Beiträge von Ste55

    Hallo Kiwi

    Deine Worte - meine Schwester! Mit dir bzw. deinen Texten erlebe ich hier ein Déjà-vu der unschönen Art.

    Ich habe eine 5 Jahre ältere Schwester. Sie hatte einen Mann kennengelernt und dachte „er“ ist es, „Liebe auf den ersten Blick“. Bis dahin war ihr Leben vollständig in Ordnung und mit ihm geriet alles aus den Fugen. Der obige Kreislauf hätte sie beinahe zerstört, Schaden genommen hat sie auf alle Fälle - bis heute.

    Ich war damals 19 Jahre alt und meine Eltern baten mich bei meiner Schwester (sie hatte eine kleine Stadtwohnung) einzuziehen. Nur für kurze Zeit, bis meine Schwester ihren Liebeskummer überwunden hätte und der Typ nicht kurzfristig wieder einziehen könne. Ich traf sie noch etwas dünner als sonst, aber okay - sie war gerade wieder einmal auf Feld 1 - wie sich später herausstellte. Dann kam das obligate Telefonat (das Internet und Mobile waren noch nicht erfunden) und schon bald war Feld 2 angesagt, und hoffnungsvoll brachte sie Feld 3 ins Spiel usw.. Wir kreisten Monate, sie kämpfte mit sich und ihrer Gesundheit, sie war nie die Stärkste - ohne physische Reserven eben.

    Im Zeitraum von Feld 5 und Feld 6 war’s schlicht ein Horror mit ihr. Sie wollte nicht mehr das Bett verlassen, sei weinte leise vor sich hin oder starrte Löcher in die Wände und sah durch mich hindurch, aß kaum noch und erbrach das Wenige - einzig rauchen ging noch. Und da waren noch diese immer gleichen, nie enden wollenden Gespräche, Umarmungen, Versprechen und Anläufe ...

    Den Ausgang fand meine Schwester, als er sie vor die Wahl stellte, er oder unsere Familie - und da hat sie Familie gewählt. Wir zwei entschlossen uns anschließend spontan für eine mehrwöchige Reise an die Westküste der USA. Es war der Abstand, die Sonne, das Meer und die gute Stimmung der Leute, die meine Schwester wieder einigermaßen herstellte.

    Liebe Kiwi - gewiss ist dies eine alte, andere Geschichte, aber deine Sätze könnten von meiner Schwester stammen.

    Ich habe ihr u.a. die gleichen Fragen wie dir aus meinem Text vom Dienstag (#61) gestellt, es war hoffnungslos!

    Bist du auch ein hoffnungsloser Fall?

    So - das war’s - ich habe alle Karten gespielt!

    Ich hoffe, du kommst zeitnah aus diesem Leerlauf heraus - wirf deine kostbare Lebenszeit nicht weg! Ich traue dir nämlich nach all dem hin und her nicht wirklich mit „Aus, Basta, Finito und Ende im Gelände. Game over sozusagen“, so sehr ich es dir auch wünsche!

    Liebe Grüße Ste


    Liebe Kiwi

    Schmerz mündet meist in Tränen - heule doch - weinen ist die Reaktion auf Frustration, Erschöpfung, Trauer und egal wie lange es dauert, du wirst irgendwann damit aufhören. Dann wird dein Herz wieder deinem Verstand mehr Platz einräumen und wird dich fragen:

    • Vermisse ich ihn oder vermisse ich meine glücklichen Momente?
    • Ist er häufiger für meine glücklichen Momente oder häufiger für meine unglücklichen Momente verantwortlich?
    • Bringt er mich häufiger zum träumen oder bringt er mich häufiger zum weinen?
    • Bestimmt er meinen Wert; wenn ja, mit welchem Recht?

    ... und ich frage dich: „Könntest du dich ertragen, wenn du so wärst, wie er dich sieht?“

    • Wenn ja - bleib wo du bist, bei ihm bist du richtig.
    • Wenn nein - nichts wie weg, bei ihm bist du falsch.

    So einfach und doch so schwer; entscheide dich - liebe Grüße Ste

    ... de facto trauere ich auch ein bisschen um den Menschen, der das Potential für sein Leben in die Tonne tritt.

    Liebe Kiwi - wie geht es dir?

    Deine ausführlichen Texte haben mich beeindruckt, diese vielen Facetten an dir, von zögerlich und verletzlich bis zu selbstbewusst und robust - es ist alles dabei. Du bist vieles zugleich und das macht es für dich nicht unbedingt einfach, aber das macht dich auch besonders und wertvoll.

    Sortiere und orientiere dich an dem, was DIR gut tut und folge deinem Entschluss, vorwärts zugehen. Ich bin mir sicher - hier hat es einige, die um dich trauern würden, wenn du es ihm gleich tust und dein Potential in die Tonne trittst, wenn du zu ihm zurückkehrst.

    Achte auf dich - du bist die wichtigste Person für dich - Gruss Ste55

    Ich wollte Leila daher wie gesagt lieber die Zeit verschaffen, sich zu festigen, bis ihr Entschluss bestärkt ist. Denn das Schlimmste wäre sicherlich eine Ja-Entscheidung :(

    Hallo Cadda,

    nun habe auch ich es verstanden! Du bist für keine 3. Chance - es geht nur noch um Zeitraum sowie Art und Weise einer möglichst schmerzlosen Absage mit Rücksicht auf Leila.

    Hallo Leila,

    wenn ich deinen Text lese, deutet alles darauf hin - du hast dich innerlich bereits gegen eine 3. Chance entschieden.

    Dein Zitat „Das schlimme ist, ich sehe ihn immer in dem besoffenen Zustand vor mir und das ekelt mich an“ in Kombination mit deinem fehlenden Glauben, dass er zukünftig am Griff zur Flasche vorbei kommt, unterstreichen dies.

    Gleichzeitig hast du Skrupel „genug - mir reichtszu sagen und wärst am liebsten aus all dem raus. Verpasse dadurch nicht den richtigen Moment für deinen Absprung, er kommt meist unverhofft; kaum da - schon wieder weg. Sei bereit, innerlich steht dein Entscheid - hab ich recht?

    Liebe Grüsse Ste55

    Er möchte keinen Alkohol mehr trinken, überhaupt keinen mehr. Ich kann soviel Zeit haben wie ich brauche um mir zu überlegen, ob es wieder ein WIR geben wird. Ich würde ihm gerne glauben, aber habe Angst das er es wieder tun wird.

    Hallo Leila

    Ich habe eine Tochter, die phasenweise trinkt. Zwischendurch möchte Sie keinen Alkohol mehr trinken, überhaupt keinen mehr - bis zur nächsten Phase.

    Als Vater kann man seine Tochter mit Kids nicht einfach aufgeben und so lebe ich kontinuierlich mit deiner beschriebenen Angst, dass sie es wieder tun wird. Diese Angst ist ein stetiger, mieser „Begleiter“ - allgegenwärtig, besonders in guten Momenten. Mittlerweile ist mir bewusst, solange ich den Kontakt halte, werde ich diese Angst nicht mehr los, als Vater/Großvater hat man kaum eine andere Wahl.

    Aber vielleicht hast eine Wahl, dieser ständigen Angst zu entkommen. Welche Optionen hast du?

    • Dich weiterhin mit Partner in schwierigem „Gelände“ an Ort bewegen - begleitet von ständiger, ruheloser Angst?
    • Weiter ziehen, mit all den kurzfristigen Unwägbarkeiten einer Trennung, gleichzeitig die Chance auf Heilung, neuem 🍀 - frei von Angst?

    Schwierig - aber wähle DU - sonst werden es vielleicht schon bald ANDERE für dich tun.

    Liebe Grüße Ste

    zu

    ... gut einen schwerkranken Menschen begleiten, ohne mit ihm zusammen leben ...

    es stellt sich die Frage, geschieht die Begleitung aus

    1. Mitleid: Beide "wollen" LEIDEN und man kann dadurch auch keine Hilfe sein, - dies die Quintessenz - jegliche Distanz fehlt
    2. Mitgefühl: Mit dem Kranken "mit-fühlen", das Leiden nachvollziehen und Hilfe sein - weil einen emotionaler Abstand da

    >> beim 2. hilft räumlicher Abstand - wie von Sunshine bemerkt, ohne die Person komplett fallen lassen zu müssen.

    Gruss Ste

    Hallo ste, ja was würde ich der Mira raten, sich zu trennen und das weite zu suchen. Aber raten kann man immer viel selbst machen ist was anderes. Ich hoffe die ganze Zeit das es wieder nur eine Psychose ist, wir hatten das ganze schon zweimal vor vielen Jahren dort hat er sich genauso verhalten und mich aus dem Haus geekelt. Ich weis jetzt fragen sich alle warum hat die das mit sich machen lassen und den dann noch geheiratet? Ich hatte Hoffnung da er komplett vom Koks weg war habe ich immer gedacht wer das schafft der schafft es mit dem Alkohol auch, und zeitweise sah es ja auch ganz gut aus das der es schafft.

    Liebe Kia - wieso taugt dein Rat für eine Freundin wie in unserem fiktiven Beispiel „Mira“ nicht für dich?

    Du drängst also deine Lieben sofort aus einem lichterloh brennenden Haus zu flüchten, nur für dich gilt dies nicht. Du willst lieber bleiben und verbrennen? Verstehe ich nicht.

    Ich habe nichts von einfach geschrieben, so etwas durchzuziehen - sich trennen - ist unglaublich hart. Man lässt immer etwas zurück und nimmt auch immer einiges mit, das es täglich zu schultern gilt; schrecklich sowas, aber manchmal überlebensnotwendig.

    Beste Grüße Ste

    Liebe Cadda

    Deine persönlichen Worte helfen mir sehr - verstärkt durch den Umstand, dass du es geschafft hast, vom Griff zur Flasche loszukommen. Gratuliere - das ist großartig und zugleich Beispiel für mich, dass es meine Tochter auch irgendwann schaffen könnte.

    Aktuell ist bei ihr wieder vertuschen angesagt, im Sinne „Vorspiegelung falscher Tatsachen“. Aber ihre beiden Mädchen kann sie nicht täuschen. Die würden auch gerne darüber sprechen. Nur das Gefühl von Verrat an ihrer Mutter hindert sie; die beiden ausfragen wäre unmenschlich.

    Trotz allem, es fällt mir schwer auf meine Tochter böse zu sein; es ist immer noch viel Liebe da und ich fühle auch immer noch eine gewisse Sorge und Verantwortung - auch wenn sie ihr Leben lebt. Das gehört wohl zum Elternsein - und darauf steht bekanntlich lebenslänglich.

    Ich vermute, so wie du deine Mutter skizzierst, ging es ihr ähnlich wie mir jetzt. Ihr warst du und deine Kinder so wertvoll und wichtig, dass sie wohlwissend der Schatten, sich um euch gekümmert hat, mit dem Funken Hoffnung auf bessere Zeiten.

    Danke für dein Mut, dein Beispiel und deine Unterstützung.

    Herzliche Grüße Ste

    Liebe Kia

    Versuche doch mal folgendes - lese deine Vorstellung selbst nochmals Linie für Linie ganz sachte und in aller Ruhe durch und stelle dir dabei vor, es ist nicht dein Text, sondern einer Anderen hier - sagen wir ihr Mira.

    Okay, hast du den Text von „Mira“ sorgfältig gelesen?

    Was würdest du nun Mira raten? Was soll sie in ihrer Situation tun?

    Hat Mira in ihrem Text die Antwort nicht schon bereits vorweggenommen? Was siehst du das, Kia?

    Herzliche Grüße Ste

    Liebe Aurora

    Danke für dein Mitgefühl und und deine einladenden Worte. Je länger je mehr betrachte ich es als glückliche Fügung, dass es mich beim Surfen bei euch angespült hat.

    Andererseits erschrecken mich hier gelesene Texte regelmäßig und wollen zum Teil kaum mehr aus meinem Kopf. Diese Menge an bodenlosen Enttäuschungen, greifbaren Ängsten und zerstörerischen Niederlagen in Kombination mit unrealistischen Hoffnungen hin bis zu verzweifelt wirkenden neuen Anläufen sowie kontinuierliche Aufschiebungen längst fälliger Entscheidungen machen mir zu schaffen.

    Bezüglich Kinder hast du mit deinen Ausführungen voll ins Schwarze getroffen. Das traurigste daran ist, wie sie konstant ausloten, wie es dem Mami jeden Moment geht. Verhält sie sich „normal“, so fühlen sie sich umsorgt und in Sicherheit oder verhält sie sich „komisch“ und so fühlen sie sich augenblicklich auf sich alleine gestellt. Das bedingungslose Vertrauen ist verloren gegangen und hat der Sorge vor dem nächsten „Absturz“ vom Mami Platz gemacht.

    Nun aber genug von mir - meine Texte werden regelmäßig zu lange.

    Herzliche Grüße Ste

    Liebe Alle,

    eigentlich war das so nicht geplant, dass ich hier texte . . .

    Ich war kürzlich im Internet unterwegs; auf der Suche nach Infos zu „Meine Tochter ist Alkoholikerin“ hier gelandet und mich etwas eingelesen. Warum?

    Ich habe eine Tochter Mitte 30, die phasenweise trinkt. Sie ist verheiratet, drei Kinder, alle < 10 Jahre.

    Obwohl sie zwei stationäre Entgiftungen hinter sich hat, macht es ihr Mühe auszusprechen, dass sie eine Alkoholikerin ist und spricht höchstens von einem möglichen Alkoholproblem. In guten Phasen ist sie wirklich souverän unterwegs und braucht keinerlei Unterstützung, umso mehr in schlechten; u.a. organisiere ich dann stationäre Aufenthalte für sie und bin bei den langwierigen Eintrittsgesprächen mit dem Fachpersonal dabei. Da erlebe ich die ganze Ohnmacht einer Süchtigen hautnah - diese schreckliche persönliche Niederlage - wieder an dem Punkt zu sein, wo man nie mehr hin wollte. Das bricht einem fast das Herz, so schmerzhaft ist diese raumgreifende Trostlosigkeit - und doch ist man als Begleiter nicht mehr als Zuschauer; wohl in der ersten Reihe, aber ohne effektiv helfen zu können - sie muss da alleine durch.


    Trotz der Erkenntnis, dass ich meiner Tochter im Kampf mit ihrer Sucht kaum helfen kann, suche ich dann und wann im weiten Internet, ob nicht doch irgendwo ein Rezept zu finden ist, das ihr nützt. Dies habe ich auch in diesem Forum bis jetzt nicht gefunden; dafür aber Texte, die mich berührt haben und zwar so, dass ich es mir nicht verkneifen konnte zu antworten.

    Das geht aber natürlich nicht, ohne sich vorher vorzustellen; so sind die Spielregeln. Trotz meiner nachträglicher Lieferung, hoffe ich doch noch auf ein Okay.

    Beste Grüße Ste55

    Lieber Dante

    du hast natürlich recht - ich werde mich möglichst heute noch vorstellen. Ich wollte eigentlich nur im Forum stöbern, als ich darüber "gestolpert" bin ... aber jetzt ist es nötig, wenn ich selbst schreibe. Ein Stück weit habe ich schon bei meiner ersten Antwort zu Blume52 von mir geschrieben - aber ich hole es noch richtig nach - SORRY.

    Herzliche Grüsse Ste

    Liebe Leila

    Mit - zu deinen Lasten - meine ich folgendes:

    Eine Partnerschaft basiert u.a. auf Dialog, gegenseitigen Respekt und Zuneigung - Beide müssen kontinuierlich etwas dafür tun. Bei dir scheint mir, dass - aus seiner Sicht - du für ein weiteres Miteinander möglichst alles von ihm gefallen lassen solltest. Das wird auf Dauer eine Last, die kaum zu tragen ist.

    Alles klar? Herzlich Grüsse Ste

    Liebe Leila

    Wenn er in dieser Situation so locker sagen kann, dann tu es - beende es - wird das Ganze sehr einseitig - zu deinen Lasten.

    Es kommt, wie so oft, alles auf einmal zusammen. Halte durch - es werden bessere Tage folgen.

    Herzliche Grüße Ste

    Liebe Leila

    Super, dass du dich hier gemeldet hast - das ist ein gutes Zeichen. In dir regt sich dein Selbsterhaltungstrieb - weiter so!

    Suche Distanz, gehe nicht mit unter und schuldig an seiner Situation bist du schon gar nicht.

    Weiter kann ich das, was XLausi vor kurzem dir geantwortet hat voll unterstützen.

    Befreie dich von diesen heimtückischen Fesseln; bewege dich, es warten bessere Tage hinter dem Horizont. Dort gehts für dich weiter, da wo du jetzt bist wohl kaum. Du bist die wichtigste Person in deinem Leben - gib sie nicht auf.

    Herzliche Grüße Ste