Beiträge von Stern

    Ich denke, dass ich mir als Alkoholiker nie zu sicher sein darf oder kann. Das Suchtgedächtnis wird ja immer da sein.

    Das ist so.

    Seit fast 2 Jahren trinkst du nun nicht mehr. Das ist schon ein sehr stolzer Anfang.
    Du schreibst von anderen SHG, wir sind ja auch eine SHG, besuchst du die regelmäßig?

    Strebst du eine lebenslange Abstinenz an?
    Dafür sind wir hier, um das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

    Hallo Bertabeige,

    herzlich Willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.

    Auf Alkohol zu verzichten fällt mir bisher nicht sonderlich schwer, ich weiß natürlich, dass sich sowas ganz schnell ändern kann.

    Ist keinen Alkohol trinken für dich Verzicht? Und wenn ja, wie macht dich das Verzichtsgefühl bei dir breit.

    Warum denkst du, dass sich das auch ganz schnell ändern kann?

    Hier tauschen sich bekennende Alkoholiker aus, die eine lebenslange Abstinenz anstreben.
    In diesem Forums steht die Alkoholsucht und das Leben mit ihr im Vordergrund.
    Da kann es schon auch schon zu einer Suchtverlagerung kommen. Das kenne ich von mir auch.


    Ich habe nur dieses Leben und ich mache ab jetzt das was mir gut tut und sich richtig für mich anfühlt. Ich muss niemandem gefallen, es allen recht machen und es muss mir egal sein, was andere von mir denken. Ich lerne immer noch und werde das auch mein restliches Leben tun. Mein Weg geht weiter, so wie es sich für mich richtig und wichtig anfühlt. Ich brauche in erster Linie mich und das gesund und glücklich, nüchtern und klar.

    👍🏻

    Das könnte ich geschrieben haben. 😀

    Und mir gehts damit super.

    lediglich Flaschen zähle ich noch und dokumentiere- aus Angst, dass mir niemand glauben würde wenn die Trennung kommt..

    Warum denkst du, dass es dir so wichtig ist, ob dir irgendwer glaubt?


    Wichtig ist doch nur, dass du dir und deinen Wahrnehmungen glaubst und dass du deinen Kindern die Chance gibst, an sich und an ihren Wahrnehmungen zu glauben.

    Darunter leider auch, dass mir mein Sohn vorwerfen könnte, dass er sein zu Hause verliert, dass er nicht in einer Wohnung sein will, ohne seinen Garten, ohne seine Haustiere.

    Dein Sohn ist 7.
    Ich fürchte, er könnte dir mit 17 viel viel schwerwiegende Dinge vorwerfen.

    Ich WILL was ändern, aber das einzige was für mich zählt, ist dass es meinen Kindern gut geht und ich habe aktuell die Angst, dass es "nur mir nicht gut geht" und sie das alles gar nicht so empfinden wie ich und ich voreilig falsche Entscheidungen treffe.

    Glaubst du wirklich, dass deine Kinder nicht mitbekommen, was da bei euch los ist?

    Kinder haben so feine Antennen, denen entgeht nichts. Und das, was sie nicht verstehen, weil es vertuscht wird und damit für sie weggeredet wird, macht unsicher und das macht Angst….. und diese Unsicherheit und diese Angst bleibt bei so Vielen ein Leben lang. Das prägt. Das macht so unsicher, dass die Kleinen noch gar keinen Wortschatz dafür haben und die Worte in dieser Situation verharrend auch nicht lernen können. Für die ist das der Normalzustand und das Einzige, was sie daraus lernen ist, dass man aushalten muss….irgendwie.
    Da sind Haus, Garten und Haustiere aus der Kindheit leider keine wirkliche Hilfe.

    Ich lese hier bei so Vielen, dass genau dieses ‚aushalten‘ in der Kindheit, dieses sich nicht mitteilen können, diese Unsicherheit und diese Ängste aus Kindertagen auch im Erwachsenenalter ständige Begleiter sind. Keine schönen Begleiter, denn sie machen das Leben um so viel schwerer als ein fehlendes Haus, Garten und Haustiere.

    Wie soll ein Erwachsener erkennen, warum sein Leben so schwer ist, wenn ihm diese in der Kindheit aufgebürdete Last als das Normalste der Welt vermittelt wird, sogar noch als ‚Gewinn‘ präsentiert wird, weil es ja auch ein Haus, einen Garten und Haustiere gibt….. ?

    Ich bin ehrlich gesagt immer erschrocken und zutiefst betroffen, dass wirklich angenommen werden kann, dass es Kindern in einem Säuferhaushalt gut gehen könne und die da unbeschadet in ein Erwachsenleben starten könnten.

    Herzlichen Glückwunsch zu 500 Tagen Freiheit.

    und dann habe ich mich auch gleich wieder aufgeregt. warum? les ich doch in der zeitung einen kommentar zum dry january und der kommentator hat sich beschwert, dass die abstinenten ihre abstinenz so stolz vor sich hertragen würden. zum leben gehöre doch auch genuss und -das war gemeint- dazu gehöre doch wohl auch guter wein. deshalb sollten die trockenen doch leise sein und nicht so angeben.

    Ich finde ja, dass sich das Aufregen da ja gar nicht lohnt.
    Und ich finde auch, dass die Trockenen lauter werden und noch mehr angeben dürfen. Weil sie nämlich etwas ganz großes leisten.

    Auf diese Frage kann ich nicht antworten weil ich meinem Motorrad versprochen habe das ich hier nicht über es schreibe. Es ist da eigen. ;)

    Das finde ich auch sehr gut so, denn wir sind ein Alkoholikerforum und da geht es hauptsächlich um die Alkoholsucht, den Umgang damit und wie es gelingt, dauerhaft nüchtern zu bleiben. Das ist das Ziel.

    In einem Motorradforum kann es dann gern um Motorräder gehen.

    ich habe es geschafft, dem Alkohol zu widerstehen. Aber es war ein Kampf,

    Wogegen oder wofür kämpfst du?


    Egal, was passiert, Es gibt keinen Alkohol.
    Weil er ja überhaupt nix an der Situation ändern kann.
    Die einzige Veränderung wäre: Ich wäre nicht mehr nüchtern. Mein alkoholfreies Leben wäre kein alkoholfreies Leben mehr. Eine Katastrophe.

    Ein alkoholfreies Leben ist es aber , was ich haben will, für immer. Das ist das, was ich will. Und weil ich Alkoholiker bin und meine Alkoholsucht lediglich zum Stillstand bringen konnte, kommt Alkohol nicht infrage, egal, was passiert.
    Ein Glas und ich wäre wieder drin in dieser Suchtspirale. Ich bin sicher, dass ich den Ausgang nicht noch mal finden würde. Denn die Suchtspirale dreht sich immer schneller ….und immer nur nach unten.

    Gegen den Alkohol kann kein Alkoholiker gewinnen. Ich nicht und du auch nicht. Niemand. Kämpfen ist vergebliche und kräftezehrende Mühe.

    Das zu akzeptieren macht es mir möglich, mit meiner Alkoholsucht zu leben und gar nicht erst im Alkohol eine Lösungen zu suchen. Weil es im Alkohol keine Lösung gibt.

    Ich kann, wie jeder andere Alkoholiker auch, meine Alkoholsucht nur stoppen. Und zwar genau so lange, wie ich keinen Alkohol trinke. Es gibt keine Heilung.

    Ich will das trennen. Alkohol und Abstinenz. Alkohol steht im Hintergrund und hat seinen Stellenwert verloren. Dafür ist die Abstinenz ganz nach vorne gerückt.

    Hoffe das ist jetzt keine Denkfehler??? Frage an die alten Hasen mit ihrer Erfahrung.

    Ich bin zwar kein alter Hase, zumindest nicht in meinen nüchternen Leben, aber mein Weg hat mich gelehrt, dass Alkohol und Abstinenz für mich ganz eng zusammengehören. Und wenn ich mich hier täglich anmelde, ist da ganz automatisch eine direkte Verbindung Alkohol -meine Abstinenz.

    Den Alkohol aus meinem Leben verbannen heißt für mich auf gar keinen Fall, den Alkohol aus meinen Gedanken zu verbannen.
    Ich finde es wichtig, also, ich für mich, dass meine Abstinenz nicht losgelöst vom Alkohol gesehen wird.

    KaDett Mir kommt gerade so ein Gedanke….Lass ihn liegen, wenn der nix zum Nachdenken für dich ist.

    Ich habe mich so unglaublich schwer damit getan, mit dem Saufen aufzuhören. Ich hatte jede Menge kleiner Trinkpausen voller Hoffnung und wollte da auch immer irgendwie so gar nicht an Alkohol denken. Ich wollte das Thema nicht an mich rankassen….weg damit, will ich nicht….Abstinenz ja, dabei an Alkohol(sucht) denken nein.

    Als ich akzeptiert habe, dass die Alkoholsucht jetzt immer zu mir gehören wird, habe ich auch aufgehört, mich dagegen zu wehren, an Alkohol zu denken.
    Heute sind die Gedanken an Alkohol völlig anders als vor 3 Jahren und fast 8 Monaten, aber sie sind da. Und das hilft mir, nicht wieder da hin zu kommen, wo ich mal war.

    dann lösch das bitte

    Habe ich schon erledigt.

    Es hat sich bewährt, erstmal komplett bei sich zu bleiben. Du hast dich ja auch für dich hier angemeldet.

    Natürlich können wir auch einander unterstützen, aber ich persönlich habe erstmal durch viel hier im Forum lesen und bei mir schreiben sehr viel über mich und auch über die Alkoholsucht gelernt. Das hat mir auf meinem Weg sehr geholfen.

    Nun ist deine ‚Ausgangsposition‘ hier eine ganz andere. Ich bin Alkoholiker, du die Mutter eines Alkoholikers.
    Was uns aber gemeinsam ist: Jeder kann nur für sich ins Handeln kommen.

    Hallo Foxy,

    Auch von mir ein herzliches Willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.

    Ich wünsche dir, dass du viel aus den Beiträgen von anderen Betroffenen für dich mitnehmen kannst.

    Vielleicht hast du das ja oben überlesen: Bitte schreibe die ersten 4 Wochen nicht im Vorstellungsbereich.
    Der Eigentliche Austausch findet erst in den offenen Bereiches dieses Forums statt.

    Hallo Matcha,

    auch von mich ein herzliches Willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.

    Es erstaunt mich immer wieder, wie ähnlich das Leben mit der Alkoholabhängigkeit doch ist. Fast gleichen sich die ‚Geschichten‘ und die gleichen Gedanken bei so vielen. Mich eingeschlossen.

    Meinen 5. Versuch möchte ich mit "lebenslang" erfolgreich fortführen

    Meine Versuche scheiterten allesamt. Es waren ja auch nur Versuche. Völlig ernst gemeint und so sehr gewünscht. Immer die Verzweiflung im Nacken, immer die Hoffnung im Kopf. Diesmal schaffe ich es. Diesmal muss ich es einfach schaffen.
    Ich habe es nie geschafft. Es waren ja auch nur Versuche.

    Dass ich Alkoholiker geworden bin, wusste ich schon lange. Nur akzeptieren konnte ich das nicht. Also, so für mich ganz alleine. Weil ….Alkoholiker sind doch die Anderen ….die, die keine Arbeit haben, vielleicht auch keine Wohnung ….die, sie schon am Tage mit der Flasche am Supermarkt stehen ….nee, das bin ich nicht …..


    Ich musste für mich akzeptieren, dass ich genau das bin. Nicht besser, nicht schlechter, nicht anders. Alkoholiker. Krank. Das ist jetzt so ….und dann musste ich gucken, wie ich damit leben kann. Weil ohne die Sucht leben wird nie wieder funktionieren. Fakt. Nicht mehr zu ändern.
    Die Alkoholsucht geht ja nie wieder weg. Sie geht mit Abstinenz zu stoppen, aber sie ist nicht heilbar. Ich werde für immer Alkoholiker bleiben. Du auch.
    Jeder Alkoholiker wird für immer Alkoholiker bleiben. Und jeder Alkoholiker kann seine Sucht genau so lange zum Stillstand bringen, wie er keinen Alkohol trinkt. Auch Fakt.

    Was ich hier durch das Lesen im Forum schon gelernt habe ist, dass es ein lebenslanger Prozess ist und ich immer wieder in Versuchung geraten werde.

    Es ist ein lebenslanger Prozess, aber es wird ein Prozess werden, der auch liebgewonne Gewohnheit wird. Das Denken verändert sich ja. Vieles, wovor ich anfangs so Angst hatte, sehe ich heute gar nicht mehr.
    Ich bin nicht sicher, ob man immer in Versuchung raten kann. Natürlich ‚lauert‘ die Versuchung überall, aber ist es nicht auch so, dass das Wort ‚Versuchung‘ erstmal nur in meinem Kopf ist. Und mein Kopf ist es auch, in dem meine Nüchternheit fest verankert ist. Mein Kopf ist unabhängig von meiner Umgebung immer bei mir.

    Erstmal tut der Alkohol mir ja nix. Ich will ihn nicht zu Hause haben, denn da habe ich immer gesoffen und das ist jetzt mein alkoholfreier Ort. Darauf habe ich Einfluss.

    Das macht mir Sorgen, dieses "lebenslang".

    Für mich hat dieses ‚lebenslang‘ seinen Scnrecken verloren, als ich akzeptiert habe, dass ich lebenslang Alkoholiker bleiben werde.

    Ich habe mich in die Alkoholsucht gesoffen. Und das werde ich nie wieder los. Auch nüchtern bin ich für immer Alkoholiker. Lebenslang. Du auch.

    Ich schäme mich so sehr, ich möchte keine Säuferin mehr sein und es soll niemand wissen, dass ich das war.

    Du glaubst gar nicht, wie sehr ich mich geschämt habe. Und das hat mich jahrelang so sehr daran gehindert, da mal etwas genauer hinzugucken und mich jemandem anzuvertrauen.
    Ich habe mich so geschämt, dass ich mich nicht mal mehr im Spiegel angucken konnte.
    Ganz sicher bin ich die einzige Frau auf dieser großen Welt, die sich so schlimm in die Sucht gesoffen hat, dass ich nie ein Ende fand. Ich habe oft kaum den Feierabend abwarten können, um endlich saufen zu können. Es war eso furchtbar, dass alleine schon der Gedanken mir die Tränen in die Augen treibt.

    Ich halte meine Sucht auch sehr geheim, der Kreis derer, die das wissen, ist sehr sehr eng gesteckt. Das mag durchaus auch nach über drei einhalb Jahren noch Scham sein, aber vielmehr noch ist es mein persönlicher Schutz.

    Wichtig für mich ist, dass ich wieder gern in den Spiegel schaue und mich vor mir selbst nicht mehr schäme.
    Das wünsche ich dir auch.

    Es heißt nur im Forum überall, dass man viel lesen und schreiben soll, und das helfen kann sich zu festigen. Außerhalb diesem Forum tausche ich mich mit niemandem darüber aus. Also dachte ich, ok ich wage es und mache das so.

    Alles, was dir hilft, nüchtern zu bleiben, ist absolut richtig. Da gibt es auch überhaupt kein ‚lächerlich‘.

    Ich tausche mich außerhalb des Forums auch mit niemandem über meine Sucht aus. Um so wichtiger ist es doch, hier alles aufschreiben zu können.
    Ich bin doch für mich hier.

    Nicht immer kann ich aus allem, was mir geschrieben wird, auch direkt was für mich gewinnen. Muss ich ja aber auch nicht, wichtig ist für mich manchmal auch nur, nicht nur stur in meine ‚festgesetzte‘ Richtung zu denken, sondern auch immer offen zu sein für andere Sichtweisen.

    Mit dem Schreiben sortiere ich mich gleichzeitig und mein Kopf bleibt frei. Auch mich zu reflektieren gelingt mir besser wenn ich vorher alles aufschreibe und ggf. wenn nötig nochmal nachlesen kann.

    Das habe ich auch bei mir so festgestellt: Beim Schreiben sortieren sich die Gedanken. Das ist gerade am Anfang so wertvoll für meinen Weg gewesen.

    Lass dich nicht ausbremsen. Das ist dein Weg und wenn sich da die Gedanken auch mal überschlagen, dann ist es doch trotzdem dein Weg.


    Ich fahre überall selbst hin. Immer.
    So bewahre ich mir meine Freiheit, jederzeit wieder nach Hause fahren zu können.
    Alleine die Vorstellung, ich müsse irgendwo bleiben, wo ich nicht bleiben will oder wo mich irgendwann nicht wohl fühlen könnte, ist für mich ganz schön schlimm. In so eine Situation will ich mich nicht bringen.

    Hallo Misslilly,

    herzlich Willkommen hier in der Selbsthilfegruppe.

    Es ist im Moment schwer für mich. Und Aktzeptanz ist wahrscheinlich ein langer Weg.

    Für mich war die Akzeptanz, ab dem Tag meiner Anmeldung hier gesehen, gar nicht so ein langer Weg.

    Hier durfte ich so viel über die Alkoholsucht lernen und in den Erfahrungsberichten derer lesen, die schon länger nüchtern sind.
    Das erste, und für mich wichtigste, war die Tatsache: Die Alkoholsucht ist nicht heilbar. Es ist möglich, sie durch Abstinenz zum Stillstand zu bringen, aber der nächste Schluck Alkohol macht dem Stillstand direkt wieder ein Ende.
    Es gibt einen Ausstieg aus der Suchtspirale - für jeden -, aber es gibt keinen Ausstieg aus der Sucht - für niemanden-.

    Das habe ich verstanden und für mich akzeptiert, dass ich jetzt für immer Alkoholiker bleiben werde und wenn ich leben will, funktioniert das nur nüchtern. Fakt, gibt nix dran zu rütteln. Kein ‚ab und zu’, kein ‚nur heute‘ …nie wieder.

    Für manche ist ‚nie wieder‘ zu lang, und sie bleiben ‚Tag für Tag‘ nüchtern. Nur heute, oder nur die nächste Stunde.
    Für mich ist ‚nie wieder‘ genau das, was mir deutlich gemacht hat, dass ich die Sucht eben nur solange zum Stillstand bringen kann, wie ich eben keinen Alkohol trinke. Und wenn ich meine Alkoholsucht für immer zum Stillstand bringen will, ist ‚für immer‘ gar nicht so lang.

    Ich wünsche dir hier einen guten und hilfreichen Austausch.

    Mein Ziel Nüchternheit als Lebenseinstellung - wie geht das denn überhaupt? Habe nicht den blassesten Schimmer. Habe nicht mal einen Hauch einer Idee. Jedenfalls muss es von innen kommen. Das steht fest.


    So kam ich hier vor über 3,5 Jahren an.
    Ich hatte von nix Ahnung…und davon reichlich.

    Ich habe hier stundenlang gelesen, ich habe gestaunt, ich habe geweint, ich habe viel über die Alkoholsucht gelernt, und ich war unsicher.
    Aber ich war nie unsicher in meinem Plan: Ich werde für den Rest meines Lebens keinen einzigen Schluck Alkohol mehr trinken.

    Ich wusste nicht mal, ob das für mich überhaupt möglich ist und ich wusste schon mal gar nicht, wie das funktionieren soll.
    Aber ich wusste: Ich mache das jetzt. Weil ich mich sonst zu Tode saufe. Ich bin losgelaufen…ohne zu wissen wohin.

    Ich habe mir viele Jahre so sehr gewünscht, dass mir mal ein Arzt sagt: Frau Stern, das ist das haben Sie jetzt. Und das kommt vom Saufen. Einzige Chance, das zu überleben ist die absolute Abstinenz.
    Denn ich habe ja trotz allem irgendwie an meinem Leben gehangen.

    Ich weiß nicht, ob ich dann den Absprung eher geschafft hätte. Und ich bin dankbar, dass mir nie ein Arzt sowas sagen musste.
    Denn letztendlich wusste ich doch auch so, dass ich das Saufen nicht mehr lange ‚durchhalte‘. Ich habe das nur nie so direkt auch so gedacht.


    Das Wort Lebenseinstellung ist nicht umsonst zu mir gekommen. Das ist ein Hinweis. Daran muss ich arbeiten. Das mache ich. Und solange werde ich keinen Alk trinken. Von mir aus auch mit Gewalt und Wille. Aber wenn ich die richtige Lebenseinstellung habe, dann habe ich’s geschafft. Dann bleibe ich nämlich für immer nüchtern. So! Von wegen gedanklich schon im Rückfall

    Lebenseinstellung.
    Das ist ein großes Wort.

    Und natürlich klingt das total schön: Meine Lebenseinstellung ist es, mein nüchternes Leben zu genießen.
    Aber ist es nicht vielmehr so, dass diese Einstellung zum Leben erst mit dem Nüchternsein kommt und auch erst dann sichtbar wird?
    So war das jedenfalls bei mir. Ich war ein nervliches Wrack, als ich mich hier angemeldet habe. Von einem schönen nüchternen Leben träumen habe ich mich gar nicht getraut. Ich wollte einfach nur, dass ich nicht mehr saufen muss.

    Was das Leben alles so Schönes zu bieten hat, habe ich erst gesehen, als ich nüchtern war. Auch, oder vielleicht auch gerade deshalb, weil ich hingeschaut habe. Weil ich jeden Tag etwas schönes für mich eingebaut habe. Weil ich jeden Tag hier gelesen und geschrieben habe. Weil ich Veränderungen an mir und vor allem in mir bewusst wahrgenommen habe und dafür dankbar sein konnte.
    Ich habe diese Erleichterung, endlich nicht mehr saufen zu müssen, so sehr in mir gespürt, dass ich ganz oft abends im Bett einen Weinkrampf bekam…noch immer ist dieses Gefühl da und noch immer kommen mir die Tränen der Erleichterung, der Dankbarkeit.

    Mich umgibt nicht nur schönes. Sogar auch viel Leid, dass würde ich sonst gar nicht schaffen. Es gibt Tage da wird von allen Seiten an mir gezerrt.

    Was denkst du, wie vielen Menschen es vergönnt ist, genau das alles nicht zu ihrem Alltag zählen zu müssen?

    Was genau meinst du mit ,das würde ich sonst nicht schaffen‘?


    Du kämpfst einen Kampf, den du nicht gewinnen kannst.

    Ich habe jahrelang gegen meine Alkoholsucht gekämpft.
    Als ich verstanden habe, dass ich für immer Alkoholiker bleiben werde und die Alkoholsucht lediglich zum Stillstand gebracht werden kann, aber niemals wieder weg geht, habe ich aufhört zu kämpfen. Ich habe mir klar gemacht, dass das jetzt so ist…und dass das jetzt auch für immer so bleiben wird. Ich werde nie wieder in meinem Leben ohne Sucht leben….aber es die Option, mit der Sucht zu leben.

    Und wenn ich leben will, nicht wieder nur in einem Geflecht aus Lügen vor mich hinvegetieren will, dann muss ich nüchtern sein. (Übrigens so ziemlich das einzige ‚muss‘ in meinem Leben)

    Ich kann froh sein, dass ich noch lebe.

    Ich bin froh, dass ich noch lebe.

    Finde den Unterschied. ;)

    Heute kann ich ganz bewusst gestalten, ich bin klar im Kopf und nüchtern.

    Es ist ja immer nur der Moment, der gerade bewusst gestaltet werden kann.
    Klar plane ich auch ein ‚morgen‘ und habe eine Vorstellung davon, wie das weitere Leben gern sein darf, aber bewusst gestalten kann ich nur den Moment.

    Vergangenes loslassen, die Zukunft kommen lassen und im Moment leben, das ist etwas, was mir noch nicht immer ganz gelingt, aber, wenn es mir gelingt, spüre ich eine ganz tiefe zufriedene Wärme in mir.

    Ich glaube, so bewusst wie heute habe ich vor meiner Sucht nicht gelebt.
    Im Jetzt zu bleiben hat mir sehr geholfen, mich mit meiner Vergangenheit zu versöhnen. Die Vergangenheit ‚hinter mir lassen’ sind dabei nicht die richtigen Worte, denn auch meine Vergangenheit nehme ich ja mit ins ‚Heute‘, ich bin ja kein anderer Mensch geworden.

    Alkoholsucht ist wohl nicht so ein großes Thema im Studium eines angehenden Mediziners.
    Mich wundert das schon, denn es ist ja wirklich eine sehr verbreitete Krankheit.


    Ich musste ja mal zur MPU. Ein wirklich ganz dunkles Kapitel in meinem Leben und trotzdem noch lange nicht mein persönlicher Tiefpunkt gewesen.


    Da war ich sehr ehrlich, was meine Trinkmengen angeht. Einfach, weil mir klar war, dass der Gutachter meine Promillezahl vor sich liegen hatte, mit der ich noch ins Auto gekommen bin und über eine Stunde durch die Gegend gefahren bin. Ich hatte Angst, wenn der mich beim Lügen erwischt, bekomme ich meinen Führerschein nie wieder zurück.
    Der Gutachter empfahl mir dann in seinem Schlusssatz ‚kontrolliertes Trinken‘….damit bekomme ich ‚mein Alkoholproblem ‘ in den Griff.
    Ich habe ihm das geglaubt, er hat sein Fachgebiet schließlich studiert, und ich verstand überhaupt nicht, warum das bei mir nicht funktioniert. Ich habe das ja schon zu Genüge erfolglos probiert. Habe mich aber auch nicht getraut zu fragen.
    Ich nickte brav und hoffte auf ein positives Gutachten.

    Das mit dem ‚mein Alkoholproblem mit kontrolliertem Trinken in den Griff bekommen’, habe ich genau so auch schriftlich bekommen.
    Für die Führerscheinstelle, der das Gutachten ja auch vorlag, war das ja dann auch in Ordnung so.

    Es ist gut und richtig, dass kontrolliertes Trinken hier nicht diskutiert wird. Es funktioniert nicht und ist schon in der Wortwahl ein Widerspruch in sich.

    Wer nicht mit Kontrollverlust säuft, muss sich auch keine Gedanken darüber machen, wie er seinen Alkoholkonsum kontrollieren kann.