Beiträge von Stern

    Gerade am Beginn ist es (zumindest für mich) hilfreich Unterstützung von der Familie
    zu erhalten und jedes Risiko zu begrenzen.

    Nun ist ja eine Unterstützung etwas anderes als aufpassen.
    Und Risiken eingehen kann immer im Rückfall enden. Das kann 3 mal gut gehen, vielleicht auch nur 3 mal…..

    Ich bleibe dabei: Die Verantwortung für sein nüchternes Leben kann niemand abgeben.

    Wenn sonst niemand mitkommt, und deine Frau gut
    auf dich achtet, würde ich es an deiner Stelle riskieren.

    Warum sollte seine Frau gut auf ihn achten?
    Und welchen Unterschied würde es machen, wenn noch jemand mitkommt?

    Da bin ich wieder bei der Eigenverantwortung.

    Riskieren? Nein, riskieren ist keine gute Idee.
    Wenn ich im Vorfeld schon von Risiko spreche, bleibe ich zuhause.

    Du schreibst, es liege ganz allein in deiner Verantwortung, dass du nie wieder saufen wirst, was impliziert, dass du jederzeit die Kontrolle über die Sucht hättest, wenn du es nur möchtest. Das ist jedoch nicht der Fall.

    Natürlich liegt es ganz alleine in meiner Verantwortung, dass ich nie wieder saufen werde. Es bleibt meine lebenslange Verantwortung.
    Für mich impliziert da auch gar nix, dass ich die Sucht unter Kontrolle hätte, wenn ich es nur möchte.

    Alleine mit dem Willen ist Sucht nicht zu kontrollieren. Das habe ich viele Jahre versucht und bin immer wieder gescheitert.
    Ich weiß heute viel mehr über die Alkoholsucht und das und der Austausch in diesem Forum haben mir geholfen, meiner Nüchternheit doch auch ein gutes Fundament gebaut zu haben. Und ich habe akzeptieren können, und das finde ich für mich persönlich einen ganz wichtigen Baustein, dass ich Alkoholiker geworden bin und dass ich das auch für immer bleiben werde. Es gibt kein ‚zurück-auf-Anfang‘.

    Zwischen erkennen, dass ich Alkoholiker bin und akzeptieren, dass das jetzt so ist und sich auch nie wieder ändern wird, liegen bei mir unzählige Flaschen Sekt und Wein. Ich will damit sagen, dass bei mir im Kopf eine Menge passieren musste, um heute sagen zu können, dass ich zufrieden nüchtern bin und dass bei mir alleine die Erkenntnis, Alkoholiker geworden zu sein, noch nicht ausgereift hat, um ins Handeln zu kommen.
    Heute weiß ich, dass ich der Sucht nicht ausgeliefert sein muss, dass ich sie mit absoluter Abstinenz zum Stillstand bringen kann. Und das sie nur genau so lange ruht, wie ich keinen einzigen Tropfen Alkohol trinke. Ausnahmen gibt es nicht.

    Sucht ist nicht mit dem Willen zu stoppen, jedenfalls nicht nur. Natürlich gehört aber eine gehörige Portion Wille auch dazu, sonst wird das nüscht.
    Die Einsicht in die Notwendigkeit, auch eine gewisse Sturheit und die Liebe zum Leben und inzwischen auch wieder zu mir selbst sind genauso wichtige Begleiter auf meinem nüchternen Weg wie das Wissen, dass meine Alkoholsucht lediglich gestoppt ist. Sie ist und bleibt eine unheilbare Krankheit, die ungestoppt in einen grausamen Tod endet.

    Risikominimierung schützt nicht automatisch vor Rückfällen, da gehe ich noch mit. Aber wenn ich diese Grenzen bewusst aufweiche oder mir zu viel Spielraum erlaube, dann überlasse ich die Verantwortung nicht mehr mir selbst – sondern öffne der Sucht die Tür.

    Ich habe nichts von Grenzen aufweichen geschrieben und auch nichts von zu viel Spielraum erlauben.
    Und ja, es liegt liegt letztendlich ganz allein in meiner Verantwortung, dafür zu sorgen, dass ich nie wieder Alkohol trinke. Wem sonst will ich denn dafür die Verantwortung übertragen?

    stolz kannst Du auch sein, Iwona, denn nach der Zeit des (hoffentlich abschreckenden) Beispiels bist du nun schon viele Jahre ein positives Beispiel für Deine Familie.

    Dem schließe ich mich an und ergänze: Auch für mich bist du ein positives Beispiel.💐

    Trotz, dass es nicht immer leicht ist, bist du voller positiver Gedanken und strahlst eine so schöne Leichtigkeit aus, dass es eine Freude ist, bei dir zu lesen.

    Immer wieder betonst du, dass alles ohne Alkohol möglich ist. Das macht mich mutig für mein Leben.

    Ich finde es gut, dass du deine Gedanken hier lässt. Denn nur so kannst du auf Gefahren hingewiesen werden und aus den Antworten hier für dich mitnehmen , was für dich passt.

    Ich wusste anfangs manchmal noch gar nicht, was für mich passt und habe deshalb immer mal wieder ein paar Seiten zurückgeblättert und nochmal nachgelesen. Einiges passte noch immer nicht und über manches dachte inzwischen doch etwas anders.

    Ich wollte doch nur Eure Erfahrungen/Gefühle vor der ersten Reise erfahren. Ob Ihr ohne Nachdenken los seid oder doch paar Momente darüber nachgedacht habt. Mehr war es gar nicht.

    Ohne Nachzudenken eine Reise anzutreten, finde ich ziemlich leichtsinnig.
    Natürlich weiß ich auch mit Nachdenken nicht immer, was mich erwartet, aber ich kann mich zumindest bei der Planung darauf konzentrieren, dass ich mich nicht bewusst ins Ballermannleben reinstürze (das ist jetzt überspitzt gesagt).

    Risikominimierung ist es, was den größtmöglichen Erfolg für ein dauerhaft nüchternes Leben bietet. Nicht gewährleistet, denn letztendlich liegt es doch ganz allein in meiner Verantwortung, dafür zu sorgen, dass ich nie wieder Alkohol trinke. Und nie wieder beginnt mit jetzt, nie wieder ist in jeder Sekunde des Tages und nie wieder hört nicht mehr auf.

    Ich finde deine Entscheidung, nun nicht in den Urlaub zu fahren, eine sehr gute Entscheidung. Es ist eine Entscheidung für dich.
    Zeigt sie doch, dass du deine Nüchternheit ernst nimmst und dir ein stabiles nüchternes Leben aufbauen willst.
    Mit Zweifel im Gepäck verreisen zu wollen, ist wie mit unnötig viel Ballast wandern zu wollen. Ist möglich, ist aber gefährlich, schwer und verdirbt die Urlaubsfreuden.

    Im ersten Jahr ist ja erstmal alles neu. So viel wird das erste Mal ohne Alkohol erlebt. Da ist es doch viel sicherer, sich erstmal an diese vielen neuen nüchternen Situationen gewöhnen zu können.
    Nüchtern werden ist das Eine. Nüchtern bleiben etwas völlig anderes.

    Ich wünsche dir einen erholsamen Urlaub. Denn das ist es doch, was ein Urlaub bieten sollte. Ohne Stress, ohne Zweifel, ohne quälende Gedanken.

    Mein Einstieg ist ja nun etwas"schiefgelaufen", aber naja.

    Och, damit bist du lange nicht alleine., das konnten andere schon viel besser. :mrgreen:

    Viel wichtiger finde ich, das du bleibst.
    Denn ich lerne gern von den Erfahrungen der Anderen, gern auch aus ihren Fehlern. Vielleicht bleibt mir ja dadurch einiges erspart.

    ‚Disziplin‘ ist auch überhaupt nicht abwertend gemeint. Natürlich braucht es die im Leben.


    Arbeitest du ehrenamtlich oder beruflich beim Blauen Kreuz?


    Hallo Disziplin,

    herzlich Willkommen in unser Selbsthilfegruppe.

    Außerdem habe ich das Gefühl, dass das Wort "Disziplin " nicht gerne gehört wird. Ich lese immer gerne zwischen den Zeilen. Man wird ja mit den Jahren auch immer feinfühliger.

    Warum hast du das Gefühl, dass das nicht gerne gehört wird? Wenn das dein Weg ist und der für dich passt, ist das doch in Ordnung.
    Du heißt Disziplin. Dein Thread heißt Disziplin und du schreibst selbst, dass du u.a. mit Disziplin trocken geworden und geblieben bist. Das ist schon ganz viel Disziplin. Ohne Wertung.

    Mir geht es dann gut, wenn ich lese, dass Menschen ihre Sucht besiegen wollen. Das freut mich und da möchte ich helfen.

    Darüber bin ich gestolpert.
    Denkst du, dass die Sucht zu besiegen ist?

    Ich habe ganz viele Jahre versucht, mit ganz viel Disziplin die Sucht zu besiegen. Und glaube mir, wenn ich etwas wirklich will, ist mein 2. Vorname Disziplin. Ich bin trotzdem gescheitert. Immer wieder.
    Erst, als ich aufgehört habe, gegen die Sucht zu kämpfen, konnte ich mit dem Saufen aufhören. Ohne Kampf. Weil ich eingesehen und akzeptiert habe, dass ich Alkoholiker geworden bin und dass ich das auch für den Rest meines Lebens bleiben werde.
    Ich habe akzeptiert , dass die Sucht nie wieder weg geht, sondern lediglich mit absoluter Abstinenz zum Stillstand gebracht werden kann. Als Fakt. Nicht als Möglichkeit.

    Darf ich fragen, oder vielleicht habe ich es auch überlesen: Bist oder warst du auch in einer realen SHG?

    Hallo Eva,

    auch von mir noch ein herzliches Willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.

    Ich halte durch und freue mich auf ein alkoholfreies Leben.

    Wie verstehst du unter ‚durchhalten‘?

    Ich verbinde Nüchternsein gar nicht mit durchhalten. Nüchternsein zu können ist das Schönste und Wertvollste, was ich mir selbst schenken konnte. Und als solches empfinde ich mein nüchternes Leben …als Geschenk.

    Anfangs dachte ich, dass ein langer und schwerer Weg vor mir liegt. Aber mein Weg ist weder lang noch schwer, er ist da und ich gehe ihn. Jeden Tag ein Stückchen weiter und jeden Tag ein wenig selbstbewusster, sicherer und mit ganz viel Stolz und Liebe zu mir selbst.

    Diese Scham, die du auch empfindest, haben wohl so ziemlich alle hier gehabt.
    Mir hat es geholfen, mir bewusst zu machen, dass ich das Vergangene nicht mehr ändern kann. Ich kann aber heute und morgen und übermorgen gut zu mir sein. Und wenn es mir gut geht, spürt das auch mein Umfeld.
    Und: Die Alkoholsucht ist ein Krankheit. Sie hat weder was mit fehlender Willensstärke noch mit meinem Charakter zu tun. Ich bin krank…..nicht schwach oder willenlos oder ein schlechter Mensch.

    Die Alkoholsucht ist nicht heilbar, aber sie kann zum Stillstand gebracht werden … mit absoluter Abstinenz.

    Ich wünsche dir hier einen guten und hilfreichen Austausch.

    Danke, dass du von deinem Rückfall hier schreibst.
    Es ist gut, dass du direkt in die Klinik gegangen bist. So kannst du überwacht entgiften und neu durchstarten.

    Ich bin mir nicht sicher, wieviele solcher Chancen es geben kann. Mir ist das viel zu unsicher und ich bin sehr dankbar, dass ich den Ausgang aus der Suchtspirale einmal geschafft habe. Ich passe wirklich sehr gut auf mein nüchternes Leben auf.

    Rückfällig werden steht nicht auf dem Plan. Hast du deinen Rückfall mit eingeplant?

    Ich hoffe dadurch wieder so stabil zu werden, um das Ziel der dauerhaften Abstinenz doch noch zu erreichen.

    Wieder so stabil, um das Ziel der dauerhaften Abstinenz doch noch zu erreichen? :/
    Gab es schon mal Stabilität?

    Ich wünsche dir die Erkenntnis, dass es für einen Alkoholiker nur mit absoluter Abstinenz möglich ist zu leben. Jedes Glas Alkohol kann der Anfang vom Ende sein. Die Suchtspirale dreht sich immer nach unten. Immer. Und für das für jeden Alkoholiker, der nicht nüchtern wird und auch bleibt.
    Und ich wünsche dir, dass du genau das auch akzeptieren kannst.

    Einsicht in die Notwendigkeit, das ist es, was mich hat nüchtern werden und bleiben lassen.

    habe wieder Suchtdruck und stelle mir die Abstinenz in Frage...vor allem auf Dauer...

    Die Frage nach der Dauer stelle ich mir nicht.
    Ich bin Alkoholiker geworden und das werde ich auch immer bleiben. Und als solcher werde ich nur leben können, wenn ich absolut abstinent lebe. Ich habe nur noch die Wahl zwischen absoluter Abstinenz = leben und wieder saufen = elendig verrecken.
    Die Suchtspirale dreht sich immer nach unten. Du hast den Ausgang gefunden, das ist deine Chance auf Leben…..Du kannst sie nutzen ….oder eben nicht.
    Du bist auch Alkoholiker geworden. Warum sollte das bei dir anders sein als bei bei jedem anderen Alkoholiker?

    Vielleicht hilft es dir, in kleinen Schritten zu denken. ‚Heute trinke ich nicht‘. Viele ‚Heute‘ werden auch Wochen, Monate, Jahre…..


    Weil ich das Gefühl habe,es dauerhaft nicht durchhalten zu können..und weil mir die Wirkung vom Alkohol fehlt...

    Welche Wirkung genau vermisst du?
    Ehrlich, ich habe vom ersten nüchternen Tag an überhaupt nichts vermisst.
    Ich wollte nichts sehnlicher, als endlich nicht mehr saufen zu müssen. Ich hätte alles dafür gegeben, um endlich nüchtern leben zu dürfen.

    Dieses Forum hat mir gezeigt: Es ist möglich….dieses nüchterne Leben. Auch für mich. Und auch für dich.


    Dieses ‚Durchhalten‘ redet dir ja nur die Sucht ein.
    Bei mir ist das Nüchternsein kein Durchhalten. Mit der Akzeptanz, dass ich jetzt für immer Alkoholiker bleiben werde und dass die Alkoholsucht mit absoluter Abstinenz lediglich zu stoppen geht, nie zu heilen, hat sich in mir eine wunderbare Ruhe breit gemacht. Keinen Alkohol trinken wird auch dein ‚normal‘ werden können.
    Welche andere Krankheit geht denn schon mit ‚weglassen‘ zum Stillstand zu bringen? Bei diesem Gedanken fühle ich eine große Dankbarkeit in mir.

    Kannst du gar nichts Schönes empfinden, wenn du nüchtern durch den Tag gehst, ihn nüchtern beendest und morgens mit dem Gefühl aufwachst, dass heute ein neuer nüchterner Tag beginnt?

    Jetzt ist der Suchtdruck richtig gross.....das war unter der Woche immer die Zeit wo ich die Flasche aufgemacht habe zum Runterkommen, entspannen,belohnen

    Und jetzt ist das genau die Zeit, gut für dich zu sorgen.

    Zeiten füllen….das habe ich die ersten Wochen meines nüchternen Lebens mit Aufräumen gemacht. Im Außen aufräumen, sortieren, aussortieren, mich auf das konzentrieren, was ich von den vielen angehäuften Dingen wirklich noch brauche und (oder) noch haben möchte hat viel in meinem Inneren aufgeräumt, sortiert und aussortiert.
    Indem ich stundenlang damit beschäftigt war, jedes einzelne Teil in meiner Wohnung auf seinen Wert für mich zu prüfen, war der Kopf so beschäftigt, dass Gedanken an Alkohol kaum Chancen hatten.

    Abends war ich zufrieden über das Geschaffte, bin mit einem duftenden Schaumbad in die Badewanne gegangen oder habe es mir mit einem Eisbecher oder einem Kakao mit Sahne gemütlich gemacht.

    Ich habe mir bewusst gemacht, dass ich durch diese erste Zeit durch muss. Das ist jetzt so und das ist der Beginn vom Rest meines nüchternen Lebens.

    Es gibt keinen Alkohol mehr.
    Alkohol ist kein Seelentröster, kein Mittel zum Entspannen oder Vergessen…..Alkohol ist das Mittel, um mich in der Suchtspirale immer weiter runter zu ziehen und er bringt mich um. Und die einzige Alternative ist: Nüchtern bleiben, Ohne Ausnahme.

    Ich habe ganz viel hier gelesen. Und dabei habe ich verstanden, dass mein Leben nur noch ohne Alkohol funktionieren kann. Weil ich Alkoholiker geworden bin und das nicht mehr ändern kann. Das ist jetzt so.
    Akzeptieren, was ich nicht ändern kann….Und das ist: Ich bin Alkoholiker geworden. Und als solcher muss ich nüchtern bleiben, wenn ich leben will.

    Das ist auch ein Muster von mir, mit viel Anstrengung meine Ziele schnell erreichen zu wollen oder gemocht zu werden....

    Mit viel Anstrengung wird das nüscht, schnell schon mal gar nicht.

    Das Ziel ist ja die lebenslange Abstinenz. Und da ist nicht viel mit schnell, denn jeder einzelne Tag hat nun mal 24 Stunden.

    Für mich war es von Anfang an wichtig, dass ich mir meine Abstinenz in meinem Kopf schaffe, sie dort pflege und achtgebe, dass sie dort auch bleibt.
    Jeder nüchterne Tag ist ein gelebter Tag und mit jedem nüchternen Tag verzeiht der Körper die Vergangenheit ein bisschen mehr.

    Nüchternwerden und Nüchternbleiben ist ein Prozess.
    Der Körper muss sich von der jahrelangen Misshandlung erholen, die Seele muss sich wieder finden und die Gedanken müssen neu sortiert werden.

    Nimm dir Zeit….du hast sie, denn heute ist erst der Anfang vom Rest deines Lebens.

    Und gemocht werden musst du hier auch nicht.
    Das ist auch ein Vorteil einer Online-Selbsthilfegruppe, finde ich.
    Es ist völlig ausreichend, dass du dich magst. 😀

    Ich bewundere Deine 4 jährige Abstinenz und den Willen dazu

    Zu bewundern gibt es da nicht so viel. Aber ich muss auch sagen, dass ich anfangs auch aufgeschaut habe zu denen, die schon so lange nüchtern waren. Weil das ja auch völlig außerhalb meiner Vorstellungskraft lag, dieses nicht mehr trinken müssen.

    Mit dem Willen ist das so eine Sache. Wenn das Nüchternsein alleine mit dem Willen funktionieren würde, wäre ich schon viele Jahre eher nüchtern geworden. Glaub mir, ich wollte nichts mehr als nicht mehr saufen zu müssen. Und ich habe wirklich einen sehr starken Willen.
    Dass ich Alkoholiker geworden bin, wusste ich auch schon ganz lange. Ich wollte ja nicht mehr trinke und trotzdem musste ich trinken, ich konnte gar nicht anders.

    Ich lernte hier, dass die Alkoholsucht eine Krankheit ist, die zwar nicht heilbar ist, aber durch absolute Abstinenz zum Stillstand zu bringen geht. Das machte mir Mut. Als ich das akzeptieren konnte, dieses: Ich bin Alkoholiker und das werde ich auch immer bleiben und es gibt eine Möglichkeit, diese Sucht mit absoluter Abstinenz zu stoppen, konnte ich nüchtern werden.

    Da wie Du sagst viele Rückfaller aus dem Forum gehen, bleibt mir nur die Möglichkeit standhaft zu bleiben, um mich mit Dir und anderen weiterhin austauschen zu können.

    Naja, hier tauschen sich ja nur bekennende Alkoholiker aus, die eine lebenslange Abstinenz anstreben und dabei nüchtern ihren Weg gehen. Von den anderen lesen wir ja nix mehr hier, wenn sie sich nicht trauen, von ihrem Rückfall zu erzählen und verschwinden oder wenn sie den Ausgang aus der Suchtspirale nicht noch einmal finden.
    Ich würde das auch nicht als ‚standhaft bleiben‘ bezeichnen. Vielmehr ist es doch die Einsicht in die Notwendigkeit.
    Leben wollen und das geht für einen Alkoholiker (für jeden Alkoholiker) nun mal nur nüchtern oder trinken und damit ist die Chance auf Leben verbaut. Irgendwas dazwischen gibt es nicht. Das zu akzeptieren macht es mir leicht, meinen nüchternen Weg zu gehen.

    Mir haben anfangs hier diese ‚harten Ansagen‘ auch ziemlich zugesetzt. Ich habe oft gedacht: Ja, sach ma, wie redest du denn mit mir? …. Aber ich konnte das schnell sehr sachlich sehen. Mich kannte ja keiner, warum also sollte mich jemand persönlich angreifen?
    Dann las ich hier einen Satz, der mich noch heute begleitet: Da, wo es piekt, da geht es lang. Darüber nachzudenken lohnt sich wirklich.

    Wir sind hier eine Selbsthilfegruppe, ich verstehe das so: Hilf dir selbst.
    Es wird hier niemand sagen können: So und geht das nüchterne Leben. Was es hier aber gibt, sind Unmengen Erfahrungsberichte von Leuten, die ihren nüchternen Weg schon viele Jahre gehen. Mir daraus mitzunehmen, was für mich passt, hilft mir, meinen nüchternen Weg zufrieden gehen zu können.

    Hallo Biene,

    herzlich Willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.

    Vielleicht noch ein paar Worte zu meinem Trinkverhalten....ich trinke überwiegend Wein. Bier schmeckt mir nicht...und wenn ich anfange,unter der Woche abends am Wochenende manchmal schon ab 16.00Uhr ist eine Flasche Wein schnell leer,obwohl ich Sie mir immer einteilen möchte,es aber nicht kann...und das täglich...seit meiner Reha im Dezember 24 habe ich / konnte ich keine Trinkpause mehr einhalten....trotz wiederholter Vorsätze....wenn ich das so aufschreibe fühle ich grosse Scham ,finde es erbärmlich,dass es mir bisher nicht gelungen ist

    Das ist so ziemlich genau das, was ich vor fast 4 Jahren hier geschrieben habe.

    Kontrollverlust war das sicherste Zeichen gewesen, dass ich Alkoholiker geworden bin. Das war mir vollkommen klar. So oft ich mir auch ganz fest vorgenommen habe: Ab morgen trinkst du nichts mehr, so oft bin ich am nächsten Tag wieder mit Alkohol nach Hause gekommen und ich habe erst aufhören können zu trinken, als alles alle war (und das noch nicht mal immer, oft bin ich abends noch mal rüber zum Supermarkt….) oder ich ins Bett gefallen bin.

    Ich habe mich so sehr geschämt, dass ich mich getraut habe, irgendwem von meiner Sucht zu erzählen. Diese Scham hielt mich gefangen, viele Jahre lang.
    Hier las ich von so vielen Frauen, die auch Alkoholiker geworden sind. Da fiel so eine unglaubliche Last von mir, dass ich oft einfach da saß und geweint habe ….. Ich bin nicht die einzige Frau, die sich so weit in die Sucht gesoffen hat. Es gibt so viele. Und es gibt so viele, die jetzt nüchtern sind. Da wusste ich: Das schaffe ich auch.
    Ich konnte endlich akzeptieren, dass es jetzt ist wie es ist: Ich bin Alkoholiker und das werde ich bis an mein Lebensende bleiben.

    Es gibt zwar keinen Weg aus der Sucht raus, die Alkoholsucht ist nicht heilbar. Aber sie geht mit absoluter Abstinenz zum Stillstand zu bringen. Das war für mich auch eine ganz wichtige Erkenntnis. Das wusste ich ja gar nicht. Ich hatte mich schon damit abgefunden, dass ich für den Rest meines Lebens in meinem Lügengerüst weiter saufen muss.

    Ich habe hier alles gelesen und die Erfahrung der Anderen aufgesaugt als müsste ich sie in mir drin archivieren. Es gibt so viel hilfreiches hier.
    Hier findest du eine wahre Schatzkiste an Erfahrungen. Lies dich in Ruhe ein, nimm dir mit, was dir passend erscheint und hinterfrage ruhig, was unklar ist. So konnte ich meinen Weg finden.

    Ich wünsche dir einen guten und hilfreichen Austausch.

    Hallo Chewie,

    Herzlichen Glückwunsch zu nun schon über einen nüchternen Monat.


    Ich kann doch nicht davor Angst haben dass ich in ner woche wieder saufdruck bekomme Oder sich mein Hirn wieder meldet!? Ich muss für mich gut darauf vorbereitet sein und was dagegen tun können damit ich stark bleibe um die Abstinenz zu stärken.

    Das musst du auch gar nicht.
    Angst ist selten ein guter Ratgeber. Mit Angst im Nacken kannst du dich nicht genügend auf dein nüchternes Leben konzentrieren, weil sich deine Gedanken ständig im ‚ vielleicht‘ verlieren.

    Kennst du schon unseren Notfallkoffer?

    Das Forenteam
    27. August 2021 um 21:40

    Ich habe mir daraus rausgesucht, von dem ich denke, dass es mir im Notfall helfen könnte. Da schaue ich ab und zu mal rein. Gebraucht habe ich ihn noch nicht, aber es gibt mir ein Stückchen Gewissheit, dass er da ist und ich vertraue mir inzwischen auch soweit, dass ich mich an ihn erinnern werde , sollte ich ihn mal brauchen. Du kannst da auch gern dazulegen, was dir helfen könnte. So wurde unsere Sammlung immer größer und jeder kann sich draus bedienen.

    Mich mit mir und meiner Alkoholsucht auseinandersetzen, ist das Eine, mich mit mir und meinem nüchternen Leben auseinandersetzen das Andere. Klar, mein ‚Heute’ ist schon auch auf dem ‚Gestern’ aufgebaut, mein Nüchternsein auf die Sucht, aber ich gucke, dass ich im ‚Jetzt’ lebe. Denn nur das ‚jetzt‘ kann ich aktuell beeinflussen und wenn ich jetzt keinen Alkohol trinke, ergeben viele ‚jetzt‘ den Rest meines Lebens.

    Hier in den Erfahrungsberichten zu lesen ist eine großartige Möglichkeit, von den Stolpersteinen der Anderen zu lernen. Wie machen die das, wie gehen die an dies und jenes ran, wo haben andere Probleme, wie meistern sie diese….. Nicht gucken, was haben andere riskiert und was ging bei denen gut….das halte ich für den falschen Weg, die größtmögliche Risikominimierung für sich finden für den sichersten.

    Nicht alles passt für jeden, dafür sind die Menschen viel zu verschieden. Ich fände es auch ziemlich anstrengend, mir alles hier zu Eigen zu machen. Darum nehme ich mir mit, was mir für mich passend erscheint, lasse liegen, was nicht passt und schaue mir das Liegengelassene immer mal wieder an….einiges passt später dann doch ganz gut.