühle hast du deswegen? Würde es dir helfen, noch andere Ärzte zu kontaktieren?
Kann deine Mutter sich nicht Hilfe von Außen holen?
Hast du dich schon mal mit einer Suchtberatungsstelle in Verbindung gesetzt und dich dort beraten lassen?
Ich habe mir nicht ausgesucht auf diese Welt zu kommen mit diesem Vater. Aber er hat sich auch nicht dieses Leben ausgesucht?
Du hast es dir nicht ausgesucht, aber nun bist du da. Verantwortlich bist du nur für dich selbst. Das ist nicht nur so daher gesagt, ich selbst musst das auch erst lernen.
Dein Vater hat sich auch nicht ausgesucht, in welcher Familie er geboren wird und aufwächst, aber sein Leben hat er letztlich selbst so gestaltet. Er hat im Laufe seines Lebens Entscheidungen getroffen, die ihn in die oder die Richtung gebracht haben.
Das gilt im Übrigen auch für deine Mutter. Beide können sich Hilfe holen oder hätten es tun können.
Ich MUSS helfen aber ich kann mich nicht überwinden hinzufahren und ihn sterben zu sehen.
Da ist etwas in dir, dass sich dagegen wehrt, hinzufahren. Nimmst du es als Freund oder als Feind wahr?
Welche Motive könnte es haben, sich zu wehren?
Das sind kreuz und quer ein paar meiner Gedanken zu dem, was ich bei dir gelesen habe. Vielleicht ist etwas dabei, dass dir weiterhilft.
Die Eltern so zugrunde gehen zu sehen, tut unheimlich weh. Und seinen eigenen Weg zu finden, habe auch ich als sehr schwer empfunden.
Noch heute bin ich auf der Suche nach MEINEM Weg, deshalb habe ich mir auch diesen Nickname ausgesucht. Inzwischen habe ich Vieles finden dürfen, was MIR weiterhelfen könnte und -hilft.
Liebe Grüße
AufderSuche