Hallo Matcha,
auch von mich ein herzliches Willkommen in unserer Selbsthilfegruppe.
Es erstaunt mich immer wieder, wie ähnlich das Leben mit der Alkoholabhängigkeit doch ist. Fast gleichen sich die ‚Geschichten‘ und die gleichen Gedanken bei so vielen. Mich eingeschlossen.
Meinen 5. Versuch möchte ich mit "lebenslang" erfolgreich fortführen
Meine Versuche scheiterten allesamt. Es waren ja auch nur Versuche. Völlig ernst gemeint und so sehr gewünscht. Immer die Verzweiflung im Nacken, immer die Hoffnung im Kopf. Diesmal schaffe ich es. Diesmal muss ich es einfach schaffen.
Ich habe es nie geschafft. Es waren ja auch nur Versuche.
Dass ich Alkoholiker geworden bin, wusste ich schon lange. Nur akzeptieren konnte ich das nicht. Also, so für mich ganz alleine. Weil ….Alkoholiker sind doch die Anderen ….die, die keine Arbeit haben, vielleicht auch keine Wohnung ….die, sie schon am Tage mit der Flasche am Supermarkt stehen ….nee, das bin ich nicht …..
Ich musste für mich akzeptieren, dass ich genau das bin. Nicht besser, nicht schlechter, nicht anders. Alkoholiker. Krank. Das ist jetzt so ….und dann musste ich gucken, wie ich damit leben kann. Weil ohne die Sucht leben wird nie wieder funktionieren. Fakt. Nicht mehr zu ändern.
Die Alkoholsucht geht ja nie wieder weg. Sie geht mit Abstinenz zu stoppen, aber sie ist nicht heilbar. Ich werde für immer Alkoholiker bleiben. Du auch.
Jeder Alkoholiker wird für immer Alkoholiker bleiben. Und jeder Alkoholiker kann seine Sucht genau so lange zum Stillstand bringen, wie er keinen Alkohol trinkt. Auch Fakt.
Was ich hier durch das Lesen im Forum schon gelernt habe ist, dass es ein lebenslanger Prozess ist und ich immer wieder in Versuchung geraten werde.
Es ist ein lebenslanger Prozess, aber es wird ein Prozess werden, der auch liebgewonne Gewohnheit wird. Das Denken verändert sich ja. Vieles, wovor ich anfangs so Angst hatte, sehe ich heute gar nicht mehr.
Ich bin nicht sicher, ob man immer in Versuchung raten kann. Natürlich ‚lauert‘ die Versuchung überall, aber ist es nicht auch so, dass das Wort ‚Versuchung‘ erstmal nur in meinem Kopf ist. Und mein Kopf ist es auch, in dem meine Nüchternheit fest verankert ist. Mein Kopf ist unabhängig von meiner Umgebung immer bei mir.
Erstmal tut der Alkohol mir ja nix. Ich will ihn nicht zu Hause haben, denn da habe ich immer gesoffen und das ist jetzt mein alkoholfreier Ort. Darauf habe ich Einfluss.
Das macht mir Sorgen, dieses "lebenslang".
Für mich hat dieses ‚lebenslang‘ seinen Scnrecken verloren, als ich akzeptiert habe, dass ich lebenslang Alkoholiker bleiben werde.
Ich habe mich in die Alkoholsucht gesoffen. Und das werde ich nie wieder los. Auch nüchtern bin ich für immer Alkoholiker. Lebenslang. Du auch.
Ich schäme mich so sehr, ich möchte keine Säuferin mehr sein und es soll niemand wissen, dass ich das war.
Du glaubst gar nicht, wie sehr ich mich geschämt habe. Und das hat mich jahrelang so sehr daran gehindert, da mal etwas genauer hinzugucken und mich jemandem anzuvertrauen.
Ich habe mich so geschämt, dass ich mich nicht mal mehr im Spiegel angucken konnte.
Ganz sicher bin ich die einzige Frau auf dieser großen Welt, die sich so schlimm in die Sucht gesoffen hat, dass ich nie ein Ende fand. Ich habe oft kaum den Feierabend abwarten können, um endlich saufen zu können. Es war eso furchtbar, dass alleine schon der Gedanken mir die Tränen in die Augen treibt.
Ich halte meine Sucht auch sehr geheim, der Kreis derer, die das wissen, ist sehr sehr eng gesteckt. Das mag durchaus auch nach über drei einhalb Jahren noch Scham sein, aber vielmehr noch ist es mein persönlicher Schutz.
Wichtig für mich ist, dass ich wieder gern in den Spiegel schaue und mich vor mir selbst nicht mehr schäme.
Das wünsche ich dir auch.