Beiträge von Ste55

    Ich befürchte, ich muss mich mit meinem eigenen Sucht- und Abhängigkeitsverhalten noch mehr auseinandersetzen. Mich damit beschäftigen, warum ich nicht in der Lage bin, klare Werte und sowas wie "No Gos" für eine Beziehung festzulegen und mich daran zuhalten. Also was mein eigenes Verhalten angeht und das, der anderen Person. Ich bin einfach total inkonsequent und kenne meine Grenzen nicht. Und habe panische Angst vor Trennung, ich habe dann das Gefühl, dass ich die Emotionen nicht händeln kann, die dann hochkommen.

    Wo grosse Gefühle sind, da ist auch viel Schmerz und wenn Frauen die Wahl haben zwischen dem Nichts und dem Schmerz, dann wählen sie oft den Schmerz, um wenigstens etwas zu fühlen. Das kommt mir in den Sinn, wenn ich dich lese ... und so wünsche ich dir vor allem neue eigene Träume und den wahrhaftigen Glauben daran, sie für dich umzusetzen - und die Zukunft gehört dir!

    Ich bin 40 Jahre alt, 1981 im November geboren... absolutes Papakind und werde wohl nie begreifen, warum der Alkohol so mächtig war, dass mein Vater zugelassen hat, alles - auch mich - zu verlieren. Seit 2007 hatten wir nur noch sporadisch Kontakt - Selbstschutz meinerseits. Viel Kampf, viel Liebe, viel Enttäuschung... viel Schönes...

    Jetzt ist er gestorben.

    Liebe Steffi,

    es hat mich sehr berührt, was und wie du geschrieben hast und ich habe darauf letzte Nacht in mehreren Stunden versucht dir etwas zurückgeben, das vielleicht helfen könnte zu begreifen. Schlussendlich hatte ich in knappen 10 Linien etwas Text beisammen, der allerdings alles andere als tröstlich war, geschweige den das Ganze für dich begreifbarer machen könnte - also habe ich alles gelöscht. Gleichwohl war es nicht für nichts, mindestens für mich - ich, der zuweilen glaubt, dass es auf alles Antworten gibt; habe sie für dich nicht gefunden - trotz Insiderwissen. Ich hatte nämlich einen Onkel, der vor über 20 Jahren, in vergleichbarem Alter auf gleiche Art und Weise verstarb, er als Vater von 6 Mädchen und einem Knaben, der sich mittlerweile ebenfalls zu Tode gesoffen hat.

    Noch heute habe ich ein extrem ambivalentes Gefühl, wenn ich an ihn denke - ich glaube, mein Onkel kam in seiner Welt und mit sich einfach nicht zurecht und fühlte sich trotz grosser eigener Familie schrecklich einsam, denn er war meist nur sehr schweigsam, ausser er war betrunken. Seine Töchter letztmals darauf angesprochen, sprachen von einem mittlerweile Fremden, den sie gerne geliebt hätten, wenn es nur möglich gewesen wäre und so hätten sie es mindestens versucht, was möglich war.

    Ich weiss, das ist kein Trost für dich und hilft kaum das Elend zu begreifen - für dich bleibt vielleicht nur die Trauer, dass er so war wie er war und es wird möglicherweise eine neue Sicht von dir auf deinen Vater notwendig sein, wenn du „Frieden“ finden willst - LG Ste.

    Hi Kiki

    Überrascht?

    Es ist schon unglaublich genug, dass du, als eines seiner Besitztümer - von geringer Relevanz, ihn „einfach“ verlassen hast. Aber dass du ihn nicht mal austauschst gegen einen Anderen, das ist für einen Pfau 🦚 unfassbar, da verliert er ja die letzten Federn, die ihm geblieben sind. So füllt man sich als Mann vollends bloßgestellt und das macht wütend, dass es für eine Frau ohne Mann besser sein könnte als mit ihm zusammensein - so ticken Männer!

    Sicher wirst du deswegen in den kommenden Wochen und Monaten kaum eine ruhige Kugel schieben können und es werden einige Unwägbarkeiten auf dich warten, aber deine Zukunft wird am berechenbarsten, wenn du sie weiter selber gestaltest, wie begonnen.

    Mach’s gut und bleib dir treu - LG Ste

    Hallo Simi

    Du schreibst: Das Gespräch ist grundsätzlich gut verlaufen. Also wir blieben alle ruhig und sachlich ...

    Das reicht natürlich noch nicht für einen guten Verlauf - entscheidend sind die Erkenntnisse daraus und wie es mit D. weitergeht. Sind weitere Gespräche geplant, Ziele definiert und mögliche Schritte diskutiert worden - wohin die Reise; was ist mit Jugendberatungsstellen ...

    Zu dir - ich verstehe dich nur zugut, du schiebst keine ruhige Kugel und langsam geht dir die Luft aus, klar. Nur - du machst dich selbst zur Maus in der Falle!

    D. ist mit >18 Jahre nach CH_Recht volljährig, wird so von den offiziellen Stellen behandelt und du wirst nicht herumkommen, es ihnen gleichzutun. Das muss für dich, aber vor allem auch für D. klar sein (... ich musste das zu oft aufgelösten Eltern erklären, deren volljährige Jugendliche ihre Ausbildung kurz vor Ende einfach hingeschmissen hatten).

    Dieses Bewusstsein ist aber auch für Eltern und Jugendliche eine Chance. Wenn Jugendlichen in solch schwierigen Situationen klar wird, dass ihre Zukunft primär von ihnen selbst abhängt, die Eltern höchstenfalls noch die Rolle als Zuschauer und Supporter einnehmen können, kann das bei Jugendlichen Wunder wirken und Energien freisetzen.

    Simi - du siehst dich immer noch in der Verantwortung; das bist du gar nicht, du bist bestenfalls in der Rolle als Supporter und das gibt dir einen neuen Blickwinkel auf die Sache, für dich und für D.

    Du kannst grosszügig sein und ihm Wohnraum anbieten, mit Mahlzeiten unterstützen, ihm Tipps geben, wenn er danach fragt usw. - aber dass er sich im Alltag zurechtfindet, das kannst du ihm nicht mehr abnehmen.

    Die gute Nachricht - es gibt aktuell viele Möglichkeiten bei uns in der Schweiz - er muss sie einfach angehen. Das mit der Rente finde ich nur die zweitbeste Idee, besser wäre eine Arbeit, zuerst vielleicht als Praktikum und später in eine Ausbildung wandeln ... IV unterstützt wäre super, aber nicht Voraussetzung.

    Wichtig wäre, dass D. Anlaufstellen wie https://check-your-chance.ch/ angeht, die spezialisiert sind auf

    Anfang Zitat ***:

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    *** Ende Zitat

    Also, auch wenn du vielleicht das Gefühl hast, ich sei grob zu dir - Kopf hoch - du bist meines Erachtens nicht in der Falle, es liegt jetzt ausschliesslich an D., nur er kann es angehen; es gibt Möglichkeiten und der Arbeitsmarkt bei uns ist ja bekanntlich zur Zeit ideal!

    Übrigens, wenn du einen anonymeren Austausch möchtest, könntest du dich eventuell für eine Aufnahme in den erweiterten Forenbereich bewerben, dieser ist geschützter und du kannst besser auch auf detailliertere Dinge eingehen.

    LG Ste

    Hallo Simi,

    eigentlich habe ich mir gestern vorgenommen, mindestens eine Schreibepause einzulegen - aber nach deinem Post wird daraus vorerst nichts, warum?

    Es geht um diese Besprechung von morgen Dienstag und wenn ich das richtig verstanden habe, ist die auf dem Sozialamt, mit D. und dir.

    Als ehemaliger Berufsschullehrer in Zürich kenne ich solche Gespräche mit Heranwachsenden und ihren Müttern als Beteiligter zur genüge. Am Ende der Diskussion fühlen sich meist die Mütter schlecht und nicht selten verlassen sie im Streit mit dem eigenen Jugendlichen den Ort. Das muss nicht sein, wenn die Mütter bewusster und vorbereitet in die Besprechung einsteigen würden. Ich erlaube mir ein paar Punkte und No-Gos für Mütter wie dich hier aufzuschreiben - es liegt an dir, was du daraus machst!

    1. Sei pünktlich - heisst 5 - 7 Minuten vor dem Termin erscheinen!
    2. Gib dich ruhig, nimm Platz am Tisch und lege deinen Block mit Schreibzeug bereit, frage nach einem Glas Wasser - das alles schafft Respekt.
    3. Es geht um D. und nicht um dich!
    4. Du bist nicht Teil des Problems, du bist allenfalls ein Teil der Lösung!
    5. Halte Pausen aus, fülle sie nicht mit Geschwafel - du hast nicht die Sitzungsleitung, darum halte dich zurück - du bist nur dazu eingeladen!
    6. Sprich nur für dich, keinesfalls für D., falle ihm nicht ins Wort und unterlasse es, ihn zu korrigieren!
    7. Erzähle nichts Negatives über D. und verdrehe nicht die Augen, wenn D. spricht!
    8. Lasse es nicht zu, dass du und deine Geschichte zum Hauptthema wird, sage dann - wir sind für D. hier, oder?
    9. Führe keine Streitgespräche mit D. vor Dritten, lehne dich zurück und sage - ist vielleicht nicht der richtige Moment für das, okay?
    10. Schreibe im Voraus zuoberst auf deinen Block "Es geht um D. und nicht um mich - also halte ich mich zurück" und notiere weiter
      • Ausgangslage (wie du sie aktuell erlebst)
      • Ziel, (wie sollte die Situation sein, die für dich stimmt)
      • Roadmap, wie ist das Ziel zu erreichen, (Massnahmen/Zwischenschritte/Finanzierung)
      • mach dir Notizen zu den obigen drei Punkten während der Sitzung (Ausgangslage/Ziel/Roadmap) und frage den Sitzungsleiter bezüglich einer Zusammenfassung zum Schluss, wenn er es nicht schon selber macht - das macht alle Beteiligten ringsum vorsichtig.

    Wenn du diese 10 Punkte nur etwas beachtest, gehst du mit Sicherheit nicht als Verliererin vom Tisch und gewinnst die Achtung vom Sozialarbeiter, D. und nicht zuletzt von dir - die dir zusteht.

    Nimm diesen Anlass als Start für eine neue Simi, die sich nicht herumschubsen lässt und klar in sich und was sie will.

    Vorwärts zum Start - ich wünsch dir Glück und vor allem die notwendige Gelassenheit und Verstand.

    LG Ste

    Das Thema welches mich am meisten umtreibt und vereinnahmt ist halt mein Sohn D.. Auch wenn ich versuche mich zu lösen und weiss, dass es seine Entscheidung ist, ob und wie viel er trinkt, ist die Abgrenzung unendlich schwer. Ich finde immer Gründe, warum er mir leid tut und weshalb ich mich in Selbstvorwürfen ertränken kann.

    Ich weiss, dass es nicht so ist, aber ich glaube immer wieder, dass ICH einen Unterschied machen könnte. Seine Traurigkeit bricht mein Herz.

    Es sind diese Dinge, so wie sie du beschreibst, die uns Eltern immer wieder an uns zweifeln lässt. Wir empfinden solche Gefühle oft als Strafe für persönliches Unvermögen, in der Jugend unseres Kindes etwas verpasst oder gar falsch gemacht zu haben. Dieser Glaube bringen uns dazu, dass wir meinen, gegenüber unserem „erwachsenen“ Kind nachsichtiger sein zu müssen, als es für beide gut ist.

    Diese, zuweilen reflexartige, stetige Nachsicht ist meines Erachtens die Fehlleistung fürsorglicher Eltern und zudem entsetzlich kontraproduktiv. Nachsicht entmündigt; man raubt so dem eigenen „Kind“ als ewige Eltern die Möglichkeit der Eigenverantwortung für sein Tun, hält es im erwachsen werden zurück, ja macht es dauerhaft klein und dafür wird es uns hassen bzw. immer mehr von uns abwenden, wenn wir dem nicht gegensteuern.

    Darum versuche doch deinem Verstand zu folgen, ich glaube er liegt richtig in der Sache und misstraue deinen Gefühlen; ich glaube dein Sohn braucht dich als Gegenüber, aber gefühlt auf Augenhöhe …

    Hallo ihr,

    bei uns ist die Lage ganz gut ...

    Hallo Kiki

    Deine "Statusinfo" liesst sich sehr gut und es freut mich sehr, wie weit du dich schon für dich und deine Kids "hochgezogen" hast - nur, du schreibst "bei uns ist die Lage ganz gut ..." .

    Was braucht es noch, dass du schreiben kannst "bei uns ist die Lage gut" - ist da noch ein "gap", fehlt noch etwas, ist da noch eine Kluft oder sonst noch eine Leere; etwas, das du vermisst zum glücklich sein - was braucht du noch; oder interpretiere ich in deinen Text etwas rein, das gar nicht ist?

    LG Ste

    Hallo Liane

    Du fragst dich „Wo ist die Grenze“? … ich vermute mal, das willst du gar nicht wirklich wissen.

    Deinem XY in seiner selbst gewählten Situation beizustehen mag dir für eine gewisse Zeit zu einem guten Gewissen verhelfen, zu mehr aber nicht. Du willst auf Dauer mehr von einer Beziehung, nämlich Liebe, Zuwendung, Wertschätzung, Zugehörigkeit und da du mit dem, was du von ihm bekommst, dich nicht begnügen kannst, willst du die Grenzen offen halten. Es könnte ja vielleicht von alledem wieder einmal etwas mehr aus seiner Ecke kommen und das dürfte dann auf keinen Fall an einer Grenze aufgehalten werden. Implizit akzeptierst du damit stillschweigend eine fremdbestimmte Begrenzung, indem du dich zufrieden gibst mit dem, was er gerade noch so neben seiner Sucht für dich übrig hat. Damit wirst du kaum jemals glücklich werden und mit dir im Reinen sein, geschweige denn sagen können: „Ich tue das, was ich für richtig halte und mir auf Dauer gut tut“!

    Wenn meine Vermutung allenfalls nicht zutreffen würde, wäre für dich die Grenze vielleicht zwischen Mitleid und Mitgefühl zu finden:

    • Mitleid zeigen, indem du kein Verständnis deinem XY entgegen bringst, ihn begleitest und mitleidest, auch wenn du herzlich wenig ausrichten kannst, seine (und damit auch deine) Situation zu verbessern, in die er sich hineinmanövriert hat. Verstrickt in deinen Gefühlen übergehst du die Tatsache, dass er gar keine ernsthafte Lösung seines Alkoholproblems sucht und was dir bleibt - Aussicht auf eigene Erschöpfung und Traurigkeit.
    • Mitgefühl zeigen, indem du Verständnis deinem XY entgegen bringst, ihn loslässt und akzeptierst, dass du für ihn herzlich wenig ausrichten kannst, seine Situation zu verbessern, in die er sich hineinmanövriert hat und keine ernsthafte Lösung seines Alkoholproblems sucht. Deine Gefühle für ihn werden nicht einfach ganz verschwinden, gleichwohl wirst du befreit, bald Hoffnung für dich schöpfen - für Neues, für ein Leben.

    Gruss Ste

    Jemand, der dich so sieht, ausformuliert und dir zustellt "You’re addicted to misery and you love spreading it around…… also a fact!" zielt voll auf dich und will bewusst verletzen. Dies ist nicht Liebe und Verzweiflung, die da mitschwingt, dies sind Macht- und Besitzansprüche ... auch Fakt. Vergessen und verzeihen solcher Erlebnisse ist mit das Schlimmste und das Schnellste, was eine Seele abnützt. So sehe ich das. LG Ste

    Hallo Savia

    Ich kann Hartmut nur beipflichten, deine letzten Texte sind da schon ziemlich eindeutig. Du arbeitest förmlich an deinem Schlupfloch, an einer vorgefassten Argumentation, wieso du den ersten Anlauf verständlicherweise vermasselt hast, um dir so den Weg zum erneuten Griff zu Flasche zu ebnen.

    Du bist eine Läuferin 🏃‍♀️ über lange Distanzen und bist auch schon Marathon gelaufen? Ich auch und da kenne ich mich definitiv gut aus mit der Suche nach Gründen für eine Aufgabe des Rennens ohne Gesichtsverlust. Ist doch irgendwie vergleichbar, diese gefüllten „ups and downs“ auf der Laufstrecke, die Versuchung abzubrechen und im Hinterkopf wird dafür intensiv an Entschuldigungen gearbeitet, um die persönliche „Niederlage“ in Grenzen zu halten, weil der Körper schmerzt und die Strecke vor sich verklärt.

    Vielleicht kennst du das ja auch - hast du dich auch schon mal so aus dem Rennen genommen? Ich schon und es ist heute noch bitter, wenn ich zurück denke. Ich konnte ja den Lauf nicht wieder an der gleichen Stelle aufnehmen und fortsetzen, das Rennen war für mich wortwörtlich gelaufen und auch mit besten Argumenten für meine Laufkollegen war es im Nachhinein einfach nur peinlich. Es brauchte viel Zeit; ich brauchte viel Zeit, bis ich mich für einen erneuten Versuch aufraffte und ich kann nur sagen, die Kilometer bis zu meiner ersten Aufgabe waren mental ein Horror und die müsstest ja auch du bei einem erneuten Anlauf nach dem Griff zur Flasche wieder unter deine Füsse nehmen, oder?

    LG von einem Sportsfreund

    1. Es ist eine richtige scheisse in die ich mich da manövriert habe, hab es aber leider erst geschnallt als mir bewusst wurde dass er mich im Stich lässt ...
    2. Jetzt sucht seine Tochter den Kontakt zu mir was mich einerseits freut andererseits merke ich das er nun ihr die Verantwortung übergibt. Ich kann ihr nicht helfen, ... sie versucht zu vermitteln was ich nicht richtig finde ... das ist nicht ihre Baustelle
    3. Ja also Ste zur Ruhe kommen lässt man mich grad nicht wirklich!

    Hallo Maike - super, dass du, ich nehme an zusammen mit den Kids, kurzfristig einen guten Unterschlupf gefunden habt - ganz stark!

    zu 1 - das Gute an dir ist, du suchst keine Ausreden, du hast es verbockt, du kriegst es wieder auf die Reihe ...

    zu 2 - ich glaube du siehst da klar; zwar ein schöner Zug von seiner Tochter, grundsätzlich nicht in Ordnung und womöglich dazu angestiftet

    zu 3 - sehe ich etwas anders als du; wenn ich deine Texte vergleiche mit deiner Schreibe zu Beginn, du wirkst mittlerweile schon viel aufgeräumter!

    Gruss Ste

    Hallo Maike - cool, wieder von dir zu lesen!

    Ich weiss gar nicht wie ich das beschreiben soll es ist echt schwer und manchmal hab ich wieder Momente wo mich alles voll emotional trifft und und dieser Zorn wieder kommt.

    Solange dieser Zorn zu keinem Dauerzustand wird, ist das schon okay. Der Zorn ist als Gewitter, nicht als Dauerregen gedacht; es soll die Luft reinigen, um wieder atmen zu können, nicht damit es alles verdirbt. Versuche seine Energie als Antrieb zu nutzen, um die gegenwärtigen Widrigkeiten anzugehen.

    In wieweit konntest du dich schon etwas organisieren? Hast du schon einen vernünftigen Ort als einstweilige Bleibe gefunden? Wie sieht es mit dem lieben Geld aus? Hast du schon Ansätze, wie du deinen Lebensunterhalt auf Dauer bestreiten könntest.

    Gerne höre ich wieder von dir und Wünsch dir Glück - Ste.

    Hallo Ela - gute Entscheidung, dich hier auszutauschen.

    Du liest ja hier seit Wochen und hast sicher festgestellt, du bist leider nur eine von viel zu vielen Frauen, die in vergleichbarer Weise „gefangen“ sind in solch einer Tragikomödie wie du. Das ganze Schauspiel ist bekanntlich in mehrere Akte unterteilt, die ALLE in vergleichbarer Reihenfolge abspulen - bis der Vorhang fällt. Viele Texte hier sind eindrückliche Zeugnisse, was jeweils von wem, wie gespielt wurde und klar, auch wenn die Drehbücher sich ähneln, der Ausgang ist nicht gewiss, so auch die Dauer des Stückes. Nur - was mit Sicherheit gesagt werden kann, dieses Schauspiel ist kein Spaziergang, es ist extrem kräftezehrend und es gibt auch kaum Applaus für die Akteure, einige zerbrechen sogar dabei.

    Sicherlich, die Erfahrungen der Frauen aus den verschiedenen Akten sind hilfreich und geben Perspektive für die, die gerade erst in die Tragikomödie eingestiegen sind mit „ihrem“ Alkoholiker; kann auch helfen einen Akt zügiger zu durchschreiten, aber von einer Abkürzung oder einer Überholspur habe ich noch nie gelesen; es scheint mir, dass jede Theatergruppe all die schmerzlichen Akte zu durchlaufen hat.

    Ela - so sehe ich mittlerweile das Ganze und habe wenig Hoffnung für dich, dass deine Familie sich dem geschilderten Verlauf entziehen kann, ihr steckt schon mitten drin.

    Du schreibst „Ich weiß genau, wen ich geheiratet habe: mein Mann ist alkoholkrank!

    Weisst du damit auch was du geheiratet hast mit einem alkoholkranken Mann und was du dir und deinen Kindern damit zumutest? Ich bezweifle es, das kann kaum jemand im Voraus ermessen, nur eines ist aus den vielen Erzählungen hier gewiss, es ist kein Spass. So wie dein Mann einmal war, ist er Heute schon nicht mehr - so du beschreibst; und er wird, auch wenn er es schafft trocken zu werden, nicht mehr der Gleiche sein - eine grosse zwischenmenschliche Herausforderung für ALLE, für ihn, für dich und jedes einzelne deiner drei Kinder.

    Du schreibst „Ich bin unheimlich stolz auf ihn, dass er sich allem stellen will. Und ich hoffe, er hat die Ausdauer und die Kraft, durchzuhalten!

    Ich verstehe nicht wieso dieser Stolz angebracht ist. Du musstest ihm dazu “in den Hintern“ treten damit er sich bewegt und es ist ja auch das Mindeste, was er tun kann; er hat diese grosse Baustelle aufgerissen, zum Leidwesen der ganzen Familie. Ich hoffe vielmehr, dass vor allem du die Ausdauer und die Kraft hast durchzuhalten, deine drei Kinder brauchen dich noch Jahre und neu dein viertes alkoholkranke „Kind“, ganz besonders.

    Du schreibst „Das Schwerste ist, zu ertragen und mit anzusehen, dass der Mensch den man liebt, sich so zugrunde richtet.

    Wohl wahr - dies ist der grösste Kräftefresser, vor allem wenn alles nichts bringt.

    Auch wenn ich dir nun höchstwahrscheinlich als Miesepeter erscheine, wünsche dir nichts Schlechtes. Es würde mich riesig freuen, wenn ich falsch läge und ihr alles gut meistert, hin zu einem Happy End. Ich drücke euch allen, DER GANZEN FAMILIE, schon jetzt die Daumen, dass ihr es schafft - mit ganzem Herzen, Ste.

    Hallo Maike - ich glaube du bist hier richtig :thumbup:

    Du wirkst wie ganz unten angekommen. Das hat den grosse Vorteil, dass es von nun an nur aufwärts gehen kann für dich. Aber eben es steht sinnigerweise das Wörtchen gehen in dieser Phrase. Um vorwärts zu kommen musst du gehen - ganz weg von ihm und so abgehoben es klingen mag, deine Möglichkeiten checken, die du hast - auch im Hinblick auf deine Finanzen. Wer könnte dir kurzfristig vielleicht helfen, ohne gleich in neue Abhängigkeiten zu geraten. Versuche dich zu sortieren und zu organisieren, du wirst sehen, das eröffnet Perspektiven.

    Es wäre dumm, sich über ihn, dich oder das Geschehene lange zu ärgern, es wird niemand kümmern und dich in deinem Vorwärtskommen hindern.

    Ich wünsch dir Glück - Ste

    Guten Tag Kiki

    Finde dein agieren in Anbetracht deines Schlafmanko erstaunlich umsichtig und emphatisch. Kinder haben ein extrem sensitives Sensorium für Disharmonien und man kann ihnen nichts vormachen, wenn irgend etwas nicht stimmt. Nur können sie es noch nicht einordnen und sich entsprechend sortieren, da sind sie völlig überfordert und alleine, wenn nicht jemand ihnen dabei hilft … und das Beste ist natürlich, wenn es durch die eigene Mutter geschieht.

    Für deine sinnbildliche Umarmung auf dieser Ebene wird dir Kind1 ewig dankbar sein, einerseits für deine Anerkennung und das Vertrauen das du ihm schon jetzt entgegen bringst und anderseits dass es mit dir jemanden hat, auf die es bauen kann, sich in seiner kleinen Gefühlswelt zurechtzufinden.

    Gratuliere - als langjähriger Lehrer habe ich allzuoft Kinder erlebt, die mit solchem alleine mit sich im Regen stehen gelassen wurden.

    Deine Zeilen haben mich sehr gefreut - wird ein guter Tag - Danke - mach’s gut - Ste

    P.S. ich tu mir halt so schwer, zu verstehen/anzunehmen, dass Menschen so sein können, weil ich in meinem Wesen einfach gutmütig (naiv) bin und nur das Beste v. Menschen - in erster Linie - annehme. Das war ich aber auch schon vor ihm und bin noch nie so derartig bei einem Menschen eingefahren.

    Liebe Anita,

    ich habe deinen letzten Ausführungen wiederholt gelesen und finde dich keineswegs „naiv“, das ist Kleinmacherei - muss nicht sein - ich halte viel von dir.

    Ich war hin und her gerissen, ob und wenn ja, wie ich dir antworten soll, es ist nicht so einfach. Deine Art sowie Aussagen scheinen mir in unliebsamer Weise vertraut; ein Déjà-vu. Um dies zu erklären, muss ich etwas ausholen und anhand einiger meiner Erinnerungen aufzeigen, wieso ich glaube, dass man nicht einfach so ist wie man ist - man wird auch ein Stück weit zu etwas gemacht - dem man wie du, nicht einfach so entfliehen kann.

    Du hast etwas von meiner 5 Jahre älteren Schwester, die kaum 13 Jahre alt, mich häufig im Schlepptau hatte. Zu Beginn musste sie auf mich aufpassen, aber schon bald wurden unsere Rollen getauscht.

    Einem Nachtschattengewächs gleich, mangelte es ihr schon früh an einem guten Platz und genügend Beachtung innerhalb der Familie und so suchte sie außerhalb. Ihr angehängt, bekam ich ihre ersten Gehversuche bezüglich Freundschaften und Liebe mit, die geprägt waren von Hoffnungen, Gemeinheiten, Scham, Tränen und wortlosem Schmerz. Ratlos neben ihr, erschreckten mich all die Grausamkeiten unter dem Etikett „Freundschaft und Liebe“.

    Im Kreis ihrer Freundinnen wurde zu dieser Zeit regelmäßig der „Marktwert“ jeder Einzelnen gehandelt und da hatte meine Schwester schlechte Karten. Nicht dass sie etwa hässlich oder sonst wie unmöglich gewesen wäre; nein - sie war einfach ungesund „schlank“ und hatte Sehnsucht nach Liebe und Zugehörigkeit. Diese Kombination machte sie regelmäßig zum Gespött und Spielball. Ihr Selbstwertgefühl blieb mit jeder Gemeinheit und jedem Bruch mehr und mehr auf der Strecke. So wunderte es nicht, dass sie erst jemand länger für sich gewinnen konnte, der selbst ein Rucksack voller Probleme mit sich herumschleppte.

    Da hatten sich nun zwei Abhängige gefunden; er u.a. süchtig nach Alkohol, sie nach Geborgenheit und aufrichtiger Liebe. Das konnte auf Dauer nicht gut gehen und wenn das Ganze mit allen „ups and downs“ und wiederholtem Kommen und Gehen auch keine zehn Jahre dauerte, ging es viel zu lange - das Ende war abrupt, schrecklich und endgültig.

    Meine Schwester hat damals, trotz aller unübersehbaren Alarmzeichen und im Widerspruch zu ihrem eigenen Verstand, den rechtzeitigen Absprung nicht geschafft - das hat sie letztendlich für immer kaputt gemacht.

    Dir Anita traue ich den Absprung zu, du scheinst dich soweit aufgerappelt zu haben, dass es dir gelingen könnte;

    ich würde es dir soooo wünschen - Ste

    Hallo Anita, nochmals ich - du bringst mich zum grübeln 🤔 mit nachfolgender Aussage:

    Mein Problem war, dass ich es mir selber lange, lange nicht wert war! Zu sagen: Na mit mir sicher nicht mehr!

    Aber eines weiß ich mit Sicherheit, so etwas passiert mir nicht mehr, mein Blick ist klarer geworden.

    Ich frage mich, ob bei dir „klarer sehen“ ausreicht, um nicht wieder in einen vergleichbaren Schlamassel zu geraten.

    Du erinnerst mich an einen Spruch, der in etwa so lautet:

    Die Frau verliert in der Liebe zu einem Mann allzu oft das Bewusstsein ihres eigenen Wertes; der Mann kommt dadurch erst recht zum Bewusstsein des seinen - Resultat ihrer bedingungslosen Liebe, trotz allem …

    Ich vermute mal, dir ist es in etwa so ergangen mit deinem langjährigen Partner; er gewann immer dann an Grösse, wenn er dich klein machen konnte.

    Wenn du weg bist, wird er sich nicht mehr hoch ziehen können, indem er dich runtermachen kann. Er will dich deswegen unbedingt zurück, er braucht dich dafür, falls er keinen passenden Ersatz findet.

    Leider tendieren Männer zu solchem Verhalten und Frauen liessen es in der Vergangenheit zu oft geschehen; nicht zuletzt geprägt von überliefertem Rollenverständnis. Es macht mir gewiss keine Freude über meine Spezies so negativ zu schreiben, aber es ist dies eine meiner unerfreulicheren Erkenntnisse aus Beobachtungen über Jahrzehnte.

    Was ich meine - bei dir sollte es in Beziehungen zukünftig nicht primär nur um Klarheit im Blick gehen, sondern vor allem um gleiche Augenhöhe!

    Ich wünsche dir eine neue Liebe, getragen von gegenseitigem Respekt und Fairness - eben, eine Beziehung auf Augenhöhe.

    Gruss Ste

    PS - Nur schon von „losem Kontakt halten“ mit deinem alten Übeltäter halte ich nicht viel. Einer, der dich offensichtlich über 10 Jahre kontinuierlich klein machen konnte, erachte ich als gefährlich für dich und zu alledem reine Zeitverschwendung.

    Ich weiß, wie schwer das alles ist und wie weh das innerlich tut. Ich dachte auch immer, dass ich besser ohne ihn dran bin, es ja nicht besser wird und trotzdem ... es braucht viel Ehrlichkeit zu sich selber und - so wie ich manchmal hier auch lese - viel Disziplin und Zeit.

    Liebe Anita - hat mich erschreckt - deine Antwort - 10 Jahre, Wahnsinn. So ist ein Leben schwer zu Zweien, nur eins scheint für dich noch schwerer, der Gedanke alleine zu sein. Ich würde mir wünschen für dich, als wertvoller Mensch der du bist, du könntest dich restlos von diesem Tunnelblick auf ihn befreien, er versperrt dir den Blick auf das viele Schöne, das für dich sonst auch noch möglich wäre.

    LG Ste

    Habe ihm alles direkt ohne Umschweife gesagt was ich denke und dass es definitiv beendet ist. Wir können weiterhin Kontakt halten und ich gucke mir aus der Ferne an was da passiert.

    Ja aber HALLO!

    Du beendest eine Beziehung ohne gleichzeitig Schluss machen zu wollen, sinnbildlich dafür „ich gucke mir aus der Ferne an was da passiert“. Dieser krasse Widerspruch in sich wird dein Gefühlsleben nur weiter komplizieren. In deiner Situation ist dieses Ansinnen schlicht und ergreifend Unsinn und bringt dich kaum zurück in die Spur.

    Wenn du ihn nicht ganz loslassen kannst, bleibe besser bei ihm - so muss dein Inneres keinen „unmöglichen“ Spagat versuchen und du kannst in dieser Beziehung ganz auf- bzw. untergehen.

    Ich wünsch dir Glück - Ste

    ... ich arbeite daran meinen Standpunkt zu vertreten. Nach der ganzen Grübelei heute will ich das definitiv, schaue mir an was da bei ihm passiert, getrennt sind wir. Aber ich befürchte auch das da nicht viel Eigeninitiative kommen wird. Dann muss ich das Thema abhaken

    Was erwartest du noch von ihm, auf was hoffst du, was da kommen soll ...

    Wie sich Liebeskummer anfühlt kann ich nur von meiner Schwester erahnen, die schrecklich darunter litt. Es sei wie sterben, nur dass es viel länger dauere, der Kopf habe den Glauben verloren und sich entschieden zu gehen, nur das Herz sperre sich so und wolle noch verweilen - es sei viel schwieriger einen Freund zu verlassen, als vermutlich einen neuen zu finden - gerade deshalb, auf zu neuen Ufern ...