Zuerst möchte ich dir heute sagen, dass ich es super finde, dass du so für dich kämpfst. Das ist ganz große Klasse.
Ich will aber unbedingt trocken bleiben. Auch wenn es nur für mich ist. (was nicht ganz stimmt, denn ich bin die einzige, die momentan arbeitet- und wenn ich wieder trinken würde, würde ich das und meine Gesundheit riskieren- aber das wird halt nicht so gesehen). Mir ist aber meine Familie auch extrem wichtig. Was kann ich tun, um mir Unterstützung einzufordern? Sie müssen ja nicht permanent irgendwas für mich tun oder für mich da sein. Aber was kann ich tun, damit sie es mir halt nicht immer noch schwerer machen?
Dauerhaft nüchtern werden funktioniert nur, wenn es für einen selbst ist.
Natürlich profitiert das Umfeld auch davon, aber in Bezug auf meine Sucht bin ich mir erstmal am nächsten.
Unterstützung einfordern finde ich schwierig. Du kannst bitten….aber wenn deiner Familie ihr eigenes Handeln wichtiger ist als dich zu unterstützen, wirst du da gar nix erreichen.
Es ist schwer, einem Nichtsüchtigen zu erklären, was die Sucht mit einem macht. Ich persönlich habe meine Ansprechpartner zu diesem Thema (fast) ausschließlich hier. Einfach, weil meine Angehörigen das ganze Ausmaß meiner Alkoholabhängigkeit gar nicht fassen können. Das hat gar nix damit zu tun, dass sie es nicht wollen oder ich ihnen nicht wichtig genug bin. Sie können es einfach nicht.
Vielleicht hätte ich da energischer meine Position vertreten können. Habe ich aber nicht. Weil ich der Meinung bin, dass es nichts an meiner Nüchternheit ändern würde.
Ich habe mir meine alkoholfreie Zone in meinem Kopf geschaffen. Ich bin Alkoholiker und das werde ich immer bleiben. Das bleibe ich, egal, was die Leute um mich herum machen oder was sie trinken. Es ändert nix an der Tatsche, dass es für mich keinen Alkohol gibt. Weil ich nur nüchtern leben kann.
Ich weiß auch, dass ich nicht noch einmal den Mut aufbringen kann, um nach einen Rückfall noch einmal nüchtern werden zu können. Das muss jetzt klappen oder ich werde mich tot saufen. Das ist in meinem Kopf drin und da diskutiere ich auch nicht. Ich mache meine Nüchternheit nicht von anderen abhängig.
Und ich bin jemand, der ohnehin Mühe hat, seine Bedürfnisse überhaupt wahrzunehmen. Sie dann noch zu äussern, fällt mir sehr schwer. Ich denke oft, dass ich es auch nicht wert bin oder egoistisch bin, wenn ich es trotzdem mache. Vor allem, wenn die anderen wie jetzt krank sind. Dann sollte ich Rücksicht auf sie nehmen und nicht umgekehrt.
Du hast erkannt, dass du Alkoholiker geworden bist. Und du willst unbedingt nüchtern bleiben. Ich finde, damit hast du ganz schön viel Bedürfniss wahrgenommen.
Du hast mit deiner Familie gesprochen und du hast dich hier geöffnet. Du hast hier schon so viele Bedürfnisse wahrgenommen und aufgeschrieben. Lies noch mal nach. 😀
Wenn du es dir nicht wert bist, wer sonst sollte das denn für dich übernehmen?
Und was ist schlimm daran, auch mal egoistisch zu sein? Ich finde einen gesunden Egoismus super wichtig. Mit dem Nüchternwerden habe ich meinen Egoismus kennen- und liebengelernt. Er hilft mir, meine Nüchternheit an oberste Stelle zu setzen und sie da oben auch zu halten. Ich habe gelernt, dass ich in erster Linie für mich auf dieser Welt bin.
Die anderen mögen krank sein. Du bist es auch. Die Alkoholsucht ist eine Krankheit, die dich bis an dein Lebensende begleiten wird. Du darfst genauso Rücksicht nicht nehmen wie deine Angehörigen das für sich auch beanspruchen.
Ehrlich, und wenn ich nur mit ganz viel Egoismus nüchtern bleiben könnte….ich wäre der egoistischste Mensch auf der ganzen Welt. Das bin ich mir wert.